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Nr.257.37.Jahrg.

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Der Borwärts" mit der Sonntags­beilage ,, Bolt u. Zeit erscheint wochen­täglich zweimal Sonntags einmal

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Serniprecher: Amt Morisvlas, Nr. 15190-15197.

Donnerstag, den 20. Mai 1920

Fort mit den Schwarzen!

gebrauchte Verwendung farbiger Truppen ein Gefährliches, so ist in Deutschland gegenüber einer friedlichen Bevölkerun er die Verwendung schwarzer Truppen fest nach Friedensschluß hier brechen.( Lebhafte Zustimmung.) Es ist

ein seelischer Fußtritt,

Die Nationalversammlung beschäftigt sich heute mit den Ben Europa ein Vergehen an Gesamteuropa ist.( Lebhafte zu­Ausschreitungen des französischen Militarismus, ftimmung.) War schon im Kriege die von Frankreich besonders der im besetzten Gebiet feine Schwarzen hausen läßt. Wenn der deutsche Militarismus in dieser Sizing ungeschoren davonkommt, so hat er das den Deutschnationalen zu verdanken, die geschäftsordnungsmäßige Gründe dagegen borschüßten, daß die vom ganzen deutschen Volte gewünschte Beseitigung der Militärgerichte heute noch er ledigt wird. Sie spekulieren darauf, daß die Volksvertre­tung angesichts der bevorstehenden Wahlen für eine dritte Sizung nicht noch beschlußfähig zu erhalten sein wird und daß der neue Reichstag der militärischen Reaktion freundlicher ge­finnt sein wird als die Nationalversammlung.

So bleibt die heutige Sigung, so sehr auch ihr Gegen­stand die Deffentlichfeit bewegt, in parlamentarisch- politischem Sinne nur zwischenaktsmusif. Die entscheidende Frage ist, ob die Nationalversammlung den Gefeßentwurf über die Be­feitigung der Militärgerichte noch fertigbringen wird, und diese Frage hält der heutige Tag noch in der Schwebe. Der Rechten soll aber nicht vergessen werden, daß die letzte Zat bor der Auflösung der Nationalversammlung ein Versuch war, einen Fortschritt der Rechtspflege zu verhindern und ein mili­tärisches Privileg aufrechtzuerhalten.

Dorwärts- Verlag G.m.b. 5., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferniprecher: Amt Morigplats, Nr. 117 53-54.

Christentum und Sozialismus.

Bekenntnis eines christlichen Gewerkschaftsführers. Aus dem Ruhrrevier wird uns geschrieben:

Die Presse beschäftigt sich mit den volkswirtschaftlichen Ausstrahlungen der zur Pflege der Gemeinwirtschaft geschaf­erfreuliche Urteile werden nicht gefällt. Man findet, daß der fenen industriellen Selbstbewirtschaftungsförper. Besonders " Fachsyndikalismus" oder Berufstapitalis­mus" sich in diesen Körperschaften etne Heimstätte schaffe. Wenn das der Fall ist, dann tragen die bürgerlichen Parteien dafür die Verantwortung, denn sie haben fich nach Kräften be­müht, die wirkliche Sozialisierung dieser Industrieorgani­fationen zu verhindern.

den man unserem Bolfe perfett, wenn man ihm, nachdem man es ein Jahr lang öfonomis und national ausgeplündert und bebrückt hat, auch noch das Joch von 50 000 schwarzen Truppen auferlegt.( Sehr richtig.) Aber abgejeben von diesen allgemeinen Betrachtungen ist die dauernde Verwendung von 50 000 Angehö In diesem Betracht ist es nun von besonderem Interesse, rigen einer fremden Naffe boltshbgienisch eine große Ge- das Urteil eines der hervorragendsten christlichen fahr nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa. Die Gewerkschaftsführers über die bisherigen Soziali­fortgesette Gewalttätigkeit, die Ermordung harmloser Bürger, die fierungsmaßnahmen Fennen zu lernen. Der Betreffende legte Vergewaltigung von Frauen, Mädchen und Knaben, das riesen seine Meinung nieder in einem an einen Gesinnungsgenossen hafte Anwachsen der Prostitution, die Einrichtung von Bor- gerichteten Brief. Einer portgetrenen Abschrift dieses Briefes dellen auch in den fleinsten Städten, und das rapide Anwachsen von Geschlechtstranten der schwersten Art stellen eine Bor entnehmen wir folgendes: litif Frankreich gegen Deutschland dar, die man nur als eine rüd­fichsloje und mit allen. Weitteln geführte

Hortsegung des Krieges mitten im Frieden

Po

bezeichnen fann( lebhafte Bustimmung), eine Strieafüb una, die benn nicht zum Ziel, so doch zur Folge hat, daß der deutsche Volks­In der heutigen Debatte fam nach eindrucksvollen Reden förper an seinem weitlichen Nande dauernder Versiedung ent­der Genoffin Roehl und des Reichsministers Genoffen gegengeht. Die deutsche Regierung fonstatiert, daß nicht nur in der Genossin Roehl und des Reichsministers Genossen Deutschland, sondern auch im neutralen Ausland Männer und Dr. Köfter über die Kulturschmach der schwarzen Besetzung Frauen die Unabhängige Frau 3ieg zu Wort, die durch ihren Ver­such, die deutschen Soldaten mit den schwarzen Frankreichs gleichzusehen, heftige Zwischenfälle hervorrief.

Auf der weiteren Tagesordnung steht die Abschat fung des Belagerungszustandes, für die die so­zialdemokratische Fraktion eintreten wird..

Die Entscheidung darüber, ob heute Sluß gemacht wird oder ob morgen noch eine letzte Sigung stattfindet, wird erst in den späten Nachmittagsstunden erfolgen.

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177. Gibung, Donnerstag, den 20. mai, 10 Uhr. Am Regierungstisch: No ch, Stö ster, Schmidt.

Farbige Truppen im besetzten Gebiet.

Die Regierung erklärt sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellation 2öbe( Soz.) und Genossen, betreffend die Verwen­dung farbiger Truppen in den besetzten Gebieten bereit.

diefem schwarzen Wahnsinn,

Soviel kann ich Ihnen heute schon sagen: auch die christlich prientierte und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft téhut cs abgesehen von einigen älteren Gigenbrötlern

-

ent

leden ab, unter dem individualistisch- kapitalistischen Wirtschafts­Krieaführung, system in Zukunft Frendienste zu tun. Wir müßen zu einer Ge­meinwirtschaft tommen, die einerseits den starten Staats­bureaukratismus vermeidet und dem Kapitalismus die antisozialen Eigenschaften nimmt... Es besteht auf seiten der christlich e- n Arbeiter Ceneigiheit, die privatmonopolistische, det Massenerzeu= gung dienenden, lebensnoimendigen Werbe in Staatsregie. wie es eine schwedische Zeitung nennt, ihre Zufmerkfamkeit zuzu- oder Gemeinwirtschaft zu nehmen. Die Preis­Schweden und Norwegen formerbeu Preteste auf die Frangofen Schwerindustrie fordern geradezu heraus. Auch die menden beginnt. Leider haben Tiese aus merita, que England, treibereien und die Ausbeutung der Allgemeinheit durch die. eben fomenia Gindrud nemet, wie die immer wieder Bergiftung der öffentlichen Meinung durch die Kohlen Schlotarone holten infprüche der deutschen Regierung feit der Besetzung durch den Reichskommissar im Rheinlonde und schon vorher durch( Ankauf und tapitalist sch soziale Beeinfluffung eines wesentlichen die Waffenstillstandskommission. Dabei können die Franzosen fa ch- Teiles der Preise it.) find ein weiterer Anlaß, um durch wirt­liche Gründe für die Belassung dieser farbigen Truppen nicht im schaftspolitische Maßnahmen gemeinwirtschaftlicher Art diesen Her­geringsten vorbringen, denn Frankreich hat heute noch ein durch ein wirksames Paroli bieten zu können. feinerlei Abrüstung geschwächtes weißes Heer. Auch ich verspreche mir von den jetzigen Gelbstbewirtschaftungs­törpern und Arbeitsgemeinschaften der Industrie vorläufig nicht bas, was man sich allgemein zurzeit davon verspricht. Die Hoff­nungen hierauf sind weit übertrieben. Den gerissenen un ternehmerbertretern stehen bei der Behandlung wirtschaftspolitischer Fragen in den Arbeits­gemeinschaften, Selbstbewirtschaftungsförpe rn, Außenhandelsstellen ufw, sehr oft Arbeiterber­treter gegenüber, die sich durch bereitwilliges

Wenn die Franzosen mit dem

idealen Gruntsag der Abrüstung,

von der sie behaupten, daß sie ihren politischen Ideen und ihrer Kultur entsprungen ist, ernst machen wollen, dann glaube ich nicht nur im Namen Deutschlands, fondern auch anderer Völler sprechen zu können, wenn ich den Franzosen empfehle, daß sie

die Abrüstung bei diesen schwarzen, europafremden Truppen beginnen

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Abg. Frau Noehl( Soz.): Der Interpellation haben sich fämt. liche Parteien mit Ausnahme. der Unabhängigen ange­schlossen.( Lebhaftes Hört, Hört!) In einer Beit, wo wir in Frie- sollen. Ich habe verschiedene Franzosen über die schwarzen Truppen Entgegenkommen der Unternehmer der einzel­den aufatmen zu fönnen meinten, muß uns die Verwendung gesprochen und mir wurde verschiedentlich vorgehalten, daß gerade nen Branchen in der Lohnfrage verloden lassen, schwarzer Truppen aufs tiefste empören. Wir wenden uns nicht bei diesen die Disziplin beffer jei als bei manchen weißen den Ambitionen der Unternehmer auf das Inter­gegen die schwarzen Menschen als solche, denn wir Sozialdemo- Truppen, und vielleicht ist dies der Grund für die Belaffung der effe der Allgemeinheit Vorspanndienste zu fraten lehnen getreu unserem Programm jeden Raisen Schwarzen. Ich glaube aber wiederum im Namen des ganzen leisten. Allerdings kommen aus dem Arbeiterlager auch schon haß ab. Aber wir wissen, daß die Sitten und Gebräuche bei uns deutschen Volkes sprechen zu können, wenn ich den Franzosen jage: Stimmen der Kritik, die die Schliche des Kapitalismus im Abendlande eben anders sind und daß die Kulturstufe jener wenn schon weiter befekt bleiben soll, dann wollen wir diese min-, Rassen unmöglich mit unserer verglichen werden fanu. bere Disziplin lieber auf uns nehmen, wenn wir nur sobald wie durchschauen. Wenn wir nun an die gemeinwirtschaftliche Um­möglich fatmung eines Teiles der Kohlen- und Stahlindustrie von der schwarzen Plage befreit' erhitlich herangehen wollen,. dann brauchen wir eine Mehrheit im Parlament.

..

Die entschlichen, traurigen und schauderhaften Vorkommnisse, die zu unserer Kenntnis gekommen sind, zwingen werden. uns dazu, flammenden Protest zu erheben. Sie find so In diesen Tagen fißen in Paris deutsche und französische Leider ist schon zuviel Zeit verstrichen, und der Kapitalismus hat gräßlich, daß man sich sträubt darüber nachzudenken und nur Industrielle und Staufleute zusammen, um über die fünftigen wirtsch in seiner neuen Position bereits stark verschanzt und festgesezt. ungern davon spricht. Selbst Schulmädchen, die in Beglei- fchaftlichen und fommerziellen Verbindungen zwischen Deutschland tung ihrer Behrerinnen Ausflüge machten, mußten vor Marof- und Frankreich zu beraten. Sie wissen, daß die französische Re- Die beiden Rechtsparteien üben ihn unbedingt fanern, die sie zu überfallen drohten, flüchten. Ich wiederhole, gierung auf dieses Zusammenarbeiten ebenio aroßen Wert legt und zum Teil in feiner alten form. Das Zentrum daß wir die Schuld nicht diesen schwarzen Menschen selbst zumessen, wie Deutschland, und wenn es nach unserem Willen geht, soll aus( Christliche Volkspartei), dem vicle christliche Gewerkschaften an­aber ihren weißen Auftraggebern, den, Belgiern und Fran- den Beratungen ein Resultat hervorgehen, das die wirtschaft- gehören, steht in der Frage gespalten da. Der rechte. zoien, die die Kultur und die Moral des Abendlandes fennen liche Busammenarbeit garantiert. Ich möchte aber Flügel und seine Mittelstandsleute machen nicht müssen und wissen, daß die anders ist als bei Senegalesen und der französischen Regierung von dieser Stelle auszu bedenken nt it. Die Arbeiter schon. Die Demokratische Par= Arabern. Frankreich und Belgien sind und bleiben geben, daß man nicht von ökonomischem Zusammenarbeiten, tei, in der die Vertreter des Bank-, Handels- und Börsentapitals deshalb die Schuldigen.( Sehr richtig! bei der Mehrh.) nicht von der ökonomischen Solidarität Europas reden tann und ein gar gewichtiges Wörtlein mitzureden haben, dürfte für solche Wir richten den dringenden Appell an die Regierung, alles zu baran arbeiten fann, wenn man aleichzeitig die politischen Gefühle tun, um die betroffenen Länder von dieser Geifel zu befreien. des anderen Partners in dieser Weise mit Füßen trift, wie es

Und wir wenden uns an die Frauen aller Kulturländer und an alle Frauen der Welt, daß sie uns unterstützen gegen die fulturwidrige Berwendung

dieser farbigen Truppen, damit wir befreit werden von diesen unwürdigen Zuständen.( Lebbafter Beifall.)

Reichsminister des Auswärtigen Dr. Köfter: Die Regierung ist den Interpellanten dankbar, daß sie ihr Gelegenheit gibt, ihre Meinung fundzutun in einer Frage, die seit vielen Monaten auf dem deutschen Volke leitet und seit einigen Wochen auch die Mei nung der Neutralen und unserer ehemaligen Gegner erregt. Die günstigen Meldungen der letzten Tage über die Dislozie rung der farbigen Truppen bewahrheiten sich leider nicht.( Sört, hört.) Es liegen in Mainz und Worm 3 noch zwei schwarze Senegalesenregimenter, in Ludwigshafen und Germers heim ein Bataillon gemischter gelber Truppen, im übrigen Bejetzten Gebiet noch 16 Regimenter Algerier, Maroffaner und Sundanesen.( Lebhaftes hört, hört!) Auch für die deutsche Regie­rung handelt es sich nicht um einen,

Naffenkampf gegen die Schwarzen

an sich, sondern um die Verteidigung der bedrohten deutschen Gitte und Stultur. Denn ohne alle Uebertreibung müssen wir vor der Oeffentlichkeit feststellen, daß die Verpflanzung von ungefähr 50 000 farbigen frembraffigen Truppen in das Herz bes wei- l

sozialistischen Experimente" nicht zu haben sein. durch Frankreich bisher geschehen ist. Diese Ausführungen des christlichen Gewerkschaftsführers, Meine Damen und Herren! Die deutsche Regierung hat vom der sehr aktiv im Gewerkschaftsleben tätig ist, sind auf alle ersten Tage der Verwendung schwarzer Truppen sich bemüht, durch Fälle sehr interessant. Er ist sich seiner Klaffenlage soweit be­fernung oder wenigstens eine Milderung des schwarzen Re- aller bürgerlichen Barteien, einschließlich seiner alle Kanäle und Apparate, die ihr zur Verfügung standen, die Entwußt, daß er klar die kapitalistische Gesinnung gimes zu erreichen. Partei, des Zentrums, erfennt. Denn die christlichen Ar­Alle Proteste aber haben bisher feinen Erfolg gehabt." beiterfekretäre im Zentrum bestimmen nicht dessen Politik; Bon mir aus muß ich sagen, daß weitere formelle Proteste an hat doch Herr Trimborn einer Koalition mit der durchaus. Frankreich wenig inn haben werden. Wir müssen die kapitalistischen Stresemann- Nießer- Partei, das, Wort weiteste Oeffentlichkeit Europe und der ganzen Welt onrein geredet. Der chriftliche Gewerkschaftsführer, trifft den Nagel über die Schande im Westen, und wir müssen uns auf den Kopf, wo er schreibt: Wir brauchen eine. an den Bilferbund wenden, ob er nicht vielleicht die Mittel und Wege finden kann, um auf der Tat, die brauchen wir. Wenn die Massen der christlich Mehrheitimarlament" für die Sezialisierung. In Frankreich einen Einfluß zur Guffernung der schwarzen Truppen orientierten Arbeiter das auch einsehen, fommen wir au auszuüben. Der Völkerbund stand zwar bisher auf dem Papfer, aber gerade in diesen Tagen ist er lebendig geworden, Der Minister erinnert daran, daß Frithjof Nanfen als Tele­gierter des Völlerbundes jcht in Berlin über den Nüdtransport der deutschen und russischen Kriegsgefangenen verhandelt und fahrt fort: Der Bölferbund wird also lebendig. Die deutsche Regierung hofft, daß er sich auch der Frage der schwarzen Truppen annehmen und daß es ihm gelingen möge. Fortsetzung auf der 3. Seite.)

dem Ziel.

Der Brief des christlichen, Gewerkschaftsführers ist aber audy ein neuer Beweis dafür, daß Christentum und Sozialismus sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern wesens verwandt jind. Der christliche Gewerk­schaftsführer. bekennt sich zum Sozialismus mit einer Be­stimmtheit, die wieder einmal die Agitation hrase von dem christentumsfeindlichen Sozialismus" Lüge straft.