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Nr.340 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 33
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Sozialdemofrat Berfin.
Morgen- Ausgabe
16
Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Donnerstag, den 8. Juli 1920
Um die Frist der Entwaffnung.
Die Militärfrage in Spa.
Die Aufgabe der deutschen Delegation in Spa ist gewiß fehr schwer, und niemand wird beabsichtigen, sie ohne Not noch schwerer zu machen. Die Delegation in Spa muß versuchen, ihre Verhandlungsgegner soweit wie möglich zu ihrem Standpunkt zu bekehren, und sie braucht dazu die Hilfe der öffentlichen Meinung im Ausland sowohl wie auch im Inland. Sie darf dabei nicht übersehen, daß diese Unterstützung nur dann wirklich wertvoll ist, wenn sie freier Ueberihr nicht gedient, da ist es schon viel besser, daß Meinungsverschiedenheiten offen ausgesprochen werden.
V. S. Spa, 7. Juli. ( Eigener Drahtbericht des„ Vorwärts".) Der deutsche Standpunkt wurde in der Mittwoch- Spa, 7. Juli. Der Oberste Rat trat heute vormittag 11 Uhr fitung von dem Reichsminister Simon& vertreten, was an zu einer Beratung der von der türkischen Delegation überreichten sich schon einen günstigeren Eindruck auf die Alliierten zu Note zusammen. Nachdem der Nat die Unmöglichkeit feftmachen schien. Lloyd George zeigte sich in seinen heutigen gestellt hatte, im türkischen Vertrag alle von der türkischen Regie Zwischenbemerkungen wesentlich entgegenkommender als am rung verlangten Bunfte abzu ändern, da dieses Begehren alle Dienstag. Ueberhaupt war die Atmosphäre dieser Sizung wesentlichen Bunt te betreffe, beschloß der Rat, eine Kom- eugung entspring, mit einer bloßen toftischen Reserve ist etwas wärmer als in den ersten Tagen. In englischen mission politischer Sachverständiger unter Mitwir Kreisen werden heute abend die Aussichten einer Verständi- bung militärischer Sachverständiger mit der Ausarbeitung der Ant gung in der Entwaffnungsfrage nicht ungünstig beurteilt. wort zu beauftragen. Die Antwort soll in einigen Buntten Wahrscheinlich glaubt man, daß sich von deutscher Seite eine auf die begründeten Ginwände der Türkei Rüdsicht nehmen. gewisse Nachgiebigkeit in der Frage des Termins zeigen wird. Die Alliierten verlangten, daß die Herabsetzung des Heeres auf 100.000 Mann binnen drei Monaten erfolgen Spa, 7. Juli. ( Eigener Drahtbericht des„ Vorwärts".) Es soll, die Deutschen erboten sich dagegen, fie binnen fünfzehn Monaten zu vollziehen. Die Kluft, die zwischen der Frist verlautet in der Frage der Berteilung der Entschädigungs - trachtet werden kann. Hoffentlich trifft der preußische Mivon drei Monaten und dem deutschen Angebot von fünfzehn summe, daß die Altierten weniger denn je einer Verstän Monaten liegt, ist an sich allerdings ziemlich breit. Doch bigung nahe find. Die Frage der Priorität Belgiens über 2 2½ würde das deutsche Wolf es nicht begreifen, wenn es die Milliarden Goldmark der deutschen Entschädigung, über die man deutsche Delegation deshalb auf einen Bruch ankommen ließe, am Montag glaubte, zu einer Einigung gelangt au sein, wurde das mird man auch in den Kreisen der hiesigen deutschen De. wieder neu aufgerollt, und die belgische Preffe zeigt große Besorglegation verstehen. Bei aller Erkenntnis der äußerst schwie- nis in dieser Frage, zumal es sich nunmehr herausstellt, daß bie rigen Lage für das Reichswehrministerium muß gesagt wer- Summe von 2% Milliarden durch die Erstattungstoften, die laut den, daß die Ansichten der Militärs nicht ausschlaggebend fein Friedensvertrag überhaupt eine Priorität haben, schon lange dürfen. aufgegehrt sind.
Die Reichsregierung dürfte auf das Vertrauen des Reichstages größeren Wert legen als auf die Zustimmung der Bendlerstraße.
Der Verlauf der geftrigen Konferenztagung hat die Anficht der Optimisten gerechtfertigt und bewiesen, daß sowohl auf deutscher Seite wie auch mindestens zu einem Zeile auf der gegnerischen Seite der ernste ille zum Ausgleich besteht. Der Reichskanzler Fehrenbach hat in der gestrigen Sigung geschwiegen. Die lebhafte Debatte wurde bon Simons und Seedt geführt. Eine Kommission, die sich aus den militärischen Bevollmächtigten zusammeniegt und die zu ihren Mitgliedern u. a. auch die Marschälle Foch und Bilion und General Seedt zählt, ist noch gestern abend zufammengetreten und soll bis heute mittag eine gemeinsame Formel für die offengelassenen Probleme finden.
Fortführung der Beratungen in Oftende?
V. S. Spa, 7. Juli. In Ententetreisen berlautet, daß im Anschluß an die ersten Hauptberatungen die Konferenz später nach Ostende berlegt werden soll. Inzwischen merden die Kommissionen verhandeln. Die Idee wird Millerand zugeschrieben. Graf Sforza foll sie unterstüben, Lloyd George aber befämpfen.
Belgische Prioritätsschmerzen.
Weitere deutsche Teilnehmer.
Spa, 7. Juli. ( TB.) Reichsjustizminister Dr. Beinge traf heute mit dem Reichsanwalt Richter hier ein, um über das Reichsgerichtsverfahren gegen die Striegsverbrecher bor ber Stonferens Auskunft zu geben. Außerdem wird Geheimrat: Schmied vom Reichsministerium des Jninern hier erwartet.
Bur Teilnahme an den Beratungen über bie Roblenfrage, bie voraussichtlich alsbalb beginnen werben, find von der deutschen Re. gierung als Sachverständige folgende Herren dringlich nach Spa gebeten worden: Sugo Stinnes, Geheimrat ilger, Geheimrat Arnhold, Herr übjen, Serr Que( von uns schon gestern gemeldet. Red.), der Reichstohlenkommissar und General direttor Kongeter.
300 Journalisten.
Der Reichswehrminister Dr. Geßler scheint noch den vorliegenden Berichten in Spa sich auf den Standpunkt zu stellen, 200 000 Mann Reichswehr seien für Deutschland unerläßlich. Dieser Standpunkt ist nicht haltbar, schon deshalb nicht, weil die Frage der Reichswehr nicht von jener der Sicherheits- und Ordnungspolizei getrennt benifter des Innern, der besser gleich mitgefahren wäre, noch rechtzeitig in Spa ein, um die Sache ins rechte Gleis zu bringen und den richtigen Zusammenhang der Dinge wiederherzustellen.
Die Reichswehr ist heute und kann heute im wesentlichen nichts anderes sein als eine verschiebbare Verstärkung der an den Ort gebundenen Sicherheitsorgane. Je stärker diese Sicherheitsorgane ausgebildet sind, desto schwächer kann die Reserve sein, und umgekehrt, ie schwächer die örtlichen Organe find, desto mehr Reichswehr ist zu ihrer Verstärkung im Falle der Gefahr notwendig. Diefer Zusammenhang wäre fofort richtig erfaßt worden, wenn die Führer der teismehr nicht hartnädig an der Vorstellung festbielten, die ihnen anvertraute Truppe sei ein Stest und ein entwicklungsfähiges Reimstüd der alten Armee. Gerade in diefer Borstellung liegt aber der grundsägliche Gegensatz zu ben Bedingungen des Friedensvertrages und den Forderungen der Alliierten.
Angesichts der Angst, die die englische und die franzöfifche Bourgeoiste vor dem Bolschewismus hat, find die Verbandlungen über die Militärfrage gewiß nicht von vornherein aussichtslos. Es ist nicht anzunehmen, daß die Staatsmänner der Entente absichtlich der Deutschen Republif das verweigern wollen, was sie zum Schuß ihrer inneren Ordnung wirklich braucht, und daß sie sich Belehrungen in diesem Punkt als ganz unzugänglich erweisen könnten. Aber es war sicher Wie die belgischen Blätter melben, find fast 800 ausländische nicht das richtige Mittel, sie und die öffentliche Meinung der Journalisten in Spa anwesend, was natürlich eine vollstän Welt für die Forderungen Deutschlands zu gewinnen, daß bige Ueberlastung des Telegraphen- und Tele- man die Sicherheitsfrage zu einer alleinigen Reichswehrfrage phonbertebrs zur Folge habe. Wir tönnen aus eigener machte, die sie ja, mie jedermann weiß, nicht ist. schmerzlicher Erfahrung bestätigen, daß Telephongespräche mit Spa Die deutsche Delegation mußte fich sagen, daß die Verfast absolut unverständlich find, Telegramme ungemein fteifung auf die Reichswehr schon aus psychologischen Gründen berzögert werden! Red. d.„ Bort.".) eine taktische Unzulänglichkeit ist. Im Ausland sieht man in der Reichswehr eben nicht das Organ, das die Ordnung schützt, fondern die Gesellschaft, die den Kapp- Butsch gemacht hat und aus deren Mitte abscheuliche Ausschreitungen bei der an sich notwendigen Unterdrückung von Unruhen begangen worden sind. In breiten Kreisen des deutschen Volkes selbst erscheint die Reichswehr seit dem März noch nicht genügend rehabilitiert, daß man ihr zuliebe sich in eine neue außenpolitische Arise zu stürzen bereit wäre. politische Arise zu stürzen bereit wäre.
intensive Propaganda in den Abstimmungsgebieten entfaltet Polnische Abstimmungssorgen. haben, den Entscheidungstag hinausgeschoben wissen wollen, Ein Antrag auf Aufschub der Volksabstimmung. so haben wir unsererseits nicht das geringste Interesse dar Die Gefahr von Osten hat die bisher so sieges- an. Für Ost- und Westpreußen , wohin die Transalle porte bereits unter großen Schwierigkeiten begonnen haben. ficheren Polen um die Abstimmung besorgt gemacht. feinlichen Schikanen gegen die Abstimmungsberechtigten und fommt ein Aufschub überhaupt nicht in Frage, und ein alle Machenschaften zur Beeinflussung des Abstimmungser- baldiger Entscheid über Oberschlesien , dessen Kohgebnisses, über die sich die Meldungen häufen, fönnen sie len durch Verfügungen der Interalliierten Kommission mehr nicht darüber hinwegfäuschen, daß die Erfolge ihrer Pro- und mehr für das Ausland willkürlich beschlagnahmt mer. paganda gefährdet sind und daß die Stimmung in den oft- den, ist geradezu eine Lebensfrage für die deutsche deutschen Randländern für den Verbleib der Geiriiaft. Das sind Gründe, denen sich auch die En biete beim Mutterlande ist. So wird jetzt aus tente nicht wird entziehen können. Warschau gemeldet:
Warschau , 6. Juli. In der heutigen Sigung des Sejm brachte der Abgeordnete Gbyt einen Dringlichkeitsantrag ein, der verfassunggebende Sejm möge an die Parlamente der nerbündeten Mächte einen Aufruf ergehen lassen, um die Bolts abstimmung hinauszuschieben. trag wurde mit sehr bedeutender Mehrheit an
genommen.
Die Versuche des Reichsministers des Aeußeren, Dr. Simons, im heftigen Streit der Meinungen zu bermitteln, sind sehr anerkennenswert. Aber es wäre besser gewesen, die Sache von vornherein so anzulegen, daß Vermittlungsbersuche überflüssig gewesen wären. So wie die Dinge geLaufen sind, gewinnt man den Eindruck, als ob nicht volle Die polnische Front abermals durchbrochen. Uebereinstimmung zwischen den beteiligten Ressorts herricht, Der polnische Generals stabsbericht vom 6. Juli berichtet u. a.: und als ob der alte Gegensatz zwischen dem diplomatischen Auf dem nördlichen Frontabschnitt entwickeln sich die bolichewifti- und dem militärischen Ressort, der während des Krieges so viel fchen Angriffe weiter fort. Die feindliche Kavallerie, bie but unheil angerichtet hat, wieder aufgelebt sei. Eigentlich aber Der An unfere Front zwischen Drywiata- uttenfee follten wir, bald zwei Jahre nach der Revolution, so weit burchgebrochen ist, operiert in der Gegend von Szarkows sein, daß sich das Militär den Notwendigkeiten ber zczyzna. Unsere Infanterieabteilungen haben sich nach erbitterten o Iitit reibungslos unterwirft. Kämpfen auf der Linie Luschki- Pliffafee- Borgija- Minjutafluß Außerhalb der ganz rechtsstehenden Kreise würde sich in befehlsgemäß(?) in südöstlicher Richtung zurüdgezogen. In Deutschland niemand für ein Scheitern der Verhandlungen Boljeffie erbitterte Kämpfe, die sich besonders im nördlichen Aban der Militärfrage begeistern. Die Rechtspresse glaubt uns schnitt in der Gegend der unteren Berefina zur größten Anfpannung steigern. Abteilungen der berittenen Armee Budjenny haben im Angriffe von gestern Nowns genommen und unsere Ab. teilungen gezwungen, au weichen.
Ferner wurde ein Antrag des Inhalts angenommen, daß die bas Ergebnis der Boltsabstimmung der Republik zufallen werben, bas Ergebnis der Balfsbestimmung der Republik zufallen werden, ohne Rücksicht auf die Nationalität von der Militärdienst flight für acht Jahre frei fein follen.
Der polnische Bericht gibt sich offenbar Mühe, die Niederlage der Polen noch zu beschönigen. Paris , 7. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Konstantinope!
freilich wieder vorwerfen zu können, daß wir die„ nationalen Interessen" preisgäben, und versucht nachzuweisen, daß die Das Bordringen der Russen und das dadurch notwendig Reichswehr auch zum Schutz nach außen gebraucht würde. Bur Verstärkung dieser Beweisführung glaubt sie auf den gewordene Maffenaufgebot polnischer Truppen bat natürlich Einmarsch der Franzosen in den Maingan hinmanchen Wankelmütigen bestimmt, nun doch lieber da zu weisen zu fönnen. Als ob irgendein Mensch in Deutschland , bleiben, wo die Kugeln nicht mehr so nahe sind. Wenn der seine fünf Sinne beisammen hat, damals auch mir einen Bolen im Bewußtsein seiner Verantwortung die Rolle des Augenblick daran gedacht hätte, den Franzosen mit bewaffBrellbods gegen Rußland übernommen hat, so mag es soll die russische Südarmee Cherson befeht haben. neter Hand entgegenzutreten. Wäre dieser Versuch gemacht fie auch allein oder mit Silfe seiner Freunde weiterspielen. Vor einem polnischen Friedensangebot? worden, so wären die Franzosen heute nicht mur noch im Dann aber fann es keinerlei Gewähr dafür übernehmen, daß Frankfurt a. M., 7. Juli. ( Eigener Drahtbericht des Bor- Maingau, sondern wahrscheinlich auch schon in Berlin . Nur es die durch Boltsentscheid gewonnenen Wehrpflichtigen nicht einmal doch zum Stampfe aufbieten muß. Daher ist die wärts".) Der Frankfurter Beitung" wird aus Warschau ge durch Politik, nicht durch Militär, ist es gelungen, den SüdKundgebung des Seim, foweit fie fich auf die Wehrpflicht der meldet: In der heutigen Sigung des Sejm brachten die Sozug aus dem Maingau zu erreichen, und ähnlich müßte auch neu hinzukommenden Bewohner bezieht, zum mindesten un- sialdemokraten den dringlichen Antrag ein, daß in ähnlichen Fällen wieder gehandelt werden. Bolen fofort Sowjetrußland Friedensborschläge Gerade die Leute, die das militärische Denken für sich wahrhaftig. gepachtet zu haben glauben, flammern sich beurte om den Wenn jegt die Polen , nachdem fie monatelang eine madhe.