Nr. 367 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 46
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Freitag, den 23. Juli 1920
Paris , 23. Juli( 2.). Wie aus Warschau gemeldet wird,[ pflichtungen eine Bolts abstimmung verbunden werden soll, find zwanzig frische bolichewistische Divisionen herangeführt worden um den Willen der österreichischen Wählerschaft hinsichtlich des Anund find an der Offensive im Norden zwischen Suwalfi und schlusses Defterreichs an Deutschland festzustellen Augustowo beteiligt. In Kürze soll eine Entscheidungsfchlacht stattfinden. Wie weiter gemeldet wird, bereiten die Polen die Räumung von Bjelostok vor.
Paris , 23. Juli .( Meld. des Holl. Nieuwsbureaus.) sier Siegen Nachrichten über die Räumung Warschaus durch die Zivilbevölkerung vor. Genaue Einzelheiten über die Lage an der polnischen Front fehlen jedoch, da feit zwei Tagen kein amtlicher polnischer Bericht mehr eingetroffen ist.
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Italien und die Sowjetregierung.
Rom , 22. Juli. Avanti" erfährt, daß die italienische Regierung dem Vertreter der Sowjetregierung Bodowosiy einige Vorrechte zugeftanden habe, die gewöhnlich den diplomatischen Agenten bewilligt werden.
Caillaux lehnt eine Begnadigung ab. Nach einer Warschauer Meldung des Hamburger FremdenParis, 23. Juli. Die Sozialisten hatten gestern im Ber blatis" ist dort ein Funkspruch aus Moskau eingetroffen, Laufe der Amnestiedebatte in der Kammer den Antrag gestellt, das in dem die Bolschetvisten die Vermittlung von dritter Seite ab- auch die wegen politischer Vergehen Berurteilten in die lehnen und direkte Verhandlungen mit der polnischen Reihe der Begnadigten einbegriffen sein sollten. Caillaur' Regierung berlangen. Nach Eingang dieses Funtspruchs trat der Advokat de Moro Giaffori erklärte jedoch Caillaug wolle Berteidigungsrat zusammen. In erster Linie wurde be- teine Begnadigung, und änderte den sozialistischen Antrag schlossen, ein Ministerium der nationalen Verteidigung zu bilden. dahin um, daß die Berurteilungen des Staatsgerichtshofes von der An diesem werden alle Parteien, einschließlich des linken Zentrums, Begnadigung ausgeschlossen sein sollten. Der Gesamtantrag wurde beteiligt sein. Für das Außenministerium ist der Sozialdemokrat aber mit 402 gegen 204 Stimmen abgelehnt. Daszynety ausersehen. Gleichzeitig wurde ein Funtspruch formuliert, in dem sich die neu gebildete Regierung im Namen Bolens an die Räteregierung mit der Bitte wa Waffenruhe wendet. Die Danziger Arbeiter boykottieren die polnische Armee. Danzig , 23. Juli. Wie die Danziger Zeitung meldet, ist gestern morgen im Hafen von Neufahrwaffer ein polnischer Dampfer mit Kriegsmaterial für Polen eingelaufen, den die Hafenarbeiter mittags entladen sollten. Da die Arbeiter sich wei gerten, biese Arbeit auszuführen, bemühte sich der painische Vertreter um die Vermittlung des christlichen und des deutschen Transportarbeiterverbandes und begab sich mit den Führern ber Organisationen nach Neufahrwasser. Eine Einigung tam jedoch kommandantur nicht zustande, da die Arbeiter drohten, bie gesamte Safenarbeit zum Stillstand zu bringen, wenn einige Arbeitswillige die Arbeit aufnehmen würden, die Organis fationsvertreter haben baraufhin ihre Vermittlungstätigkeit ein gestellt.
Rowns, 22. Juli .( Litauische Telegraphen- Agentur.) Zwischen der gestern nach Kowno zurüdgelehrten litauischen Delegation und der Leitung der russischen Truppen in Wilna wurde für die Zeit. in der die russischen Truppen aus strategischen Gründen auf litauischem Boden stehen müssen, eine vorläufige Demaria tionslinie zwischen den litauischen und den russischen Truppen festgesetzt. Sie verläuft von Soienziany über Neu- Troth noch Oranh und Grodno . Jn Wilna arbeitet eine Iitauische
Um die Lage der vorläufig von russischen Truppen befesten litauischen Gebiete au flären, hat das Ministerkabinett beschlossen, eine Abordnung nach Riga , eventuell nach Mostau zu entfenden, die mit den Sowjetbehörden verhandeln soll.
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Durch das Säbelrasseln in Spa ist die Erörterung über die Kohlenfrage auf das falsche Gleis geschoben worden. Mit Gewaltpolitik lassen sich bekanntlich Wirtschaftsprobleme nicht lösen.
Ich stelle fest: es bestand in der deutschen Delegation feine Meinungsverschiedenheit darüber, daß Frankreichs Kohlenmangel groß sei und ihm abgeholfen werden müsse. Wieviel sofort aus den deutschen Gruben abgeliefert werden könne, ohne Deutschland die Erfüllung der sonstigen Wiedergutmachungspflichten glattweg unmöglich zu machen, das war Gegenstand langwieriger Erörterung. Daß die sofort kategorisch geforderten 2,4 Millionen Tonnen mindestens monatlich nicht zu leisten seien, in diesem Punkte gab es zwischen den deutschen Sachverständigen gar keine Meinungsverschiedenheit, so sehr sie sich auch sonst, in der Beurteilung der Ursachen der jetzigen Situation und ihrer Konsequenzen, unterschieden.
Auch an dieser Stelle muß ich erflären, daß Frank reich selbst dann einen Anspruch auf unsere Koblenzufuhr hätte, wenn Deutschland der militärische Sieger im Weltfriege gewesen wäre. Das wichtigste französische Kohlenbecken wurde durch Kriegsvorgänge größtenteils bis auf weiteres förderunfähig gemacht. Ob das, wie behauptet wird, nicht nur aus militärischen Gründen geschah, vermag ich als glücklicherweise militärischer Laie nicht zu beurteilen. Aus meiner Ueberzeugung als Sozialist und Kriegsfeind heraus, trete ich für die gegenseitige Hilfe der Menschen und Völker ein. Darum ist für mich die Frage der Koblenverfor. gung Frankreichs nicht in erster Linie eine Frage des ge. chriebenen Völkerrechts, sondern des Rechtes, das mit uns Menschen geboren wurde.
Frankreich hatte vor dem Kriege eine Rohlenförderung von 40 Millionen Tonnen, wovon 26 auf die beiden nordfranzösischen Kohlenbecken entfielen, in denen jahrelang zerstörende Kriegshandlungen vorgenommen wurden. 20 Millionen Tonnen brauchte Frankreich jährlich als Kohlenimport, um seinen Gesamtbedarf zu decken. Der französische Förderausfall belief fich 1914/1918, das Quantum von 1913 als Berechnungsbasis angenommen, auf etwa 74 Millionen Tonnen, fast eine doppelte Jahresförderung. Das ist relativ bedeutend mehr, als was Großbritannien und Deutschland während des Krieges im Förderausfall zu buchen hatte. Nimmt man hinzu, daß gleichzeitig die Einfuhr geringer als früher war, zieht man vor allen Dingen in Betracht, daß der Wiederaufbau des zerstörten Gebietes auch zu einem entsprechend größeren Kohlenverbrauch zwingt, so ist das starke Kohlenbedürfnis Frankreichs verständlich. Ihm müßte von zum Vorwurf gemacht würde, der bevollmächtigter Vertreter des uns nach Kräften und ohne Profitmacherei abgeholfen werRönigreichs Belgien auf der Friedenskonferenz von Bersailles ge- den, auch wenn der Versailler Vertrag nicht bestände. Bei wesen ist!
Amsterdam , 23. Juli. Times" meldet aus Konstantinopel : Die Wien , 23. Juli. Die Nationalversammlung erledigte eine Reihe von Gesezentwürfen, darunter das fünfmonatige Budget- Regierung beschloß, Reschid Bei in Paris telegraphisch zu beaufprovisorium bis Ende 1920. Der großdeutiche Abgeordnete Surff tragen, den Ententemächten mitzuteilen, daß die Türkei den brachte einen Antrag ein, wonach mit den Wahlen zur National Friedensvertrag unterzeichnen wird und daß die bersammlung am 17. Ottober unter voller Beachtung der in Ar- mit der Unterzeichnung beauftragten Delegierten so schnell wie titel 88 des Staatsvertrages bon St. Germain enthaltenen Ber - möglich nach Paris reifen werden.
Vandervelde als Ankläger?
Wir haben heute morgen hier gesagt, daß wir auf Bander.
beldes Antwort auf die deutsche Denkschrift an den Sozialistenfongreß über die Frage der Kriegsschuld ausführlich erst eingehen wollen, sobald die der Oeffentlichkeit noch gar nicht betannte Dentschrift veröffentlicht sein wird. Wir hoffen bis dahin auch den offiziellen Wortlaut der belgischen Gegenschrift in Händen zu haben und nicht auf einen telegraphischen Bericht angewiesen au sein, den zur Grundlage einer Polemit zu machen einigermaßen gefährlich ist. Einstweilen sei nur gesagt, daß es uns schwer fällt, den telegraphischen Bericht für richtig zu halten und daß wir sehr erstaunt wären, wenn er richtig wäre.
B
Es soll den Mehrheits sozialisten der Vorwurf gemacht worden sein, daß sie nicht gegen die Verlegung der belgischen Neutrolität protestierten. Als die belgische Neutralität verlegt wurde, gab es in Deutschland noch eine einige Sozialdemokratische Partei . Die psychologischen Gründe dieser damals von der ganzen Bartei begangenen Unterlassung sind in der deutschen Denkschrift bargelegt.
Wir sollen„ faum ein Wort bes Tabels" gegen die Verschleppung französischer und belgischer Arbeiter geäußert haben, Vandervelde muß missen, daß wir gegen diese Verschleppung ener= gisch und nicht ohne Erfolg intervenierten. Hunderte dieser Unglücklichen wurden durch uns befreit und schließlich wurde infolge unferes fortgefeßten Drängens die ganze Verfügung aufgehoben. Wir sollen den Frieden von Brest - Litom3t genehmigt und fachlich unterstützt" und dadurch die Weigerung der Belgier , nach Stodholm zu gehen, hervorgerufen haben. Wir haben den Frieden von Brest- Litowsk der nachträglich an dem von Ver sailles gemessen noch als ein recht humaner Frieden erscheint
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nicht genehmigt und haben dann die Art, wie dieser Frieden aus
geführt wurde, auf das entschiedenste bekämpft. Außerdem wurde der Frieden von Brest- Litowsk im März 1918 geschlossen, die Konferenz von Stockholm war im Juni 1917!
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Die Erklärung der sozia demokratischen Reichstagsfraktion zum Frieden von Brest - Litowst, die am 22. März 1918 von Scheibe. mann im Reichstag verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
gegründet
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zahlreichen Gelegenheiten habe ich dies vor deutschen Bergleuten dargelegt und fand ihre Zustimmung. Wir wollen helfen, schon weil wir diese Hilfe als unsere Menschenpflicht anerkennen.
Warum ist in Spa an die Lösung der Kohlenfrise nicht -Im Namen meiner Frattion babe ich folgende Erklärung von diesem Gesichtspunkt herangegangen worden? Weil abzugeben: Das Ziel der sosialdem fratischen Politit ist, den immer noch der Wahnglaube besteht, durch das Krieg nach erfolgreicher Berteidigung des Landes durch einen Schwert" alles machen zu können. Die Schwertgläubigen wahrhaften Bölkerfrieden zu beenden, der auf Verständigung cheinen gar nicht zu wissen, daß die Kohlenförderung in für die Zukunft die Anwendung friegerischer Gewalt ausschließt. Dieses Biel ist mit dem vorliegenden Friedens. allen Gewinnungsgebieten, absolut oder auf pro Mann bertrag nicht gefördert worden. Die Mittelmachte batten ber. und Schicht bezogen, zurückgegangen ist. Ich rechne aus, daß sprochen, eine Verständigung mit Rußland über das Selbstbe- allein in Großbritannien , Deutschland , Frankreich und stimmungsrecht der Randvölker herbeizuführen. Im Widerspruch Belgien in der Periode 1914 bis infl. 1919 zusammen rund damit haben sie den Verzicht Rußlands auf Polen , Litauen 523 Millionen Tonnen Steinkohlen weniger gefördert worund Kurland von vornherein verlangt, Dieje im Often den sind, als geschehen wäre, wenn sich die Förderung auf betriebene Machtpolitik wird den Interessen des Deutschen Reiches, den Stand von 1913 gehalten hätte. Dieses riesige Manko die eine dauernde Beruhigung der Verhältnisse und eine lastet num auf der Bolts- und Weltwirtschaft. Das Schwert" enge Freundschaft zwischen dem deutschen und dem russischen Wolfe hat dies verursacht, fann es aber nicht fortdiktieren. Wir erfordern, nicht gerecht.
Wir müssen fordern, daß das wirkliche bemokratische Selbst. haben gehört, wie außerordentlich auch Desterreich bestimmungsrecht Bolens, Litauens und Sturlands gesichert wird. Italien und die Schweiz unter Sohlennot seufzen. damit ein dauerndes Freundichaftsterhältnis Deutschlands mit Wir haben gehört, wie Holland nach Kohlen ruft, welche ihnen sowie mit dem russischen Bolte nicht unmöglich gemacht Phantasiepreise für amerikanische Rohle in Europa gezahlt wird. Wir können uns mit der Art des Zustandekommens des werden. Wir wissen, daß in Großbritannien , Frankreich , Vertrages, bei dem der Reichstag ausgeschlossen war, und mit wesentlichen Teilen seines Inhalts nicht einverstanden erklären. Da aber durch diesen Vertrag der Kriegszustand im Often tatsächlich beendet wird, wellen wir ihn auch nicht ablehnen. Aus diefen Erwägungen werden wir uns der Abstimmung enthalten." Kann ernstlich angenommen werden, daß diese Erklärung für irgendeine sozialistische Gruppe einen Gi und abgab, die Aufnahme internationaler Beziehungen zu unserer Partei zu verweigern?
Ende des nordböhmischen Streiks. Reichenberg( Böhmen , 22 Juli. Nach einem Einbernehmen der Vertrauensmänner der streitenden Arbeiterschaft mit den Vertretern der tschechoslowakischen Regierung beschlossen die Vertrauensmäner der Streifenden, daß mit dem morgigen Tage im ganzen reichenbergischen Industriegebiet die Arbeit wieder
Go tönnen wir zunächst nicht annehmen, daß die von Banderbelbe ausgearbeitete, vom at der belgischen Partei genehmigte Gegenschrift tatsächlich so enorme Irrtümer und Ungerechtigteiten enthält. Außerdem wären wir sehr erstaunt, wenn uns unfere Saltung zum Frieden von Breft- Bitomst gerade von Banderbelbe aufgenommen werde.
Belgien , Deutschland , in der Tschechoslowakei und auch in den Vereinigten Staaten die betriebstechnischen Zecheneinrichtungen durch den langen Kriegsraubbau arg gelitten haben. Uns ist bekannt, daß die Bergarbeiterschaft in allen ändern nach der entkräftenden Anspannung während der Kriegsjahre das natürliche Bedürfnis einer kürzeren Arbeitszeit hat. Das find ökonomische Tatsachen, die leiden. fchaftslos geprüft werden müssen. Das„ Schwert" kann dieſe
Tatsachen nicht aus der Welt hauen. Indem man in Spa das Schwert als Dolmetscher" zitierte, konnte man moh! den militärisch Schwachen zur Unterschrift eines Diktats zwingen, aber die Lösung der internationalen Kohlen frisis ist unerörtert geblieben! Das aber ist außerordentlich beklagenswert im Hinblick auf das wirtschaftliche Elend, dem wir entgegengehen, feineswegs nur in dem gezwungenen Deutschland , menn nicht schnellstens alle