Nr. 427 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 76
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Freitag, den 27. August 1920
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Die Hilfefcrete aus Oberschlesien werden| Menge nicht gewachsen. Diefe zog dann zu verschiedenen an-| aus der Stimmung des gangen deutschen Boltes ersehen, daß immer dringender, die Schilderungen der polnischen Ueber- beren Hotels, in denen sie fremde Offiziere vermutete. Im Hotel es auch für fie bedenklich ist, durch die Mißhandlung deutscher griffe und Gewalttaten immer schauerlicher. In einem Auf- Fürstenhof, wo die interalliierte Kommission ihren Siz hat, flüchtete Rechte und Interessen die Gefahren für den Frieden zu ruf, der uns heute von dort zugeht, finden sich n. a. folgende das Bureaupersonal in den Garten. Infolge des schnellen Ginsteigern, die ohnehin genügend vorhanden sind. Mitteilungen über Bluttaten, die seit Montag im Kreise greifens der inzwischen herbeigeeilten Sicherheitspolizei ist es jedoch Angesichts der neuesten Vorkommnisse aber richten wir Rybnik gegen Deutsche vorgekommen sein sollen: hier zu Gewalttätigkeiten nicht gekommen. Der auch an die deutsche Regierung und vor allen Dingen Zwei Lehrer in Dubensto find von den Bolen erschossen belgische Adjutant der Friedenskommffion hat im Laufe des Abends an die deutsche Voltsvertretung den dringenden Ruf, worden. Bergwerksdirektor Rablit in Birtultau ist seinen schweren dem Polizeipräsidium gegenüber seine Befriedigung darüber aus schleunigst auf dem Wege der Verhandlungen die Interessen Kopfberlegungen erlegen. In Donnersmardgrube gesprochen, daß der Schutz so schnell wirksam gewesen ist, und sich des deutschen Volkes und besonders der Oberschlesier zu wurde ein Betriebsleiter erschossen. Bei Ryonit fand er in den Räumen der Kommiffion feine Uebergriffe ereignet haben. wahren. Es geht nicht an, daß in so gewitterschwangerer Sohn des Försters Geier den Tod durch eine Banditentugel. Leider war jedoch inzwischen derselbe Haufe zum- franzöfifchen Ron- Seit das deutsche Volk ohne politische Zeitung bleibt, weil Fabrikdirektor Kaspar aus Gottartowih wurde mit seiner Frau fulat gelangt, wo sich die ebenfalls dauernd hier aufgestellte Sicher zufällig Herr Stresemann sich in Urlaub befindet. Mindeüberfallen und schwer verletzt. Die Förstersfrau Schei heitswache dem plötzlichen Ansturm gegenüber als zu schwach erwies. stens der Reichstagsausschuß für auswärtige Angelegenheiten nert wurde durch Bauchschuß schwer verletzt und ist ebenfalls Die Räume wurden zerstört und die Akten auf die Straße geworfen. muß sofort zusammentreten, um von sich aus Stellung zu gestorben. Der Hauptlehrer Gröger in Belt, Hauptlehrer Rosian Der starken zum Schutz des französischen Konsulats inzwischen ent- nehmen zu den Dingen, die sich in und durch Oberschlesien in Chwallowis, Rettor Salzbrunn in Ellguth und andere mehr sandten Truppe gelang es jedoch, den Geheimschrank des entwickelt haben. Gegen polnische Bandenwirtschaft gilt es find schwer verletzt worden. Ein Lehrer wurde verschleppt, man französischen Konsuls vor der Zerstörung zu bewahren eine feste Kette zu bilden. Aber eine gleich feste auch gegen die Katastrophenpolitiker, die sich in Deutschland bemerkbar fand keine Spur von ihm, der Inspektor Hampel vom Oberschlesi- Der weitere Schuß des Konsulats ist hinreichend sichergestellt. schen Landbund in Eichendorf wurde halbtot geschlagen; Im Anschluß an diese Vorgänge haben sich dann leider in den zu machen suchen. aus dem Lager des Landbundes find für über 15 000 m. Tertil Abendstunden noch weitere Störungen ereignet, die zum waren geraubt worden. In Alt- Dubensko wurden die Bewohner Teil einen ausgesprochenen antisemitischen Charakter anBerlin, 26. Auguft. Aus dem oberschlesischen Abstimmungseines Hauses eingeschloffen, das Haus wurde an allen vier Eden nahmen. Unkontrollierbare Elemente haben in der Antonienstraße angezündet, die Eingeschlossenen sind elend ber das Blattsche Hotel bedroht, in dem Oftjuden zu verkehren pflegen, gebiet erhält WTB. folgende Mitteilung: Nach achttägigem Verbot brannt. Unter dem Vorwande von Haussuchungen nach Waffen doch ist es zu wirklichen Störungen tort nicht gekommen, wohl aber erscheint heute wieder der Wanderer" in Gleiwiz. Alle Bewerden Plünderungen ausgeführt, in Staurow wurde der frühere in der Bohrauer Straße, wo das Warenhaus von Gersfeld mühungen bei den Besatzungsbehörden um eine zeitliche HerabWachtmeister Adamet erfchoffen. geplündert wurde. Auch die fearafische Autozentrale in der fegung der Sperre waren vergehens. Bon deutschen Zeitungen Hubenstraße ist im Laufe des Abends erbrochen worden. Es sind find bis auf weiteres verboten: Die Morgen. Maßnahmen getroffen, die Ruhe und Ordnung in der Stadt wieder seitung", bas" a geblatt" und die attowiger Zei. herzustellen und zu sichern. tung" in Kattowis, sowie die Ostdeutsche Morgenpost"
2. Ausweifung der im letzten Jahre eingewanderten nicht
3. Bildung einer paritätischen Bürgerwehr. Angesichts der veränderten Lage beschlossen die Polenführer,
Der Anfftand.
Ob alle diese Nachrichten ftimmen, oder ob und wie weit die Kriegspsychose mitspielt, fönnen wir von hier aus nicht feststellen. Genosse Osterroth, der nach mehrwöchiger Anwesenheit in Oberschlesien heute zurückgekehrt ist, teilt uns Der Oberpräfident von Breslau , unser Genosse 8im- in Beuthen für den Kreis Kattowis, so daß bis jetzt fünf deutsche mit, daß die Lage dort viel schlimmer sei, als man sich das mer, sieht sich genötigt, folgenden Aufruf an die Ein- Beitungen verboten find. Demgegenüber erscheint die polbei uns denken könne. Mindestens 300 deutsche wohner Breslaus zu richten, der auch für die Einwohner anderer nifche Breffe unbehinbert weiter und legt sich im Stampf gegen das Deutschtum keinerlei Zwang auf. Im Aufstandsgebiet Arbeiter seien inzwischen von den Polen erschla- Städte bolle Gültigkeit hat: werden die deutschen Blätter eigenmächtig beschlagnahmt. Man gen worden. Die Schilderungen anderer Parteigenossen An die Einwoher Breslaus ! Im Anschluß an die Demonftra- geht anscheinend daran, die deutsche Presse, die sich den gegenstimmen mit dieser Darstellung durchaus überein. Von bür- tionsversammlung auf dem Schloßplak haben unverantwortliche wärtigen Machthabern in Oberschlefien nicht geffigig zeigt, mundtot gerlicher Seite wird deshalb jezt ganz offen nichts geringeres Elemente das polnische und franzöfifche Konsulat gestürmt und be- zu machen und sie zu erbroffeln, um so jede Aufklärung über verlangt, als der Einmarsch der Reichswehr in schädigt. Des weiteren wurde sin verschiedenen Stadtteilen ver- die Vorgänge in Oberschlesien , im Reich und in Oberschlesien selbst Oberschlesien , da das Verhalten der Polen und die Paffivität fucht, jüdische Geschäfte zu plündern und frembländische unmöglich zu machen. der alliierten Truppen einen Bruch des Friedensvertrages Offisiere au belästigen. Diese Borgänge find geeignet, darstellten und dementsprchend auch Deutschland nicht mehr der Reichsregierung unge heure Schwierigkeiten an beDie Bedingungen der Polenführer. an den Vertrag gebunden sei, sondern die Pflicht habe, die reiten Oppeln , 27. Auguft.( TU.) Die Führer der polnischen Deutschen in Oberschlesien zu schützen, solange es noch Zeit sei. Ich bitte die Einwohner Breslaus dringend, solche und ähnliche politischen Barteien und Gewerkschaften erhielten gestern Inzwischen machen die bürgerlichen Parteien auf eigene Ausschreitungen zu verhindern. Es sind alle Vorkehrungen ge- von der Interalliierten Kommission die bindende ZuFauft ihre Politik. Für den kommenden Sonntag ist im troffen, um Reben und Eigentum zu schüßen sowie alle Ausschrei- fage auf Erfüllung ihrer Forderungen, die sich auf folgende Bunkte Berliner Luftgarten eine große Demonstration borge- tungen nachdrücklichst zu unterdrüden. bezogen: sehen, von der die Deutsche Tageszeitung" behauptet, daß Tatsächlich haben die alldeutschen und antisemitischen 1. Entfernung der Sicherheitspolizei. fie von allen Parteien einberufen ist. Das ist sicher ein un- Radaubrüder von Breslau zwar die Papiere des franzöfigewollter, aber auch unverständlicher Irrtum. Die Sozial- schen und polnischen Konsulats beschädigt, aber noch viel demokratie ist an dieser Veranstaltung nicht beteiligt. größeren Schaden zugefügt dem deutschen Rolfe, So sehr ihre Sympathien auf der Seite der deutschen Ober- das durch seine Regierung wiederum bei der französischen um Schlesier stehen, insbesonder verknüpft find mit den Inter- Entschuldigung bitten muß für die Jungenstreiche, die ein fana- heute die Bergarbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit und gleichessen der deutschen Arbeiter Oberschlesiens , so sehr wird die tisierter deutschnationaler Haufen beging. Noch ist die zeitig die Bevölkerung zur Abgabe der Waffen für Sonnabend Sozialdemokratie fich doch hüben, sich ins Schlepptau friegs- Flaggengeschichte von Berlin nicht erledigt und schon muß mittag 12 Uhr aufzufordern. hegerischer Deutschnationalen nehmen zu lassen. Aus diesen abermals der Minister des Auswärtigen die Fensterscheiben reGründen hatte auch die Breslauer Parteiorganisation parieren lassen, die alldeutscher Uebermut eingeworfen hat. Die Oppeln , 26. Auguft. Die Aufstandsbewegung hat nunes abgelehnt, sich am Donnerstag an einer ähnlichen Demon- politische Lage ist im allgemeinen so gespannt, daß fie dié mehr auch die reise Groß- Streblik und Oppeln er stration für Oberschlesien in Breslau zu beteiligen. Wie fühlste Ueberlegung von allen Kreisen fordert. Es fönnen griffen, in denen verschiedene Orte, darunter Malapane, von Auf gut sie daran tat, haben die Ereignisse gezeigt, die fich an Maßnahmen notwendig sein, die heute noch nicht einmal er- ständischen besetzt worden sind. Die Familie des Grafen Strach diese Demonstration anschlossen. IIdeutsches Radau- wogen werden können, die aber unter Umständen zu ihrer wiß ist aus Groß- Stein geflüchtet. Bei Himmelwitz im Kreise gesindel hat dort die schwersten Ausschreitun. Durchführung harte Energie erfordern werden. Die deutsche Groß- Strehlik kam es zu einer langen Schießerei zwischen Sicher gen begangen, das polnische und das französische Konsulat Arbeiterschaft hat daran in hervorragendem Maße mitzuvir- heitspolizei und Aufständischen. Letztere bestehen, wie sich aus gestürmt, die Aften vernichtet und fremdländische Offiziere fen. Sie muß es sich daher auf das entschiedenste verbitten, Gefangenenaussagen ergibt, aus Lauter jungen Burschen im Aber bedroht. Wolffs Bureau gibt über diese Streiche von Spigeln daß durch die antisemitisch- alldeutsche Gesellschaft die Ent von 18 bis 20 Jahren. Unter der beschlagnahmten Munition wurden oder Fanatikern folgenden Bericht: widlung fünstlich in Bahnen gelenkt wird, die einwandfrei Dum- Dum- Geschosse festgestellt. Der Parole auf In Breslau , wo auf dem Schloßplaß eine Demonstrationsber- nicht dem Interesse des deutschen Volkes entsprechen. Noch Streitabbruch haben die polnischen Arbeiter nicht folge fammlung stattfand, in der Flüchtlinge aus Oberschlesien sprachen, stehen wir immer unter dem Druck der Ententetruppen, die im geleistet. Deutsche Arbeitswillige werden an der Arbeit gefam es nach Schluß der Versammlung zu erregten Vorgän- Westen versammelt und bereit sind, jeden Augenblick auf Befehl hindert. Die Umbildung der Sicherheitspolizei zur Abstimmungsgen. Aus Oppeln war das Gerücht eingetroffen, daß dort be- einzumarschieren in Gebiete, die die Lebensader des deutschen polizei und der Abtransport der nichtoberschlesischen Beamten ist waffnete polnische Haller- Soldaten in Bivil angelangt Wirtschaftslebens.darstellen. Unzählige Male ist auf diese Ge- im Gange. Die neue Bolizei, die gegen die alte vermindert und. seit den Mittagsstunden mit der deutschen Bevölkerung in fahr hingewiesen. Alle Welt weiß, daß das deutsche Volk in wird, kommt unter bireften französischen Befehl. Kämpfe verwickelt seien. Diese Nachricht versetzte die Menge in seiner Mehrheit feinen Krieg mill, daß es sich verläßt Ueber die Art ihrer Bewaffnung verlautet noch nichts. höchfte Erregung. Dazu kam, daß nach Schluß der eigentlichen auf sein gutes Recht und auf die Macht der wirtschaftlichen Tat- Breslau, 26. Auguft. Aus Oppeln wird hierher gemeldet: Versammlung noch wilde Redner auftraten. Beim Verlassen des sachen, die ihm schließlich doch wieder einen Blaz im Nate der Heute trafen hier Haller- Soldaten in Bivil ein. Sie Blahes machte sich die Erregung in drohenden Rufen gegen die Völker schaffen werden. Aber wir wissen, daß ein kleiner Kreis wurden erkannt von den hier weilenden 500 Flüchtlingen aus Polen und Franzosen Luft. von Kriegstreibern drauf und dran ist, ie de Gelegenheit zu er- Bogutschütz. Zwischen den Haller- Soldaten und den FlüchtPlöblich ertönte aus der Menge der Ruf: Wo ist das greifen, um Deutschland in außenpolitische Konflikte zu brin- lingen tam es zu Schlägereien, wobei französische& polnische Konfulat?" Es wird behauptet, daß der Ruf von gen, die es zum Brandherd machen und schließlich, so hofft man, Militär die Haller- Soldaten in Schutz nahm. Es widersetzte einem polnischen Spiel stammte. Vor dem Monopol- Hotel wieder von den Feffeln des Friedensdiftates und der Republik sich auch einer Entwaffnung des Anführers der Haller- Soldaten am Ausgang des Blazes nahm die Menge eine drohende Haltung befreien fönnten. Das friedliebende deutsche Volf, insbesondere durch die Sicherheitspolizei und geleitete sie zum Bahnhof. Als an, da sie französische Offiziere im Hotel vermutete. Da die Ver- die deutsche Arbeiterschaft, muß daher den alldeutsch - reaktio- darauf die Menge den, Bahnsteig zu stürmen versuchte, zog mutung nicht zutraf, wovon sich die Menge überzeugen ließ, be- nären Treibern um so schärfer auf die Finger sehen, als augen- ein französischer Offizier den Revolver, es gelang jedoch, den gaben sich mehrere Trupps halbwüchfiger Burschen zum polnischen blidlich ja nur ein Funke genügen würde, um das Pulverfaß Offizier unter Begleitung mehrerer französischer Soldaten in seine Konfulat, drangen dort ein und zerstörten die Einrichtung. Die zur Erolosion zu bringen. Wohnung zu bringen. Der Anführer der Haller- Sol. baten wurde auf die französische Saupti a che transportiert.-
zum Schutz des Konsulats dort dauernd stationierten Beamten der Die verantwortlichen Kreise der Entente können aber Sicherheitspolizei waren dem plötzlichen Anbrang der i aus den Vorkommnissen in Oberschlesien , in Breslau und