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Nr. 491 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 108

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Rernivrecher: Amt Moriapias, Nr. 15190-15197.

Montag, den 4. Oftober 1920

Spaltung der U. S. p.

Dorwärts- Verlag 6.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Feruivrecher: Amt Morinvlas, Nr. 11753-54.

Zum Betriebsrätekongreß.

Bon Clemens Nörpel

Bom Allgemeinen Deutschen Gewertschaftsbund und der Das Vorspiel in Württemberg . Crispien zur Erstattung seines Moskauer Referats ein. Trispien Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände( fa) einbe­berlangte Aufhebung der bisher von der Landesversammlung ge- rufen, tritt am Dienstag in Berlin der erste Kongreß Stuttgart , 4. Oftober.( WEB.) Auf der 2 and ever fagten Beschlüsse, was jedoch von der Versammlung abgelehnt der gewerkschaftlichen Betriebsräte zusammen. fammlung der U.S. P. Württembergs, die Sonnabend wurde. Dann hielt Stoeder sein Sorreferat, in dem er die un- Er bedeutet eine neue Etappe in der deutschen Arbeiterbewe und Sonntag in Cannstadt stattfand, wurde die Spaltung der günstigen russischen Zustände gar nicht selbst zu diskutieren wagte, gung, und von dem Ausgang seiner Beratungen fann ein Partei vollzogen. Nach stürmischer Debatte über den gleichwohl aber den Anschluß an Moskau empfahl. In der Aus- Strom des Segens für die Arbeiterschaft ausgehen. Ob das schließlich angenommenen Antrag der Anhänger der Moskauer Be- sprache fam eine gegenteilige Ansicht nicht mehr zum Ausbrud. der Fall sein wird, hängt allerdings von der Einsicht der dingungen, den Landesvorstand neu zu wählen, verließen Bedauert wurde, daß die Parteispaltung nicht Teilnehmer in die politischen und wirtschaftlichen Zustände ab. etwa 70 Delegierte den Berhandlungsseal, während die Anschon früher erfolgte! Einstimmig gelangte eine Refolution Es ist nüßlich, in diesem Augenblick einen Rückblick auf hänger Mestaus , 170 Delegierte, weitertagten. zur Einnahme, die vom Parteitag den Anschluß an Moskau die Entwicklung der Rätefrage in Deutschland zu werfen. Die Während etö der über die dritte Jnternationale referierte, schlug fordert, das Stuttgarter 11 EP- Blatt als Organ der Moskau - Revolution hatte zwei Körperschaften geschaffen: einmal die ein Versuch, Crispin, der mit der Minderheit gegangen war, freunde proffamiert und vom Parteitag eine scharfe Verurteilung politischen Arbeiter und Soldatenräte, zur Erstattung feines Referates zu bewegen, fehl. Die Minderbes Weglaujens Crispiens aus der Landesversammlung erwartet. welche die Leitung des Staates nach dem Willen der Volks heit tagte in einem anderen Lokal und erließ eine Rundgebung, Schließlich wurde ein neuer mostautreuer Landesvorstand, ge- mehrheit sicherstellen sollten, und zweitens die Arbeiter- und in der fic fich als die rechtmäßige. S. P. Württembergs wählt. Die Väter der württembergischen U. S. B., darunter Angestelltenausschüsse, die damit betrout wurden, der Wirt­erklärt, und dem bisherigen Landesvorstand das Bertrauen Crispien, befinden sich fast ausnahmslos bei der Minderheit, schaftsanarchie durch Arbeiterkontrolle ein Ende machen zu ausspricht. die am Sonntag für fich tagte, über deren Beschlüsse zur Shinde helfen. Genaues aber noch nicht borliegt. Die politischen Arbeiterräte hoben auf dem zweiten Räte­tongreß im Dezember 1918 dem deutschen Volke das demo­fratische Wahlrecht gegeben und damit die Bekundung des Bolkswillens sichergestellt. Gegen die Tätigkeit der Arbeiter­und Angestelltenausschüsse wurde von dem wieder erstarfenden Unternehmertum ein immer größer werdender Wider it and organisiert, so daß die Arbeitnehmer ge­zwungen waren, durch große Streits die Existenz der ge fchaffenen Betriebsvertretungen zu sichern und der Regierung die Anerkennung der Betriebsvertretungen in der Verfassung abzuringen.

Die Kasse ist leer... Es lebe Moskau ! Stuttgart , 4. Oktober. ( Eigener Drahtbericht des Vorwärts".) Sonnabend und Sonntag fand im Beisein von Crispien und Stöder eine außerordentliche Landesversammlung der U.S.P. statt, die gleich am ersten Tage die endgültige Spaltung brachte. Nach heftiger Geschäftsordnungsdebatte sprach die Versammlung der Anhängern Crispiens und des Landesvorstandes schon mit allen gegen 11 Stimmen das schärfste Mißtrauen aus. Dann stellte der Raffierer feft, baj

bie Kasse leer set

Die U. S. P.- Urwahl in Berlin . Am gestrigen Sonntag fand in Groß- Berlin die Urwahl Der Delegierten zum Parteitag der U. S. P. in den einzelnen Distrikten statt. Ueber das Ergebnis ließ sich bis Schluß des Blattes nichts Endgültiges in Erfahrung bringen. Immerhin zeigt es sich, daß die Mehrheit der Mostomiter innerhalb der unabhängigen Barteimitgliedschaft in der Reichshauptstadt doch nicht so überwältigend ist, wie man es nach den Abstimmungen und die Delegierten zum Parteitag erst nach Leistung eines Egt in den einzelnen Distriften während der letzten Wochen an- Von den Gewerkschaften wurde der Kampf für die Be­beitrages inftandgefest werden könnten. Das Rundschreiben des nehmen fonnte. In einzelnen Distriften haben sogar die triebsräte mit aller Energie aufgenommen. Sie hatten er Zentralvorstandes betreffend die Urmahlen der Parteitagsdelegierten Gegner der Moskauer Bedingungen eine kleine Mehr fannt, daß eine Regelung der Wirtschaft nur möglich ist, wurde als ufa jahlimmster Art bezeichnet und dessen Be- heit behalten. In den anderen, zum Teil sogar in denen, wenn Arbeiter und Angestellte die Kontrolle der Pro­achtung abgelehnt. Der Landesvorstand verlangte darauf, die seit jeher als besonders radikal angesehen wurden, verfügt duktion selbst in die Hand nehmen. Allerdings hat die daß ihm Gelegenheit zur Erstattung eines Tätigkeits der rechte Flügel noch immer über eine starke minder bürgerliche Mehrheit der Nationalversammlung dem Be berichtes gegeben würde. Das wurde mit 111 gegen 86 heit. Offenbar hat die unter der Leitung der Freiheit"-Re- triebsrätegeje ihren Stempel aufgedrückt. Trokdem Stimmen abgelehnt. Dem Landesvorstand wurden die daktion in der letzten Woche unternommene träftige Gegen- nahmen nach Inkrafttreten des Betriebsrätegesetzes die Ge­schlimmsten Schimpfworte wie Drehscheiben poli attion insofern gewirkt, als ein guter Teil derjenigen Unab- wertschaften die Wahl für die Betriebsräte energisch in tifer usw. zugerufen. Als der weitere Antrag der Minderheit, hängigen, die sich in den Mitgliederversammlungen bei der die Hand. Bon vornherein war fem Zweifel darüber gelassen die Versammlung auf eine halbe Stunde zu vertagen, mit 187 gegen Abstimmung nicht recht trauten gegen die Bedingungen zu worden, daß das Betriebsrätegesez den Wünschen der Arbeit. 63 Stimmen abgelehnt wurde, verließen die Anhänger stimmen, bei der geheimen Urwahl ihren Mut wiederfanden. nehmer nicht entspricht. Crifpiens und des seitherigen Landesvorstandes den Saal So hat in Neukölln, einer alten Hochburg der Radikalsten, Stampf gegen den kapitalistischen Betriebsabsolutismus. unter ungeheurem Radau. Es war aber nur ein die Wahl folgendes Ergebnis gehabt: Für die Annahme Die unter dieser Parole durchgeführten Wahlen führten zu fleines Säuflein, 45 von insgesamt 217 Delegierten, ferner der Moskauer Bedingungen 2800, gegen Moskau 2200 einem großen Erfolg. Sofort nach Durchführung der Wahl zwei Rebak eure des Stuttgarter Sozialdemokrat", ein Teil der Stimmen. Alles in allem ist mit einer Mehrheit bon gingen die Gewerkschaften wiederum an die nunmehr not­Brezkommission, mehrere Abgeordnete usw. Das mostaufreund etwa 60 Pro 3. in Groß- Berlin für Mosknu zu wendige Zusammenfassung der Betriebs­liche Parlament tagie weiter und lub den Zentralvorsitzenden rechnen. räte, die bekanntlich im Betriebsrätegeseb selbst nicht vorge sehen ist. Die Gewerkschaften taten dies in der Erkenntnis ,. daß der einzelne Betriebsrat eine Kontrolle der Bro­buftion oder eine Webernahme der Wirtschaft nicht vor­nehmen könne, sondern daß dies Aufgabe der Allgemeinheit für die Allgemeinheit fein muß. Es erschienen sodann die Richtlinien des A. D. G. B. und der Afa, welche den Betriebs­räten die ganze Macht der Gewerkschaften zur Verfügung stellen, um auf dieser Grundlage die Durchführung ihrer Aufgaben zu beginnen. Ein Arbeitsplan wurde aufgestellt, in dessen leztem Absatz es heißt:

A

das auf eine Erhöhung der laufenden Unterstützung für die Bin das auf eine Erhöhung der laufenden Unterstübung für die in termonate hinausläuft, wird in den nächsten Tagen Gegenstand

einer Rabinettsberatung sein.

Die Notlage der Arbeiterschaft. Eine Besprechung beim Reichspräsidenten . Aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands sind bei 4. Die Regierung ist in letzter Beit mit Erfolg bemüht, mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkjaftsbund Beschwerden Silfe des Zusammenflusses der Produzenten auf der einen Seite und Anträge eingelaufen, welche eine unbegründete still und der gewerkjaftlichen Verbände als Arbeitnehmerorganisationen legung von Betrieben, die Fürsorge für die auf der anderen Seite die Preife wichtiger Verbrauchsgegenstände beitslosen, die Frage des Preisabbaus und die zu verbilligen. Bei den Eisenbahnern ist diese Aktion schon in Lebensmittelberjorgung, besonders die Verjor- Birksamkeit getreten. Sie wird in allernächster Zeit weitere An­gung mit Kartoffeln sowie die Frage der Steuerabzüge wendung finden. zum Gegenstand hatten. Am Sonnabend, dem 2. Oktober 5. Am 28. September tam zwischen Führern der Landwirt wurden in einer Sigung beim Reichspräsidenschaft, des Handels und der Arbeiterschaft eine Vereinbarung zu ten in der das Reichsernährungsministerium und das stande, wonach ein Preis von 25 M. je 8entner artoffeln Reichsarbeitsministerium vertreten waren, dieie Fragen ein- Grzeugerpreis in teinem Falle überschritten und dort, gehend vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerf wo es die örtlichen Produktionskosten gestatten, dieser Preis nach schaftsbundes dargelegt. Eine ausgiebige Besprechung Möglichkeit gesenkt werden soll. Diese Vereinbarung hat eine seitigte folgendes Ergebnis: gewisse Beruhigung hervorgerufen. Alles kommt aber auf ihre 1. Eine Verordnung, betreffend Abbau und Stillegung von entsprechende Durchführung in den einzelnen Reichsteilen an. Die Betrieben geht vom Reichswirtschafts- und Reichsarbeitsministe. Ernährungsminister der einzelnen Länder find deshalb vom rium in den allernächsten Tagen dem. Reichstag zu. Diese neue Reichsernährungsministerium bereits schriftlich und auf der Er Verordnung dürfte den Wünschen der Arbeiterschaft im wesent­lichen gerecht werden.

nährungstonferenz der Minister, dieam 1. Ottober in Berlin tagte, auch mündlich ersucht worden, ihrerseits auf das Zustandekommen örtlicher Vereinbarungen im Sinne des Abkommens vom 28. Sep­tember mit allem Nachbruck hinzuwirken.

2. Die Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge werden in lester Zeit ausgiebig in Anspruch genommen und über das bisher vorgesehene Maß hinaus zur möglichsten Beseitigung der Dabei soll insbesondere angestrebt werden, daß nach Arbeitslosigkeit berwandt werden. Das Reichsamt für Arbeits- Vorgängen in einzelnen Teilen des Reichs durch diese Ber­vermittlung, dem die Erledigung der einschlägigen Unträge im einbarungen, eine norzugsmeiie billigere Belieferung der einzelnen obliegt, wird sein möglichites tun zur schleunigsten Er. minderbemittelten Bevölkerung mit Kartoffeln lebigung. Dabei jollen diejenigen Bezirke und Industrien, welche fichergestellt wird. Diese Bestrebungen iollen nach Möglich gegenwärtig bornehmlich Noi leiden, besondere Berüdicht feit weitergefördert und ausgebaut werden. Einem wucheri gung finden. Durch Kabinettsbeschlug sind bereits iämtliche ichen Einkauf von Kartoffeln wird vom Reichsernährungs­Reids. und Staatsbetriebe angewiesen, alle nur möglichen Be ministerium mit allen Mitteln entgegengetreten werden. ftellungen jest herauszugeben. Einschlägige Fälle sollen sofort zur Anzeige gebracht werden. Aprarbewegung in Sizilien ?

Im Hinblick auf den vorstehenden Aufgabenkreis ist ein ge­trenntes Arbeiten von Betriebsräten und Gewerkschaften wöllig undentbar. Nur das engste Zusammenwirken beider Teile der Arbeiterbewegung tann zum Erfolg führen. Je gründlicher die Arbeiter und Angestellten in das Wesen der heutigantapi­talistischen Wirtschaft eindringen und je fachkundigez fie dem Unternehmer entgegentraten, um so unüberwindlicher wird die Macht der Arbeiterklasse."

Außerdem wurde jetzt der Betriebsrätetongreß einberufen, durch den der Wille der Betriebsräte und die Richtlinien für die weitere Arbeit festgestellt werden sollen. Alle diese Maßnahmen wurden von dem Unternehmer­tum und seiner Presse mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Das Berliner Tageblatt" widmete diesen Maßnahmen der Gewerkschaften einen längeren Zeitartikel, der trotz seiner objektiven Darstellung der Vorgänge zwischen den Zeilen die große Besorgnis nicht unterdrüden konnte, daß die Ar­beiterschaft endlich auf dem richtigen Wege sei. In diesem Artikel murde unter anderem geäußert:

,, Es ist sicher anzunehmen, daß die freien Gewerkschaften, die in allen biefen Dingen völlig einig sind ohne Unterschied der politischen Stellung ihrer Beitung zu den sozialistischen Parteien mit ihrer oft erprobten Gründlichkeit an die Ausführung dieses Programms gehen werden; die zahlreichen Betriebsräteturfe und Die ersten Nummern der Betriebsrätezeitung" des Allgemeinen Deutschen Gemerschaftsbundes mit zahlreichen instruttiven Bei trägen über wirtschaftliche Fragen aller Art zeigen, daß die Ar­

3. Die Unterstügung der Arbeitslosen wird gegenwärtig er. häbi. Burzeit tommen die bereits vor mehreren Wochen bewillig. ten besonderen Beihilfen für langfristige Ermerbslose mit Rom . 4. Oftober.( Meldung des Hollandsch Nieuwsbureaus.) beiterbewegung mit vollem Bewußtsein den Ein­Familie zur Auszahlung. Die vom 5. Ausschuß des Reichstags Aus Palermo wird gemeldet, daß die Bauern einen Großgrund aug in die prattische Wirtschaftspolitit hält; die zeit­eingefeßte Unfertommiffion hat mit dem Arbeitsministerium über befiß, welcher brady lag, befeht haben. Sämtliche Großweilig drohende Gefahr des Syndikalismus, die der Mätebewegung die Anpassung der Arbeitslosenunterstübung an die Bedürfnisse des grundbesibe in Sizilien find jetzt von den Arbeitern und bis ju einem gewissen Grade innewohnt und durch das Be­Winter am 1. Ottober beraten. Das Ergebnis dieser Beratung, Bauern beset worden. triebsrätegefeh in mancher Beziehung verstärkt wurde, wird