Str.494 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 110
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Mittwoch, den 6. Oftober 1920
Plötzlicher Elektrizitätsstreik.
Ganz unerwartet ist Berlin von einem Elektrizitätsstreit sich die Direktion der Straßenbahn an den Betriebsrat des betroffen worden, von dessen bevorstehendem Ausbruch wohl Fahrpersonals wandte und fragte, ob am heutigen Mittwoch niemand etwas geahnt hat. Erst durch die nächste Folge- das Personal arbeiten werde, erhielt sie eine ausweichende wirkung, die plösliche Lahmlegung des Straßen- Antwort. bahnverkehrs, wurde die Bevölkerung auf das ErDie Gründe zu dem Streif dürften nach Ansicht der BS.eignis aufmerksam gemacht. Da niemand wußte, worum es hauptung überlassen müssen, lesten Endes in politischen Korrespondenz, der wir die Verantwortung für diese e- sich handelte, so bildeten sich bald die allerverschiedenartigsten Ursachen zu suchen sein. Es haben nämlich am geftrigen bildeten fich bald Gerüchte. Dienstag bereits Verhandlungen zwischen Der Streik geht aus von den Heizern des Elektri. Elektrizitätsarbeitern und aitätswerks Moabit. Von der Direktion der Städti- nern stattgefunden, um die letteren zur Solidarität Strahenbah schen Elektrizitätswerke Berlin erfahren wir über die Gründe zu verpflichten. Auch zwischen den Arbeitern der einzelnen des Streits folgendes: Seit längerer Zeit, etwa einer Woche, Kraftwerke fanden Besprechungen statt, die Heizer des Kraft wird mit den Heizern wegen Herabiehung der Ar werkes Rummelsburg erklärten sich ohne weiteres zur Solibeitszeit verhandelt. Die Heizer erklären, daß sie bei darität bereit. Wie die genannte Korrespondenz weiter hört, der schlechten Qualität der gelieferten Kohle werden am heutigen Mittwoch Vormittag im Rathaus Beder schlechten Qualität der gelieferten Kohle sprechungen mit den Streifenden und Beauftragten des Verdie achtstündige Arbeitszeit nicht aushalten können. Die bandes der Heizer und Maschinisten stattfinden, von deren Direktion erklärte fich bereit, die Arbeitszeit auf 7 Stunden Ausgang es abhängen wird, ob Berlin noch länger ohne Licht herabzusetzen. Damit waren aber die Heizer nicht zufrieden, und Kraft bleibt. die den sechsstündigen Arbeitstag verlangten. Am Dienstag nachmittag 3 Uhr legten sie plöglich ohne vorherige Ankündigung die Arbeit nieder und verließen den Betrieb.
Die Nachricht, daß die deutschösterreichische Nationalverfammlung einstimmig beschlossen hat, ein Plebiszit über die hat ihren starken Eindruck auf die Ententeländer nicht verFrage des Anschlusses an Deutschland zu veranstalten, fehlt. Bekanntlich gehen, wie in so vielen anderen Fragen, die hat ihren starken Eindruck auf die Ententeländer nicht verAnsichten der einzelnen Alliierten gegenüber diesem Streben gemein ist im Lager der Entente die Ansicht zum Durchbruch des deutschösterreichischen Volkes nach Vereinigung mit dem Deutschen Reiche schon seit geraumer Zeit auseinander. Allgekommen, daß Deutschösterreich, so wie es in Saint- Germain fünstlich und gewaltsam geschaffen wurde, nicht lebensmährend des Winters 1919-20 haben allen Politikern fähig ist. Die namenlosen Leiden der Wiener Bevölkerung Europas die Augen geöffnet, und sogar in Frankreich ist während der Ratifikationsdebatten über den Frieden von St. Germain manche Stimme laut geworden, die auf die llnhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes eindringlich hinwies. Aber auch diese verhältnismäßig Einsichtigen sahen den einzigen Ausweg darin, daß Desterreich eine umfassende Silfe wirtschaftlicher und finansieller Art zu gewähren seieine Hilfe aber, die Frankreich zu allerlegt imſtande ist zu Teisten. Italien dagegen hat die Gefahr erkannt, die in einem FeſtDurch den überraschend gekommenen Elektrizitätsstreik halten an dem ursprünglichen Standpunkt des Anschlußverist auch die Herstellung unserer Zeitung in botes erwachsen könnte: die Bildung einer sogenannten Mitleidenschaft gezogen worden. Wegen des Ver- Donau- Konföderation, die alle mehr oder weniger sagens des elektrischen Stromes mußte der Vorwärts" zum Teil außerhalb unseres Betriebes gedruckt werden. Hierdurch machte sich für einen Teil der Auflage ein früherer Redaktionssch In als sonst notwendig, so daß für diesen Teil die letzten einlaufenden Depeschen nicht mehr verDie Korrespondenz BS. gibt folgende mit der unseren wertet werden konnten. In Anbetracht der besonderen Umstände bitten wir unsere Leser dies zu entschuldigen. im wesentlichen übereinstimmende Darstellung:
Es handelt sich offenbar um einen wilden Streik, der aber dadurch von Bedeutung ist, daß er eine große Anzahl von Betrieben in Mitleidenschaft zieht und zahlreiche Arbeiter zum Feiern zwingt.
Die Haltung der Straßenbahner.
Zu dem Elektrizitätsstreit meldet WTV.: Durch den Streit im Städtischen Elektrizitätswerk Moabit hörte im Haniaviertel auch die elektrische Beleuchtung auf, so daß ganze Straßenzüge in Dunkel getaucht sind. In der Telephonzentrale des Amtes Zentrum arbeiten bie Telephonistinnen bei Talglicht, da auch hier der Strom abgeschnitten worden ist.
vor allem weniger lebensfähigen Staatengebilde umfassen würde, in die die einstige Habsburger Monarchie zerfallen ist. Italien, das ganz gut weiß, daß ihm vom neuen Deutschland dagegen keine Gefahr droht, und das sich längst von der Psychose befreit hat, unter der das amtliche Frankreich noch immer leidet, macht aus seinen Ansichten schon längst fein Hehl mehr und tritt offen für die Zu lassung des Anschlusses ein. O
Berlin ist am gestrigen Dienstag in überraschender Weise England ist an dieser Frage wenig interessiert. Im von einem Streit der Elektrizitätsarbeiter betroffen worden, ersten Jahre nach dem Waffenstillstand gab Lloyd George faſt dessen Ursachen bis zur Stunde noch wenig geklärt sind, da allen Wünschen Frankreichs nach und erkaufte sich mit diesent selbst die Direktion der städtischen Kraftwerke widersprechende Wohlwollen die Handlungsfreiheit und die Vorteile, die es Meldungen über die Ursache des Ausstandes bekannt gibt. auf anderen Gebieten, zum Beispiel in der Frage der VerDurch den Streit ist ein großer Teil des Berliner teilung der deutschen Kolonien und der deutschen Tonnage, Straßenbahnverkehrs lahmgelegt worden. Die brauchte. Indessen ist die liberale und sozialistische Strömung Einstellung der Arbeiten im Kraftwerk Moabit erfolgte so Wie wir weiter erfahren, ist es an einigen Stellen der Stadt in England gewaltig gewachsen, die Opposition gegen die plöglich, daß die Straßenbahnwagen in Moabit auf den allem Anschein nach zwischen streifenden Arbeitern und Straßen Gewaltfriedensverträge von Bersailles und St. Germain Straßen stehen bleiben mußten, ohne daß das Personal die bahnern zu Auseinander fegungen gelommen. Die ersteren nimmt von Monat zu Monat zu, und das englische AnstandsMöglichkeit hatte, die Züge wenigstens in die Bahnhöfe zu baben die Straßenbahnfahrer z. B. an der Ede Belle- Alliance- und gefühl, das niemals ausgestorben ist, besonders nicht da, wo bringen. Die großen Geschäfts- und Kaufhäuser wurden von Gneisenaustraße aufgefordert, in den Streit einzutreten. Die Fahr. Englands Interessen nicht direkt auf dem Spiele stehen, hat dem Lichtstreit in der allerunangenehmsten Weise überrascht. gäste wurden zum Verlassen der Wagen genötigt. Blond George gezirungen, sein Urteil über verschiedene Sie mußten ihre Geschäfte mit Einbruch der Dunkelheit In allen Fällen trat bie Sicherheitspolizei fofort ein, so dragen der europäischen Politik zu ändern, zu denen auch die schleunigst schließen. Die Kraftwerke Südwest und Char- daß die Ruhe wiederhergestellt worden ist. Der Straßenbahnber- Anschlußfrage gehört. lottenburg arbeiteten weiter, so daß die Direktion der lehr hat jedoch vollständig aufgehört. Aehnliche Meldungen von aus aufrichtiger- aber finnloser Angst vor einem Allein Frankreich sträubt sich noch immer, teils Straßenbahn wenigstens den Verkehr nach dem Westen auf der Einstellung des Straßenbahnverkehrs liegen auch aus Halensee wiederhochkommenden Deutschland, teils aber auch in der und Wilmersdorf vor. Daß bie Straßenbahner in einen Streif Sucht nach Demütigung und Schikanieren des Die Direktion der Straßenbahn erhielt am Nachmittag eintreten könnten, hält man an maßgebender Stelle für ausgezu Boden liegenden Gegners gegen die Verwirklichung dieser von der Direktion der Kraftwerke die lakonische Meldung, daß fchloffen, ba es fich nur um geringe Forderungen der zu Boden liegenden Gegners gegen die Verwirklichung dieser im Kraftwerk Moabit Lohn differenzen mit den Ar- Straßenbahner handelt, die die Direktion erfüllen zu fönnen sprechenden Artikel der Verträge von Versailles und von rein ideellen Forderung des Anschlusses. Gestüßt auf die entbeitern ausgebrochen seien und daß die Angelegenheit am hofft. Die Berhandlungen zwischen der Direktion und den Straßen St. Germain und auf die Beratung des Völkerbunds. heutigen Mittwoch den Magistrat beschäftigen werde. Als bahnern sollen einen günstigen Verlauf nehmen. statutes, wonach eine Grenzveränderung nur zulässig ist, wenn der Völkerbundsrat einstimmig damit einverstanden ist, macht es sich start, durch seine Opposition den Anschluß in alle Ewigkeit zu hintertreiben.
recht erhalten fonnte.
Vorschläge zum Tauschhandel. Experimente am Wirtschaftskörper, zumal solche, die nicht aus wirtschaftlichen, fondern aus politischen Gründen erwachsen find, Baris, 5. Oktober.( H. N.) Die Blätter weisen darauf hin, müssen angesichts der jegigen wirtschaftlichen Rot und der außen daß der französische Gesandte in Berlin, Laurent, der jest in Paris politischen Lage zurüdgewiesen werden. angekommen ist, anstatt eines Programms für Schaden- Wir bekennen uns grundsäglich zur Unentbehrlichkeit vergütung, das die deutschen Minister versprochen hatten, nur des Unternehmungsgeistes und erkennen in der ErBorschläge zum Tauschhandel mitgebracht hat, aber daß haltung der selbständigen Eristenzen in Landwirtschaft, Industrie, aus diesen Borschlägen der offizielle Wunsch hervorgeht, Handel, Gewerbe und Mittelstand eine unserer dringendsten und einer balbigen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen vornehmsten sozialen Aufgaben. Beziehungen zu kommen.„ Echo de Paris" schreibt: Deutsch- Von diesem Gesichtspunkte aus lehnen wir die beiden für die land will das Abkommen von Boulogne nicht ausführen, laut Sozialisierung der Rohlenwirtschaft gemachten Borschläge der Soziali welchem es im Austausch für Borschüsse zur Berbesserung fierungskommission ab, bei deren Zustandekommen überbies bem der Ernährung der deutschen Bergarbeiter Frankreich die Bons, die Sachverständigen des Bergbaus ein bestimmender Einfluß nicht ein am 1. Mai 1921 fällig werden, früher zurückzuzahlen hat. Frankgeräumt worden ist.
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Nun gibt es aber, glücklicherweise, neben der rohen Gewalt, auf die sich die Preußen der Nachkriegszeit, nämlich die Franzosen, stügen, noch eine Macht des Idealismus, die in allen anderen Ländern noch etwas gilt. Und die einmütige Kundgebung der österreichischen NationalberSammlung, die nur das Vorspiel zu einer einmütigen Kundgebung des gesamten deutschösterreichischen Volfes war, ist in der Tat geeignet, alle Europäer, die noch einen Fun ten bon Anstand und einen Rest von Gewissen befigen, an dieses Verbrechen gegen das Selbst. bestimmungsrecht der Völker zu erinnern.
reich muß deshalb diese neue Bürde, die am 1. Auguft 124 Millionen An den Weimarer Beratungen der Deutschen Volks- die Welt wissen, daß keine noch so einmütige Kundgebung Frank beansprucht hat und wahrscheinlich den gleichen Betrag für den partei haben auch die Minister der Deutschen Volkspartei des deutschösterreichischen Volkes es aus seinem HenkerſtandSeptember in Anspruch nehmen wird, vorläufig ſelbst tragen. Außer. Dr. Heinze und v. Raum er teilgenommen. Die„ Kreuz- punkt abzubringen imstande wäre. Der„ Dena" zufolge dem verwendet die Deutsche Regierung die Borschüsse nicht für die Beitung" wirft die berechtigte Frage auf, ob diese beiden schreibt der„ Temps", also das offiziöje Organ des Ernährung der Berglente, sondern das Geld verschwindet in dem Minister seinerzeit dem Kabinettsbeschluß zugestimmt Bariser Auswärtigen Amtes, zu diesem Beschluß des öfterdunklen Kreislauf der Finanzoperationen, über die Herr von Berg- haben, durch den der Reichswirtschaftsminister beauftragt reichischen Parlamentes u. a. folgendes: mann, der Deutschland in Brüffel vertrat und der fich jest in Baris wurde, umgehend den Entwurf eines Ge Wenn man in Wien die Organisation einer Boltsabstimmung befindet, der Kommiffion für Schadenersat Informationen erteilen fees über die Sozialisierung des Berg vorschlägt, so heißt das offensichtlich, daß man auf ein dem Anfoll." banes vorzunehmen. Sie hält das für ausgeschlossen, schlußgedanken günstiges Ergebnis hofft, ein Ergebnis, das Aber doch ist es so. Dieser Beschluß wurde vom Reichs im Nu cin Argument darstellen würde, aus dem die Deutschen au Volkspartei gegen Sozialisierung. tabinett am 22. September einstimmig gefaßt. Sämt- Nuß und Frommen ihrer These jeden Vorteil zu ziehen nicht unterliche brei Minister der Deutschen Boltspartei, lassen würden. Das Plebisait hätte also offensichtlich feinen andeDrehscheibenpolitik der volksparteilichen Minister. Dr. Heinze, b. Raumer und Scholz, waren bei ren Zwed, als der ganzen Welt verkündigen zu fönnen, daß man Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat sich dieser Beschlußfaffung anwesend und haben dem österreichischen Bolte das Recht, frei über fich felbst zu bein ihrer Weimarer Tagung auch mit der Frage der Sozugestimmt. Ein zwiespältiges Verhalten, das selbst durch stimmen, versagt. Nun hat bereits die Friebenstonferenza die zialisierung befaßt und eine Resolution angenommen, den jesuitischen Ausspruch des Grafen Leicester im Staatsrat elementare Vorsicht obwalten laffen, in den bindendsten Formen die in ihren entscheidenden Sägen folgendes besagt: spreche ich anders" nicht genügend geklärt wird. die Unabhängigkeit Oesterreiche ficheraus.llen, weil