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Nr. 499 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 112

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Sozialdemokrat Berlin .

Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

werniprecher: Amt Morisvlas, Nr. 15190-15197.

Freitag, den 8. Oftober 1920

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Sw. 68, Lindenstr. 3.

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Die Entente rüstet am Rhein .

Fin rheinischer Abgeordneter schreibt uns:

gewaltige Munitionslager, das bei Kaiserslautern ge­

für eine Millionenarmee

Der Betriebsrätekongreß. Der demnächst dem Reichstage zugehende Reichshaushalts- plant ist. Es soll nicht weniger als 600 ettar umfassen. plan enthält eine ganz ungeheuerliche Biffer für die Kosten der Das gibt Raum für so viel Explosionsstoffe, daß man damit Der erste Reichskongreß der Betriebsräte ist nach dreitägi­gegnerischen Bejakungstruppen und Ententekommissionen: die gesamte rheinische Bevölkerung wegfegen fönnte. Diese gen Verhandlungen zu Ende. Durch zahlreiche Klippen hin­15 Milliarden Mark. Diese Summe beruht offensichtlich nur unübersehbaren Munitionsmengen müssen für rechtsrheinische durch ist er von den Genossen Graßmann und Auf­auf Schätzungen der zuständigen Ministerien. Ob sie ausreichen Pläne bestimmt sein., Allein das Munitionsdepot bei Kaisers. Häuser in einer Form gesteuert worden, die auch der stark wird, ist sehr zweifelhaft. Sicher ist nur, daß wir min de lautern wird organisierten und planmäßig vorstoßenden Opposition, ftens 15 000 Millionen Mark allein für das Besagungsheer soweit es die 8eit, die dem Kongreß zur Verfügung stand, irgend gestattet hat, weitesten Spielraum ließ. Der Kom­munist Brandler, Richard Müller und der Russe Losowsin haben sich bemühen fönnen, die 1100 Rongreßte Inehmer mit ihrer Weltanschauung und ihren Aktionsplänen bekanntzu­machen, soweit sie ihnen überhaupt fremd waren. An energi­schen Versuchen, den Kongreß zu sprengen, hat es nicht gefehlt, aber eine starte Majorität war von dem Bewußtsein getragen, daß der Kongreß zu einem positiven Ergebnis fommen und ungeachtet der politischen Differenzen innerhalb der sozia­liftischen Arbeiterschaft eine Organisation entstehen müffe, die Trägerin und Führerin in den bevorstehen. den gewaltigen Kämpfen der Arbeiterschaft um die Erringung einer sozialistisch geleiteten Wirtschaft sein kann.

und die Ententekommissionen, die es sich inmitten hungernder ausreichen. Ergänzt werden diese Rüstungen durch eine ander deutscher Städte wohl sein lassen, aufzubringen haben. Wenn wir als Sozialisten den Siegern an sich schon das wärts geplante große Tantanlage und durch Brüden Recht abfprechen, nach dem Friedensschlusse Teile Deutschlands bau übungen an Stellen, die für einen Rheinübergang befest und die Bevölkerung unter Ausnahmerecht zu halten, ſo io bestreiten mir noch mehr die Notwendigkeit, so große Seeres. maffen im Rheinlande aufmarschieren zu lassen. Nach unseren privaten aber zuverlässigen Ermittelungen steht am Rhein ein Heer bon

140 000 bis 150 000 Soldaten.

Eine so starke Armee ist unmöglich vonnöten, um die ent­waffnete rheinische Bevölkerung, die ohne Arg ist, in Schach zu halten. Ein mächtiges Heer verliert den Charakter einer Be­fatungstruppe, die das durch den Rheinstrom schon start ge­schützte haustpfand" halten soll, sondern wirkt als Bedrohung der vorgelagerten Teile der deutschen Republik, und wird so auch im Rheinlande allgemein empfunden.

großer Truppenmassen von jeher in Betracht gekommen sind. All diese Vorbereitungen find feineswegs fyftemlos, sondern bilden eine wohlüberlegte militärische Rette von Anlagen ant hein, die nach weitgesteckten Plänen geknüpft ift. Nicht au übersehen ist, daß diese Rüstungen faug von Amerikanern und Briten , sondern fast ausschließlich von den Frangofen und Belgiern betrieben werden.

Für uns Rheinländer hat dieser friegerische Aufmarsch unmittelbar die Bedeutung, daß uns tausende Sektar frucht baren Aderlandes rüdfichtslos entzogen werden und unsere Er nährung noch mehr verschlechtert wird. Die Einquartierungs­last wächst und droht noch mehr zu wachsen. An großen Städten werden gerade die Straßenziige mit den geräumigsten Säufern für eine amangsmäkige Einquartierung deutscher Ziviliften Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Tatsache, daß die acfperrt. Ententeoffiziere, Unteroffiziere( biele gegen das Militärs der Entente Vorbereitungen treffen, die unmöglich Rheinlandabkommen) werden mit ihren Familien und mit mit der Besatzung etwas zu tun haben können, fondern gans Dienerschaft in den großen Wohnungen untergebracht, die ob­flar das Rheinland für den Aufmarich gewaltiger dachlose deutiche Familien aufnehmen fönnten. So fteigt die Truppenmaffen, weit über die jetzt schon hohe Stärke. Wohnungsnot im Rheinlande ins Unerträgliche. hinaus, borbereiten follen. Wir Rheinländer sehen diese

Rüftungen, die im Reiche und feiner Hauptstadt vielleicht nicht genügend beachtet werden, täglich vor uns. Einige diefer Vor­bereitungen mögen für sich sprechen: Bei Trier wird ein wert­volles Gelände von riesigem Ausmaß für eine Felsbäderei in Anspruch genommen, die

täglich 400 000 Mann

Dentich lond? Die Antwort lautet wohl, daß wir im gegebenen Was aber bedeuten diese Rüstungen für das übrige Deutschland ? Augenblick

FR

jede Zwangsmaßnahme zu gewärtigen

Die Referate Wissells und Hilferdings hoben dem Kongreß gezeigt, wie es um die wirtschaftliche Existenz des deutschen Volkes bestellt ist. Sie haben nachgewiesen, daß die bisherige fapitalistische Wirtschaft unfäbig ist, die aus dem Kriege geftellfen Probleme zu lösen, daß die Soziali. fierung der reifen Wirtschaftszweige und die planmäßige Bufammenfaffung aller übrigen Wirtschaftszweige zur Bor. bereitung für eine Sozialisierung erfolgen müsse. Bedeutet aber Sozialisierung Kontrolle der Produktion und der gelegt werden, diese Kontrolle als Organe der Allgemeinheit Güterverteilung durch die Boltsgesamtheit, dann müssen die in allen Betrieben gewählten Betriebsräte in den Stand auch ausüben zu können, müssen sie sich das dazu notwendige Mak von Wissen verschaffen, müssen sie aber auch eine andere rechtliche Stellung erhalten, als sie das Betriebsrätegesetz ihnen heute einräumt.

haben. Mögen die heillofen Phantasten auf der äußersten Rechten und der alleräußersten Rinken, die gerne von dem Am 15. uni und 5. Juli hatte der Ilgemeine mit Brot verforgen fann, während doch die jetzige Befagungs. Bluff" der Entente fdmäßen, fich gefaat fein laffen, daß die armee nur rund 150 000 Röpfe zählt. Die bestehenden deutschen Borbereitungen am Rhein sehr realer Natur find und im Ernst- Deutsche Gewertschaftsbund" und die Afa" ihre Flugbläge reichen für die Bedürfnisse der Ententemilita falle auch eingescht werden. Militoriften fpielen in folchen Organe aus dem ganzen Reich nach Berlin berufen, um die Busammenfassung oller frei. riften nicht aus. Sie werden um zahlreiche neue bermehrt. Dingen nicht. Für Moskaualäubige aber fei noch hinn gewerkschaftliche Wem will man einreden. daß diefe vielen Flugpläge für das gefügt, daß nur geiftia Blinde von einer baldigen Revolutio. ae merrichaftlich organisierten Betriebsräte herbeigu­Beiagungsheer in einem friedlichen Bande bestimmt nierung der Ententesoldaten träumen fönnen. Ein Rom - führen. Nichtlinien für die Busammenfassung in einer gewerf. feien? Neue Ererzierpläge. neue Truppen. mandowort des Generaliffimus, und die wohlverbfleaten. reich fchaftlichen Betriebsrätezentrale wurden geschaffen. Die An. übungspläte, neue Trubrenlager werden an- lich befoldeten, glänzend ausgerüsteten Mannschaften mar- erkennung dieser Richtlinien für den Aufbau einer fich auf den Gewerkschaftsbau als inneren, feften Rern stigenden Be­gefordert. Neue Raiernen werden gebaut. Die gewiß nicht ichieren. geringen Anlagen, die der preußische Militarismus vor dem Sind unferen Genoffen in den Entente- triebsräteorganisation follte der von 9 Millionen Arbeitern ge­Kriege und während des Weltringens in der rheinischen Grenz ländern diefe militärischen Rüstungen ihrer wählte erste Reichskongreß geben. Diefer gewerkschaftlichen Be broving geschaffen hatte, genügen für die Seere nicht, die aus. Reaierungen befannt? Wir Rheinlande: triebsräteorganisation steht eine andere gegenüber, die auf dem zogen, um den breußlichen Militarismus in vernichten, und die richten unfern Not. und Warnungsruf an die Kongrek die Opposition darstellte. Sie will die Betriebsräte, uns nun felbft einen höchft gefteigerten Militarismus vorleben. Friedensfreunde in aller Welt und erwarten, aleichgültia ob fie überhaupt organisiert find oder welchen Diese riefenhaften Anlagen können unmöglich nur für Be Daß er nicht ganz ungehört und nicht ohne ir- wirtschaftsfriedlichen Verbänden sie auch angehören, unabhängig von den Gewerkschaften at selbständigen politischen Kampf. fabungszwecke bestimmt sein. Das gilt insbesondere für das tung verhallen wird. organen, und die Gewerkschaften in induftrieverbände zu­fammenfaffen. Die Opposition gibt sich dem Glauben hin, oder Lohmleguna aller nichtrevolutionären Beitungen diene zur behauptet es wenigstens, daß es thr in einer folchen Ren Borbereitung einer aanz große Aktion". Dem gegenüber sei festgestellt, daß die nichtrevolutionären Rei- trale gelingen würde, die gelben, christlichen und Sirich Dunderiden Betriebsräte zu revolutionären tungen" nicht wegen ihrer politischen Saltung lahmgelegt Betriebsräten umformen zu können. Der Kongreß ist in seiner find. fondern wegen der Nich bewilligung berechtigter Forde übergroßen Mehrheit dieser Auffaffung nicht beigetreten und rungen ihrer Angestellten. Der gute Wille der Verleger, den übergroßen Mehrheit dieser Auffaffung nicht beigetreten und Konflift beizulegen, wird genügen, um den gegenwärtigen hat die selbständigen Betriebsrätezentralen abgelehnt. Da sich in Berlin , Salle, Düsseldorf usw. solche selbständi­Bustand, den auch wir als einen 1ebelstand empfinden, zu be- aen Rentralen bereits gebildet haben, ist mit der Ablehnum feitigen. Die Streifenden und Ausgefperrten wollen nicht feitens des Reidsfonarefics diefe Oppofition natürlich nicht Nach unseren Informationen ist bei scher I die Aus- die Meinungsfreiheit vergewaltigen oder eine ganz große sperrung vollständia durchgeführt, ähnlich liegen die Dinge Aktion" vornehmen.. Sie wünschen vielmehr nichts als die beleitiat. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dok sie den ihr. bei Ilstein u. Co.. bei mofie befindet sich der größte Durchießung ihrer rein gewerfidhaftlichen Forde reichlich zur Verfügung stehenden revolutionären Bhrafenfchwall 311 weitesten Auswirkungen zu bringen weiter bemüht bleiben Teil des Perionals auf der Straße, während die Deuticherungen. Zageszeitung" und die Lindenbruderei( Schiff- Näheres über den Stand der Aussperrung finden unsere wird. Sie hat dem Ronareß mehrere Male aedroht, dak ihre rebolutionäre, auf den Bürgerkrieg eingestellte Organisation bauerdamm) nur das Zeitungsperional ausgesperrt haben. Refer im gewerkschaftlichen Zeil. Die Gewerkichaften Binmeafchwemmen wird. Nach vorläufigen Zählungen find ausgeiperrt: 3000 bis 4000 Transportarbeiter. 8000 Silfsarbeiter, 1000 bis 1200 Buchdrucker und 1000 Buchbinder.

Die Aussperruna im Zeitungsgewerbe. Rund 8000 Ausgesperrte.

Der Kampf im Berliner Reitungsgewerbe dauert under mindert fort. In fast allen bürgerlichen Betrieben rubt, die Arbeit. Außer den drei sozialistischen Zeitungen erscheinen nur die Germania ", die Deutsche Allgemeine Beitung" und die Deutsche Zeitung", die aber mit der heutigen Morgen­ausgabe ihr Ericheinen eingestellt hat.

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Raumer über Sozialisierung.

Den Söhepunkt diefes groken Rongreffes bildete das Duell des Vorsitzenden der größten deutschen Gewerfchaft, Da sich die Zahl der ftreifenden kaufmännischen Ange­Im Ausschus des Reichswirtschaftsrats gob Minifier v. Rauder Metallarbeiter, des der U, S. B. D. angehörenden Robert stellten auf zirka 2500 beläuft, find rund 11 000 Kopf- und mer eine Erklärung ab, in der er bestätigte, daß das Kabinett Dikmann, der das Sourtreferat über die Aufgaben 11000 Sandarbeiter am Stampf beteiligt. am 22. September die Vorlegung eines Gefebentwurfs über die der Betriebsräte" bielt und mit dem von der Onvofition Seute mittag beginnen im Reichsarbeitsmini. Soblenfosialisierung einfiimmig beschlossen habe. Er eftellten Rommuniften Brandler fich auseinanderfekte. fterium die ersten Verhandlungen. Es ist zu bemühte sich dann, den Widerspruch zwischen der Baltung der Dißmann ftellte in den Bordergrund daß es nicht nur de hoffen, daß die Parteien bald zu einer Einigung gelangen beutschvolksparteiischen Minister im Kabinett und in der Meicheniiae, die bolitische Macht an fich zu reißen, die notwendig ift, wenn die Arbeiterschaft mit irgendwelcher Aussicht auf Er­fola rine mit una der Wirtschaft an einer blanmäkigen burchieben will, fondern dak vor allem das Proletariat und die Betriebsräte reif gemacht werden müssen, um ihre Macht­ftellung auch im Wirtschaftsprozek braktisch und erfolg. Ireich zur Geltung bringen zu können.

werden.

"

tagsfraktion aufzuklären.

In der heutigen Morgenausgabe, in der fie erklärt, ihren Kommunistischer Parteitag. In der Roten Kahne" Yabet bie Betrieb gleichfalls einstellen zu müssen, macht die Deutsche Bentrale der B. D. au cinem Parteitag am 2. november Beitung" noch einen legten Berfuch. die Stimmung der Be- nach Berin ein. Auf der Tagesordnung stehen Referate von bölferung zu erregen, indem sie die Vermutung äußert, die Thalheimer, Revi, Brandler und Lange.