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Ste. 514 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 120

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Vorwärts

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Fernsvrecher: Amt Moritplag, Nr. 15190-15197.

Sonntag, den 17. Oftober 1920

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritplan, Nr. 117 53-54.

Parteitag der Kraft.

Staffel, 16. Oftober.( Eig. Drahtber.)

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in

fann sich nicht mehr darüber täuschen: Die deutsche I fortzusehen. Durch die Annahme der 21 Mostauer Be­Es giemt uns nicht, über den Verlauf des Parteitages in Sozialdemokratie steht nicht still, sondern sie dingungen hat sie sich ja geradezu verpflichtet, die alte Partei­Staffel Jubelchöre anzustimmen. Das Beste, was wir heute er- marschiert vorwärts, zahlenmäßig, organisatorisch, geistig. Sie bezeichnung preiszugeben und fich trotz Sinowiews leben, bleibt ja doch nur ein Lichtblick in trüber Zeit. ist noch immer aufsteigende Macht, und was mit ihr aufsteigt, zweideutiger Erklärung am Schluß des Parteitags Wohl aber muß uns gestattet sein, unsere mehr oder weni- das ist die Macht der Arbeiterklasse und des Sozialismus. irgendeiner Form mit der K. P. D. zu vereinigen. ger guten Freunde in Deutschland und im Auslande zu fragen, Freilich, was ſteht nicht alles gegen sie! Die Väter und Nuß- Man kann nicht gut als Fortsetzung der alten Partei be ob sie nach diesem Parteitag noch aufrechterhalten fönnen, nießer des Gewaltfriedens von Versailles , der ganze heimische zeichnen, wer bewußt die Bildung einer neuen Partei anstrebt. Nun ist es allerdings ein Ünikum in der Parteigeschichte, mas sie über Wesen und Schichal der deutschen Sozialdemo- reaktionäre und kapitalistische Interessenklingel, die Dentträg­fratie geweisjagt hatten? heit noch nicht erwachter Klassengenossen und schließlich nicht daß die Mehrheit einer Partei aus dieser fortstrebt und nur Es ist gesagt worden, die deutsche Sozialdemokratie repräzulegt" bie selbstverschuldete Ohnmacht eines eine Minderheit bei ihr zurückbleibt. Dieser fast groteste fentiere die terenski- Periode der deutschen Revolution Teiles der Arbeiterklasse, der in seiner elenden Zerrissenheit zu Ausgang fennzeichnet aber den zwiespältigen Cha­und später: sie werde zu der gleichen Bedeutungslosigkeit herab. nichts anderem mehr die Kraft findet, als dazu, die deutsche ratter, den die U. S. P. bisher gehabt hat als eine Bartei, finfen, wie der Flügel Renaudels in der französischen Partei. Sozialdemokratie, die Schüßerin der Republik , die Trägerin die zum größeren Teil den Deckmantel für eine andere Andere prophezeiten den nahen Tod aller politischen Bar. iozialistischen Fortschritts und Bannerträgerin der proletari- bildete. Er ist die Quittung dafür, daß die U.- S.- P.- Leitung teien, deren Erbe die Gewerkschaften übernehmen wür- schen Einigkeit rüdlings anzufallen und zu be- ruhig Leuten in ihren Reihen gewähren ließ, die bei jeder den, noch andere betrachteten auch die Gewerkschaften als fter- schmußen. Von allen trostlosen Bildern der Gegenwart ist dies Gelegenheit bekundeten, daß sie innerlich auf dem Boden bensreif und die politischen Stäte als ihre Nachfolger. das troftloseste, und doch dürfen wir uns nicht dabei aufhalten, der K. P. D. ständen oder wenigstens grundsäglich durch Darf man heute sagen, daß dies alles dummes Zeug gewesen uns für die anderen zu schämen, wo wir doch bei aller Be- nichts von ihr getrennt wären. Wie die Stohlweißlingraupe. ist? Jedenfalls, wer den Parteitag von Rassel miterlebt hat scheidenheit wahrhaftig Grund genug haben, auf unsere eigene von den Maden der Schlupfwespe, so hat sich die 11. S.. von den Kommunisten innerlich aushöhlen lassen, bis eines oder wer seinen Verhandlungen von ferne her mit Aufmerfiam- Arbeit mit einiger Genugtuung zurüdzubliden. Raffel war ein Sort der Kraft und 3uperfidht Tages die Maden hervorbrachen und nur die leere Raupen­feit folgte, der zuckt über solches Geschwäß nur noch die Achseln. Die Lügen gestraften Propheten retten sich nun hinter die für die deutsche Arbeiterklasse, Kassel bleibt ein allen Feinden hülle zurückließen. Aber man kann wohl nicht sagen, daß die Ausrede: die deutsche Sozialdemokratie stehe jeni eits der der Republik und des Sozialismus, allen Quertreibern und Schlupfwespen die natürliche Fortpflanzung der Kohlweißlinge großen Probleme, die die Arbeiterflaffe bewegten. Sie tonier- Arbeiterzersplittern ins Gesicht geschleudertes Trotz alle- find. biere sich nur durch diese Unbeweglichkeit und sei fein aftiver de m! Faktor für die Befreiung des Proletariats. Auch das ist nur Die Schlußigung des Parteitages am Sonnabendvor­lächerliches, törichtes Verlegenheitsgerede, das feiner ernst nehmen kann, der miterlebte, mit welchem Eifer der Parteitag mittag hob die Verhandlungen zur Höhe ernster Feierlichkeit. von Kaffel um die letzten Probleme der Arbeiterbewegung ran 1. Sermann Millers Schlußwort gestaltete fich nach eini­Will man in dem wirren Treiben von Halle überhaupt gen unumgänglichen Auseinandersetzungen mit den Fragmen­noch einen Rest von Sinn suchen, fo findet man ihn höchstens ten von Salle zu einer großen politischen Nede, in der er die in der Erörterung der Frage: Wie kommen wir zur unverbrüchliche Treue der Sozialdemokratischen Bartei zur ein­Macht? Darüber hat man sich in Rassel nicht gestritten, ge- heitlichen Republik hervorhob. Dabei fam Müller auch auf Schweige denn die Köpfe eingeschlagen. Denn hier war man den dritten Band der Bismardschen Memoiren zu sprechen. tommunistischen Partei. einheitlich der Ueberzeugung, daß dieses Problem spielend ge- aus deffen Inhalt er interessante Mitteilungen zu machen äußerliche, da in allen entscheidenden Fragen die Lente löst werden kann, wenn das Proletariat nur will. Das wußte. Als Zeugnis für die Defadenz der einstigen Preußen- bom linken Flügel der 1. S. P. bisher sowieso mit den Broletariat braucht nur einig zu fein, dann hat es die dynastie hat man dieses Buch bisher der Oeffentlichkeit vorent. Sommunisten gegangen find. Die durch Vereinheitlichung der Macht. Und so zeigen Halle und Kassel durch Beispiel und halten. Miller richtete an die Anhänger des ewig Geftrigen, Leitung neugewonnene Stoßfraft schäßen wir nicht allzu hoch. Gegenbeispiel ohne weitere Auseinandersetzungen, wie man die Monarchisten und Junker, eine dringende Warnung, nicht wie sich formell die Vereinigung von Alt- und Neufommunisien mit dem Feuer zu spielen. Seine Rede machte einen unbollziehen wird, liegt überdies noch im Dunkel, wahrscheinlich Macht verspielt und wie man Macht erwirbt. Die Frage, die in Kaffel im Mittelpunkt aller Erörte- gewöhnlich starken Eindruck, und das Hoch auf die inter - wird die Frage der bisherigen Diktatur Levi noch manche rungen stand, lautet: Wie brauchen wir die Macht? Und nationale völferbefreiende Sozialdemokratie, in das sie aus Schwierigkeit bereiten, da die Führer des starken linfen darum ist Kassel auf dem Wege wirklich revolutionärer Ent- lang, fand stürmischen Widerhall. Die Versammlung sang Flügels der U. S. P. offenbar nicht gesonnen sind, sich dem widlung dem gärenden Rückstand von Halle mit Siebenmeilen- ftehend den ersten und den aus dem Liederbuch der U. S. P. Ditator der weit kleineren St.- B.- D.- Gruppe einfach unterzu­Stiefeln voraus. In Halle kam man noch nicht einmal dazu, gestrichenen dritten Vers der Arbeitermarseillaise: Das freie ordnen. Fich Darüber zu streiten, was man mit der Macht eigentlich an Wahlrecht ist das Zeichen...." Kurz vor 12 Uhr mittags würde ein Militärfachmann sagen, er hängt ab", d. b. er be­fangen foll, wenn man sie hat. Und doch ist das die Frage war der Parteitag zu Ende. aller Fragen, denn daß mit der Eroberung der Staatsgewalt, fei es auf gewaltsamem oder demokratischem Wege, noch nicht alles getan ist, daß dann erst der eigentliche, unendlich schwie­rige Kampf um die Gestaltung der Gesellschaftsordnung beginnt, das eben hat der Parteitag in Raise I allen denken. den Arbeitern mit einleuchtender Klarheit gezeigt.

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( Bericht in der 1. Beilage.)

Das Ende der U. S. p.

Doch für die Beschauer außerhalb der 1. S. B. hat diese Streitfrage geringere Bedeutung als für die bisherigen Mit­alieder der 1. S. P. selber, deren Ansprüche auf Parteigefchäfte und Kassen von der Frage ab hängen, wer der Rechtsnachfolger der in Trümmer gegangenen Bartei ist. Uns liegt die Frage näher, was sich mun politisch aus dem Berfall der. S. P. entwickeln, wird. Die erste greifbare Folge ist sicherlich eine gewaltige Stärfung der zahlenmäßig bisher sehr schwachen Aber sie ist eine rein

Von dem alleingebliebenen rechten Flügel der U. S. P.

findet sich in isolierter, ungünstiger Kampfstellung. Was die rechten Führer heute noch durch radikale Phrasen und Dema­gogie bei sich halten, das wird ihnen die so mächtig gewordene Konkurrenz von links bald abtreiben. Der Teil der Arbeiter aber, der den Schritt nach Moskau nicht getan hat, weil ihm über das Wesen der Diftatur nunmehr ein Licht auf­Salle, 16. Oktober. Auf dem Parteitag gegangen ist, der wird auch an der von Crispien und Ge­der unabhängigen sozialdemokratischen Partei wurde nossen verkündeten Halbdiftatur, die an Stelle des prinzipiellen ein Antrag Däumig- Stöcker, wonach der Parteitag Terrors den Terror von Fall zu Fall" setzt, an Stelle der die Bedingungen für den Eintritt in die 3. Juter- reinen Despotie die gemilderte Despotie usw., feinen Gefallen nationale anerkennt, mit 237 gegen 156 Stimmen mehr finden. Er wird einsehen, daß der erste Schritt vom angenommen. Zwei Delegierte haben an der Ab- Wege der Demokratie notwendig die weiteren stimmung nicht teilgenommen. Auf Aufforderung Schritte nach sich zieht, und zu dem alten sozial­Crispiens verließ der rechte Flügel den Saal. demokratischen Grundgedanken, zu dem auf der Grund­Däumig erklärte, daß der Parteitag der U. S. P. D. lage der Demokratie aufzubauenden Sozialismus, nach wie vor zu recht bestehe und seine Beschlüsse furz über lang zurüdfehren. Was dann aus den alleingeblic­bindend seien. Beide Teile tagen getrennt weiter. benen Führern wird, kann uns falt laffen. Es sind viele unter ihnen, die ihr Schicksal reichlich verdient haben.

Die Verhandlungen haben das Bild einer sozialistischen Partei geboten, die das Nebelmeer einer agitatorischen Bolitik bereits durchschritten hat und den Aufstieg zu klaren Gipfeln beginnt. Man war bestrebt, alle Redensarten bei. feite zu lassen und an die Dinge so nahe wie möglich heranzukommen. Für denfträge Liebhaber bloßer Phrasen gab es eine geradezu erschreckende Fülle von Sachlichkeit und auch für geistig Regere vielleicht mehr, als was in ein paar Tagen berbaut werden kann. Da wird das Studium des Protokolls nachhelfen müssen. Alles in allem eine gewaltige Summte geistiger Arbeit, konzentrisch auf ein Ziel gerichtet: Die Be­freiung des schaffenden Volkes aus den Fesseln des nationalen Nach schwerem fünftägigen Todeskampf ist der erwartete und internationalen Rapitalismus. Eine solche Summe von Zerfall der 11, S. P., der durch feinerlei Reden mehr aufzu Arbeit fann nur geleistet werden, wenn die tiefe Beaciste- halten war und wohl auch nicht ernsthaft aufgehalten werden rung für eine große Cache die Shannkraft aufrechterhält. und sollte, nunmehr zur Tatsache geworden. Der Nig verläuft fo fann man behaupten, daß gerade in den sachlichsten Reden nicht genau in der Mitte, sondern der neufommunistische des Parteitaaes in Staffel mehr echte Begeisterung stedte, als Flügel ist als der zahlenmäßig stärkere aus der Spaltung in den oberflächlichen Tiraden über die Weltrevolution und hervorgegangen. ben blutigen Terror, die anderswo gehört und behandelt wor- Der Zerfall einer so großen politischen Partei wie der 1. S. P., die bei den letzten Reichstagswahlen nach der Es war in allem ein brennendes Bestreben, den Geist Sozialdemokratie als zweitstärkste aus der Urne hervor wissenschaftlicher Forschung walten zu lassen und ging, ist natürlich ein politisches Ereignis von aller ihn für die Sache der Arbeiterklasse praktisch zu machen. So größter Tragweite,

den find.

Die Sozialdemokratie öffnet ihre Tore weit jenen. die nach Irrfahrten in das Land der Diftaturschwärmer eingesehen haben, daß bei diesen kein Seil ist, daß die Diftatur nur zu dem selbst von Sinowjem faltblütig zugegebenen furchtbaren Maiienelend und dem Terror in blutigſter, fultur­schänderischster Form führt. Wer aus dieser Erkenntnis zur Demokratie zurückkehrt, weil er nicht den Schritt ins Elend machen will, den Sinomjem den deutschen Arbeitern an­empfiehlt, der ist uns willkommen. Wer aber nur aus dem äußerlichen Grunde zur Sozialdemokratie zurückstrebt, weil er dessen sämtliche Folgen in anderswo keine Wirkungsmöglichkeit mehr für sich sieht, der gab das Bewußtsein, festen Boden unter den Füßen und Flare Reich, Bundesstaaten und Gemeinde sich noch gar nicht mag bleiben, wo er ist. Unsere Partei erfreut sich, nachdem sie Wege vor sich zu haben, dem Parteitag die Kraft. Eigenbröte- übersehen lassen. An die Stelle der bisher einheitlichen Partei vor vier Jahren die Parteispaltung überwunden hat, einer Teien auf dem Gebiete der Außenpolitik, der Wirtschaftspolitik, sind zwei Trümmer getreten, deren jeder für sich in Anspruch gesunden fräftigen Entwicklung. Wir haben, wie Sermann ja selbst der so heiflen und brennenden demokratischen Grund- nimmt, die rechtmäßige Forfießung der bisherigen Müller, gestern sich in Staffel ausdrückte, bei der Parteiipaltung fabfragen mit Suhe aufzunehmen und mit Bestimmt- Partei zu sein. Wer in diesem Falle das Recht auf seiner auch die Giftstoffe aus dem Parteikörper ausgeschieden; wir sehnen uns daher nicht nach Leuten, die bei uns dasselbe heit zurüdzuweisen. Meinungsverschiedenheiten gibt Seite hat, ist außerordentlich schwer zu entscheiden. es eben auch dort, wo man sich ihretwegen nicht mit Fäusten An sich schiene es ja naheliegend, daß der größere Biel verfolgen würden wie die Kommunisten in der U. S. P Für die Arbeiterbewegung als Ganzes erhoffen wir aus bedroht, und es ist noch lange fein Zeichen von geistigem Still- Rest die Firma übernimmt. Aber in diesem Fall ist doch zu stand, wenn man sich nicht gegenseitig niederbrüllt und brigelt. erwägen, daß die neufommunistische Mehrheit keineswegs ge- dem Zerfall der U.. B. den Beginn eines Geiundungs­Der unboreingenommene Beurteiler des Kasseler Parteitages sonnen ist, die bisherige Tradition und Politik der 1. S. P. prozesses. Die beiden einzigen Möglichkeiten- Dem