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Nr.528 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 127

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Ternivrecher: Amt Morinolat, Nr. 15190-15197.

Dienstag, den 26. Oftober 1920

Internationale und Ruhrgebiet .

Vorwärts- Verlag G.m.b. 5., SW. 68, Lindenstr. 3.

Bernfvrecher: Mat Morigpies, Nr. 11753-54.

Der Kampf in England.

Bon Otto Hue.

Genoffe Sue ist frapp vor dem Ausbruch des eng­lischen Kohlengräberstreits aus England zurüdgefehrt, urteilt also auf Grund unmittelbar erhaltener Eindrücke. Redaktion des Borwärts". Wer seine Sinne gesund beisammen hat, wird leicht be­des großen englischen Bergmannsstreits noch durch eine lange Dauer dieser Arbeitseinstellung gefördert

Amsterdam , 25. Oftober.( WTB.) Aut der Monatsverfamm- einfach nach Hause geben. Löffler( Bertreter der Arbeitnehmer) führte lung der Leitung des Internationalen Gewertschaftsaus, es sei verständlich, daß die Arbeitgeber sich nur schwer in die verbandes fam es zu einer eingehenden Erörterung der Lage in Aufgabe ihrer berrichenden Stellung finden tönnten, aber der Mitteleuropa und der Folgen, die cine eventuelle Besetzung des Wunsch nach Sozialisierung, der in drei Millionen Arbeiterherzen Ruhrgebiets durch die Ententetruppen für die weitere Ent- glühe, müsse Wirklichkeit werden. Die Sozialisierung werde allergreifen, daß deutsche Interessen weder durch den Ausbruch dings für den Arbeiter werden.

widlung der mitteleuropäischen Lage haben könnte. Auf Ersuchen der Verbandsleitung nahmen an der Besprechung Legien und

schafter.

fein Tischlein deck dich"

Grafmann bom Deutschen Gewerkschaftsbund teif. ES Herr v. Bredow, Verbrauchervertreter aus dem Reichsfohlenrat, werden. Es ist überhaupt eine Wohnvorstellung, anzunehmen, wurde beschlossen, daß noch im Laufe dieser Woche eine Ab- trat für eine weitere Ausgeftaltung des Reichsfohlenrats ein. Die das Unglüd eines Bolles bedeute das Glück des anderen oder ordnung des Borstandes des Internationalen Gewerkschafts- Frage, wie weit die Ueberführung in die Gemeinwirtschaft ohne uns ertoachie ein nachhaltiger Vorteil aus den inneren bandes sich nach dem Ruhrfohlengebiet begeben soll, um sich dort Störung der Lieferungen an den Verbraucher erfolgen fönne, müffe Schwierigkeiten anderer Bölfer, die mit uns der europäischen über den Stand der Dinge zu informieren. Die Abordnung wird ganz offen nach allen Richtungen bin besprochen werden. Umbreit Sulturgemeinschaft angehören. Deutschland benn also nur bestehen aus Jouhang( Frankreich ), Mertens( Belgien ), dem bedauerte, daß noch kein Gesezentwurf der Regierung vorliege, die baldige Beendigung des englischen Stohlengräberstreifs internationalen Sekretär Fimmen und einem englischen Gewerto daß der Ausschuß nur zu einem Begutachter des Gutachtens der wünschen. Wenn indes unsere englischen Ka­Sozialisierungskommission geworden sei. Hauptfache fei Bermeraden zu der Ueberzeugung fommen follI­billigung der Kohle und die fonne die Brivatwirtidaft ten, bie Hilfe der denischen Bergleute nicht nicht erreichen. Cohen betonte, daß die Frage des ob erledigt entbebren zu können, dann werben mirinter. fet. Die Bergat better würden ein Zurüd nicht verstehen. Der Vorfigende trat diesen Ausführungen entgegen. Hartung( freie nationale Arbeitersolidarität durch die Tat Berufe) bemerkte, daß ein gangbarer Weg, der einen Vorteil für beweisen. Aber ich kenne auch feinen wahrhaften eng­die Wolfswirtschaft biete, noch von feinem einzigen Rebner ge- lischen Bergarbeiterführer, der über den Ausbruch des Streifs funden sei. Girbig( Arbeitnehmervertreter) meint, die Re- erfreut gewesen inäre. gierung hätte die Pflicht gebabt, ein Gefeß vorzulegen. Gin Vergleich mit Boft und Eisenbahn sei für den Bergbau unmög lich. Bernhard( Freie Berufe) führte aus, daß die beste Delono mifierung eines Betriebes

Der Kampf um die Kohlen.

Der gemeinsame Ausschuß des Reichswirtidaftsrat3 und des Reich sto blentats begaun am Montag unter Vorfis des Herrn Braun feine Sigungen. Werner( Arbeitnehmerver­treter des Reichsfohlenrats) erklärte sich für den er sten der bor liegenden Borschläge zur

Sozialisierung des Kohlenbergbaues,

der die Ausschaltung der Bureaukratie und die völlige ohne die Arbeiter unmöglich Selbstverwaltung jedes einzelnen Betriebes vorfehe.. Kagemann( Verbraucherbertreter) fcbloß fich diesen Aeußerungen an, fei. Dem Sozialisierungsgedanken müsse in irgendeiner Form ent­da die Annahme des zweiten( Nathena u fchen) Boriclages die sprochen werden. Der Vorschlag enthalte twenigstens eiuen An­ganze Sozialisierung in Frage stelle. Er schlage die Einegung ang an Sozialismus. iffel wies darauf hin, daß die Be einer Art Barlament von dreihundert Personen vor und denten gegen die Sozialisierung fich als ebenio unbegründet daneben einen Aufiiatsrat von dreißig bis vierzig Berfonen erweisen würden, wie feinerzeit die Bedenken gegen die Aufhebung Stinnes( Vertreter der Arbeitgeber) als Kontrollinstanz. Beide zusammen würden die Mitglieder des der Sklaverei in Amerifa. Dire! toriumszu bestimmen haben. Der llebergang werde sich am warnte entschieden vor Zentralisierung durch den Staat. Seine einfachften durch eine Umwandlung der Aktien in Dbit- reunde feien bereit, auf anderem Wege an der Erfüllung der gationen der neuen Verwaltung vollziehen, die all- Wünsche der Arbeiterschaft mitzuwirken.( Hoffentlich hält die be­mählich aur usiofung fonimen fouten. Die erforderlichen ginnende Einsicht des Herrn Stinnes an. Anm. d. Red.). Betriebsmittel müssen durch ein Drittel des Beingewinns in Form von Reserven verfügbar gemacht werden.

wirtschaft für notwendig erachte.

Das Erekutivkomitee der Miners Federation hat monate­long über einen gütlichen Abschluß berhandelt, obgleich die aften Brattifer wußten, daß während dieser Monate die Gegenseite, wenn sie den Kampf wollte, umfangreiche Vor­febrimgen treffen konnte, und andererseits die Arbeitermassen durch das lange Barten auf ein annehmbares Zugeständnis nicht friedlicher gefinnt wurden. Monatelang hat die große Bresse scharf Stimmung gegen die Bergleute gemacht, ficher­lich fein guter Auftakt zur Verständigung. Troy seiner starken Bedenten gegen die Verquidung von Lohnzulage und Mindestförderung( die sogenannte Datum Line") hat No= bert Smillie die Bergarbeitermassen auch aufgefordert, den Vorschlag der Regierung probeweise anzunehmen. Durch diesen Appell hat Smillie nichts von seiner großen Bopu­Iarität unter den Bergleuten verloren. Stvar lehnten sie die " Datum Line" ab, sprachen aber Emillie ihr volles Ver­trauen auf seine proletarische Gesinnung aus.

Is Vertreter des Handwerks betonte Kerl, daß das Handwerk Wie wir bereits in unserer Montag- Abendansgabe meldeten, von beiden Vorschlägen für fich feine Vorteile erwarte. Das hat die in Bochum tagende Revierkonferenz bes Berg­Alle Kenner des gegenwärtigen Zustandes der Gruben Beispiel der Post und Eisenbahn spreche nicht für Sozialisies ar beiterverbandes fich für die Bollsozialisierung des Kohlen-( Staubban während des Krieges!) und der Mentalität der rungsberiuche. Auf Anfrage Cohen, ob bald eine Regierungsbergbanes, also für den Vorschlag I der Sozialefirungskom Bergleute mußten an der Annahme des Vorschlages zweifeln. vorlage zu erwarten sei, erwiedert ein Regierungsvertreter. miffion ausgesprochen. Die biesbezügliche Entschließung hat fol. In der Tat ist er ja auch mit 635 098 gegen nur 181 428 daß die Regierung nach wie vor laut ihren wiederholten genden Wortlaut: Stimmen abgelehnt worden.( Bei uns in Deutschland würde Ellärungen eine Ueberführung des Kohlenbergbaues in die Gemeins Die Vertrauensmännerkonferenz billigt die Beschlüffe bes in einem gleichen Falle die Ablehnung noch tveit stärker Umbreit( Bertreter der Arbeitnehmer) bemerkte, die Erbschäge internationalen Bergarbeiterkongreffes und der sein.) Dieses Resultat mußte lehren, daß die Bergleute un­Umbreit( Bertreter der Arbeitnehmer) bemerkte, die Gröschäge Bezirksleiterkonferenz bes Verbandes in der Sozialisierungsfrage. geachtet der gegen sie zweifellos gerichteten öffentlichen Mei­in die Gemeinwirtschaft Sie ist der Meinung, daß diese au lösen ist im Sinne des Bornung des Wartens müde waren. Es tann auch nicht zweifel­fommen. Binbige Erklärungen der Arbeitgeber feien er- flages I, ber die Balliozinlifierung vorfieht. Im bas haft sein, daß, wenn die Bergleute in ihrem Stampfe für die forderlich. Der Vorfigende erwiderte, bisher iet der Reichswirt au erreichen, ist Einigkeit und Geschloffenheit aller Bergarbeiter Lohnerhöhung um 2 Schilling pro Schicht unterliegen sollten, chaftsrat und dessen Ausschuß nicht gebunden, sonst tönnte man jal notwendig." das englische Wirtschaftsleben während dieses Kampfes un­geheuer leiden würde und noch dem Kampfe von den besiegten Bergleuten erst recht keine versöhnliche Stimmung zu er­warten ist.

müßten

Vor dem Sieg der englischen Bergarbeiter. Solidarität der amerikanischen Gewerkschaften. Newyork, 25. Oftober( Meldung des Hollandsch Nieuws- Die Hoffnung, der Streit würde aus Mangel an geld­Haag, 25. Oftober.( Dena.) Wie aus London ge- bureaus.) Die American Central Federated Union" schlägt vor, ben licher Unterstügung in ganz furzer Seit bon selbst" auf meldet wird, ist in den Vormittagsbesprechungen zwischen den englischen Bergarbeitern bei ihrem Streit zu helfen und den hören, kann doch nur auch jemand hegen, der nicht weiß, daß Regierungsvertretern and den Bergarbeiterführern eine Transport von Steinfohlen aus den Vereinigten englische Bergarbeitermassen schon monatelang ohne Streif­Einigung auf folgende 3 Punkte zustande gekommen. 1. Staaten zu verhindern. Die Bereinigung nahm eine Ent- gelber gefämpft haben. Man sagte mir, weder die verhältnis­Die Bergarbeiter erhalten die geforderte schließung an, in der die Regierung aufgefordert wird, Ber - mäßig geringe Höhe der Lohnforderung noch die Aussicht, Lohnerhöhung und verpflichten sich, 2. für eine Erteilungsmaßnahmen, die während des Krieges getroffen waren, eventuell um diesen Betrag die Kohlenpreise erhöhen zu höhung der Kohlenproduktion zu sorgen, 3. wird neuerlich einzuführen, so daß die Hafenarbeiter nicht mehr Kohle müssen, könne die Ablehnung der Arbeiterforderung aus­die Regierung für Verbesserung der Bergwerks in die Schiffe zu verladen hätten. als für den Verbrauch an reichend verständlich machen. Der Durchschnittslohn der Ge­betriebe Gorge tragen. Diese Forderungen warden nuver Bord notwendig wäre. famtbelegschaft steht auf 16 Sdyilling 6 Benee pro Kopf und züglich dem Vollzugsausschuß der Bergarbeiter unterbreitet, der Schicht; er ist seit 1914 um 155 Broj. gestiegen. Nach meinen am heutigen Nachmittag einen endgültigen Beschluß Beobachtungen ist der Verkaufspreis der wichtigsten Lebens­faffen wird. Zn Regierungstreifen gibt man sich der Hoffunng mittel im Seleinhandel bedeutend mehr gesteigert worden. hin, daß eine Einigung auf dieser Basis zustande kommt und Die Erzeugungskosten pro Zonne verfaufte Soble find seit die Arbeiter schon am Mittwoch wieder ihre Schichten ver­1913 von 11 Schilling auf 33 Schilling 104 Bence erhöht, inklusive der Gewinne der Grubenbeißer.( In Deutschland stiegen die Kohlenpreise ab Grube bedeutend mehr.)

fahren.

Der

Mac Swineys Hungertod. London , 25. Oftober.( WTB.) Dem Tode des Bürgermeisters von Corf ging ein Zustand der Erschöpfung voraus, in dem er das Be wußtsein nicht mehr erlangte. Sein Beichtvater blieb die ganze Nacht bei ihm und verließ das Gefängnis erst mehrere Stunden nach seinem Tode. Es soll die Verfügung getroffen worden sein, daß die Leiche des Bürgermeisters nach Irland übergeführt

Das freie Wahlrecht ist das Zeichen. London , 23. Oftober.( Meldung des Hollandsch Nieuwsbureaus). Die gestern fortgefesten Verhandlungen der Bergarbener riefen zu nächst eine optimistisme Auffassung herbor.. Godge wird, wo die Beifegung statifindet. und Smillie sprachen die Hoffnung aus, daß der Weg zu wirk Itchen Verhandlungen mit der Regierung geebnet würde. Streit dürfte jedoch noch eine ganze Woche dauern, da felbfi im Falle einer Einigung eine neue Abstimmung unter den Berg­arbeitern notwendig iein würde. Man deutet es auch als ein er freul ches Zeichen, daß die Regierung nicht sofort das Rotgefes on wenden will. Das würde auch entschieden eine heftige Dppo fition im Unterbauie bervorrufen, da die Aussichten auf eine Regelung damit noch geringer würden.

Die Gärung im Britischen Weltreich.

Thomas( der Leiter der Eisenbahnergewerkschaft Die Red.) erklärte in einer Rede, er glaube, daß die

Arbeiter alles durch ihre Stimmzettel erreichen fönnten. Er warnte davor den gegenwärtigen Stonflift bis zum bitteren Ende durchzufämpfen, denn man dürfe sich nicht darüber täuschen, daß dies ohue blutige Aufstände nicht möglich sei. Beder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer, die eine berartige Entwicklung der Dinge wünschten, vertreten die Masse des Bolles.

Stein Wunder, daß die englischen Arbeiterführer nicht glauben, die Regierung und Grubenbefizer lehnten die Lohn­forderung aus rein wirtschaftlichen Ermägungen ab. Die Ar­beiter find wohl geneigt, alle Kroft für die Erhöhung der gegen die Vorfriegszeit um 47 Millionen Tonnen im Jahre gejuntenen Förderung einzujeßen, verlangen aber eine Mit­kontrolle der Betriebe. Die Psyche much der englischen Berg­Amsterdam, 25, Ottober. Giner Reutermeldung aus Port arbeiter ist durch den Krieg und seine Nachwirkungen sehr lifabeth( übafrila) aufolge tam es bort nach der Verhafs verändert worden. Die Nationalisierung der Meinen wird tung des Borsitzenden des Verbandes der eingeborenen Arbeiter programmatisch gefordert. Wie auch der gegenwärtige Riesen­au erniten Ausschreitungen, in deren Berlauf eine große fampf endet, eine dauernde Verstärkung des privatwirtschaft­Menge von Eingeborenen mehrfach versuchte, ein großes Berre lichen Systems wird seine Folge nicht sein. Daß ich meinen leumlager einzuäschern und die Telephonieitungen zu zerschneiden. Kameraden einen raschen Erfolg wünsche, versteht sich von Die Polizei eröffnete bas ener. 22 Bersonen wurden selbst. Ich weiß, daß es auch in ihrem Sinne ist, wenn ich getötet, 41 verwundet, darunter zahlreiche Frauen. hoffe, daß die durch diese Arbeitseinstellung erfolgte Ver­Bolizeiberstärkungen sind eingetroffen. Die Eingeborenen schlechterung der europäischen Koblenversorgung nur von balten weiter Versammlungen ab.

Giner Reutermeldung aus Bombay aufolge tam es zwischen ausständigen Straßenbahnfchaffnern und Polizisten au Busammenstößen, bei denen 18 Personen, bar unter 2 Boligisten, berlebt wurden.

furzer Dauer ist. In den Kreisen der englischen Arbeiter­führer, die ich nach langer Frist wieder zu begrüßen die Freude batte, ist nämlich die Ueberzeugung lebendig, daß alle ulturbolter eine große Wirtschafts­familie bilden. Bereinigt stehen wir, uneinig fallen wir!