Nr. 551 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 138
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Sozialdemofeat Berlin".
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Vorwärts
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Montag, den 8. November 1920
Verhandlungen über den Streik.
Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferniprecher: Amt Morinplau, Nr. 117 53-54.
Won L. Martom.
Der folgende Auffaß des befannten Menfchemitis Führers ist uns durch das Bureau für Internationale Meinungsaustausch aur Berfügung gestellt.
Am 7. November feierte die boIschemistische Dif
Im Laufe des Sonntags und des heutigen Vormittags[ schaften denkbar ist und ob neue Verhandlungen über die wurden die Versuche, durch Verhandlungen zu einer Eini- Forderungen der Arbeiterschaft möglich erscheinen. gung mit den städtischen Arbeitern und Angestellten zu kom- Die Berliner Gaswerke arbeiten sämtlich. Insbesondere men, fortgesezt. Bisher führten die Verhandlungen noch waren diejenigen in der Gitschiner und Danziger tatur in Rußland zum dritten Male ihren Geburtstag. zu feinem positiven Resultat. Sie werden dadurch erschwert, Straße ununterbrochen in Betrieb. Die Gaswerke in Während sie im Anfang der Revolution von 1917 sehr daß das Ergebnis der Abstimmung aus den verschiedenen Schmargendorf und Tegel waren furze Zeit unter- schwach war und nur eine kleine Rolle in den Märztagen brochen, arbeiten jezt aber wieder: Im Gaswerk Char ; spielte, als das von Blut und Schmutz befleckte Gebäude des Betrieben der Stadt bis zur Stunde noch nicht vorliegt. Im wilden Streit der Elektrizitätsarbeiter ist insofern dottenburg werden nur die Notstandsarbeiten verrichtet, Barismus von einer grandiosen Arbeiterrebellion gestürzt eine gewisse Entspannung eingetreten, als die Arbeiter bei die endgültige Entscheidung über den Streif steht noch aus. Verhandlungen mit dem Magistrat sich unterschriftlich bereit Im Gaswert Neukölln ist die Arbeiterschaft vollständig datenräten, die im März von der sozialdemokratischen( menschewurde, fast ganz ohne Einfluß in den Arbeiter- und Solerflärt haben, die erforderlichen Arbeiten zur Aufrecht- angetreten, das Werk kann aber wegen Strommangel nicht wistischen) Bartei ins Leben gerufen und von der kompakten erhaltung eines Notbetriebes zu übernehmen. Die Reichs- arbeiten. Mehrheit der Menschenisten und der Sozialisten- RevolutioIn den Gaswerfen von Tegel und Weffend ist die Ab- näre beherrscht wurden, wuchs die bolichemistische Partei nach) regierung hat sich danach bereit erklärt, die Technische Notstimmung gegen den Streit ausgefallen. Auch die einigen Monaten zu einer Macht empor, die den ganzen hilfe aus den Betrieben wieder herauszuziehen. Wasserwerfe Müggelsee und Lichtenberg arbeiten Staatsapparat fast ohne Widerstand erobern fonnte. Und in vollem Umfange. Die Arbeiter des Wasserwerkes Müggelsee stimmten gegen den Streif.
Eine hödfit eigenartige Rolle spielt nach wie vor der von uns wiederholt schon gekennzeichnete„ Führer" der Elektrizi tätsarbeiter Sylt. Wenn eine von Wolffs Bureau verbreitete Nachricht zutrifft und wir haben bei dem ganzen Auftreten des Sylt feine Veranlassung, daran zu zweifeln- dann ist in den Berliner Elektrizitätswerken auf Veranlassurg Sylts Sabotage getrieben worden, die verhindern sollte, daß bie Technische Nothilfe die Notstandsarbeiten ausführen könnte. Ein solches Vorgehen ist um so verurteilenswerter, als es sich um Gemeineigentum handelt, das bei Nichtausführung der Notstandsarbeiten der Berstörung ausgesetzt ist. Den höheren Interessen der Allgemeinheit haben sich die Wünsche der einzelnen unterzuordnen. Die schwerbedrohten Interessen der Allgemeinheit aber verlangen, daß die Ver Handlungen zu einer Verständigung führen, um endlich dem nengewählten Magistrat nach all den Zwischenfällen verfchiedenster Art die Möglichkeit fruchtbarer ausbauender Arbeit für das neue Groß- Berlin zu geben.
Die„ Nothilfe" abgelöst.
Schutz für Angestellte.
das wunderbarste ist, daß die extrem finte revolutionäre Partei, deren Programm eine unmittelbare Eroberung der Klassendiktatur des Proletariats bezweckte, ans Ruder fam in einem Bande, in dem das Proletariat selbst nur eine winzige Minderheit der arbeitenden Bevölkerung bildete und ganz schach organisiert war, wo nicht die Arbeiter-, sondern die Agrarfrage das ganze öffentliche Leben beherrschte und die stärkste Triebkraft der ganzen
Durch WTB. wird amtlich gemeldet: Der Polizei präsident von Berlin fat am Abend des 7. November folgen des Schreiben an den Magistrat der Stadt Berlin , zu Händen des Oberbürgermeisters Wermuth, gerichtet: Bei dem Streik der städtischen Gletrizitaiзarbeiter hat sich gezeigt, daß, die Unterbindung der Stromzufuhr an lebenswichtige Betriebe, wie Krankenhäuser, Revolution bildete. Eisenbahn- und Straßenbeleuchtungs.mlagen und anderes mehr, eine Wie kam es, daß unter solchen Bedingungen die Bolscheschwere Gefährdung der öffentlichen Ordnung wisten ihr Biel erreichen konnten? and Sicherheit darstellt Die wirtjame Absehr dieser Gefahr Die Märzrevolution war von den Arbeitermajien durch Eingreifen der Technischen Notbilfe wurde dadurch in Frage gemacht worden, die infolge des Lebensmittelmangels vergestellt, daß die Angestellten der technischen Betriebe ihre Werkstätten hungerten und von den Soldaten, die des Krieges müde beim Eingreifen der Technischen Nothilfe verließen, da ihnen vom Magistrat nicht der verlangte du gegen wirtschaftliche und von den andauernden Niederlagen entmutigt waren. Die Nachteile gewährt wurde, Bur Aufrechterhaltung der öffent- Hauptaufgabe der Revolution war, so rasch als möglich mit lichen Ordnung und Sicherheit erscheint es bei dieser Sachlage dem Kriege Schluß zu machen. Das bedeutete aber, da dringend notwendig, daß in Butunft eine wirtschaftliche tußland während der drei Jahre Krieg von seinen BerSicherstellung der in lebenswichtigen Betrieben bündeten wirtschaftlich und finanziell vollständig versflavt tätigen Angestellten feizena des Magistrats erfolgt. Auf war, die russische Revolution aus dieser Abhängigkeit von Grund von§ 10 II. 17 des Preußischen allgemeinen Landrechts in der Entente zu befreien und die äußere Politif des Landes Verbindung mit§ 132 des Gesezes über die allgemeine Landesver waltung vom 30. Juli 1880 wird Ihnen daher aufgegeben, dafür ausschließlich vom Standpunkt der Interessen der Revolution Sorge zu fragen, daß den Angestellten der technischen Werte aus zu bestimmen. wegen ihrer Hilfeleistung im Interesse der Aufrechterhaltung lebenswichtiger Betriebe fein wirtschaftlicher Nachteil er wächst.
Durch WTB wird amtlich gemeldet: Tie an den Streit in ben Glektrizitätswerken beteiligten Arbeiter haben sich in Verhandlungen mit dem Magistrat bereit erklärt, an Stelle der inzwischen eingesetzten Technischen Nothilfe den für die Notversorgung Berlins erforderlichen Strom durch Aufnahme der dazu erforderlichen Arbeiten herzustellen und sich hierzu durch Unterschrift unter die darüber aufgenommene Verhandlung verpflichtet. Infolgedessen wurde auf Grund einer Besprechung zwischen der Reichsregierung Eine Verfügung des Polizeipräsidenten. und der Preußischen Staatsregierung, die unter Zuziehung dez Amtlich wird mitgeteilt: Der Magistrat der Stadt Ber Bolizeipräsidenten und des Oberbürgermeisters von Berlin am tin hat auf meine Anordnung hin sämtliche Angestellte der ElektriSpuntagmittag stattfand, Anordnung getroffen, im Laufe des Nachzitätswerke aufgefordert, ihren Dienst weiter zu verfehen mittags die Nothilfe aus den Werken wieder zurüd- und ihnen Schub gegen Maßregelungen oder irgendwelche wirtschaftzuziehen und den Betrieb den eintreffenden Arbeitern zu über- lichen Nachteile zugesichert. Ich werde dafür Sorge tragen, daß die Angestellten gegen jede Belästigung und Bedrohung mit allen polizei lichen Mitteln nachdrücklichst geschützt werden. Der Polizeipräsident. gez. Richter.
geben.
Das Werk Moabit war bei der ebergabe in vollem Betrieb, so daß die Stromabgabe an die Unterstationen erfolgen konnte. Bei dem Wert Rummelsburg stand das Anfahren der Turbinen
bevor. Das fleinere Wert in der Birtbuschstraße war in Die Angestellten für Ablehnung des Spruchs
Betrieb. Bei den beiden anderen genannten Werken waren die
Die Angestellten des Magistrats( Hilfskräfte) haben heute vor Seeffet beim Ginfeßen der Technischen Nothilfe bereits vollständig mittag über den Schiedsspruch abgestimmt. Die Urabstimmung erfaltet, in Rummeleburg auch das Wasser aus den Kesseln abge hatte folgendes Resultat: 16 561 Stimmen für Ablehnung des erfaltet, in Rummeleburg auch das Wasser aus den Steffeln abge. lassen. Dadurch hatte sich die Inbetriebsetung verzögert. Sie war aber noch mehr dadurch erschwert worden, daß sämtliche höhere und Schiedsspruches, 347 für Annahme desselben, 75 Stimmen zeraber noch mehr dadurch erschwert worden, daß fämtliche höhere und splittert. Dem Magistrat wurde heute nachmittag 2 Uhr dieser Be niedere Angestellte aus Furcht vor Entlassungen und vor Nache- splittert. schluß überreicht, mit dem Ersuchen, sich bis Dienstag vormittag aften der Streikenden die Werke im Stich ließen. Die beiden Me 10 Uhr zu äußern. ob er in neue Verhandlungen eintreten will. gierungen dankten der Technischen Nothilfe für ihre unter so er Gollte dies nicht der Fall sein, so wird in den Betrieben sofort schwerenden Berhältnissen geleistete erfolgreiche und wichtige Arbeit. über den Streit abgestimmt. Der jett von den Arbeitern fortgesette Notbetrieb wird u. a. die Krankenhäuser, die Pumpenanlagen der Nord- Süd- Bahn, die Ministerien und wichtigsten Behörden mit Strom versorgen und da= neben die notwendigste Straßenbeleuchtung sicherstellen.
Die Streiklage.
Nachdem die erste rein bürgerliche provisor.she Regierung in dieser Frage versagt hatte, wurde im Mai 1917 eine bürgerlich sozialistische Soalitionsregie. rung gebildet.
Die Sozialisten- Revolutionäre, die sich auf das Bauerntum, das revolutionäre Kleinbürgertum und die Armee fügten, und die sozialdemokratische Partei, hinter der die Arbeiterräte standen. glaubten, daß gerade durch den Eintritt ihrer Vertreter in die Regierung ihre Unabhängigkeit von der alliierten Diplomatie erreicht werde. Sie fepten ihre ganze Hoffnung auf eine internationale Aftion des Broletariats aller friegführenden Länder zugunsten des
gierung einen solchen Einfluß ausüben zu können, daß durch baldigen demokratischen Friedens und glaubten in der Reden Druck der Regierung auf die Ententediplomatie der Erfolg einer solchen internationalen proletarischen Aktion beschleunigt werden könnte.
Tatsächlich aber blieb in den Ententeländern wie in Deutschland jede Maffenbewegung gegen den Krieg aus. In der Koalitionsregierung trieben die bürgerlichen Minister hinter den Kulissen eine eigene Politik, die die offizielle Friedenspolitik der provisorischen Regierung durchkreuzte. Sie intrigierten mit den diplomatischen Vertretern der Entente gegen die Friedensaktion der Arbeiterräte und trieben in ihrer. Presse eine schamlose Sebze gegen die Zimmertvaldisten" und Internationalisten", die ste der Aufklärung der Armee beschuldigten und als Verbündete Deutschlands brand. markten.
wisten für den sofortigen Frieden um jeden Preis So fam es, daß die rücksichtslose Propaganda der Bolscheauf die mehr und mehr friegsmüden Soldaten, Arbeiter und Bauernmassen einen immer größeren Einfluß ausüben Bauernmassen einen immer größeren Einfluß ausüben
Tonnte.
Sabotage in den Elektrizitätswerken. Sonntag vormittag fanden im Anschluß an die Verhandlungen von Vorabend Vertrauensmännerversammlungen der streitenden Elektrizitätsarbeiter statt. Mit übergroßer Mehrheit beschlossen die Vertrauensleute, die notwendigen Notstandsarbeiten auszuführen. Die Elektrizitätsarbeiter haben, soweit sich bisher über. Der Obmann Sylt , der in den Versammlungen berichtete, teilte sehen läßt, das mit der Direktion der Städtischen Werke ge- mit, daß es diesmal der eingesehen Techischen Nothilfe nicht ge troffene Abkommen, einen Notbetrieb für die lebenswichtigen Lungen sei die Maschinen zum Laufen zu bringen. Wir haben Betriebe einzurichten, eingehalten. In den Hauptwerken nämlich, so erklärte Shit, aus den früheren Streiks gelernt und Moabit und Rummelsburg arbeiten je zwei Tur- dafür gesorgt, daß notwendige Maschinenteile vorher entfernt hinen, welche den erforderlichen Strom abzugeben vermögen. wurden. Wie wir hören, haben die beiden. Stadträte Beise und unter dem Vorwand, daß nur die Konstituierende VersammDas Gleiche vollzog sich in anderen brennenden Fragen. Die Bahnhöfe und Krankenhäuser, bis auf das Krankenhaus Reid, welche die Erf ärung von Sylt in den Vertrauensmänner lung die von der Revolution proklamierte große Agrarreform Unter dem Vorwand, daß nur die Konstituierende VersammFriedrichshain, wo jedoch eine technische Störung vorzu verfammlungen mit angehört haben und denen die Sabotagealte durchführen könnte, jabotierte der bürgerliche Teil der Koaliegen scheint, haben am Sonntagnachmittag Licht erhalten. bekannt sind, beim Magiftrat die erforderlichen Maßlitionsregierung jeden ernsten Versuch, eine großzügige MeDie Lage ist zur Stunde noch nicht geklärt, da das End- nahmen gegen Sylt veranlaßt. form durch radikale Maßnahmen vorzuberetten, die die Erresultat der Abstimmungen erst in den SpätnachmittagsStunden festgestellt werden kann. Beute abend wird dann Durch Spaltung abwärts. Durch die am letzten Sonntage statt- propriation der Großgrundbefizer auf jeden Fall fichern erneut eine Ronferenz der Betriebsräte und gefundenen Gemeinderatswahlen in Jena , in, der die Hälfte sollten. So traten die ungeduldigen Bauernmaisen in Vertrauensleute der städtischen Arbeiter zusammen- der Gemeinderatsmitglieder neu gewählt wurde, ist die bisherige eine anarchische Bewegung, um sich der Latifundien zu betreten, um das Abstimmungsresultat in Empfarg zu nehmen fozialdemokratische Mehrheit gestürzt worden. Der mächtigen, und als sie auf den Widerstand der Behörden und daraufhin zu beschließen, ob die gesamten städtischen Gemeinderat sebt sich jest wie folgt zusammen: Bürgerliche Fraktion stießen, wandten sie sich der bölschewistischen Partei zu. Arbeiter in den Streif freten werden oder nicht. Der Ver- 15 Mandate( im Vorjahr 12), Demokraten 6 Manda'e( im Vorjahr 7), Sozialdemokraten 14( im Vorjahr 16), Neufommuband der Gemeinde- und Staatsarbeiter will den heutigen niten und kommunisten 5 Manonte. Die re dite u 6.B. hat kein Tag jedoch nicht ungenutzt verstreichen laffen, sondern im mandat errungen. Sie hatte vor der Spaltung der Partei Laufe des Vormittags mit dem Magistrat darüber ver- 5 Gike inne, während die Kommunisten im Rathause bieber nicht bandeln, ob ein Entgegenkommen der städtischen Körper- vertreten waren.
Auf der anderen Seite wurde in dieser Zeit bei den Broletariermaffen die bolſchewistische Forderung, die unmittelbare Produktionskontrolle durch die Arbeiterschaft zu organisieren, sehr populär. Diese Kontrolle wurde damals durch die Bolschewisten in ganz fyndikalistisch