Nr.552/ 553+ 37.Jahrg. Ausgabe A nr. 139
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Sozialdemetrat Berlin".
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Vorwärts
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Dienstag, den 9. November 1920
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Nach den furchtbaren Hunger- und Opferjahren des Welt- 1die umwälzenden Wirkungen mußten sich hier naturnotwendig| für die weitere soziale Ausgestaltung der demokratischen Ne frieges erwuchs aus Rauch und Trümmern die Deutsche in verstärktem Maße geltend machen. Daß Willelm der Red publik. In den Kämpfen der Gegenwart um das MitbeRepublit. Heute jährt fich zum zweiten Male der Tag, an felige und sein hoffnungsvoller Sprößling bei Nacht und stimmungsrecht in der Produktion wird allerdings nur zu dem sie in Berlin öffentlich ausgerufen wurde. Jubelnd be- Rebel nach Holland flohen, ist nur ein äußeres Beichen ihres leicht vergeffen, welche Bedeutung die bisherigen sozialen. Er grüßte das arbeitende Volk in Stadt und Land die Tatsache, mangelnden Mutes. Diese Flucht hat zwar den Umidvung rungenschaften für die Arbeiterklasse in sich bergen. Wie die daß das im Krieg zusammengebrochene monarchistische System Deutschland wesentlich einfacher gestaltet, aber fachlich an formale Demokratie", so wird vielfach auch der soziale Fortbeseitigt und mit der Uebernahme der Regierung durch Bolks- dem natürlichen Lauf der Dinge nichts geändert. Nach dem schritt, wie er sich in dem Betriebsrätegejez verförpert und beauftragte der Friede in greifbare Nähe gerückt wurde. militärischen Bufammenbruch blieb für das deutsche Volk ein- auf anderen Gebieten angebahnt ist, berabzujeßen und zu verZwei Jahre nach dieser weltgeschichtlichen Umwälzung fach feine andere Möglichkeit übrig, als die Republik zu ertleinern gesucht. Wir sind die letzten, die in dem bisher Erherricht foum irgendwo in Deutschland noch Jubelstimmung. flären und fich ganz auf die republikanische Staatsform ein- rungenen der Weisheit letzten Schluß erbliden. Aber wir Der damals so heiß erfehnte Friede ist gekommen, aber nicht austellen. Ohne sie wäre damals schon ein Waffenstillstand müssen doch immer wieder betonen, daß in dem vorrevolutiofo bald als er erhofft wurde und nicht in der befreienden nicht zustande gekommen, geschweige denn der Friedenszu- nären Bustand noch quf lange Jahre hinaus fein Gedanke Form, die alle erfehnten. Monatelang hat die furchtbare Last stand. Es hilft deshalb nichts, wenn webleidige Seelen heute baran gewesen märe, diejenigen politischen und sozialen Rechte des Waffenstillstandes auf dem deutschen Bolte gelegen, und über die entfchwundene monarchistische Serrlichkeit flagen, fie für die Arbeiterschaft zu erkämpfen, die seit der Revolution als endlich der Friede in Bersailles unterzeichnet werden müssen sich mit der Tatsache abfinden, daß die Republik eingetreten sind. fonnte, war es der Friede der Gewalt, das Diktat des mili- die gewiesene Staatsform auch für Deutschland ist und bleiben taristischen Siegers, war es der Friede dauernden Sungers wird. So start auch die Hoffnungen der Monarchisten auf die und dauernder Entbehrung für alle Deutschen . Unter seinen allgemeine Unzufriedenheit mit den wirtschaftlichen Zuständen Folgen leidet die deutsche Wirtschaft, leidet das deutsche ar fich stügen, so wenig fann davon die Rede sein, daß die alte beitende Bolt im besonderen, heute fast ebenso schner als unter Staatsform des Deutschen Reiches jemals mieber aufgebaut dem Büten der Kriegsfurie. werden könnte.
Man darf auch nicht vergeffen, daß diese Fortschritte wesentlich größer hätten sein können und sich viel reibungsloser hätten durchießen lassen, menn nicht die unſelige Zersplitterung der Arbeiterschaft fie selbst an der vollen Auswir fung ihrer Kräfte behindert bätte. Wir wollen heute am Ge denktage der Revolution nicht noch einmal all die Fehler aufUnter solchen Umständen mußte sich das staatliche Neu- Bei aller Unzulänglichkeit, bie fich im öffentlichen Leben zählen, die von den Linksradikalen gemacht wurden, angeblich gebilde durch die schwersten Leiden hindurchfämpfen. Die Auf- bemerkbar macht, hat das deutsche Volk doch keine Ursache, an um die Revolution vorwärts zu treiben, tatsächlich aber mit Lösung aller Moral während des Krieges, die Sunahme der der Republik zu verzweifeln. Es fann nicht bestritten wer der Wirkung, die Revolution in ihrer Entwicklung zu hemmen. berbrecherischen Neigungen und die Tatsache, daß der Einfluß den, daß sich bereits eine gewilje Stabilität der neuen Staats- Aber auch heute müssen wir wieder mit vollem Ernst und der Arbeiterorganisationen in den Kriegsjahren dauernd ge- form herausgebildet hat und daß fie, trop aller monarchisti- Nachdruck darauf hinweisen, daß die Sicherung der Reschwächt wurde, bat lähmend auf die Entwicklung des republi- fchen und kommunistischen Störungen, im Boltsbewußtsein publir und ihrer politischen und sozialen Errungenschaften fanischen Staatswesens eingewirkt. In diesen zwei Jahren, die schon tiefe Wurzeln geschlagen hat. Das will um so mehr be nur möglich ist, wenn die sozialistische Arbeiterschaft, die die hinter uns liegen, sind eingefchloffen auch die für die Arbeiter- agen, als das beutiche Bolt in seiner Mehrheit vor dem Trägerin des republikanischen Gedankens war und ist, sich bewegung fo unendlich schmerzvollen Ereigniffe, die die Ent- Kriege gefliffentlich von allen Staatsgeschäften ferngehalten, endlich wieder aufibre gemeinsamen Interwidling des republikanischen Gedankens hinderten. Die mehr. dagegen nur eine fleine Schicht der Bevölkerung zur eigent. eifen besinnt und eine geschlossene Front den offenen fachen kommunistischen Butsche, die Ablehnung der Demokratie lichen Berwaltungstätigkeit herangezogen und mit den Gegnern und den lauen Anhängern der Republik entgegenin weiteren Arbeiterschichten und die damit verbundene bau- Staats- und Reichsinteressen eng verbunden wurde. Schon die stellt. Es handelt sich nicht allein um die formale Demoernde Unruhe im staatlichen Leben sind freilich nur Begleiter- eine Tatsache, daß heute die Stegierungsgewalt bom fratie". Es handelt sich um die Grundrechte des icheinungen, wie fie jede meltgeschichtliche Umgestaltung erlebt Balfe ausgeht, daß das Volk durch seine Bertreter nicht ganzen Boltes, insbesondere der Arbeiterklasse, die von hat. Für Deutschland aber, das nicht nur politisch, sondern nur im Reich und in den Einzelstaaten, sondern auch in den ihr selbst geschützt werden müssen. auch wirtschaftlich zusammengebrochen war und das deshalb Brobingen, den Kreisen und den Gemeinden unter boller die 8usammenfaffung aller organifatori. Selbstverantwortung die Berwaltungstätigkeit ausübt, wird ichen Kräfte der Arbeiterflaffe doppelt notwendig ge- ben republikanischen Gedanken dauernd weiter befestigen. brauchte, bedeuteten diese gewaltsamen Störungen der organi Die Arbeiterschaft und mir rechnen in diesem Zu jchen Entwicklung ein schweres Hemmnis auf dem Wege zur fammenhang die Angestellten und Beamtenschaft in weiteinneren und äußeren Freiheit. stem Sinne zu ihr hat allerdings noch feineswegs au Ursache, auf den Lorbeeren der Revolution auszuruben. Die Arbeiterflaffe war die eigentliche Trägerin der politischen Revolution in Deutschland , und sie ist auch die treibende Kraft
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Der Revolutionär Weltkrieg hatte in seinem Ausgang der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft die politische Macht zeitweilig in den Schoß geworfen. Wenn sie heute aufs neue um diese politische Macht rämpfen muß, so hat sie durch ihre Bersplitterung und gegenseitige Bekämpfung diefes Manto felbft verschuldet. Heute heißt es darum für alle fozialistisch Denkenden, die demokratische Republik zu sichern und auf ihrem Boden den fozialen Fortschritt zu erkämpfen, dem als Endziel die sozialistische Gesellschaftsordnung winkt.
Der Elektrizitätsstreik vor dem Ende.
In den geftrigen Rachmittagsstunden haben die Arbeiter des ftädtiichen Gaswerts Tegel bie Arbeit niebergelegt. Es werden nur Rotftanbearbeiten verrichtet. Sum 8wede ber Gaserfparnis ist der Drud im Röbrensystem berabgelegt worden. Gegen den Sympathieftreit.
Man muß an diese Dinge zunächst denken, wenn man am 9. November einen Rüdblid fut auf den Weg, der hinter uns liegt, und vorwärts schaut auf den Pfad, der die junge Deutsche Republik zur Höhe führen soll. Es ist richtig, daß die gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Zustände eigentlich niemand so recht befriedigen. Die einen gedenken mit Behmut der Zeiten, da fie unter Wilhelm allein das Bolk beherrschten, die anderen denken lediglich an die glatten Handelsbezielungen, die vor dem Seriege bestanden und den Stapitalisten sicheren Profit gewährten. Noch andere wieder Die Verhandlungen über den Berliner Streik haben den gan sehen in der Gegenwart nur die Unvollkommenheit, die sen geftrigen Tag in Anspruch genommen. Die Abstimmung über mangelnde Einordnung in das Ganze, sehen die Bunahme der Annahme oder Ablehnung des Schiebsspruches ergab, wie wir in Verbrechen, sehen die Unrast im Wirtschaftsleben und folgern fpäter Abenbftunde erfahren, ungefähr das folgende Resultat: daraus, daß die neue Staatsform an diesen Dingen Schulb 14 000 Berfonen ftimmten für Ablehnung und damit für trage. Bei denen aber, die aus innerer Ueberzeugung und ben Streit, während 12 000 ihren segenteiligen Stanb. mit glühendem Herzen die Republit bouen balfen, herrscht punkt bekundeten. Die für den Streit notwendige 8 weiDie bei den Berliner Werken und bei der Straßenbahn bet vielfach Empörung über die Dreiftigkeit, mit der die Reaktion brittelmajorität ist also nicht erreicht. Nach einer heute ichon wieder ihr schuldbebedtes Saupt erhebt, berricht Berliner Korrespondens stimmten die Arbeiter ber Gas- unb tretenen. Angestelltenverbände haben gestern nach eingehenden Ber auch Born darüber, daß es immer noch nicht gelungen ist, die 23afferwerte in ihrer großen Mehrheit für den Schiebsratungen folgenden Beichluß gefaßt: Bormachtstellung des Rapitalismus zu brechen. Die unge- fpruch, während die Straßenbahner ihn ablehnten. .Die unterzeichneten Berbände mißbilligen aufs schärffte heuerliche Breisgestaltung aller Lebensnotwendigkeiten trägt Gestern abend tagte in der Rönigsbank" eine Berfammlung den bei den städuschen Werten und Betrieben ausgebrochenen auch nicht dazu bei, eine innere Befriedigung aufkommen zu der Funktionäre des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes, in der wilben Streit, ber au einer Labmlegung des gesamten Großlaffen. es nach uns geworbenen Mitteilungen außerordentlich stürmisch Berliner Wirtschaftslebens zu führen droht. Und doch ist nichts verkehrter, als nach den zwei Anfangs- berging. Der Berbandsvorstand mußte fich energisch gegen die radi- mit aller Entichiedenbeit die Art und Weise, wie der Streit ohne jahren republikanischen Gemeinwesens zu verzweifeln oder falen Elemente zur Wehr sehen. Der Bertreter eines bürgerlichen Betragen der auständigen Drganisationen und trübe in die Zukunft zu bliden. Besonders wir Sozialdemo- Blattes, den man fälschlicherweise für den Borwärts" Berichte obne üblungnahme mit den eng in Mitleidenfraten haben keinen Anlaß, darüber traurig au fein, daß erstatter hielt, fah fidh gezwungen, unter fterker Bebedung besonne haft gezogenen Angestellten und Beamtenunferer Partei die historische Rolle zufiel, am 9. November ner Glemente die Bersammlung zu verlassen, um es nicht zu Tät gewettichaiten in die Wege geleitet worden ist. 1918 die Geschide des deutschen Volfes neugestalten zu helfen. Tichreiten Tommen au laffen. Wir wissen, daß Revolutionen nicht gemacht werden Es wurde eine Entschließung gefast, in ber zum Ausbrud lid ericbeint. daß bei Zobnlämpfen der Arbeiter die Angestellten fönnen, sondern daß fie im Mutterschoß der alten Gesellschaft fommt, baß ber Schiebsforum au verwerfen fei wegen und comten für ben Son pi turd ein Mitstreilen eintreten, fich entw deln und eines Tages als fertige Tatfade ans Licht der Klaffifizierung der Löhne, bak die Arbeiter aufiebe 2obniondern bak bielmehr die Intereffen der Arbeitericbaft in iehr treten müssen. Wir werden nie vergeffen daß der eigent- iberbefferung vorläufig versichteten unb eine vielen Fällen befier baburch gewahrt werden können, daß die Anliche Revolutionär großen Maßstabes der elt- aleichmäßige Lohnzahlung für alle Arbeitnehmer geftelten und Beamtenichaft im Betriebe bleibt, halten frieg war, der eine vollkommene wirtschaftl che und politische erstrebten, die in baldigen Verhandlungen herbeigeführt werden solle. wir es im vorliegenden Fall für ganz unmöglich, unfere Umgestaltung naturnotwendig hervorrufen mußte, so daß das Danach ist also zu hoffen, daß Dienstag abend bereits die Eler. 8uftimmung zu einem Sympathießtreit ber AnDeutiche Reich von 1920 selbst dann nicht mehr das Deutiche trizitätsarbeiter wieber in ihre Betriebe zurüdfehren, fo daß am gestellten und Beamten zu geben. Reich von 1914 gewesen wäre. wenn das Kriegsglüd auf die Mittwoch fräb ber Straßenbahnbetrieb wieder Dauer dem deutschen Heere Treue gehalten hätte. Auch in aufgenommen wird. diesem Falle wären ficher ökonomische Umgestaltungen mit weitgehenden politischen Auswirkungen in Deutschland eingetreten, wie sie heute in den fiegreichen Ententeländern zu berzeichnen find.
Sie verurteilen
Gong abgesehen davon, daß es durchaus nicht immer erforder
Wir warnen uniere Mitglieder, übereilt Stellung au dem jezigen Streit an nebmen. Wir werden zur gegebenen Beit flare ne Die dem Berbaude ber Maschiniften und Heizer angeschloffe weisungen und Richtlinien herausgeben. nen Arbeiter der Stäbtifden Elektrisitätswerte Bund der technischen Angestellten und Beamten. Deutscher Werl beschloffen in ihrer Bersammlung, heute vormittag mit der Direk meisterverband. Zentralverband der Angestellten( Afa). Verband tion der Elektrizitätswerte wegen der Aufhebung des der Kommunalbeamten und angestellten Breußens. Streits zu verhandeln. deutscher Berufsfeuerwehrmänner.
Berband