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Nr.569+ 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 147

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Telegramm- dreffe

Sozialdemetrat Berlin .

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Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Freitag, den 19. November 1920

Grußer, Hohenzollern& Co.

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Eines Tages schenkte die Extronprinzessin Cecilie der Tochter Grußers ein von ihr selbst gemaltes Bild. Als die Tochter sich leb­haft darüber freute, fagte ihr Bater su ihr: Lotte, du brauchst sich gar nicht so zu freuen, wir haben ber kronpringlichen Familie to Millionen Mark gerettet, da fonnte sich die Kronprinzeffin fahon co Millionen Mark gerettet, da konnte sich die Kronprinzessin schon ruhig etwas erlauben."

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Die Kommunalwahlen in Italien .

Rom , 10. November. ( D. 2.) Die im Jahre 1918 fällige Erneuerung der Gemeindes Die rechtsstehende Bresse fährt fort, die Berbindung für 300 Gulben monatlich. Heute schätzt man ihn auf mehrere verwaltungen in Italien war im Hinblick auf die der Hohenzollern mit Herrn Grußer frampfbaft abzu- Dusend Milltonen! Er verliez bald die Stellung und machte fich Kriegszeiten durch Parlamentsbeschluß bis zum Herbst dieses leugnen. Ohne auch nur die geringste Spur eines Gegen- ais Bankvertreter selbständig. Dabei half thm die Empfehlung Jahres verschoben worden. Bei der Verschiebung hatte man beweises sprechen sie von Sensation". Stimmungsmache" eines Dr. Friz Mannheimer, dessen Person auch genauere ursprünglich auch die Absicht gehabt, bei den fünftigen kom­Mannheimer war nämlich während des munalen Wahlen das Prinzip der ufr. Der Lobalanzeiger" möchte die Sache gern damit ab- Beachtung verdient. Proportional­tun, daß er von anderen angeblich mißlungenen Enthüllungen Krieges vier Jahre lang Bertreter der Reichsbank in Amsterdam . vertretung durchzuführen, das heute die Grundlage der spricht, ist aber so vorsichtig, hinzuzufügen: Wir können als solcher besorgte er Grußer die Bertretung des Bankhauses Parlamentswahlen bildet. Diese Absicht ist aus Opportunitäts­nicht behaupten, daß auch der neueste Fall einen für Hardy u. Co. Mannheimer selbst ist jetzt Teilhaber bei Mendelssohn Parlamentswahlen bildet. Diese Absicht ist aus Opportunitäts­dre Enthüller ebenso fläglichen Ausgang nehmen wird." Das mit 100 bis 150 Millionen Mart Kapitaleinlage. Ob er diese von gründen nicht verwirklicht worden, weil jede Reform des Ge­bürfte wirklich schwer zu behaupten sein! Wir wollen aber feinem Gehalt als Reichsbarkvertreter erspart hat? Vielleicht prüft meindewahlrechts die im Prinzip schon von der Kammer an­dem bisher veröffentlichten Material über die Beziehungen das Gericht auch einmal die Beziehungen zwischen Grußer und genommene Einführung des Wahlrechts der Frauen ein­geichlossen hätte und man vor den Folgen dieser Ausdehnung Grußers zu der fronprinzlichen Familie noch folgende be- Manheimer. Grußers späterer Sozius Phillipson war während des der Wählerschaft und den durch sie zu erwartenden Zu­zeichende Episode hinzufügen: er ist nicht, wie behauptet ta chs der klerikalen Macht Angst hatte. Die Neus Krieges als deutscher Staatsbürger wird, Holländer für den deutschen Generalstab oder wahlen für die Kommunen haben also auf Grund des alten Admiralstab in Holland tätig. In welcher Eigenschaft? Das Wahlrechts stattgefunden, mit Minderheitsvertretung, ohne ist eine dunkle Sache. Jedenfalls war Ph. traft feines Diplo Proporz, aber mit derselben Wählermasse wie bei den Barla­maten passes in der Lage, ungehindert zwischen mentswahlen. Amsterdam und Berlin zu reisen, mas er benutte, um Das Wahlergebnis hat im großen ganzen Erstaunen von Holland Rubelnoten noch Deutschland und von Deutschland rot, erregt und wird von den Ordnungsparteien als ein foloffaler gestempelte Tausendmarkscheine nach Solland zu schmuggeln. Die Sieg begrüßt und verherrlicht. Der Sieg besteht aber darin. Añoziterung mit solchem Mann war lohnend! Grußers Geschäft daß es den Ordnungsparteien" nicht so schlecht gegangen Sie hatten sich eine ging feitdem entschieden beffer, er konnte sich bereits ein Reitpferd ist, wie sie selbst erwartet hatten. gebildet, daß nach dem mächtigen Vorstoß der Sozialisten leisten. und der Klerifalen bei den Parlamentswahlen vom Herbst 1919 diefe beiden Barteten fortfahren würden, in ähnlichem, Verhältnis zu wachsen. Aber allein diese Erwartung eines fatastrophalen Babiausganges hat genügt, die Bourgesijie aus dem Dämmerschlaf zu erwecken, in den sie nach den Er­gebnissen des Krieges und des Sieges versunken war. Bildung eines Blockes von Ordnung und Besitz" gegen die Sozialisten und Klerifalen, die vor den Parlamentswahlen vergeblich versucht wurde, ist bei den Kommunalwahlen fast überall geglückt: von den außer der Partei stehenden Refor misten bis zu den Stonservativen haben sich alle Parteien zu­fammengeschlossen gegen den Magimalismus auf der einen, gegen den Stleritalismus auf der andern Seite.

Einige reaktionäre Blätter finden sich auch auf die Blanke zu retten, daß doch die Schiebungen bereits unter der frühe­ren Regierung eingef Lätten, also die jebige Renie­rung eine Verantwortung gt. Wir haben bisher noch fein Wort des Vorwurfs gegen die Regierung in der Sache erhoben. Unser Vorwurf richtete sich vielmehr dahin, daß mit alieder der Hohenzollernfamilie in verwerflicher Weise das deutsche Volfsvermögen fortgejezt schädigten, in­em sie große Vermögenswerte in das Ausland verschoben. Dazu möge sich die rechtsstehende Bresse einmal äußern!

Im übrigen muß man, um zu verstehen, warum die Schiebungen so lange unentdedt bleiben tonnien, auch einiges über Grußers Methoden wissen, wenn hier auch noch bei verschiedenen behördlichen Stellen aller band aufzuklären bleibt. Darüber wird uns noch crzählt:

Die von uns in der Morgenausgabe dargestellte Methode der Warenverschiebung macht nur einen Bruchteil der Grußerschen Sesamtschiebungen aus. Meist verfuhr Grußer anders: er ließ sich bie Gelder seiner Klienten verschreiben und übertug fie auf seinen Namen auf Auslandskonto, Juwelen, wertvolle Effekten ufw. beförderte er persönlich in seinem Auto. Zu diesem Zweck batte er sich zwei Lugusautos angeschafft, mit denen er Kändig nach Amsterdam und zurüd fuhr. Die Bankbestäti. sungen und die mit Effekten, Juwelen usw. bollge pfropften Roffer nahm er gleich im Auto mit.

Noch eine weitere Methode Grußers ist zu erwähnen: Aus. ländische Wertpapiere und Effekten find in Deutsch land bekanntlich beschlagnahmt, der Handel mit ihnen ist ver: brten. Daher stehen diese Papiere in Deutschland meist um 50 bis 190 Bunfte niedriger als im Ausland. Grußer kaufte nun in ter Kulisse der Börse solche beschlagnahmten Papiere auf und ver­schob sie gleichfalls ans Ausland, wodurch er namhafte Gewinne er­sicite. Ebenso exportierte er derartige Effekten für seine Klienten. Begen einer Salvarfanschiebung schwebt bereits gegen Grußer ein Strafverfahren.

Entgegen falschen Behauptungen der bürgerlichen Preffe muß auch feitgestellt werden, daß Grußer an der Berliner Börse wohl bertreten war, nämlich durch seinen hiesigen Brotur.ften Reichelt, der allerdings unter der falschen Siagge eines Anges stellten der Firma Schlesinger, Trier u. Co. fegelte, in mirttichkeit aber Angestellter Grußers mar. Reichelt mar es hauptsächlich, der bie beschlagnahmten Auslands. effekten in der Stuliffe der Börse auftaufte. Meint Herr Neichelt auch, daß er in dem Prozeß nur die tolle eines 3eugen fpielen merbe?

Wie Wilhelm sich bereicherte.

Die

Der Rechtsausschus jepte heute die Debatte über die Ab. findung der Hohenzollern bei dem Bunit tabemiepterte! Die Tatsache der geglückten Blockbildung aller Bürger­fort. Das Atabemienierte! ist im Jahre 1900 der Krone vom lichen Elemente beherrscht den Wahlausgang, der sich dadurch Staate abgetauft worden für den Betrag von etwa 14 Millio- charakterisiert, daß die befürchteten Vorstöße der Sozialisten nen Mart. Nach ben Grundlagen des Vergleiches und den allge- und der Klerikalen ausgeblieben sind, so daß das Bürgertum meinen Rech.sanschauungen steht unveigerlich fest, daß das Ala- mit vereinten Kräften etwa die Positionen behauptet hat, demieviertel schon damals Staatseigentum gewesen ist und nie ber die es vor dem Kriege inne hatte, als es noch nicht durch Krone gehört hat. Not und Angst bis zur Blockbildung vorgeschritten war. Ein Abg. Heilmann( Eoz.) forderte daher, daß die im Auszahlenmäßiger Vergleich zwischen den Machtverhältnissen bei tausch für das Akademicviertel der Krone überwiesenen Grundstüde den vorlegten und den jezigen Gemeindewahlen ist deshalb jezi an den Staat zurüdgestellt werden. nicht möglich, teil eine offizielle Statistik mit Parteiangaben, Ministerialbirektor Geheimrat Sch to ister bom Juftigminie wie sie bei dem heutigen parlamentarischen Wahlsystem auf­sterium erklärte das für unmpglich( 1). weil der Landtag gestellt werden kann, bei den Gemeindewahlen zur Vorkriegs­feinerzeit dem Ankauf des dem Staate schon gehörigen Ala- zeit mit den vielen lokalen Zersplitterungen und Stoalitionen demieviertels von der Krone zugestimmt hätte. Dem traten nicht zum Vergleich herangezogen werden kann. Bei der entgegen Ministerialdirektor Dr. Bachem bom Finanz- jezigen Erneuerung der Kommunalvertretungen, die durch ministerium und Ministerialdirektor Dr. Now is im Namen der die Wahlen vom 7. November ihren Abschluß gefunden hat, Staatsregierung. Der Landtag habe den Kauf und Tausch nicht hat der bürgerliche Block in 4410 Stommunen die Mehr­genehmigt, sondern nur irrtümlich eine Zahl von Millionen heit erzielt, die sozialistische Partei in 1915 Stom­bewilligt, das set rechtlich belangios. Es sei tein Grund, die munen, die flerifale in 1814. Dem Prozentsatz nach find bamals preisgegebenen Grundstüde, jett ber 51 Proz. der Kommunen in Händen des Blods, 22,8 Proz. zone zu lassen. in denen der Partei, während 19,75 Proz. den Klerikalen zut­gefallen find. Bom Rechtsanwalt der Hohenzollern , Justizra: Loewenfeld, er­Unsere Bartet hat alle ihre Positionen be­halten wir die Mitteilung, daß die falsche Nachricht über neue Verhauptet, obwohl gerade in den Städten mit sozialistischer gleichsverfuche twischen dem Staat und feinen Klienten nicht von Berwaltung der Block am fampfmütigften und am besten ge­Grußer und seine Helfershelfer. ihm ausgegangen fei. Auch ihm sei bon folchen Berin hen nichts belannt. Das Königshaus" halie an dem alten Vergleich fest rüstet war: Mailand , Bologna , Livorno , Verona , Ueber Grußer gehen uns noch folgende Mitteilungen zu: Grund erwarte von der Regierung dasselbe. Wenn einige Klienten Reggio Emilia , Imola usw. find den Sozialisten ge­ift nicht Offizier gewesen, wie das 8- hr- Abendblatt" behauptete. des Justizrats Loewenfelb wirklich durch zütige Vermittlung von blieben. Freilich hat die Partei teinerlet neue Er Bei Kriegsausbruch mußte er als deutscher Untertan England, wo Grußer u. Co. durch die Hintertür gerüdf sind, dann nimmt sich oberungen in den Großstädten zu verzeichnen: in Rom , an der Borbertür er Bankbeamter war, berlassen und fam nach Holland . Sier bes ihr Festhalten am Bergleich recht eigen Neapel , Turin , Florenz und Genua , wo es an den Wahltagen fedete er bei der Wigmanne- Bank die Stelle eines Buchhalters artig aus. fehr heiß hargegangen ist, haben die Sozialisten nur die der Minderheit vorbehaltenen Size erobert. Bedeutende Fort­schritte sind dagegen in den Heineren Kommunen gemacht worden.

Was Grußer alles über die Grenze schleppte, ist am Wert Form zu tagieten. Sicher ist, daß es sich um Hunderte Don Millionen handelt, wenn nicht gar die Mil­liarde überschritten wird.

Maisbrotstreik in Deutschösterreich.

Wien , 19. November. ( Eig. Drahtbericht des Borwärts".) Die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Ge­treide hat zur völligen Einstellung der Kornab. Lieferung geführt; alles Mehl geht in den Schleichhandel und das Rotuendigste muß eingeführt werden- bei einem Zürich Nurs der Krone von 1,1 Rappen! Das Brot des Volkes besteht jest au mehr als der Hälfte aus verdorbenem Mais mehl und ruft schmerzhafte Darmerkrankungen hervor. Die Eisenbahner Steiermart& befinden sich im Maisbrststreit.

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Nebel wird der Transport zurzeit wieder starf behindert, daher ist der Bersand ab Duisburg- Ruhrorter Häfen schwach und die Im I aufsgeit der Fahrzeuge sehr groß.

Die Lohnverhältnisse im Saarrevier. Saarbrüden, 19. November. Die neuen Lohnberband. lungen in der Saarindustrie sind als gescheitert anzusehen. Der Arbeitgeberberband lehnte die Auszahlung des Lohn­ausgleichs für den Monat November ab und ließ zu Beginn der Verhandlungen mit den Arbeitnehmerorganisationen erklären, daß die Saarwerke infolge der überraschenden Verschiebung der Baluta in den letzten Tagen heute nicht abschließen fönn­ten. Ob die Entlohnung in Franken ausgezahlt werbe, sei durch Die werttägliche Wagengestellung ging von 21 414 auf aus unwichtig. Es würden aber unter allen Umständen so recht 19 856 agen zurüd, während die durchschnittliche Fehlziffer zeitig neue Verhandlungen stattfinden, daß die weiteren bon 785 auf 8247 Wagen antouchs. Die Lagerbestände, namentlich Bohnverhältnisse der Arbeiterschaft am 1. Dezember geregelt feren. ber nassen Zechen", stiegen innerhalb der Berichtewoche um eina Nach etwa zweistündiger Debatte stimmten die Bertreter der- 30 000 Tonnen, nämlich auf 227 548 Tonnen. Der Rheinbeiterorganisationen dieiem Borschlage zu. Die neuen Berhand. afferstand ist so ungünstig wie jelten aubor, auch durchlungen find auf ben 80. Rovember anberaumt.

Die Verkehrslage im Ruhrrevier.

Wenn die Errungenschaften der Partei hinter dem zurück­bleiben, was die Gegner gefürchtet und viele Parteigenossen gehofft hatten, so ist dieses Resultat leicht zu erflären. Seit ben Parlamentswahlen hat die Bourgeoisie doch einiges ge­lernt und gerade unsere Partei hat sich Mühe gegeben, es Seit etwa einem Jahre lebt die italienische sie zu lehren. Bourgeoisie unter der beständigen Drohung des dicht bevor­Die sich daraus ergebende Gemüts­stehenden Umfturzes. ftimmung war zunächst die der stumpfen Selbstaufgabe, für die fich das Bürgertum in seiner Lebensgestaltung durch eine In der Nach- uns- die- Sintflut"- Stimmung schadlos hielt. Folge aber, als man fah, daß die Revolution immer noch nicht tam, daß in jedem fritischen Moment gerade von Seite der Partei Gegendampf gegeben wurde, trat beim Bürgertum an Stelle des Fatalismus eine immer systematischer werdende Abwehr, auf einem Untergrunde von Erbitterung und Ver­bissenheit. In diesem Zeichen kam die Konzentration aller | bürgerlichen Sträfte zustande, mit dem unvermeidlichen Er­

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