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Nr.570+ 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 148

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morisplas, Nr. 15190-15197.

Sonnabend, den 20. November 1920

Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernivrecher: Amt Morinplas, Nr. 11753-54.

Beschlagnahme deutscher Luftschiffe? Die Entpolitiflerung der Armee.

Berlin , 19. November. ( WTB.) Der Borsigende des Intere alliierten Luftüberwachungsausschusses in Berlin hat dem Aus­ wärtigen Amt einen Beschluß der Botschafterkonferenz zugestellt, in dem folgende Forderungen aufgestellt werden:

1. Daß die vorhandenen deutschen Luftschiffe Bodenfee" and Nordstern" durch den Interalliierten Luftüberwachungsausschuß als Ersas für zwei zerstörte deutsche Lenkluftschiffe befchlag­nahmt werden. 2. Daß die deutsche Regierung gehalten ist, den alliierten Mächten den Wert der übrigen zerstörten Lenkluft­schiffe, sei es in Geld, sei, es durch Neubauten, zu ersehen. In Ausführung dieser Entscheidung ersucht General Ster= man, Vorbereitungen für die leberführung der beiden Luft­schiffe an die anzugebenden Bestimmungsorte zu treffen und ihm Skizzen der Typen der zerstörten Luftschiffe sobald als mög­lich einzureichen. Deutscherseits wird der Standpunkt vertreten, daß wegen Ber­störung der Luftschiffe teinerlei Forderungen von der Entente mehr erhoben werden können, weil alle Ansprüche per Alliierten wegen der während des Waffenstillstandes vorgekommenen Verstöße durch das Scapa Flow Protokoll abge= golten find.

Huysmans über Tschechien .

Genoffe Camille Suysmans, der Freitag abend ams Brag zurüdfehrte, teilte über seine dortigen Eindrücke einem Bertreter unseres Blattes folgendes mit: " Die Zeitungsmeldungen über die Prager Borgänge waren, soweit ich sie gelesen habe, start übertrieben. Ich war in verschiedenen Gruppen, es wurden wohl hier und da Fenster ein­geschlagen, aber ich habe schon viel schlimmeres gefchen. Nach zwei Tagen war die nationalistische Stimmung bereits erheblich im Ab­flauen. Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit Mafa­ryf, der Demokrat durch und durch ist. Es ist ein großes Glück für das Land, im Augenblick diesen Präsidenten zu haben.

Ich bedauere, daß die Sozialdemokratie aus inneren Partei rücksichten aus der Regierung ausgeschieben ist. Ich bin der Ueberzeugung, daß viele Arbeiter jest, wo sie die Folgen dieses Schrittes sehen, anders denken werden. Das haben mir schon viele persönlich bestätigt. Mit der sogenannten Agrar­partei, die eine Bauernpartei ist, ist ein Zusammenregieren gut möglich. Die Tschechoslowakei hat die größte Möglichkeit zur Ents faltung der Demokratie, weil sie keine Bureaukratie, feinen Militarismus, feinen Großgrundbesitz, dafür ein starkes Bauerntum hat. In der Verbindung von Bauern= demokratie und Sozialdemokratie liegt die Zu­

tunft des Landes."

Was Genosse Huysmans über die augenblickliche Stellung der Parteien sagt, bezieht sich natürlich auf die tschechischen Parteien. Die deutsch - böhmischen Sozialdemo­traten haben nie an der Regierung teilgenommen.

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In Asch stürzten tschechische Legionäre das Josefdenkmal um; dann beschossen sie noch die protestierenden Zivilisten, töteten und verwundeten eine Anzahl. Es ist faum noch möglich, die natio nalistischen Erzesse aus der Tschechoslowakei zu registrieren. Die vier Todesopfer von Asch werden auf Gemeindekosten bestattet.

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Der Völkerbund .

Genf , 19. November. ( Tul.) Die unter dem Vorsik Bran ting 8 zusammengetretene Kommission für Abrüstung 8 fragen beschloß volle Oeffentlichkeit ihrer Verband­lungen. Das ist ein unerwarteter, gegen den Beschluß des Blennms erreichter Erfolg der Radikalen.

Auch die Kommission für Zulassungsgesuche Deutsch öster reichs und den reuebollen Kotau Bulgariens will öffentlich berhandeln.

Von Willy Meyer, Hauptmann a. D.

Ein neues Reichswehrgesetz steht vor der Tür. Das Kern­ftüd feines Entwurfs ist der§ 33. Danach dürfen sich die Reichswehrangehörigen politisch weder vereinigen noch ver­fammeln. Das attive und passive Wahlrecht zum Reichstag, zum Landtag und zu den Gemeindevertretungen ruht für die Armee. Ebenso das Abstimmungsrecht in den Fällen, wo große Fragen unferes Volkes der Allgemeinheit zur Entscheidung vorgelegt werden. Eine gründliche Entpolitisierung des Heeres" foll dadurch erzielt werden.

Unter den gefährlichen Schlagworten der Gegenwart ist In der Völkerbundversammlung forderte Barnes( Arbeitseins der gefährlichsten das von der Entpolitisierung der minister, England), daß der Börterbund unbedingt Mittel finden Armee". müsse, um das armenische Volf vor dem Untergang zu retten. Unsere Zeit ftroßt und trieft geradezu von Broblemen, Er hob die Aufgabe hervor, durch internationale Vereinbarungen die alle mehr oder minder politischer Natur sind. Wie soll das Los der Arbeiterschaft zu verbessern, und verlangte Aus­funft darüber, ob ein Mitglied des Bölferbunidrates das Recht der da eine Entpolitisierung der Menschen möglich sein durch Beschwerde habe, wenn eine von der Washingtoner Arbeiter plumpe Verbote, sich zu vereinigen und zu versammeln? Hat jemand die Gründanschauungen der Deutschnationalen fonferenz getroffene Vereinbarung von einem Staat nicht durch­geführt wird. Der Völkerbumbrat habe es berfäumt, den oder der Demokratischen oder der Sozialdemokratischen Partei, polnisch- tussischen Strieg zu vermeiden oder seinen Abschluß zu ver- dann ist er in Wahrheit Monarchist, oder Demokrat oder mitteln. Warum hat er im Konflikt zwischen Bolen und Rußland Sozialdemokrat. einerlei, ob er eingeschrieben ist oder nicht. nicht interveniert? Barnes forderte, daß die ehemals feindlichen Diefe geistige Parteimitgliedschaft kann man ebensowenig ver Länder im Völkerbund zugelassen werden. Diese Anschauung der bieten, wie die wichtigsten Mittel zu ihrer Erwerbung, nämlich englischen Arbeitermassen fam schon zum Durchbruch bei der Frage die Lektüre von Zeitungen. Zeitschriften, Broschüren, Büchern, der 28 afbingtoner Arbeiterkonferenz, an der bie englische Arbeiterschaft teilzunehmen fich weigerte, fofern nicht auch die Aussprache von Mann zu Mann und das eigene Nach­Jit es nicht lächerlich, sich an Aeußerlich­die Arbeiter der ehemals feindlichen Länder ihre Vertreter ent­jenden könnten. Die englische Arbeiterschaft vernißt Beineswegs, teiten halten zu wollen, wie Mitgliedsbuch, Zugehörigkeit daß die Zentralmächte im Jahre 1914 die Welt in ein Blut- zu Vereinen. Teilnahme an Versammlungen? meer gestürzt haben, und molien bie Verantwortlichkeit dieser Jeder vernünftige Mensch wird wünschen, daß die Armee 2351ter(!!) und ihre Bilicht, die verwüsteten Gebiete wieder auf vor dem unfeligen Parteihader und dem Parteigezänk be­zubauen, keineswegs abfeugnen. Aber es ist Sache des Völkerwahrt bleibe. Aber deshalb jede politische Betätigung bundes, und Beteiligung den Reichswehrangehörigen zu untersagen, heißt wahrhaftig das Kind mit dem Bade ausschütten.

bie Welt aus dem Haß zu retten.

denken.

Wir haben uns in der ganzen Welt lächerlich gemacht durch das Uebermaß unferer Verbote und Verordnungen. Weise Selbstbeschränkung hierin tut wahrlich dringend not.

Die Mitwirkung der ehemals feindlichen Länder an der Finanz­fonferenz in Brüssel hat schon da gezeigt, daß ohne Zuziehung der feindlichen Staaten etwas Positives nicht geschaffen werden kann. Wir müssen das alte System der politischen Allianzen Deshalb hinweg mit dem§ 33. Es ist eine unsagbar aufgeben, das jo viel unheil geschaffen hat. Die taiserlichen törichte und fleinliche Auffassung, daß man brauchbare Sol­Regierungen und die verantwortlichen Mangler sind verschwunden, und die Regierungen, mit denen wir es heute zu tun haben, sind daten nur auf dem Wege völliger politischer Entrechtung er­Vertreter des deutschen Volkes.( Beifall.) Der Bölferbund muß halten könne. Sind wir wirklich so geistlos und armielig, in die Zukunft bliden, nur dann wird es ihm möglich sein, die daß wir keine anderen Mittel als politische Beraubung Mitwirkung der ganzen Welt sich zu sichern und eine Aera des wissen und finden, um unsere Soldaten davon zu über­Friedens und der stetigen Gutwvidlung für die Nationen zu schaffen. zeugen, daß es eine unerläßliche Notwendigkeit ist, unbedingt ( Beifall.) für die verfassungsmäßige Regierung einzustehen, auch dann, 3able Dänemark unterstützt u. a. die Forderung, die Doku- wenn man im Einzelfall persönlich ihre Mittel und Pläne mente über die Verhandlungen des Bölferbundes der Oeffentlich nicht billigt, die man naturgemäß zunächst meist noch gar feit im bollen Umfange zugänglich zu machen. Bundespräsident Motta( Schweiz ) verlangte, daß eine Stom- nicht übersehen kann? Entpolitifieren im Sinne des§ 33 fann man heutigen­miffion die Frage prüfe; wie bie Beziehungen des Völkerbundes zum Völkerbundsrat und zur Völlerbundsversammlung geregelt tags m. E. mur Menschen, die an Stelle des Gehirns, Stroh werden könnten. Auch müßte die Stellung des Völkersbunds gegen- im Kopfe haben, oder so jung und unerfahren find, daß ste über den Staaten festgelegt werden, die den Völkerbundsvertrag an den Geschicken der Nation innerlich noch keinen Anteil nicht unterzeichnet hätten. Die Schweiz hoffe, daß dabei im Geiste rehmen. An diesen Männern oder Knaben kann uns nichts der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit vorgegangen gelegen sein. Ich halte sie vielmehr für eine schwere Gefahr werde. Die Schweiz lepe den größten Wert auf die Veröffent für die innere Sicherheit, da sie das beste Menschen­Vich der Verträge. Der Völkerbund müsse eine Aera der material" zu einem neuen Kapp- Putsch abgeben. offenen Diplomatie

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eröffnen und die Verträge müßten dem Völkerbunds­fekretariat in vollem Umfange zur Veröffentlichung über­geben werden. Bundespräsident Motta sprach sodann die Zuſtian­mung der Schweiz zu dem internationalen Schiedsgericht und zu der Forderung Lord Cecils aus, daß der Völkerbund eine energische Ation zur Rettung des armenischen Boltes unternehme.

Sphynx Lloyd George .

Was die Reichswehr nicht braucht, sind Nur Jawohl­Sager und nur Nur- Strammsteher. Was sie dringend braucht, sind freie, denkende Persönlichkeiten, ganze Männer, die freiwillig und aus innerer Ueberzeugung( nicht aus Stumpf­Die Disziplin, die sinnigkeit) Gehorsam leisten. gerade in unseren Zeiten ganz besonders unerläßlich ist, muß fundamentiert sein in der Aufhellung der Köpfe, über die Notwen digkeit einer unbedingt zuverlässigen und bedingungslos ergebenen Regierungsmacht, ferner in der Aufklärung über das Wesen

Entente und Tiroler Landesschießen. Wien , 19. November. Amtlich wird mitgeteilt, die Interallilerte Scerestontrollfommission habe kürzlich dem Bundesministerium für Aeußeres mitgeteilt, daß die technische Form des am 20. No­bember in Innsbrud beginnenden Scheibenschießens in gewiffem Widerspruche au Artikel 133 des Friedens- London, 19. November. 21oyd George erklärte im vertrages bon St. Germain stehe. Das Ministerium des Unterhause auf die Anfrage, ob eine Versicherung abgegeben wer Aeußeren hat daraufhin die zuständigen Stellen ersucht, das den könne, daß, wenn Deutschland einen Antrag auf Schützenfest womöglich seines offiziellen Charakters 3ulaffung zum Völkerbund stelle, die britischen Bertreter unserer Staatsform und über die Grund­zu entfleiben. In diesem Sinne erging auch eine Antwort diesen Antrag unterstüten würden, die britische Regierung probleme unseres Wirtschaftslebens. an die Kontrollkommission. Die Interalliierte Kommission hat bar- wisse nichts davon, daß ein folcher Antrag an sie gerichtet auf geantwortet, daß nach der Sachlage fein Grund vorliege, die werden würde. Aufgabe der Feierlichfeit zu fordern, daß sie aber hoffe, die Zentral­

Schlägt man diesen Weg ein, dann wird man erreichen, was jeder Bernünftige erstreben muß, nämlich, daß unsere regierung werde die Landesregierungen von Tirol und Vorarlberg Die Tribune de Genève" bringt ein Interview mit Lord Soldaten nicht in den Neben politischer Wirrköpfe sich ver­Die Tribune de Genève" bringt ein Interview mit ord fangen und sich nicht betören lassen von jedem politischen auf die Bestimmungen des Friedensvertrages aufmerksam machen. Robert Cecil , wonach dieser erklärt haben soll, daß es für Rattenfänger, der eine radikale Flöte bläft. Die Verbote des Ganz Nordtirols Eisenbahnen stehen still. Die die Aufnahme Deutschlands in ben Völkerbund jest au spät jet,§ 33 werden dies Ziel m. E. bestimmt nicht erreichen. nichtsozialistischen Verbände mißbilligen den Streit. da die Anmeldung vor der Tagung hätte stattfinden müssen Gin Sie werden vermutlich nach dem Satz: Verbotene Früchte Antrag zur Aufnahme von seiten einer Delegation fei durch schmecken füß" nur den Geheimbündeleien Tür und Tor aus unwahrscheinlich. öffnen.

zu sagen..

Wien , 19. Noven ber.( WTV.) Der Ministerrat hat die in Innsbrud anläßlich des dortigen Festschießens entstandene Lage er örtert und u. a. beschlossen, der Tiroler Landesregierung ben Rat Eine geistige Absperrung und Einterferung, eine politische zu erteilen, alle für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung Internationaler Gewerkschaftskongreß. Dauerquarantäne der Reichswehrsoldaten ist undurchführ­erforderlichen Maßnahmen zu treffen, insbesondere auf die Ein­London, 19. November. Den Blättern zufolge wird sich bar. Eine Immunisierung gegen politische Giftstoffe muß schränkung oder Einstellung des Festschießens hinzuwirken. Leider hat die Wiener Regierung in den Ländern gar nichts die in der nächsten Woche stattfindende Internationale Ge- möglich sein. Da Politik und Wirtschaft meist nicht zu trennen ist, wertschaftskonferenz, an der etwa 150 Delegierte teil­Innsbrud, 19. November.)( WTB) Das Preisschießen der nehmen werden, auch mit wichtigen internationalen macht der§ 33 die Zugehörigkeit zu nichtpolitischen Ver­Tiroler Heimatstvehren hat heute früh am Berg Jsel ohne Fragen befaffen, so mit dem Schute der Gewerk. einigungen und die Teilnahme an deren Versammlungen von fchaftsbewegung in Ländern, in denen sie jetzt noch unter. der Genehmigung der Vorgesezten abhängig. In ber raris Störung begonnen. Die Meldungen Berliner Blätter vom Aufgebot bewaffneter drückt werde, der Beendigung der jetzt noch geführten Kriege dürfte dies zu den allergrößten Schwierigkeiten führen. Vor­neuer Kriege, dem Wiederaufbau gesetzten, die noch ganz in den alten Anschauungen befangen Arbeiter gegen Kahrbayernzuzug bezeichnet unser iener Korre- und der Verhinderung spondent drahtlich als unrichtig. Europas einschließlich der Ernährungsprobleme, ber sind, erscheint die Idee, daß auch Soldaten heutigen Tages Die Nahrbayern stehen von der Reise ab, folange der Berteilung ber Rohstoffe und der Sozialisierung sich organisieren, als etwas ganz Unerhörtes, Ungehöriges, Berkehrsstreit dauert. Wie wollten sie auch hin?! der Produktions- und Beeteilungsmittel. Unberechtigtes, Achtungverlegendes, Disziplinschädigendes. Die