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Nr. 579 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 152

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.Sezialdemairat Berlin".

Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

20 Pfennig

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

Ferniprecher: Am Mortsplas, Nr. 15190-15197.

Donnerstag, den 25. November 1920

Zur Strecke gebracht!

Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernivrecher: Amt Mortuulas. Nr. 117 53-31.

Der Widerstand der Bergherren.

Märchen vom freien Handel.

Sonnabend haben die Reden der deutschnationalen und In der Sozialisierungsdebatte des Reichstags vom letzten deutschpolksparteilichen Unternehmervertreter, der Herren copold und Dr. Curtius, gezeigt, mit wie schweren Widerständen die Bergarbeiterschaft in ihrem Kampf um die lleberführung des Stohlenbergbaues in die Gemeinwirtschaft

Wenn sozialisiert wird, so wiederholen unermüdlich die Berfechter des privatkapitalistischen Monopols, dann höre jede Freiheit der eigenen Entschließung auf; alles würde in die Zwangsjade der Etatisierung gepreßt; mit dem freien Staufmann sei es zu Ende. Diesen Singfang hören wir jeit Jahrzehnten; dabei ist es gerade im Kohlenbergbau zu privat kapitalistischen Monopolbildungen weitgreifendster Art

gekommen.

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Las Rücktrittsgesuch des Oberbürgermeisters Wermuth| tätigteit einen Ausgleich der gegenfählichen Anschauungen und fäßt die ganze reaktionäre Bresse Berlins erleichtert aufatmen. Interessen als möglich erachteten: er, dessen bisherige Entwicklung Man bat es endlich geschafft, den Mann zu beseitigen, der einst und Stellung zu einer solchen Bermittlertätigkeit in schrosistem als Nachfolger Kirschners an der Spike Berlins ganz zweifellos Widerspruch stand. durfte sich nicht zu einer Rolle bergeben, die einen neuen Typ darstellte. Er wurde im Jahre 1912 von der schließlich doch immer ihn als Werkzeug radikalster Interessen liberal- fortschrittlichen Mehrheit des Berliner Stadtparlaments acichnete. Es ist ja möglich, daß er selbst sich dessen nicht in vollem gewählt, während die Sozialdemokraten sich der Stimme ent- Umfange bewußt geworden ist, zu welchen Zweden der Radikalis- zu rechnen hat. hielten. Seine außergewöhnliche Arbeitskraft, feine Ridgrat- mus seine Persönlichkeit auch bei der Neuwahl des Oberbürger­festigkeit auch gegenüber den höfischen Einflüssen, die damals meisters in den Vordergrund stellte. Er durfte jedenfalls eine solche noch auf der Berliner Stadtverwaltung lasteten, muß heute Rolle nicht übernehmen, und es war ein schwerer Irrtum von ihm, Selbst die wenn er annahm, in diefer Rolle der Gesamtheit nüßen zu fönnen. auch von den Reaktionären anerkannt werden. Tägliche Rundschau", die Scherl- Bresse, ja jogar die ,, Deutsche Ronnte man von den deutsch nationalen und Tageszeitung" erkennen an, daß er viel für Berlin gewollt und deutschvolksparteilichen Kreisen, die Wermuth müde gehetzt durchgesetzt habe. Nur die Kreuz- Zeitung " erklärt, daß sie baben, fein anderes Urteil erwarten, so überrascht doch einiger Herrn Wermuth feine Träne nachweine: maßen, daß auch die demokratische Presse sich in der Ver­In der Begründung der preußischen Berggeschnovelle Die Erwartungen, die man an seine Amtsführung knüpfte, urteilung Wermuths jenen Streifen vollkommen anschließt. haben sit nicht erfüllt, insbesondere ist unter seiner Aegide in die Das Berliner Tageblatt" 8. B. bezeichnet Wermuth als einen bom 18. Juni 1907 wird der Aufbau des Privatmonopols Verwaltung der, städtischen Angelegenheiten tein frischerer herporragenden Verwaltungsbeamten", der im Bergban geschildert. Die Gesetzgebung von 1850 bis 1865 3 ug gefommen, mie man gehofft hatte. Nach wie vor herrscht im feine bedeutenden Goben und seine hohe Arbeitsfraft mit Gr- bezweckte. der Manchesterlehre zuliebe, die volle Bergban­Roten Hause der Bureaufvatismus in Reinfultur. Allerdings erfolg in den Dienst der größten deutschen Gemeinde gestellt freiheit für jeden Unternehmungsluftigen. Was geworden ist, fordert es die Gerechtigkeit, festzustellen, daß die Kriegszeit babe. Er habe in den zwei Friedensiahren die Verwaltung fagt der amtliche Tert mit folgenden Worten: und ihre Folgewirkungen der Amtsführung Wermuths nicht gerade wesentlich verbessert und in den vier Kriegsjahren durch eine im übrigen aber ist die... gewollte Berg boransschauende Ernährungswirtschaft den baufreiheit so gut wie ausgeschlossen, da ein günstig gewesen sind. Anspruch auf den Dank der gesamten Berliner Bevölkerung Dritter es nicht wagen darf, gegen die übermäch. erworben. Aber, und nun kommt der Pferdefuß: Seine utigen Gesellschaften und Unternehmer in den weitgehende Anba fungsfäbiafeit" und eine au Wettbewerb au treten." große Nachgiebigkeit gegen Einflüsse der äußersten infen" haben ihn um den Kredit bei den Demokraten nehmer find es nun, die sich gegen die Sozialisierung Die so übermädytig geworbenen Gesellschaften und Unter­zum Schuß der Bergbaufreiheit und des freien acbracht. Sein fchwächliches Verholten" genüber den fenden Elektrizitätsarbeitern bat ibn auch bei den Demokraten Handels". Schon 1910 herrichten die Vertreter von nur gehn und Unternehmerfamilien über unmöglich gemacht, daß das Berliner Tageblatt" findet. Großbetrieben, Banten daß er im richtigen Reitpunkt gehe, in die großen Verdienste, 80 Proz. der Ruhrfohlenförderung, damit der Sälfte des ac die er sich um die Reichshauptstadt erworben habe, nicht zu ver- famten deutschen Steinfohlenbergbanes! Inamischen hat die dunkeln. Stonzentration der Montantverke riesige Fortschritte gemacht. Gelsenkirchen , Deutsch Luremburg, 90­ch u mer Verein unterstehen mun einer Direktion, immer nene. Fusionspläne werden zur Reife gebracht. Hundert­tausende Arbeiter und Angestellte unterstehen bereits der Direktion dieses einen Montantrust 3, dessen Verzwei­gungen, Interessengemeinschaften und familiäre Beziehungen schon gar nicht mehr übersehbar sind. Wenn es doch offen­sichtlich zu einer monopolistischen Bertruſtung der wichtigsten Bergwerfe fommt, warum muß dieser Riesentrust ein privat­fapitalistisches Gebilde sein? Er dorf es nicht sein, wenn das Bolk die Zeichen der Zeit versteht. Man mag als Techniker vollziehenden Werkskonzentration baben, der Wirt­

Die oftelbische revs- Beitung" ist allerdings das ein­aige Organ, das seinem Hoß gegen Wermuth so offen die Blige! schießen läßt. Die übrige deutschnationale Bresse findet wenigstens ein paar verbindliche Worte für feine früheren Verdienste, die aber vollkommen verschwinden, weil der scheidende Oberbürgermeister nach der Revo Intion fich nicht in schroffen Gegensatz zu den Kräften gestellt hat, die in dem demokratischen Deutschland den be­vorrechteten Besiz in der Leitung der Geschäfte abgelöst haben. Am deutlichsten spricht diesen Gedanken das Stinnes- Blatt, die Deutsche Allgemeine Zeitung", aus, indem sie schreibt: Mögen die Motive, die ihn leiteten, als er tros des Wider spruchs sämtlicher bürgerlichen Parteien sich von dem Radikalismus als Träger radikaler Richtung auf den Schild erheben ließ, auch in einer Auffassung begründet gewesen sein, die in einer Mittler

Frankreichs Außenpolitik.

Baris, 25. November. Ministerpräsident Lengues er schien gestern vor dem Kammerausschuß für an: swärtige Ange­legenheiten und erklärte dort, daß Deutschland das Abkommen

rei- menden

Die Deutschnationalen und sonstigen fapitalistischen Kreise haben Wermuth zur Strede gebracht. Die Kommunisten ober gaben ihm den Fangstoß. Beide sind jetzt zufrieden. Was fümmert es sie, wenn die neue Gemeinde Groß- Berlin da­durch in Schwierigkeiten gerät.

Vertrauen in die Politik der Regierung ausspricht. Dieser An­trag wurde e instimmig angenommen, der Antrag Asquiths jedoch wurde mit 303 gegen 83 Stimmen verworfen.

von Spa ausführe und daß die Waffenablieferungen fich ver. Die Arbeit der Väikerbundkommiffionen. eine ästhetische Befriedigung an der gegenwärtig fich raich

stärft hätten. Die Prämie in Gold, die zur Befferung der wirtschaftlichen Lage der Bergarbeiter dienen sollte, habe dieser Bestimmung nicht zugeführt werden knönen. Lengnes erklärte ferner, daß er den Standpunkt gegenüber Rusland weiter aufs recht erhalte, den bis test die französische Politik eingenommen habe. Er halte aber wirtschaftliche Beziehungen von Berfon zu Person für angebracht. Weiterhin erklärte er, er sei ein Gegner der Blodade Rußlands , die er als gefährlich und wirkungslos betrachte.

Zwei Ansichten

Die Völkerbundtagung in Genf ist in das zweite schaftspolitiker muß eine große Gefahr für Etadium eingetreten. Die Zeit der großen Reden in den Plenars das Volfsrecht in diefer fieberbaften pri­fibungen ist vorüber und man versucht jest, in Kommissionen batfapitalistischen Monopolisierungsaktion ernstere Arbeit zu verrichten. Die Kommission für den Inter - sehen! nationalen Gerichtshof, der unter Léon Bourgeois tagt, fonnte bisher zu einer Einigung nicht gelangen. stehen sich gegenüber. Der Entwurf des juristischen Komitees im Der Matin" betont, daß Saag gibt dem Gerichtshof das Recht bindender Urteile. Die vom Diese Erklärungen gestern abend in den Wandelgängen der Völkerbundsrat in Brüssel angenommenen Zufäße geben dem Ge­richtshof nur nach vorheriger Uebereinkunft zwischen den Parteien Amsterdam , 25. November. Wie aus London semeldet das Recht zur Urteilsfällung, außer wenn die bestehenden Ver­wird, werden sich engues, Giolitti und Lloyd George träge die obligatorische Echiedsgerichtsbarkeit vorjähen. Die Stom­bei ihrer in London stattfindenden Konferenz nicht nur mit der mission ernannte eine Unterfommission zur Prüfung ge griechischen Frage, sondern auch mit der Frage des Handels wisser Epezialfragen, zu deren Präsident Hagerup- Norwegen Waring vor der Aufhebung des freien Handels durch die

Kammer der Gegenstand einer lebhaften Diskussion waren,

mit Rußland , der von Deutschland zu zahlenden Ent. gewählt wurde. schädigung und dem türkischen Friedensvertrage befassen. Die Anwesenheit Giolittis ist notwendig, weil bei den Besprechungen über den Ostteil des Mittelmeeres und über Kleinaften auch italienische Interessen zur Sprache tommen werden.

Jrendebatte im Unterbaus.

Asquith betonte nachdrücklich den allgemeinen Abscheu vor den

Bahllosen Fleinen und mittleren Unternehmern ist es längst zum Bewußtsein gekommen, daß sie nur die mehr oder weniger geduldeten Angestellten weniger Induftric­monopolisten sind oder werden. Die Verwaltung eines Riesentrustes, der die Erzeugung aller Grade umfaßt, wird natürlich viel schwerfälliger fein, als die Direktion auch des größten Einzelunternehmers. Also fällt die Warnung vor der Schwerfälligkeit der Verwaltung einer sozialisierten Kohlen­bewirtschaftung in fich zusammen. Zusammen fällt auch die Sozialisierung der Kohle. Denn seitdem es Kohlen. syndikate gibt, baben sie erfolgreich den freien Handel immer mehr erwürgt Wirklichkeit sind die Kohlenhändler bis zum legten leinberichleißer längst vom Rohlen­fyn ditat abhängige Angestellte, denen der Geschäftsbetrieb diktatorisch vorgeschrie­ben ist.

-

in

Die provisorische Wirtschafts- und Finanz­fommission zur Fortsetzung der Arbeiten der Finanzfonferenz von Brüssel, beren Errichtung vom Völkerbundsrat beschlossen wurde, ist unter dem Vorsik von Ador( Edweiz) zufammen getreten. Sie wird die von den verschiedenen Regierungen an die Finanzkonferenz von Brüssel gerichteten Berichte nach ihrem In­halt sichten und nach einheitlichen Gesichtspunkten ordnen. Eine Hauptaufgabe bilden die Vorarbeiten zu einer neuen inter­London, 25. November. Unterhaus. Asquith eröffnete nationalen Wirtschafts- und Finanzkonferenz. vor dicht beschtem Hause die Debatte über die bereits gemeldete die wahrscheinlich im Laufe des Jahres 1921 in Genf zusammen­En schließung der Liberalen und der Arbeiterpartei, betr Irland . tritt, um die Schaffung der ständigen wirtschaftlichen und finan­Morden und den übrigen Verbrechen in Dublin . Er sagte, die diellen Organisationen des Böllerbundes vorzubereiten. Die Kontrollfommission für das Gebiet von Wilna hat Erefutive müsse in der Lage sein, solchen Verbrechen mit reinen Händen entgegenzutreten. Es sei ein überwältigendes Beweis. die provisorische Regierung erinnert, Bürgschaften dafür zu geben. material dafür vorhanden, daß die Wiedervergeltungen dat die von Beligowosti gegebenen Anordnungen, die Defensive Vertreter des Völkerbundes. organisiert seien. Wenn die Exekutive gegen die Wieder zu beobachten, befolgt werden. bergel unren ici, weshalb verbindere fie diese dann nich, und wenn Litauens und Polens werden in Kowno über die Wilnaer Frene fie fie n cht berhindern fönne, trarum schreite sie dann nicht mit Bestrafungen ein. Greenwood erklärte, die große Mehr- Die Aufnahme von Bulgarien und Desterreich profit sablen läßt. Der Privatmann, der sich die anhi hea iriichen Boffes verlange nach Frieden und bekomme auch in den Wölferbund scheint nach den bisherigen Verhandlungen Rolle unmittelbar von der Zeche bolen läß. muß der Mono­den Frieden; denn der Terror werde von den bewaffneten Streit der 5. Kommission gesichert au sein. Allerdings verlangen polfirma sogar 37 Mart pro Tonne ertra zahlen! fräften der Krone gebrochen. Serbien und Rumänien als Voraussetzung für die Zu- Nur für die Ausstellung der Rohlenanweisung", denn die Ein anderer Abgeordneter brachte einen Antrag ein, in dem das lassung Bulgartens die vorherige Erfüllung des Friedensvertrages Arbeit des Abtransports usw. überläßt die Monopolfirma Haus der Polizei und den Truppen in Irland für die unter bei- und möchten überhaupt Bulgarien mindestens eine gewisse Probes den anderen. So ist zu lesen in einem recht instruktiven Ar­Spiellos schwierigen Umständen geleisteten Dienste Dan! und fein zeit auferlegen. tifel im Dortmunder Generalangeiger" vom 14. Oktober.

berhandeln.

listen abgedrückt wird, dafür ein lehrreiches Beispiel aus dem Wie der freie Handel durch die privaten Kohlenmonopo­Gelienkirchen teilt mit, feit Jahren bemühten sich die Ruhrgebiet . Die Roblenhändlerbereinigung Bechengesellschaften, den Landkoblenabsatz in eigene Regie" zu übernehmen. Die eigene Regie" ist so beschaffen: Eine gewisse Firma 2. MoII u. Co. erhält von der Gelsen­firchener B. G. das Alleinverkaufsrecht der Landabsazfoble. An diese Firma baben sich alle Kohlenverfäufer im Landabjaz zu wenden. Sie erhalten eine Roblenanweisung", für die fich die Monopolfirma pro Tonne 10 Mart Ertra.