Nr. 581 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 153
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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands
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Freitag, den 26. November 1920
B
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Von Ludo M. Hartmann.
Red. d. Vorwärts".
Der scheidende Gesandte der deutschösterreichischen Republil, Der französische Ministerpräsident bezeichnete es vor dem die französische Regierung eine breitere Grundlage geben zu Gen. Ludo M. Hartmann, wendet sich in den folgenden Kammerausschuß für auswärtige Angelegenheiten als strittig, müffen glaubt. Denn es ist ja nun einmal so, daß Frankreich Ausführungen an das deutsche Reichsvoll mit einer Anregung, ob allen außerhalb Oberschlesiens wohnhaften Oberschlesiern ein zu großes Interesse an Größer- Polen hat, um nicht in die den lebhaftesten Widerball zu finden verdient. das Stimmrecht für die Abstimmung verliehen werden solle. Oberschlesien ein für Bolen günstiges Resultat zu wünschen. Er setzt damit das Schlußsiegel unter eine Propaganda, die Deshalb ist es allerdings noch keineswegs gerechtfertigt, wenn Politik ist die Umsetzung historischer Tendenzen in rechtbon langer Hand vorbereitet wurde. Die polnische man sich auf französischer Seite immer wieder in den Mitteln liche Formen, denn nichts kann auf dem Gebiete des StaatsBrefie sucht bereits seit geraumer Beit für eine derartige bergreift, die nachhelfen sollen, den Wunsch zur Tat zu machen. lebens zur Organisation gelangen, was nicht durch die geBeschmeidung des Stimmrechts bei der Entente eine günstige Die Erklärung Lengues ist ein Musterbeispiel dafür. schichtliche Entwicklung vorbereitet ist, und alles, Basis zu schaffen. Eine Kommission, die von der polnischen Aehnlich verhält es sich mit den Maßnahmen, zu denen was in der Richtung der historischen Entwicklung liegt, drängt Regierung nach Paris geschickt wurde, stieß in dasselbe Horn. der französische Vorsitzende der Interalliierten in Oberschlesien nach rechtlicher Organisation im Staate. Die Aufgabe des Sie fand feine tauben, Ohren. Die französische Le Rond greift. So schließt er jetzt in einer Verordnung bei Politikers also ist es, die Form für den Inhalt der GePresse, die in derartigen Fragen besonders hellhörig ist, der Bildung von Abstimmungsbehörden alle Staats- und schichte zu finden und dasjenige als Recht festzustellen, was nahm den Stuf bereiwilligst auf, und der Ausspruch des fran- Rommunalbeamten sowie die Geistlichen als Mandatäre aus. schon vorher als kommendes Recht empfunden wurde. Das zösischen Ministerpräsidenten beweist, daß das nicht ohne Es ist klar, daß es sich auch hier um einen jener Schadyzüge Mittel aber, dessen sich der Politifer bedienen muß, um das, Fühlung mit der französischen Regierung geschah. handelt, das deutsche Element in Oberschlesien im Abstim- was in der Zeiten Schoße ruht, zu geltendem Rechte umzuDamit ist Unrecht aber noch nicht zu Recht gemacht mungskampf möglichst zu unterdrüden, da die Mehrzahl der gestalten, ist immer und überall die Organisation, worden. Wir haben in der Morgenausgabe und die Beamten und Geistlichen aus deutschen Oberschlesiern besteht, d. h. die Aufklärung der politisch denkenden Menschen und Präzedensfälle von Schleswig und Ostpreußen unterstreichen denen auf diese Weise die wichtigsten Staatsbürgerrechte ge- ihre Zusammenfassung zu dauerndem gemeinsamem Handeln bas- bereits den Beweis geführt, daß die Nichzulassung der nommen werden. im Sinne des angestrebten und vorgezeichneten Zweckes. In 250 000 bis 300 000 Oberschlesier in Deutschland eine glatte Der deutsche Plebiszitkommissar in Rattowit Urbanet hat der, weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle kann es sich Beugung des im Friedensvertrag nieder- gegen die Anordnung pro'estiert. Es ist bezeichnend, daß es dabei nur um die Organisation politischer Parteien handeln, gelegten Rechts bedeuten würde. Und so scheint denn solcher Proteste bedarf, um die elementarsten Bürgerrechte der da die widerstrebenden Interessen der einander bekämpfenden auch der französische Ministerpräsident seiner Sache feines- Deutsch - Oberschlesier zu wahren. Es mag sehr ehrenvoll für Stlassen auf die meisten politischen Fragen verschiedene Antwegs so ganz sicher zu sein; denn als Hauptfaktor für die die Deutsch - Oberschlesier sein, daß man ihre Stimme und ihr worten geben, je nachdem, von welcher Seite aus sie bepolnische Forderung, die er zu seiner eigenen gemacht zu haben Gewicht im Abstimmungskampf so hoch anrechnet; aber auf trachtet werden. scheint, gibt er an, die Bulaffung der außerhalb Oberschlesiens ihre guten Rechte tönnen sie trotzdem nicht verzichten. Will Aus dem modernen Staatsleben wird man deshalb das wohnenden Oberschlesier fönne eine große Gefahr für man einen ehrlichen und guten Abstimmungskampf. fo darf Parteiwesen nimmermehr entfernen können und gerade Die Ordnung. bedeuten. Also rein technische Bedenfen! Die Sorge für den geordneten An- und Abtransport der Ab- an auf feiben der Interalliierten nicht den Boden der Ob- aus dem Widerstreite der Parteien in ihrem Machtkampfe werden die tatsächlichen politischen Resultate gewonnen. Doch jektivität verlassen. stimmungsberechtigten sowie für ihre Unterkunft und Verist diese Regel nicht allgemein. Es gibt gewisse Fragen, flegung mag die Interalliierte Kommission getrost den deutwelche bei dem heutigen Stande der gesellschaftlichen Entwidjchen Behörden überlassen. Sie haben in Schleswig und Benthen, 26. November. Die Meldung von ber An- lung von allen Klassen einheitlich beantwortet werden können, Ostpreußen bereits bewiesen, daß sie imstande sind, das nahme des Autonomiegefeges wurde gestern in OberBroblem zu bewältigen. Die Aufrechterhaltung von Ruhe und schlesien durch Extrablätter verbreitet. Die deutschen ober Ordnung während der Abstimmungstage allerdings müssen schlesischen Morgenzeitungen äußern heute übereinstimmend ihre wir der Interalliierten Kommission überlassen. Ihr steht Freude über die Annahme des Gesetzes und sehen in dem Gefez dafür ja eine ansehnliche Truppenmacht zur Verfügung. Das wichtigste Mittel zum Siege in der bevorstehenden Abstimmung. Außerdem hat die Abstimmung in Schleswig und Ostpreußen Eine Warning. gezeigt, daß die Deutschen daran gewöhnt sind, Disziplin und ruhig Blut zu bewahren. Und wir glauben nicht, daß die In einem Telegramm an den Vorsißenden der Interalliierten Interalliierte Rommission sich bereitfinden würde, einer Kommiffion für Oberschlesien , Le Rond, warnt die deutsche Ble Sandvoll polnischer Hizköpfe zuliebe den Flaren Rechtsvertrag bifzitkommiffar urbanek davor, die blaue Polizei bei der Neuzu beugen und sich so dem Diktat einer Fleinen Minderheit formierung nach ähnlichen Gründfäßen zu gestalten wie die Ab von Terroristen zu unterwerfen. Das wäre denn doch eine stimmungspolizei, die ihrer Aufgabe in teiner Weise zu starke Belastungsprobe für das Ansehen der Entente. gewachsen fei. Einbruch, Naub und Mord seien heute an der Tagesordnung. Das Telegramm schlicht:„ Wir warnen vor so folgenschweren Maßnahmen, weil alle Anzeichen dafür vorhanden find, daß Oberschlesien vor neuen schweren Ereignissen steht."
Aber wie gesagt, die Entente als solche hat bisher ihr Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen, vorläufig handelt es sich nur um ein sehr durchsichtiges Manöver der Polen , dem
Die Autonomie.
weil sie gleichsam schon zu Voraussetzungen geworden sind, auf Grund derer die politischen Stämpfe selbst durchgeführt werden, so daß es einzelne politische und zwar häufiger außenpolitische, als innerpolitische Ziele gibt, welche allen Parteien gemeinsam sein und von allen Parteien gemeinsam erstrebt werden fönnen. Abgesehen von allen anderen Anschauungen wird es heute in Deutschland kaum jemanden geben, der nicht das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes und seinen Zusammenschluß als eine Forderung der Gerechtigkeit und zu gleicher Zeit der Notwendigkeit für den deutschen Staat empfindet. Durch diesen Zusammenschluß muß gleichsam die kulturelle Grundlage für die weitere Entwicklung gegeben werden, mögen sich nun die einzelnen Parteien die weitere Entwicklung auch verschieden vorstellen.
Dies zeigte sich neulich auf dem erhebenden Kommerse, der bei Gelegenheit meines Ausscheidens aus der hiesigen österreichischen Gesandtschaft veranstaltet wurde, um zu beBeschlüsse der Gewerkschafts- Internationale weisen, daß es in Deutschland eine Einheitsfront für den Kampf um den Anschluß Deutsch österreichs an Ueber das Auftreten deutscher reaktionärer Freischärler in London , 26. November. ( Tul.) Reuter meldet: Der Inter Deutschland gibt. In der Tat fanden sich hervorragende Litauen find einander vielfach widersprechende Nachrichten verbreitet nationale Gewerkschaftstongreß in London hat eine Redner aller bürgerlichen Parteien, sowie der Sozialdemokratischen worden. Vom Sekretariat der Sozialdemokratischen Partei Litauens Entschließung angenommen, worin beantragt wird, daß Inter - Partei zusammen, um namens ihrer Parteien zu erklären, erhalten wir eine Darstellung, der wir folgendes entnehmen: nationale Arbeitsbureau nicht anzuerkennen, folange daß diese alle für den Anschlußgedanken eintreten, und auch Die Grenzüberschreitungen von Deutschen begannen einzeln nicht die Arbeiterverträge von Washington von allen Ländern rati- die rechtsunabhängige Partei hatte ihrer Sympathie Ausdruck Mitte Oktober. Es waren Leute, die ohne Waffen tamen und sich fiziert worden find. In der gleichen Sibung wurde ein Antrag gegeben. Trotz allen Parteihaders ergab sich in diesem in den Grenzorten vom Betteln ernährten. Die litauische Regie- Norwegens , fich jeder Mitwirkung am Internationalen Ar Bunfte vollständige Einigkeit. Diese Einigkeit bestand rung gab den Befehl, die Leute zurückzuschicken. Am 17. Oktober beitsbureau zu enthalten, verworfen. Der Internationale Gewerk natürlich nicht nur an diesem Abende. Sie ist ein dauerndes erschienen in Werschbolowo 300 Mann mit 9 Offizieren, die sich eines schaftskongres hat weiter eine Entschließung angenommen, worin Ergebnis aus der Entwicklung dieser lezten Jahre. Um ihr Zuges bemächtigten und nach Kowno fuhren. Sie wurden dort dem Vorstand aufgetragen wird, einen Plan für ein inter - aber Wirksamkeit zu verleihen, muß sie auch nach außen nicht nach Deutschland zurüdbefördert nationales 8entralbureau für eine gerechte Bernur an einzelnen Abenden hervortreten, sondern durch das Später erschinen in Sibarti abermals 1000 Deutsche , die verhandeln teilung der Rohstoffe zu entwerfen. Dieser Plan wird politische Mittel, die Organisation, in die praktische Tat überwollten, aber gleichfalls zurüdgeschidt wurden. Ebenso erging dem Internationalen Arbeitsbureau in Genf zur Ausführung vor- geführt werden.' Hervorragende Männer auf dem Gebiete von es zwei Kompagnien, die am 4. November in Tauroggen erschienen gelegt werden. Stultur und Gesellschaft, Industrie und Handel müßten vorIn Litauen bestelyt gegen solche militärischen Abenteurer nach den„ Telegraaf" meldet aus London , daß Thomas in der geftrigen treten und unter voller Anerkennung oder auch Betonung Erfahrungen mit Bermont die stärkste Abneigung. Sihung des Internationalen Gewerkschaftsbundes ein Schreiben der ihrer sonstigen Gegensäte sich an die Spite eines poliAls am 18. Oktober die ersten Deutschen in Kotono erschienen, russischen Gewerkschaftsmitglieder im Ural - tischen Zweckverbandes stellen, der ganz Deutschland erhob die französische Gesandtschaft dagegen Einspruch. Sie vergaß gebiet verlas, in dem es heißt, es sei der russischen Arbeiterklasse umfassen müßte, mit einer Zentrale, die dem Ganzen einheitdabei, daß die Polen mit Hilfe französischer Waffen unter fran- infolge der unter der Sowjetregierung bestehenden wirtschaftlichen Willen verleiht, und einem dichten Netz von Drtszösischen Ofizieren gegen die Litauer kämpften. Weitere französische lichen Seibeigenschaft unmöglich, ihre Gedanken gruppen, das über ganz Deutschland ausgebreitet wäre. Proteste erfolgten nicht, sie wären gewig erfolgt, wenn Deutsche frei auszusprechen. Die Führer der vussischen Gewerkbatsächlich ins litauische Seer eingestellt worden wären. Das Se- fchaften würden von der Sowjetregierung streng verfolgt, viele von fretariat der Sozialdemokratischen Partei schlägt schließlich vor, Ver- ihnen erschossen und zahlreiche ins Gefängnis geworfen. treter der deutschen und der lettländischen Sozialdemokratie nach Bitauen zu entfenden, um den Sachverhalt festzustellen.
interniert und
Kowno, 26. November.( Ditauische Telegraphen- Agentur.) Der Ittauische Minister für auswärtige Angelegenheiten überreichte dem Vorsitzenden der Kontrollkommission des Völkerbundes ein Schreiben, in dem die litauische Regierung sich bereit erklärt, den Waffenstillstandsvertrag zwischen der litauischen Armee und derjenigen des Generals Želigomsfi zu unterzeichnen. Sie verlangt von der polnischen Regierung formelle Garan tien, daß Beligomsti die Anordnungen der polnischen Regierung befolge
Kronprätendent Konstantin.
Sie
würden unterstützt werden von den überall sich bildenden Organisationen der im Reiche lebenden Deutschösterreicher. An Tätigkeit würde es ihnen nicht mangeln; fie müßten Aufflärung verbreiten über die Verhältnisse in Desterreich, über die Bedeutung der Anschlußfrage, über die Wege, die zum Ziele führen. Sie müßten in Desterreich auch fernerhin die Ueberzeugung London , 26. November. Times" meldet, daß sich der griechische stärken, daß wir Deutschösterreicher nicht als arme Verwandte Minister Streit nach Bern begeben hat, um dort dem briti ungern gesehen werden, wenn wir uns in die Arme des großen schen Gesandten eine Erklärung des Königs Ron Deutschland werfen. Sie müßten das Echo sein für die Rufe, stantin zu überreichen, die hierauf nach Italien gesandt und die aus Desterreich ergehen. Sie müßten die gesellschaftlichen durch den Prinzen Georg auch der französischen Regie Beziehungen im weitesten Sinne zwischen Deutschland und rung unterbreitet werden wird. In dieser Erklärung drücke dem abgesprengten Teil des deutschen Volkes pflegen und vor Konstantin seine Genugtuung aus über die Erklärung der neuen allem die kulturellen Gemeinschaften, die auf sprachlicher griechischen Regierung, daß sie die auswärtige Politif Griechen- Grundlage naturgemäß enger sind, als zwischen Völkern berlands nicht ändern wird. Außerdem gebe er seinem Wunsche Aus- schiedener Sprachen. Sie müßten auf deutschem Sprachgebiete drud, engere Beziehungen zur Entente anzufnüpfen. wie im Auslande die Ueberzeugung von der notwendigen