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Nr. 620 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 173

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3.

ernivrecher: Umt Morinplas, Nr. 15190-15197.

Sonntag, den 19. Dezember 1920

Ein Schritt vorwärts in Brüssel .

Brüssel, 18. Dezember.( Havas- Reuter.). Bericht über die gestrige Nachmittagssigung der alliierten Delegierten. Jm Verlaufe eines Meinungaustausches zwischen den alliierten Dele­gierten wurde der Beschluß gefaßt, bestimmte Persönlich keiten aus ihrer Mitte damit zu beschäftigen, daß sie sich mit der deutschen Delegation in Verbindung setzen, um von ihr nähere Erklärungen über einige Punkte zu erhalten, welche in dem bisher von ihr vorgeschlagenen Exposé behandelt find. Die Dele­gierten werden ihre Kollegen von dem Ergebnis ihrer Unter­haltungen Bericht erstatten. Eine Sigung mit der deut­ schen Delegation wird morgen vormittag stattfinden. In

ihr soll das Exposé, das die deutsche Kommission der Konferenz

zu unterbreiten wünscht, zu Ende geführt werden.

Die Tarlegungen der Teutschen.

Brüssel, 18. Dezember. ( WTB.) Amtlicher Bericht über die heutige Vormittagssigung. Die Konferenz hat die Darlegun­gen angehört, welche namens der deutschen Delegation gemacht 1. Von Direktor Le Suire über die Folgen der Anwen dung der wirtschaftlichen Klauseln des Vertrages auf den Wieder­aufbau Deutschlands .

wurden.

2. Darlegungen von Dr. Melchior über das deutsche Eigen­tum im Auslande und über die Anwendung des§ 18 des Annecys 2 des Teiles 8 des Friedensvertrages.

3. Darlegungen des Generaldirektors Guno über die Folgen des Verlustes der Handelsmarine für Deutschland .

4. Erklärungen des Bankdirektors v. Stauf über die Rüd­wirkung der Anwendung der Verpflichtungen des Versailler Ver­trages über die Ausgleichsämter auf den deutschen Wechselkurs.

Nachdem die deutsche Delegation fich zurückgezogen hatte, haben die Delegierten der Alliierten bestimmte Persönlichkeiten aus ihrer Mitte damit beauftragt, von den Vertretern Deutschlands nähere

Ginzelheiten über einige der Punkte zu beschaffen, die im

Berlaufe der Sigung zur Sprache gekommen find.

Die Konferenz verbagte sich sodann auf Montag nachmittag. Sie wird dann die Berichte anhören, welche ihr von verschiedenen Delegierten werden erstattet werden über die Unterhaltungen, zu denen sie Auftrag erhalten haben.

Der Fragebogen überreicht.

Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Sw. 68, Lindenstr. 3.

Fernsprecher: Amt Morinplas, Nr. 117 53-54.

Außenpolitische Führung.

Von Dr. Abolf Röster.

leistungen beweisen. Selche Leistungen feien durch den Frie eine Beitlang in das politische Leben der deutschen Provinz Der Außenpolitiker, der aus dem Berliner Getriebe für densvertrag imq Anhang 3, 4, 5 und 6 Titel VIII vorgeschrieben. Es seien zivei Punkte zu berücksichtigen: Einmal diejenigen, welche untertaucht, stellt ein erschreckendes Maß von außenpoliti­von Deutschlands wirtschaftlicher, Fähigkeit abhängen, und zweitens scher Uhwissenheit in unserem Volke fest. Anderthaib Jahre die Preise, die in vernünftiger Weise festzulegen seien. Dann nach Friedensschluß ist das Werk von Versailles toeder in stoffen ,; welche gleichfalls durch Vereinbarung geregelt fei und Hauptforderungen noch in seinen moralisch niederdrückenden fämte die Frage der Lieferung von Chemikalien und Farb- feinen fonkreten wirtschaftlichen, finanziellen and politischen zufriedenstellend vonstatten ainge. Es blieben nur noch die Lei- Bestimmungen einigermaßen im Volfe bekannt. Neber die stingen nach Anner 4, welche ein ganz besonderes Interesse deutsche Außenpolitik vor dem Kriege und die Umstände, nicht nur für Frankreich und England, sondern auch für Deutsch unter denen der Krieg ausbrach, herrschen im größten Teile land hätten. Es handle sich um die des Volkes noch die alten, aber zähen Phrasen vorrevolutio­der zerstörten Gebiete. Deutschland sei fest entschlossen, soweit üblen Selbstbeschuldigungen unfritischster Art. Mit Bezug närer Geschichtsklitterung ab und zu durchbrochen von es ihm irgend möglich fei, dabei mitzuhelfen. Geld habe Deutsch auf die Zukunft ringen nationalistische Revancheideen mit land nicht, aber es babe seine Arbeit und die Erzeugnisse feiner bolichemistischen Weltrevolutionsträumereien und vernebeln Industriz. Deutschland sei bereit, an jeder praktischen dem deutschen Volke den einzigen Weg in die Wirklichfeit, 2ösung mitzuarbeiten und hoffe, eine Verständigung erreichen der durch die ich male Pforte von Versailles führt. 3 fönnen, mit dem Ziel eines schnellen Wiederaufbaus, der not­wendig fei für die wirtschaftliche Wiederherstellung von Europa . Er sei nicht in der Lage, im Augenblid einen Plan in seinen Ginzelheiten dafür zu entwideln, aber er tönne fich persönlich vorstellen, daß etwa die deutsche Regierung

Materiallieferungen für den Wiederaufbau

einen gewissen Markkredit

aid

eröffne, der freilich innerhalb der Zahlungsfähigkeit Deutschlands liegen müsse, um einen Fundus zu schaffen, auf, welchem franzo fische und englische Bejicüungen bei deutschen Lieferanten bezahlt werden würden. Dies mürde mit den Hauptschwierigkeiten des Anner 4 aufräumten. Er meine, bak bie Ginzelheiten in einer besonderen Kommission feitzustellen sein würden, deren Ginjebung er vorschlage. In Peantwortung einer Frage des italie­nischen Delegierten fagte Beramann, daß er meine. Deutschland würde auch bereit sein, die Möglichkeit eines ähnlichen Arrange­ments auch mit Rücksicht auf, die zerstörten Gebiete, von Nord italien zu erwirten.

Bergmann tam auf die Frage der Bezahlung in Geld su sprechen und erklärte, daß Deutschland , natürlich nicht in Papier mark zahlen kann. Andererseits habe es zurzeit nicht genügend fremdes Geld, um für die Einfuhr von Rohmaterialien und Rah rungsmitteln zu sorgen, und dieser Zustand stehe im engsten 3u­sammenhang mit dem Währungsproblem. Es jei notwendig, die deutsche Währung auf einem etwas böheren Niveau als jetzt zu stabilisieren und wiederherzustellen. Aber er zweifle, dak Deutschland imitande sein würde, das aus eigener Straff zu vollbringen. Er stelle sich die Möglichkeit einer

Kreditoperation in großem Umfang

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3.

Dieser Zustand ist um so beklagenswerter, als auf anderer Seite ein wahrhafter Sunger nach außenpolitischent isten, außenpolitischer Selärung, außenpolitischer& it h isten, außenpolitischer Selärung, außenpolitischer& i h rung im Bolfe zu fonstatieren ist. Nie verden die Ge­fichter gespannter die Verhandlungen lautloser, als wenn man auf die großen europäischen Macht und Ideen Lagerungen zu sprechen kommt, von deren Entwicklung das Schicksal des Volfsganzen abhängt. Nie­mals war die Gelegenheit, das deutsche Volf außenpoli­isch zu ergieben, so günstig wie heute, wo die großen außenpolitischen Bindungen unserer Wirtschaft und Stultur jedem Einzelnen täglich und stündlich zum Bewußtsein ge­führt werden.

Sicherlich gehört es mit zur Aufgabe der großen Par­teien zumal der großen Linksparteien, die bier klaffende Lücke auszufüllen und an die Stelle von nationalistischen Parteilegenden nüchterne historische Tatsachen, an die Stelle von rechts- und liftsbolichemistischheit Phan­tastereien ein außenpolitisches Programm des ieder­einbaues Deutschlands in die Welt zu stellen. Aber mindestens ebenso sehr ist es die Aufgabe eines Leben­digen deutschen Außenministers, diese außenpolitische Er­ziehung und Führung des Volkes in die Hand zu nehmen. Es darf nicht dahin kommen, daß der Außenminister zunt bloßen Notar der deutschen Nation degradiert Brüssel , 17. Dezember. ( WTB.) In einer Meldung der wird, der lediglich ihre außenpolitischen Rechts­Agence Havas Reuter heißt es: Die Rede des Chefs der deutschen vor, die allerdings die Wiederherstellung der finanziellen Ordnung beziehungen zu überwachen hat. Wer jemals imd Delegation Bergmann in der heutigen Vormittagssigung der und der Arbeit in Deutschland zur Voraussetzung habe. Er sei sei es nur furze Zeit an anßenpolitisch verantwortlicher Konferenz hat die Frage der Reparationen in natura und in der guten Zuversicht, daß Deutschland schon auf dem rechten Wege Stelle gestanden hat, weiß, daß feine Außenpolitik su führen bar endlid; mit einer gewissen Loyalität angeschnitten. Die deutiche sei in bezug auf die innere Ordnung und die Arbeitsfreudigkeit. ift, ohne einen einigermaßen fosolidierten einheitlicher Delegation wurde nach der Rede aufgefordert, den Sibuigs- Die Hauptschwierigkeit aber bestehe darin, daß Deutschland trop Nationalmillen. Dieser Nationalwille braucht nicht saal auf einige Minuten zu verlassen, damit die Alliierten sich be- allen guten Willens nicht genügend Geld habe, um die notwendig aggressiv zu sein. Er kann sogar pazifistisch sein. Aber er raten könnten. Einige Augenblicke später wurden die Deutschen Währung im Auslande habe so abgenommen, daß er in feiner sten Nahrungsmittel einzuführen, und der Wert der deutschen muß existieren. wieder hereingebeten, und der Präsident der Konferenz Dela eise mehr mit der Kaufkraft des Geldes in Deutsch Der Bismarcksche Obrigkeitsstaat bat den deutschen croig händigte ihnen im Namen der Alliierten den Fragebogen land übereinstimme. Staatssekretär Bergmann gab dann Nationalwillen, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus, der von den Alliierten gemeinsam über die Reparationsfrage die Versicherung ab, daß Deutschland die Entschädigung in Geld im Entstehen begriffen war, abgewürgt. Sein obrigkeits. ausgearbeitet worden ist. Gleichzeitig wurde den Deutschen noti- beginne würde, sobald es wieder Gleichgewicht in fein staatlicher Ersatz bat in Deutschland , Stußland und Oester­fiziert, daß die Alliierten heute nachmittag zu einem Meinungs- Budget gebracht und eine vernünftige Verbesserung und Stabis reich Schiffbruch gelitten. Alles echte und das beigt austausch untereinander sich zusammenfinden würden über die Art lisierung des deutschen Geldwertes erreicht habe, aber er erklärte, gewachsene Nationalbewußtiein ist demofra­und Weise, wie die Diskussion weiter durchgeführt werden soll. es würde nicht chrlich und offen gesprochen sein, wenn er nichttisch. Ein solches Nationalbewußtsein ist bei uns wieder So bedeutet die heutige Mittagssigung einen Schritt vorwärts. Die auch auf die Hindernisse hinweisen würde, die sich ihm entgegen im Entstehen begriffen. Ein deutscher Außenminister, der Vertreter Deutschlands haben den Eindruck hinterlassen, daß sie stellen. Er fürchte, daß der Gesamtbetrag der mehr sein will als der Nedytsamvalt der deutschen Republik, damit einverstanden sind, mit einem gewissen guten Willen muß an der Entstehung, Pflege und Führung dieses Natio noch etwas mehr heranauschaffen, als sie bisher ge- den größten Teil der Summe aufzehren würde, die Deutschland nalbewußtseins das größte Interesse haben. Je stärker die liefert haben. Und man ist entschlossen, sich an die Arbeit zu zahlen könne. Er müsse sogar befürdyten, daß diese Soften an sich Fesseln sind, die unsere Bewegungsfreiheit nach außen machen, da die Deutschen micht jede Zusammenarbeit ablehnen. Tie schon jede mögliche Jahreszahlung übersteigen. hemmen, desto intensiver fann und muß er sein Augenmert Besprechung der Alliierten untereinander. die heute nachmittag Seiner Meinung nach sei es durchaus notwendig, den Betrag der auf diese wichtige innere Aufgabe der deutschen stattfinden wird, hat den Zwed, eine Arbeitsmethode ein Besagungskosten so weit zu ermäßigen, daß er nicht die Ent- Außenpolitik richten, ohne deren Lösung sein ganzes zurichten, die in ihrem Ergebnis fruchtbar sein kann. In den schädigungsleistung unmöglich mache, weil nach seiner Ansicht ein Werk in der Luft hängt. Mit der Pflege und Führung dieses allgemeines und gemeinsames Interesse nicht nur für Deutschland , Streifen der Alltierten scheint man jetzt ziemlich davon überzeugt, sondern auch für alle alliierien Länder, welche Entschädigungs. wieder erwachten Nationalbewußtseins von daß die Konferenz nicht zu Ende gehen wird, ohne einiges ansprüche hätten, vorliege. Die Frage könne vielleicht hier nicht unten" schafft sich der verantwortliche Leiter der deutschen neues Licht auf die Art und Weise geworfen zu haben, in der geprüft werden, sondern durch eine besondere Kommission. Außenpolitik die notwendige Basis jeder aktiven deutschen endlich das schwierigste durch den Versailler Vertrag aufgeworfene Er erfenne an, daß sie große politische Bedeutung habe und offen- Außenpolitik für die Zeit, da uns eine solche wieder mög­Problem geregelt werden könne: die Frage der Wiedergutmachung. fichtlich sehr delikater Natur sei.

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Besagungskosten.

Als zweiten Bunkt führte Bergmann

die oberschlesische Frage

lich ist.

Wie ein deutscher Außenminister dieses Ziel erreichen Der amtliche deutsche Bericht über die Freitagsibung der fann, ist eine technische Frage, deren Lösung er mit Brüsseler Wiedergutmachungstommission deckt sich im allgemeinen an. Mit dem Verlust von Oberschlesien würde Deutschland nicht einzelnen Länder, der Zentrale für Heimatdienst, den Volks­dem Reichsminister des Innern, den Kultusministern der mit der Havas- Reuter- Meldung. Bemerkenswert ist, daß die nur Kohlen, sondern auch bedeutende Industrien einbüßen. Und in hochschul- und anderen Bildungsorganisationen zu besprechen Sondersizung der Alliierten, in der die deutschen finanzieller Beziehung wären die von Oberschlesien eingehenden hat. Dabei darf es sich aber durchaus nicht nur um die Delegierten aufgefordert wurden, den Sibungssaal auf einige Steuern wesentlich für die Balancierung des Budgets. Er wandte Minuten zu verlassen, um einige Augenblide ich zu der Frage des Privateigentums in den allierten Interpretierung des Versailler Vertrages handeln. Mit der später" wieder hereingebeten zu werden, nach dem deutschen Versailles sehr ungünstig für Deutschland sei. Benn Deutschland bedingungen ist diese Aufgabe nicht erledigt. Wichtiger Ländern und meinte, daß in dieser Beziehung der Vertrag von in Aussicht stehenden billigen Reclam - Ausgabe der Friedens­der Volljißung teilte Präsident Delacroig mit, daß die Bil- außerordentlich schwer sein, das Gleichgewicht im deutschen Handel nicht, wie die öffentliche Meinung der Welt auch und bung einzelner Unierausschüsse, insbesondere für die wiederherzustellen. Dieser Punkt jei nach seiner Meinung von gerade die gutgesinnte über Deutschlands Schuld Sachleistungen, die Staatssekretär Bergmann vorgeschlagen hat, entscheidender Bedeutung. Die nächste Frage jei das am Weltkriege urteilt. Gerade wenn wir überzeugt erfolgen soll. Erfordernis der wirtschaftlichen Gleichberechtigung sind, daß diese Schuld nur eine Teilschuld ist, haben wir Bergmanns Nede. Die deutschen wirtschaftlichen Sachverständigen würden die Frage die Pflicht, über sie zu reden. Ein Bolt, dessen große Masse In seiner Rede legte Staatssekretär Bergmann dem WTB. zufolge dar, Deutschland könne seinen guten Willen beffer verträge zu sprechen. Er sprach die Hoffnung aus, das General abgegriffenen Formeln Bethmann Holl. Schließlich fam Bergnunn noch auf die Frage der Handels- die politische Katastrophe des Weltkrieges heute noch mit den in der Frage der Entschädigungsleistung durch Sach- direktor Guno darüber der Konferens näheres mitteilen würde. wegs zu erschöpfen sucht, wird niemals Träger und Reso­

Bericht fast eine Stunde dauerte. Nach Wiederaufnahme alle seine Intereffen im Auslande verlieren würde, so würde es noch ist etwas be nicht erledigt. Wichtiger

näher erläutern.

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