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Nr. 2738. Jahrgang Ausgabe A fir. 14

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Sozialdemokrat Berlin .

Morgen- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3

Rernivrecher: Amt Morinvlas, Nr. 15190-15197

Dienstag, den 18. Januar 1921

Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3 Fernfprecher: Amt Morisplas, Sir. 117 33-34

Auf zu den Preußenwahlen!

durch Obstruktion die Berabschiedung des Hebammen­gefezes vereitelt,

geltend machen wolten!

Nur Gemeinsinn und Gemeinroirtschaft tann das Elend überwinden und allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein eröffnen.

Die Verfaffunggebende Preußische Landesversammlung hat ihre Anwaltsberuf mit höhnischen und herabfehenden Wor- Wehe dem Cande, wenn einmal Bergarbeiter, Eisenbahner und Arbeiten beendet. Um 20. Februar wird der erste ordentliche ten widersprochen und fie verhindert haben. Mit brutaler Candarbeiter das Recht auf gefunden Egoismus auch für sich Preußische Landtag neu gewählt, und gleichzeitig finden die Rücksichtslosigkeit haben sie neuen Wahlen zu den Provinziallandtagen und den Kreistagen statt. Die Sozialdemokratie tritt mit dem festen und flaren Bewußffein vor die Wähler und Wählerinnen, in der das allen armen Müttern Geburtshilfe und den Hebammen ein be­Candesversammlung ihre volle Schuldigkeit für die breiten Maffen scheidenes Mindestmaß wirtschaftlicher Existenzmöglichkeit sichern des arbeitenden Boltes, Handarbeiter, Angestellte und Beamte, getan zu haben, und darf hoffen, daß ihre Bemühungen und Leistungen die 2uerfennung der Wählerschaft finden werden.

Joute.

Die Sozialdemokratie trift in diesen Wahlkampf getreu thren alten Grundsätzen für die folgenden Hauptforderungen ein: Die Sozialdemokratie will die Freiheit.

Die preußische Sozialdemokratie hat stets dahin gewicki, Preußen einheitlich in der einen unteilbaren deafschen Republit aufgehen zu laffen. Jetzt schreit ble gefamte Reaffion: Preußen in Die Sozialdemokratie hat es nicht vermocht, in den zwei Jahren Gefahr! In der Landesversammlung hat der Führer der Deutschen bes Bestehens der Preußischen Landesversammlung die ungeheuren Boltspartel ausbrüdlich festgestellt, daß die Sozialdemokratte und Berwüstungen des Krieges an Boltstraft und Volkswohlstand wieder An erster Stelle steht ihr die Sicherung der Republit. Die die fojialdemokratischen Minister in der Bekämpfung von Absonde­gutzumachen. eine Partel Deutschlands , teine Macht der Sozialdemokratie verwirft jeden Terror und jede Gewalttätigkeit, rungs- und Loslösungsbestrebungen ihre volle Schuldigkeit getan Well wäre dazu imftande gewesen. Wer wollte noch auf die dümmfte tomme fie von rechts oder lluts. Die Sozialdemokratie bekämpft haben. aller oberflächlichen Rebensarten hereinfallen: früher war es die Brandfchahung des preußischen Bolles durch feinen früheren na ch Die fozialdemofcafischen miniffer in Preußen beffer! und sich deshalb den Parteien in die Urme werfen, welche Holland geflüchteten& önig. Die bürgerlichen Parteien haben keine Mißwirtschaft getrieben, sondern ernste and gute Ar­das Rad der Entwidlung zurüddrehen wollen? Sie vergessen, daß waren gewillt und entschlossen, den Hohenzollern ihr angebliches belt für das Bolf geleistet. Der Ministerpräsident und Landwirt­die alte Monarchie und der alte militarismus uns in den schred- Privateigentum in einer Höhe herauszugeben, deren Fest- fchaftsminiffer Otto Braun wird von der Reaffion erbittert be­lichen Weltirieg hineingeführt haben und daß fie ganz allein die ftellung fie gewaltsam verhinderten, die aber eine milliarde fämpft: er fei minister gegen die Landwirtschaft und für die Berantwortung für die enfjehliche Niederlage weit übersteigt. Die Sozialdemokratie hat diefen Bergleich Candarbeiter. Minister gegen die Landwirtschaft ift Braun nicht nur bekämpft, fondern Ihre Arbeit in der Landesverfammlung nicht gewefen. Deutschnationale und vollspartelllche Abgeordnete fragen, die Deutschland wehrlos gemacht hat und die gegenwärtigen hat ihn auch zu Fall gebracht. Jetzt legt die Entscheidung bei den haben in der Landesversammlung felbft anerkennen müssen, daß er Minister der Rechten im Reiche genau so zwingt, die schlimmsten wählern. Cege fich jeder Mann und jede Frau aus dem Bolte am für die Siedlung und für die Hebung der landwirtschaftlichen Demütigungen vom Bunde der Sieger hinzunehmen, wie das die 20. Februar die Frage vor: Wollt Ihr Wilhelm eine Broduffion, insbesondere durch Versorgung mit Düngemitteln, fozialdemokratischen Minister fun mußten. Kein Mensch mit fünf milliarde nach Holland nachschiden? Wer das verhin- Muffergültiges geleistet hat. Aber gefunden Sinnen tann in Deutschland an einen neuen Waffengang dern will, fflmme fozialdemokratisch! denken.

Nur mit den Mitteln der Bernunft und des Rechtes tann Deutschland allmählich seine internationale Stellung wiedergewinnen.

Beine andere Partei hat so gute Aussichten, den furchtbaren Druck des Versailler Friedens auf das deutsche Volt allmählich zu erleichtern, wie die Sozialdemokratie mit ihrem ungebrochenen starten Gefühl für die deutsche Arbeit und die deutsche Kultur und zugleich ihren internationalen Beziehungen.

Nur ein freies, republikanisches Deutschland fann in allen seinen Bürgern Liebe zur Heimat ftärten und über unsere Grenzen hinaus Freunde gewinnen. Die sozialdemokratische Fraffion der Preußi­schen Landesversammlung und die von ihr bestellten Minister haben ihre ganze Kraft daran gefeht,

die demokratische Freiheit zu erhalten.

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Sie haben die verbrecherischen Putsche von rechts und fints gegen die junge Freiheit betämpft und niedergeschlagen. Sie haben verhindert, daß in Preußen wie etwa in Bayern die blutige Komödie einer furzfristigen Räterepublit aufgeführt wurde, um als­bald in die schwärzeste Reaktion umzuschlagen. Sie haben in der ersten Reihe des Kampfes gegen die Kappisten und Lüttwie gestanden und haben sie zu Boden gerungen.

Bis zur Revolution bestand in Preußen das alte Dreiflaffen­wahlrecht, das vier Fünftel des Bolkes in die dritte Klaffe der Wähler pferchte und dadurch entrechtete und enlehrte. In den beiden Rechtsparteien der Landesversammlung sagen weit über ein Dutzend Abgeordnete, die bis zur Revolution

3äh an dem Dreiflaffenwahlrecht festgehalten

werden.

Minifter für die Candarbeiter

Die Sozialdemokratie will den Frieden. ift Braun allerdings gewesen, und felbft die radikalen Schreier auf Sie bekämpft die gewiffenlosen chauvinistischen Hetzereien, die an- der äußersten Linten haben feine Leistungen achtungsvoll aner­gesichts der gegenwärtigen Lage Deutschlands heute noch frivoler find tennen müffen. Unser Innenminister Genoffe Severing hat als vor dem Weltfrieg. Allein die Sozialdemokratie war imftande, feine Futterkrippenpolitik getrieben oder geduldet; aber er hat das dem deutschen Volle überhaupt aus dem Weltkrieg herauszuhelfen Monopol der Junter in der preußischen Verwaltung gebrochen, er und ihm den Frieden wiederzugeben. Der Friede mußte nach der ist der Bewaffnung der Agrarier entgegengetreten vollkommenen militärischen Niederlage hart, brutal, mörderisch sein. und hat die Republit gegen alle ihre Feinde verteidigt.- Unfer nur durch den Frieden wird der Friede verbessert Kultusminister Genoffe Haenisch hat innerhalb der engen Gren­zen des Reichsrechts und der elenden Finanzlage die Forderungen der Lehrer erfüllt, die gelffliche Schulaufsicht befelfigt, Lehrer- und Elternräte gefchaffen, Boltshofhulen, Arbeiterata­Sie befämpft mit aller Entschiedenheit den agrarischen demlen, voltswirtschaftliche, mittelfhalen und wucher, der sich in der Preußischen Landesversammlung in dem gewertschaftliche Hociculturfe ins Leben gerufen. grotesten Sage des Zentrumsabgeordneten& üfters Unter forgfältigfter Schonung aller religiöfen Empfindungen hat er offenbarte: Wir müssen dem deutschen Volke den Lugus des den Eltern die volle Freiheit gegeben, über die religiöse Erziehung billigen Brofes abgewöhnen." Die Aufhebung der ihrer Kinder auch in der Schule selbst zu bestimmen. Unser Fi­3 wangswirtschaft hat die landwirtschaftliche Produktion nicht nanzminister Cudemann hat mit Unterstützung der Fraktion alle gesteigert, die Ernährungsverhältniffe für die breiten Maffen nicht Sorgfalt aufgewendet, Preußens Finanzen in Ordnung zu halten. verbessert, Wucher und Schleichhandel nicht überwunden, die Ehr- Aber die bürgerlichen Partelen haben sämtliche Steuervorlagen fichkeit in Handel und Wandel nicht wiedergebracht. jabotiert und abgelehnt.

Die Sozialdemokratie will Brot schaffen.

die Preise aller Lebensmittel, die auf dem Weltmarkt unauf­Wohl aber hat die Wirtschaft der bürgerlichen Parteien hörlich finfen, in Deutschland fortdauernd auf maßlofe Höhe getrieben und dadurch Arbeitern, Angestellten und Beamten nahezu die Existenzmöglichkeit abgeschnitten.

Die Sozialdemokratie will die Ordnung. Die Ordnung ohne Borrechte und Borbehalte. Sie verwirft die Bewaffnung der Kommunisten genau mit derselben Beftimmthelt und der Forderung der breiten Maffen auf politische Gleichberechti- wie die Bewaffnung der Kappiften, die Orgesch und die Selbstschutz gung Hohn gesprochen hatten. Auch jetzt noch halten Rechtspartelen verbände. In einem geordneten Staat hat sich niemand selbst grundfählich an der Wahlungleichheit fest. Sie forderten bei zu fchühen. Waffentragen darf nur der, der von der demokratisch einer preußischen Verfassungsberatung eine Erste Kammer, bei der gewählten Regierung dazu bestellt ist. die Zahl der Bertreter nicht nach der mechanischen Zahl, sondern nach der Bedeutung der einzelnen Berufe für das Ganze abgestuft

wäre.

Die Sozialdemokratie allein schützt zuverlässig und start das gleiche Recht für alle.

Die Steuerscheu der Reichen hat bisher in Preußen trium­phiert. Wer sie brechen will, ftimme fozialdemokratisch!

ist die Beseitigung der sozialdemokratischen Minifter in Preußen.

Das unmittelbare Ziel der gesamten Reaktion im Wahlkampf

Der Einfluß der Arbeiter, Angestellten und Beamten auf die Re­gierung soll vernichtet, das 3 unter- und Juristenmono­Pol in der Berwaltung wieder hergestellt, ble alte Anechtschaft der Beamten erneuert und alle Caft des Staates auf die breifen arbei­tenden Maffen gewälzt werden.

3m Reiche hat die Reaffion das Ziel erreicht. Seht hin, ob fie anch nur ein einziges ihrer Bersprechen wahrgemacht hat! hat sie den Drud der Sieger vermindert, Die Sozialdemokratie will die Gerechtigkeit. die Lebenshaltung verbeffert, der Wohnungsnot abgeholfen, die Die gegenwärtige preußische Justiz ist ein Hohn auf das Geldentwertung beendet und das Druden von Papiergeld einge­Rechtsempfinden des Boltes. Reaffionäre Mörder werden freige- ftellt? Hat fie die Fehlbeträge der Staatsverwaltungen vermin­fprochen, reaffionäre Chrabschneider mit lächerlichen Geldstrafen dert? Bon allem das gerade Gegentell! Fallt nicht wieder wie belegt, jedes Verbrechen gegen die Arbeiter gut geheißen. Die Justiz am 6. Juni auf die lügnerischen Berfprechungen von reaktionären Die neuen Wahlen vollziehen sich unter dem freiesten ist durch die reaffionäre Gesinnung zahlreicher Richter und ihre und radikalen Phantasten herein! Haltet fest an der Ueberzeugung, Wahlrecht, dem gleichen, geheimen, direkten Verhältniswahlrecht für Unabsehbarkeit zum ärgsten Schandfled Preußens geworden. Wir daß nur planmäßige, demokratische und sozialistische Arbeit des Männer und Frauen. In derfelben Weise werden die Pro- fordern wirkliche Boltsgerichte und als ersten Schrift zu ihrer Ver- Volfes Schidial glücklicher zu gestalten vermag. vinziallandfage und Kreistage gewählt, deren Befugnisse wirklichung freie Wahl der Schöffen und Geschworenen durch das So spannt denn gegenüber dem wütenden Anfturm der Gegner durch die erweiterte Selbstverwaltung in Zukunft weit größer sein ganze Boll. im Wahltampfe alle Kraft an! Jede Stimme, die nicht abgegeben werden als bisher. Das frele Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wird, kommt der Reaktion zugute. wir liegen!"

Die Sozialdemokratie hat auch

den Frauen die politische Gleichberechtigung

Die Sozialdemokratie will auch die foziale Gerechtigkeit. Ja des Volkes Hand liegt sein Schidial. Nur Gemeinfinn fann das verarmte Preußenland retten. Alle bürgerlichen Parteien predigen, die Wirtschaft tönne fich nur er- 3eigt Euch relf zur rechten Ausnuhung Eurer großen, demokrati­holen durch die Entfeffelung des Egoismus. Diejes fchen Rechte. Mit altem Kampfesmut und alter Opferwilligkeit gegeben. Widerwillig und zähnefntefchend haben sich Rechtspartelen Recht auf brutalen Eigennutz geffehen fie freilich nur den kapita- vorwärts für unsere alten, ewig jungen und ewig schönen 3lele der und Zentrum damit abfinden müffen. Wie sie innerlich zu den 11ften und Großgrundbesikern zu; den Arbeitern, An- vollen politischen und wirtschaftlichen Befreiung der ganzen Mensch­Frauenrechten stehen, zeigt die Tatsache, daß sie noch in der Landes- gestellten und Beamten wollen fie durch Schlichtungsordnungen und helf!

verfammlung der Zulassung der Frauen zum Richter- und Streifverbote die Geltendmachung ihrer Jntereffen verwehren. Borwärts zu neuen Siegen für die Sozialdemokratie!

Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Die sozialdemokratische Fraktion der preußischen Landesversammlung.