e.134+ 38.Jahrgang Ausgabe B Nr.76
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Sonnabend, den 2. April 1921
Amfterdam, 2. April .( Eig. Drahtbericht des„ Borwärts")] des Internationalen Arbeitsamtes des Böllerbundes in Genf das Der Unterausschuß der Zweiten Internationale tagte Donnerslag Zusammenarbeiten deutscher und französischer Arbeitskräfte abend und Freitag vormittag zur Redigierung einer Kundgebung der Umfterdamer Konferenz über die Reparationen. Es standen einander zwei Tegle gegenüber, ein deutscher und ein belgischer, die fich im wesentlichen ähnelten. Die Einigung wurde reibungslos et zielt, wobei zumeist die deutsche Faffung angenommen wurde. Die Plenarsizung genehmigte den Entwurf debattelos, darauf wurde die Konferenz geschlossen.
Inzwischen war von der Gewerkschaftsegefutive die Einladung an die Erefutiven
zu gemeinsamer Aussprache
am Wiederaufbau der zerstörten Gebiete organisieren wollen, um scher Kreise der beteiligten Länder auf Kosten der notleibenden Bölker dadurch im besonderen bie private Bereicherung fapitalistiauszuschalten. Die auf der Konferenz vertretenen Parteien ver pflichten sich, alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen, ble der Schaffung großzügiger Wiederaufbaupläne im Bege stehen. Damit der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete fich mit der notwendigen Schnelligkeit vollzieht, muß ein
gemischtes System von Sach, Arbeits- und Geldleistungen angewendet werden. Die von Deutschland zu vollziehenden Leistungen find auf Reparation anzurechnen. Die fachlichen Leistungen find unter Mitwirtung der Gewerkschaften daraufhin zu prüfen, daß fie weder der Arbeiterschaft des liefernden noch des nehmenden Landes
II.
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Wer hat versagt?
Eine maßlose Heze wird in der Bresse der Rechten gegen ben preußischen Minister des Innern Genossen Severing und den Oberpräsidenten Genossen Hörfing betrieben, wei fie angeblich nur ungenügende Maßnahmen zur Unterdrückung der Aufstände in Mitteldeutschland getroffen hätten und weil sie nicht der Reichswehr ihre Niederwerfung überlassen haben.
Aus Merseburg werden uns dazu Mitteilungen gemacht, die das Verhalten der Reichswehr in etwas merk würdigem Licht erscheinen lassen. Man muß annehmen, daß entweder der bureaukratische Apparat des Reichswehrministeriums infolge feiner Ueberfülle schwerfällig und zu raschem und tatkräftigem Handeln unfähig geworden ist, oder aber daß böser ille von irgendeiner Seite das Ziel verfolgte, den preußischen Behörden die Sache nicht zu leicht au machen. Bielleicht fah man es in manchen Kreisen doch nicht gerne, daß tatsächlich die Schutzpolizei allein die Aftion durchführe, vielleicht war irgendwo der Wunsch vor handen, die Schwierigkeiten so groß werden zu lassen, daß die Preußische Regierung mit ihren Bolizeifräften allein der Be wegung nicht mehr Herr werden konnte, um so der Reichs wehr wieder einmal eine Gelegenheit zu schaffen, ihre Untischen Geschäfte der Rechtsparteien zu be forgen, indem man den Beweis" für die Unfähigkeit der jetzigen preußischen Regierung zu erbringen versuchte.
P
auf Freitag 4 Uhr ergangen. Bon der Zweiten wurde die Einladung felbstverständlich angenommen und ihre Eretutive erschien pünktlich, während Zweieinhalb zuerst gar nicht geantwortet hatte. Es erfolgte zunächst eine Aussprache zwischen der Zweiten Inter- zum Nachteil gereichen. nationale und den Gewerkschaften in Erwartung von Zweieinhalb. Diese erschien sodann gegen sechs Uhr, darunter Ledebour, sie ver- Die Konferenz nimmt davon Kenntnis, daß die deutsche Sozial. Tangte ausschließlich eine Aussprache mit der Gewerkschaftserefutive, demokratie grundläglich bereit ist, die deutschen Leistungen für die lehnte jedoch, entsprechend ihrem Wiener Beschluß, eine gemeinsame Reparation nach Maßgabe der steigenden wirtschaftlichen Brofperität Lehnte jedoch, entsprechend ihrem Wiener Befchiuß, eine gemeinsame Deutschlands zu erhöhen. Die Konferenz spricht die Ansicht aus, entbehrlichkeit zu beweisen, gleichzeitig aber auch die poliTagung zu dritt ab. Diefer Antrag wurde von den Gewerkschaftlern daß Entschädigungen, die über das für den Biederaufbau de: zerglaft zurückgewiesen. Inzwischen war es 7 1hr geworden. Nachdem störten Gebiete Erforderliche hinauszugehen, so festgerei Stunden verloren gegangen waren und die Bereitwilligkeit zur fegt werden fönnen, daß dadurch sowohl die Zahlungen an die Bufammenfaffung aller internationalen Kräfte zur Lösung des Bro- alliierten Länder wie die Sicherheit des deutschen Wirtschaftslebens blems genügend bewiesen war, verabschiedete sich das Eretutio- gewährleistet werden. Sie müssen dem jeweiligen Stande der deut fomitee der Zweiten Internationale. Namentlich die Engländer fchen Prosperität entsprechen. Zu diesem Zwede follte feine AnHenderson, Tom Sham und Macdonald, die wegen des britischen trengung gescheut merben, um bie normalen Broduttions- und AusGroßftreits rasch heimfehren mußten, machten aus ihrer Empörung Die deutsche Regierung follte fich dann bereit erklären, ein tauschbedingungen im internationalen Verkehr wiederherzustellen. über das engflienige Berhalten der Ledebour und Genossen fein Hehl. Bei der Auseinandersehung zwischen den Gewerkschaften und Zweieinhalb hatte der Borsigende der internationalen Gewertschaftserefutive ironisch festgestellt, daß er zugleich Schatzmeister der Cretu tive der Zweiten Internationale sei und daß die Zweieinhalber offen bar darauf brannten, mis ihm in feiner ersten Eigenschaft zufammen zutreffen, ihn jedoch in feiner zweiten Eigenschaft boyfottierten.
Die Amsterdamer Entschließung.
Bie Entschließung der Zweiten Internationale hat folgenden
Wortlaut:
Die Konferenz des Eretutivkomitees der Internationale und der parlamentarischen Frattionen der beteiligten Länder ist infolge des Scheiterns der Londoner Berhandlungen und feiner Folgen zusam mengetreten. Sie nimmt Renntnis von der Erklärung der deutschen Bertreter, daß fie in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Internationalen Kongreffes von Genf bereit sind, die Berantwortung für alle berechtigten Reparationsforderungen zu übernehmen. Die Sozialisten der alliierten Länder erkennen an, daß diese
Reparationspflicht begrenzt
wird durch die Leistungsfähigkeit des deutschen Bolkes. Sie darf nicht dahin führen, daß das Land vernichtet, sein wirtschaftlicher, politischer und moralischer Wiederaufbau unmöglich gemacht und seine Arbeiterfiasse zu wirtschaftlicher Staverei verurteilt wird. Um fang, Art und Weise der Entschädigung müssen durch Verein barung der Beteiligten festgestellt werden. Zwangsmaßnahmen würden niemals zu einem befriedigenden Ergebnis führen. Anstatt die Sache der Reparation zu fördern, verlängert die Aufbietung militärischer Gewalt nur die Periode der Unsicherheit und ermöglicht es der Reaktion und dem Kapitalismus, neue Kräfte zu sammeln, den Hak unter den Bölkern neu zu entfachen und Europa in neue Abenteder zu vermideln. Die Konferenz stellt fest, daß das Scheitern de Berhandlungen in London
das Wert der tapitalistischen Mächte it,
die es ebenso wenig vermögen, den Frieden zu sichern, wie fte es vermochten, den Krieg zu verhindern. Sie erklärt, daß im Gegensah hierzu auf der von den internationalen Arbeiter.
feftes Minimum an Jahresraten
a bezahlen, das der Brofperität des Landes angepakt wird. Diese leitende Stala sollte nicht allein die Ausfuhrziffern, sondern in berfelben Beise wie gewöhnliche Steuern bie Höhe des National vermögens und Einkommens berüdsichtigen. Die Konferens forbert die Drganisationen der Arbeiterfiaffe und die parlamentarischen Fraktionen auf, zu prüfen, wie das verwirklicht werden kann. III.
Die Konferenz nimmt Kenntnis von dem Streitfall, der zwischen ben alltierten Regierungen und der deutschen Regierung entstanden ift in bezug auf
Zu solchen Ueberlegungen muß man fommen, wenn man auf die Art und Weise zurückblickt, wie sich die Reichswehr während der Unruhen verhalten hat. Reichsregierung und Breußentabinett waren übereingekommen, in Mitteldeutschland nur Bolizei zu vermenden, die Reichsmehr aber zur Rüdended ung bereitzustellen. Am Sonnabend por Ostern war das Ersuchen ergangen, Reichs. mehr nach einigen Orten zu legen, fo nach Bitterfelb. Sangerhausen, Aschersleben, Delizich. Naumburg und Dessau. Erst nach 24 Stunden tam eine Zusage, und noch zweimal 24 Stunden brauchte die Reichswehr allein zum Aufmarsch.
Raum mar die Reichswehr in ihren Bereitschafts- und Sammelstellen eingerückt, da feilten die Kommandeure auch schon den Zivilbehörden mit, daß die öffentliche Gewalt an die Militärbehörden übergegangen fei. Die preußische 1. den Wert der Borleistungen, welche Deutschland gemäß den Regierung wurde also ausgeschaltet. Das ist nicht nur eine Beftimungen des Versailler Bertrages bereits abgeliefert hat, und Brüstierung der preußischen Regierung, die ausdrüc 2. die Beträge, welche Deutschland für die gesamte Entschädlich die Verhängung des militärischen Ausnahmezustandes
gung zu bezahlen imftande ift.
Sie gibt ihrer Meinung entschieden dahin Ausdrud, daß solche Streitfragen einer Sachverständigentommission zur Entscheibung überwiesen werden sollten, welche der Bölferbund oder eine andere für beide Seiten annehmbare Instanz einsetzt. Sie fordert die Organe der Arbeiterklasse und die parlamentarischen Fraktionen ber beteiligten Länder auf, ihre Regierungen davon zu überzeugen, daß Streitigkeiten über Tatfragen sowie über rechtliche und verirags mäßige Verpflichtungen einer ähnlichen Instanz zur Entscheidung überwiesen werden sollten, wie diejenige, welche angerufen wird, menn Streitfragen zwischen einzelnen Berfonen entstehen. Es ist äußerst wichtig, daß internationale Angelegenheiten wieder nicht nur im Beifte der Gerechtigkeit, fondren auch in einem der Gerech tigkeit entsprechenden Verfahren verhandelt merden.
Der Bölferbund,
in den Deutschland aufgenommen werden sollte, würde seine Aufgabe perfehlen und die Hoffnungen, die die Demokratie der Welt auf feine Entwicklung feht, enttäuschen, falls er sich der Lösung des Finanz problems nicht zuwendet, die die Vorausseßung des Friedens bildet. Dasselbe gilt für das Problem ber Arbeit und der Sachleistungen, bei bessen Lösung das internationale Arbeitsamt eine bedeutende Rolle zu spielen berufen ist.
IV.
Aber das Proletariat beschränkt sich nicht darauf, die Berwirt. fichung eines dauernden Friedens von der wachsenden Tätigkeit des Bölferbundes zu erwarten. Das Proletariat( elber ist bazu berufen, burch seine Klassenorganisationen die Lösung dieser Aufgabe in die Hand zu nehmen. Nachdem in der gegenwärtigen Zusammen funft völlige Uebereinstimmung über die erwähnten wichtigen Bunfte erzielt worden ist, wird das Erefutivkomitee der Internationale feine Studien und Berhandlungen fortführen, bis es in allen Einzelheiten eine£ öfung im Geiste der Gerechtigkeit und internationalen Brüderlichtelt
fongreffen feftgelegten Grundlage eine praktische Löfung gesucht werden muß, die geeignet ist, wieder normale Zustände her. beizuführen und die materiellen und moralischen Folgen des Krieges zu beseitigen. Die Arbeiterklasse ist durch ihre nicht von fapitalisti fchen Intereffen beeinflußten, nicht chauvinistischen, sondern inter nationalen Anschauungen dazu berufen, mit aller Kraft die Berhandlungen in fruchtbarere Bahnen zu lenfen, insbesondere unter Anwendung des schiedsgerichtlichen Verfahrens bei Fragen, über die eine lebereinstimmung sich nicht ermöglichen ließ. Die Konferenz beschließt mit allen ihr zu Gebote ftehenden Mitteln auf die Annahme ihrer Befchlüsse durch die Regierungen hinzuwirken. erreicht hat, die imftande ift, die begeisterte Interstützung affer Brole. Die Konferenz hat die konkreten Bedingungen einer gerechten tarier zu gewinnen. Reparation einer Prüfung unterzogen und ist in bezug auf folgende meunfte zu voller Uebereinstimmung gelangt:
glei
eir
I.
Es ist erforderlich, daß die zerstörten Gebiete so schnell wie möglich den vollen Anteil an der Entschädigung erhalten, ohne ben möglich den vollen Anteil an der Entschädigung erhalten, ohne den ihr wirtschaftlicher, politischer und moralischer Wiederaufbau gefährdet würde. Um die erforderlichen Summen aufzubringen, müssen im Laufe der nächsten fünf Jahre eine oder mehrere große
internationale Anleihen
abgeschlossen und durch 30 Annuitäten verbürgt werden, die Deutsch land fich zu zahlen verpflichtet. Es liegt im Interesse der alliierten Länder, daß diefe große Kreditoperation durch die Mitarbeit aller Nationen ermöglicht und erleichtert wird. Die Konferenz begrüßt es, daß die französischen und die deutschen Bau arbeiter unter Leitung
V.
felbft in den gefährdetsten Bezirken abgelehnt hatte, sondern auch eine Banterottertlärung der Reichswehr selbst; denn die Schutzpolizei war im ganzen Aufstandsgebiet ohne diese äußerste Maßnahme ausgefommen.
Einigermaßen unverständlich ist auch das Verhalten der Reichswehr in den wenigen Fällen, in denen ihre birette Hilfe zur Entlastung der übermäßig angestrengten Schutzpolizei erbeten wurde. Der mürttembergische Panzerzug 3. B. war bei Sangerhausen von den Aufständischen eingeschlossen. An die Reichswehrkommandoſtelle in Raffel murde das Ersuchen gerichtet, so schnell als nur möglich einige von den bereitgestellten Kompagnien Reichs wehr zum Entsaz des Panzerzuges zu entsenden. Nach 24 Stunden war die Reichswehr noch nicht erschienen, aber die Schubpolizei von Staffel hatte was der Reichs. mehr nicht möglich war- Entsaz gesandt.
-
die Lage am Mittwoch sehr bedrohlich geworden. Bersprengte Noch seltsamer ist der Fall Liebenwerd a. Dort war Banden hatten ein Schredensregiment errichtet und durch " Standgerichte" mehrere Personen zum Tode verurteilt. Schnelle Hufe war geboten. Bereitwilligst hatte General Stolzmann Reichswehr zugesagt, aber nach 24 Stunden mußte er mitteilen, daß er nicht imftande sei, ohne besonderen Beschluß des Reichskabinetts auch nur einen Mann in Bewegung zu feyzen. Alle Bemühungen des Generals waren vergeblich. Das Reichskabinett mußte tatsächlich erst einen entsprechenden feierlichen Beschluß faffen, bis endlich ein Bataillon die Erlaubnis erhielt, den bedrängten Bürgern von Liebenwerda zu Hilfe zu kommen.
Der Panzerzug aus Württemberg, der als Organ der Reichsregierung nach Mitteldeutschland entsandt wurde, hat übrigens auch eine recht merkwürdige Rolle gespielt. Irgendwelche Erfolge hat er nicht erzielt, was vor allem darauf Die Ronferenz nimmt ferner Renntnis von der Erklärung ber zurüdzuführen ist, daß er ohne Berbindung mit den operierenholländischen Delegation, welche das Intereffe der neuben fralen Sänder an einer schnellen, friedlichen und bauerhaften Re- ben Polizeiabteilungen auf eigene Faust Krieg Barlament haben zu diesem 3med fdjon Rrebite und Anleihen be umberfuhr. Es hat schließlich recht scharfer Auseinanderparation feststellt. Die holländische Regierung und das holländische führte und mit schwarz- weiß- roter Kriegsflagge im Lande willigt. Sollten es die Umstände erfordern, in dieser Richtung noch fezungen bedurft, bis der Banze zug der allgemeinen Führung weiterzugehen, fo mird die holländische Partei gern die Initiative fich unterordnete.
ergreifen, um den Parteien der anderen neutralen Länder Richte Unter diesen Umständen muß es doppelt erfreulich er linien für eine gemeinsame Ation vorzuschlagen. Die Delegation fcheinen, daß es den Organen der Zivilgemalt gelungen ist. weist darauf hin, daß die Intervention der neutralen Länder in dem der Dinge in Mitteldeutschland allein Herr zu werden und daß Make an Bedeutung gewinnen tann, wie die Beschränkung der Rüstungen energischer durchgeführt wird. Die Konferenz lenkt die ein Eingreifen der Reichswehr in größerem Umfange nicht Aufmerksamkeit der parlamentarischen Fraktionen aller Länder auf notwendig wurde. Schuld an den mancherlei bedauerlichen diesen Punkt. Erscheinungen trägt offenbar die Berhegung, die von der