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r.194+ 38.Jahrgang Ausgabe B Nr. 96

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Vorwärts

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Mortsplas. Nr. 151 90-151 97

Dienstag, den 26. April 1921

1

Vorwärts- Verlag G.m.b. H. , SW 68, Lindenstr. 3

Fernsprecher: Amt Morinplas, Mr. 11753-54

Deutschland bietet 200 Goldmilliarden.

worden:

Dem ftellvertretenden amerikanischen Geschäftsträger! in Berlin ist am 24. d. M. folgende Note übergeben Weise ausspricht, sie betrachte auch diese Borschläge noch nicht als ihr lettes Wort. Sie ist bereit, für eine etwa ge­Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerita wünschte Neuformulierung die Ratschläge Amerifas hat durch ihr Memorandum vom 22. April in danfenswerter entgegenzunehmen, das nun seinerseits nicht verfehlen wird, Weise die Möglichkeit eröffnet, nochmals auf dem Wege Diese Vorschläge follen den festen Willen Deutschlands die Meinung der Entente über etwa noch gewünschte Aende­Don Verhandlungen das Reparationsproblem zu bezeugen, die Kriegsschäden bis an die Grenze seiner Leistungs- rungen einzuholen. lösen, bevor es durch 3 mangsmaß ahmen unlösbar fähigkeit zu erfeßen. Sowohl die angebotenen Summen wie Sollte nun doch nicht verhandelt, sondern marschiert wer­gemacht ist. Die deutsche Regierung würdigt diesen Schritt die Zahlungsmodalitäten richten sich nach dieser Leistungs- den, so würde es in Deutschland feinen Menschen geben, der der amerikanischen Regierung nach seiner ganzen Bedeutung. fähigkeit. Soweit über deren Beurteilung Meinungsver- das nicht als die größte Infamie der Welt­Sie hat sich bemüht, in den nachstehenden Borschlägen das fchiedenheiten bestehen sollten, empfiehlt die deutsche Regie- geschichte empfinden würde. Könnte aber die Entente äußerste anzubieten, was nach ihrer Ueberzeugung die deutsche rung, sie durch eine allen beteiligten Regierungen genehme unter solchen Umständen trotzdem marschieren, ohne daß ihre Wirtschaft selbst bei günstigster Entwicklung aufzubringen Rommission anerkannter Sachverständiger eigenen Bölfer ihr Halt gebieten, so wäre damit der Beweis vermag. Sie lauten folgendermaßen: prüfen zu laffen. Sie erklärt im voraus, deren gutachtliche erbracht, daß wir bisher seit 1914 noch feinen Tag wirt. lichen Friedens erlebt haben, sondern daß der Geist kriege­Entscheidung als bindend anzunehmen. weiß es? rischer Zerstörung weiter rast, welchen Zielen zu wer Rätselraten.

12. Deutschland hält seine Vorschläge nur für durchführbar, durch den Umstand, daß die deutsche Regierung es in flarster wenn das System der Santtionen alsbald aufhört, die gegenwärtige Basis der deutschen Produktion nicht noch weiter verringert, die deutsche Wirtschaft zum freien Weltverkehr zugelassen und von un­produttiven Ausgaben entlastet wird.

1. Deutschland erklärt sich bereit, zum Zwede ber Reparation eine Gesamtverpflichtung von 50 milliarden Goldmart Gegenwarts­wert anzuerkennen. Deutschland ist auch bereit, den Wert dieser wert anzuerkennen. Deutschland ist auch bereit, den Wert dieser Summe in Annuitäten, die seiner Leistungsfähigkeit angepakt find, zum Gesamtbetrage von

Regierung der Vereinigten Staaten die weitere Behandlung Sollte eine andere Form der Vorschläge nach Ansicht der der Angelegenheit erleichtern, so würde die deutsche Regierung bitten, daß sie auf die Buntte aufmertfam ge- Paris , 26, April. ( EE.) Dem New Bort Herald" wird aus macht wird, in denen etwa deramerikanischen Washington gemeldet, daß um die deutschen Vorschläge noch das Regierung eine Aenderung wünschenswert strengste Geheimnis walte. Man erwartet jedoch, daß dieser zu zahlen. Deutschland will seine Zahlungsverpflichtungen in nach erscheint. Auch würde die deutsche Regierung Schleier noch in der heute stattfindenden Kabinettsfihung gelüftet stehender Form mobilisieren: andere Borschläge der ameritanischen Re- werden wird. Da nur Staatspräsident Harding und Staats­gierung bereitwillig entgegennehmen. fetretär Hughes über die deutschen Vorschläge unterrichtet sind,

200 Milliarden Goldmart

2. Deutschland legt sofort eine

infernationale Anleihe

auf, deren Höhe, 3insfuß und Amortisationsquote zu vereinbaren wären. Es wird sich an dieser Anleihe beteiligen und ihr weit gehende Bergünstigungen gewähren, fie auch mit solchen Unterlagen ausstatten, daß ein möglichst großes Auftommen erwartet werden fann. Der Ertrag dieser Anleihe wird den Alliierten zur Ber­fügung gestellt.

3. Den Betrag der zu zahlenden Summe, der durch die inter­nationale Anleihe nicht gedeckt ist, wird Deutschland nach Maßgabe feiner Leistungsfähigteit verzinsen und amortisieren. Deutschland alt hierfür zurzeit nur eine Berzinsung von 4 Proz. jährlich für möglich.

4. Deutschland ist bereit, die beteiligten Mächte an einer Beffe rung feiner Finanz- und Wirtschaftslage teilnehmen zu lassen. Die Amortisation der Restsumme wäre zu diesem Zwede variabel zu gestalten. Im Falle der Befferung, für die ein Inder­schema festzustellen wäre, würde sie steigen, im Falle der Verschlechte rung entsprechend finten.

5. Um die Rest summe möglichst rasch abzutragen, will Deutschland fich mit aller Rraft an bem

Wiederaufbau der zerstörten Gebiete beteiligen. Es hält den. Wiederaufbau für die bringendste Aufgabe der Reparation, weil damit am unmittelbarsten Kriegselend und Bölferhaß gemildert wird. Deutschland erbietet sich, den Wiederauf­bau bestimmter Städte, Dörfer und Flecken selbst zu übernehmen oder auf jede andere den Alliierten erwünschte Weise mit seiner Arbeit, feinen Materialien und seinen Hilfsmitteln am Bieber aufbau mitzuwirken. Die Kosten seiner Leistungen würde es felbft zu tragen haben.( Näheres ist hierüber in der deutschen Wieder­aufbaunote an die Reparationsfommission gesagt.) 6. Zum gleichen 3wede ist Deutschland bereit, über den Wieder aufbau hinaus nach einem möglichst rein faufmännischen Berfahren Sachleistungen für die geschädigten Staaten zu übernehmen.

7. Um den unverkennbaren Beweis feines guten Willens zu geben, ist Deutschland bereit, der Reparationstommiffion alsbald den Betrag von 1 Millarde Goldmark in folgender Form zur Verfügung zu ftellen:

2) 150 Millionen Goldmart in Form von Gold, Silber und Devijen,

b) 850 Millionen Goldmart in Reich sich abwechseln, die längstens innerhalb drei Monaten in Devisen und aus ländischen Wertpapieren eingelöst werden. 8. Falls es dem Wunsche der Bereinigten Staaten von Amerika und der Alliierten entsprechen sollte, würde Deutschland willens fein, nach Maßgabe feiner Leiftungsfähigkeit Berpflichtungen der Alliierten aus ihrem Schuldverhältnis zu den Bereinigten Staaten auf sich zu

ehmen.

Die deutsche Regierung ist zu tief davon überzeugt, daß nimmt man an, daß nichts geschehen werde, ehe nicht das ganze der Frieden und die Wohlfahrt der Welt von einer schleunigen, Kabinett dazu Stellung genommen habe. Man erfährt über die gerechten und billigen Lösung der Reparationsfrage abhängt, deutschen Vorschläge, daß fie wichtige Sugeständnisse an die Alli­um nicht alles zu tun, was in ihren Kräften steht, damit die Bereinigten Staaten in die Lage verseht werden, die Aufmerk­famkeit der alliierten Regierungen auf die Angelegenheit zu Berlin , den 24. April 1921.

lenten.

terfen enthalten sollen, die jedoch nicht soweit gehen, daß es irgendeine offizielle persönlichkeit auf sich nehmen wollte, den Gegenstand zu erörtern. Ob das deutsche Angebot vom Gesamtkabinett als geeignet angesehen werden wird, um weiter. geleitet zu werden, ift immer noch die Frage.

Die Borschläge der deutschen Regierung, die gestern Har 1 Milliarde Goldmark bis zum 30. April! ding übergeben wurden und heute endlich veröffentlicht werden dürfen, find unter dem Eindruck der Nachricht entstanden, daß Havas veröffentlicht folgende Note der Reparations. die furchtbarsten 3wangsmaßnahmen der Entente unvermeid tommission: lich seien, falls nicht Deutschland sofort die Annahme der Pa- Die Reparationstommission hat in ihrer Vollfihung vom riser Beschlüsse oder etwas ihnen ungefähr Gleich 25. April 1921 mit Bedauern von der Mitteilung der deutschen Re wertiges in Aussicht stelle. So wurde es zum Grundgedunken gierung vom 22. April Kenntnis genommen und von ihrer Weige­dieser Vorschläge, der Entente materiell das anzubieten, was rung, den Metallbestand der Reichsbant nach Koblenz oder Köln sie mit ihren Pariser Beschlüssen gefordert hatte, und die überführen zu laffen. Sie bedauert, daß die deutsche Regierung Ueberlegungen bewegten sich vorwiegend nach der Richtung. nicht die Sorge verstanden hat, die den Brief vom 21. April veran­inwieweit es möglich sei, durch die Art der technischen Aus- laßte. Das Ersuchen, den Goldbestand nach dem besetzten Gebiet führung auch die wirkliche Leistung sicherzustellen. zu überbringen, wurde nur von dem Wunsche beherrscht, die Be­Wenn man weiter bedenkt, daß es sich auch hier noch um fimmungen des Vertrages mit den möglichen Erforder­Vorschläge handelt, die die Grundlage neuer Verhandlungen niffen des deutschen Wechselturies in Einklang zu bringen. bieten sollen, so tann man sich nicht vorstellen, wie die Le- 3n Anbetracht der Haltung, die die deutsche Regierung in dieser An­gende von der deutschen Zahlungsunwilligkeit noch weiter auf gelegenheit einnehmen zu müffen glaubt, und in Anbefracht ihrer rechterhalten werden soll. Die deutsche Regierung hat im verfehlungen gegenüber den Verpflichtungen des Vertrages, die aus Gegenteil, um das Allerletzte und Allerschwerste von Deutsch dem Artikel 235 herrühren, fieht sich die Reparationstommiffion ge­land abzuwehren, mit ihrem neuen Angebot die Grenzen zwungen, die Bollmachten auszuüben, die ihr der Ber­weit überschritten, die noch vor wenigen Wochen trag gibt, und die Ablieferung eines Betrages von einer Dom ganzen deutschen Wolf einschließlich der sozialistischen milliarde Goldmark an die Reparationsfommiffion bis Parteien als die äußerst möglichen betrachtet wurden. Ipätestens 30. April in die Keller der Bank von Grant­Trozdem wird man sich feiner Täuschung darüber hinreich zu verlangen. Die Reparationsfommission kann die Be­geben dürfen, daß damit der Streit zwischen den Grundsäßen ziehungen der deutschen Regierung zu der Reichsbank nicht zur De­der Verständigungs- und der Gewaltpolitit, der jetzt im Lager batte stellen, denn sie hat die Gewißheit, daß die Reichsregierung. der Entente herrscht, noch feineswegs entschieden ist, daß also wenn fie den guten Willen hat, darauf zurückzugreifen, auch die der Erfolg, den die deutsche Regierung mit ihren neuen Bor mittel hat( 1), dem Verlangen der Reparationstommiffion zu ent­schlägen anstrebt, durchaus noch nicht feststeht. Mehr und sprechen. gez. Louis Dubois , gez. Sir John Bradbury. mehr gewinnt man den Eindrud, daß der französische Die erste Forderung der Reparationsfommiffion ging be­Ministerpräsident Briand nicht mehr Herr feiner eigenen Ent- tanntlich dahin, den gesamten Metallbestand der schlüsse ist, sondern von einer neuentfachten nationalistischen Reichsbant nach der Filiale der Reichsbank in Köln oder Bewegung immer weiter vorwärtsgestoßen wird. Diese Be Koblenz zu überführen mit dem Anheimstellen, diesen wegung will nichts von neuen Vorschlägen hören und nichts Metallbestand weiter in der Bilanz der Reichsbank figurieren von neuen Verhandlungen, auch eine glatte Annahme der Ba- zu lassen. Für den Fall der Ablehnung wurde schon damals riser Beschlüsse würde ihr feine Befriedigung gewähren, fon- mit der Forderung der Uebergabe gedroht. dern was sie will, das ist eben die nadte Gemalt, die rasche fyftematische Zerstörung der deutschen Boltstraft, um auf ihren Trümmern die Vorherrschaft Frankreichs in Europa für alle absehbare Zeit sicher aufzurichten.

Neue Konferenz in London . London , 26. April. ( WTB.) Reuter meldet, es erscheine sicher, 9. Deutschland schlägt vor, daß über die Art und Weise, wie die Diese Bewegung schreitet in Frankreich von Erfolg zu daß der Oberste Rat nächsten Sonnabend in London und nicht deutschen Leistungen zu Reparationszweden auf die deutsche Gesamt- Erfolg. Ihr neuester ist der Beschluß der Reparationskom in Paris zusammentrete." Daily Telegraph " führt aus: Die britische schuld anzurechnen find, insbesondere über die Feftfegung der Breife miffion, von Deutschland die Ueberführung von einer Milliarde Regierung betrachtet die Frage der 600 millionen Pfund und Berte unter Hinzuziehung von Sachverständigen in Gold in die Keller der Bant von Frankreich bis zum Sterling, die am 1. Mai fällig find, als untergeordnet 30. April­verhandelt wird. also binnen fünf Tagen zu verlangen. Es Sie berechtige an sich nicht dazu, unmittelbar nach dem festgesetzten 10. Deutschland würde bereit fein, für alle Arten von Kredit den ist nichts anderes, als die österreichische Tattit 3eitpunkt 3mangsmaßnahmen in Kraft treten zu laffen, Geldgebern in einer näher zu vereinbarenden Weise aus öffentlichem gegen Gerbien, die in gigantisch vergrößerten Maß wenn Deutschland in der Zwischenzeit ein befriedigendes Eigentum und öffentlichen Einfünften je be erforderliche stäben hier angewendet wird: man stellt Forderungen, nicht Angebot auf der allgemeinen Grundlage des Pariser Abkommens Garantie zu geben. damit sie erfüllt werden, sondern damit ihre vorausgesehene gemacht habe. 2oucheurs Projett einer interalliierten Ron­und erhoffte Nichterfüllung als Vorwand zu militärischem trolle und Ausbeutung, das nach Loucheurs Schäßung jährlich 250 Borgehen benukt werden fann. bis 300 Millionen Pfund Sterling einbringen follte, sei bei den Be­Diese Tattif wird einigermaßen erschwert nach den ratungen von Lympne vollständig fallen gelaffen worden. bisherigen Erfahrungen allerdings nicht unmöglich gemacht unter dem einfachen System, das jetzt die Zustimmung finde und

11. Mit der Annahme dieser Borschläge erlöschen fämtliche anderen Berpflichtungen Deutschlands zu Reparationszmeden, auch mird badurch das deutsche Privatvermögen im Aus. lande frei.

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