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Nr. 225+ 38.Jahrgang Ausgabe B Nr. 111

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

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Sonnabend, den 14. Mai 1921

Lloyd George als Ankläger.

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Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Amt Morikplan, Nr. 11753-54

Zur Rede Lloyd Georges.

Die große Bedeutung der gestrigen Rede Lloyd Georges im Unterhaus über die oberschlesische Frage wird auch von Aus den heftigen Angriffen Lloyd Georges im wird, oder sie sollten den Deutschen gestatten, da- unserer nationalistischen Presse anerkannt. Die Tägliche Unterhaus gegen die französische Politik in Oberschlesien für zu forgen. Deutschland zu sagen, Rundschau" bringt den Bericht über sie unter der Ueberschrift werden durch MTB. folgende weitere Einzelheiten mitgeteilt: hier ist Eure Provinz, Bedeutsame Erklärungen Lloyd Georges über Ober­Polen habe geschichtlich fein Recht auf Schlesien . Der hier ist etwas, worüber durch den Versailler Vertrag entschieden schlesien". In der Post" heißt es: Lloyd George gegen einzige Anspruch, den es auf ganz Schlesien oder einen Teil davon werden foll, entweder für oder gegen Euch; den Polen aber foll es Tageszeitung": Unser Recht auf Selbstverteidi. Frankreichs Polenpolitit". In der Deutschen haben tönnte, wäre, daß sich dort eine überwältigende erlaubt sein, in Berhöhnung des Vertrages sie wegzunehmen, und Euch polnische Bevölkerung befände, die verhältnismäßig fürzlich soll es nicht erlaubt sein, Euch selbst in der Provinz zu verteidigen, gung. Lloyd Georges Erklärungen über Oberschlesien ". Einſt­dorthin kam, um in den Bergwerken zu arbeiten oder zu anderen welche zweihundert Jahre lang die Eurige gewefen ist, wäre schimpf- Nur der Berliner Lokalanzeiger" findet unter der Ueber­weilen müssen diese Ueberschriften als Kommentar dienen. Zweden. Lloyd George erinnerte an die Bedingungen des Ber- lich und der Ehre eines Landes unwürdig. Es sei vollkommen sicher, schrift Lloyd George gegen die Polen " einige Worte der jailler Bertrages und an das Ergebnis der Bolts- daß die Alliierten eine solche Haltung nicht einnehmen würden. abstimmung. Er jagte: Die Kommiffare trafen zusammen, um zu Das einzige, was er im Namen der Regierung fagen möchte, fei: Erläuterung indem er schreibt: erwägen, was im Hinblid auf die Boltsabstimmung zu tun sei. Die Was sich immer ereigne, wir fönnten teine vollendete Tat- Diese Ausführungen des englischen Premiers fd deshalb be­britischen und die italienischen kommisfare nahmen fache annehmen. Dies würde eine Herausforderung be- fonders interessant, weil er in einem Augenblick, in dem sich die einen Standpunkt ein, die franzöfifchen einen anderen. deuten, welche zu den verhängnisvollsten Folgen führen fönnte. Dies Franzosen offen auf die Seite der Bolen stellen, Worte der Ge­Die Mehrheit der Kommiffare, nämlich die britischen und die würden wir nicht annehmen. Er wage es, die Aufmerksamkeit auf rechtigteit für Deutschland findet. Man soll diefe Worte natürlich italienischen, waren dafür, die überwiegend polnischen Gebiete eine Tatsache zu richten, die es notwendig mache, daß wir uns alle nicht überschäßen, denn bisher haben sich bei allen Diffe­Polen zu geben, und die Gebiete, wo- Städte und Landkreise zu- bei der Regelung der Frage an den Vertrag halten. Rußland jei renzen die Franzofen noch immer stärker als die Engländer er­fammengenommen die Mehrheit deutsch ist, Deutschland wohl jekt eine niedergebrochene Macht, die sich erschöpft in den Hän- wiesen. Diesmal ist das, was Lloyd George jagt, aber jo prägnant, su geben. Die Alliierten sollten diesen Bericht beraten. Unglüd- den von, wie er glaube, hoffnungslojem Despotismus befinde, aber es daß er der Lächerlichkeit anheimfallen würde, wenn er wiederum licherweise traf er nicht rechtzeitig genug für die fei ein großes Land, das über unerschöpfliche Hilfsquellen verfüge, umfallen sollte. Londoner Konferenz ein, aber die Alliierten waren schon und das von einer tapferen Raffe bevölkert sei, wie es die ersten Tage Wir haben schon heute morgen gemahnt, die Bedeutung im Begriff, darüber zu beraten. Ohne die Beratung oder die Erörte- des Krieges gezeigt haben. Das Land werde nicht ewig so bleiben, der Rede Lloyd Georges nicht zu über schäzen. So gewiß sie rung zwischen den Regierungen abzuwarten, brach der polnische wie es augenblicklich ist, sondern es werde eines Tages ein mächti- nicht hätte gehalten werden fönnen, wenn Deutschland das Aufstand aus, mit dem Zwecke, die Alliierten vor eine voll- ges, überragendes Land sein und sein Wort werde in Zu- Ultimatum abgelehnt hätte, so gewiß sie eine Erleichterung endete Tatsache zu stellen. Dies war eine funft in Europa und in der Welt Geltung haben. Er bitte diejenigen, unserer Lage und damit einen Erfolg der von der Sozialdemo vollkommene Berhöhnung des Versailler Vertrages welche den Friedensvertrag von Versailles 3er- fratie eingeleiteten Politik darstellt, so bedeutet sie noch keine Lloyd George fuhr fort: Die eine Hälfte von Polen , die auf reißen wollen, wenn er ihnen nicht zusagt, an diese Tatsache und an endgültige Entscheidung. Am allerwenigsten darf aus ihr felfen der 2111ierten fämpfte, wurde durch die andere Hälfte andere Möglichkeiten in 3entraleuropa zu denken. In aller gefolgert werden, daß nun Deutschland zur Verteidigung entfräftet. Wenn die Alliierten von den Polen , die auf Ihrer Seite Feierlichkeit, mit dem einfteffen Wunsche, den Frieden in Europa Oberschlesiens freie Hand bekommen hätte. Bor solchen über­tämpften, abhängig gewesen wären, so würde Polen heute entweder wiederhergestellt zu sehen, und in dem Bewußtsein, daß dies nur auf eilten Schlußfolgerungen kann gar nicht genug gewarnt eine deutsche oder österreichische Provinz fein. Die dem Grundsak ffrenger Gerechtigkeit geschehen fönue, appelliere werden. Hälfte, die gegen die Alliierten kämpfte, tämpfte bis zum Ende. Die er an alle Beteiligten, nur das zu tun, was recht und billig fei, Allierten nahmen polnische Soldaten in deutschen Schüßengräben ge- jede oreingenommenheit aufzugeben und gerecht fangen; Polen fielen in deutschen Uniformen, fig zu fein. schoffen Franzosen , Engländer und Italiener nieder, die für Polens Freiheit tämpften. Die Freiheit Polens war Italien , England und Frankreich zu danken. Es gibt keinen Buchstaben des Vertrages, der nicht ein junges englisches Leben und nahezu zwei französische Leben

Englische Befürchtungen.

So tlar es auch ist, daß die Interalliierte Kommission infolge ihrer inneren Spaltung nicht imstande ist, den polni­schen Aufruhr niederzufämpfen, so steht ihr doch noch immer pölferrechtlich die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Oberschlesien zu. Ein deutscher Einmarsch in Eindruck, daß die polnische Regierung bei der Erfüllung ihrer Frankreich zur Folge haben, und daß dieser Krieg England Condon, 14. Mai. Reuter feilt mit: Hier besteht der ernste Bolen würde aller Boraussicht nach den Krieg mit Polen und Verpflichtung, die Grenze nach Oberschlesien zu schließen, dann auf seiten Deutschlands finden würde, wagt auch der verjagt habe. Wie verlaufet, find deshalb weitere Bor - fühnste Optimist nicht anzunehmen. Noch weniger natürlich, Polen hat seine Freiheit nicht selbst gewonnen. stellungen bei Polen erhoben worden. Man hält an der Ansicht daß eine freundliche Neutralität Englands und Italiens dazu Unter diesen Umständen müßte es vor allen Ländern jedes fest, daß, wenn nicht eine wirkliche Kontrolle der Grenze eingerichtet ausreichen würde, das entwaffnete Deutschland einen Zwei­Komma des Vertrages achten. Jeht, da Deutsch - wird, die polnische Regierung sich einer schweren Berant- frontenfrieg gewinnen zu lassen. land durch das Vorgehen der Alliierten entwaffnet und hilflos wortung nicht entziehen kann. ist, sagt Polen , es wolle für Oberschlesien sogar gegen den Ber.

bedeutet.

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Der peinliche Eindruck in Frankreich .

trag fämpfen. Korfanty sagt, die Polen in Schlesien wollten eher Paris , 15. mai.( WIB.) Philippe millet veröffentlicht fterben, als fich ergeben. Wenn fie früher fo gedacht aus Anlaß der gestrigen Rede Lloyd Georges einen heftigen Artikel hätten, als die Schlacht für Bolens Freiheit ge- im Pefit Parifien". Cloyd George habe recht, wenn er die ge­tämpft wurde, jo wären weniger englische, fran30- nauefte Erfüllung des Friedensvertrags von Versailles verlange. fische und italienische Leben verloren gegangen. Aber unzulässig fei es, wenn er behaupte, in Oberschlesien sei Aber die Polen kamen auf diese Anschauung erst, als Deutschland ent- die deutsche Bevölkerung autochthon, und die polnische Bevölkerung waffnet und hilflos war. jei von außerhalb gekommen. Dadurch spiele man das Spiel Lloyd George führte weiter aus, das einzige, was er vorauszu- Deutschlands und nicht das Spiel der Wahrheit.(!) Der fagen wage, jei, daß im Hinblick auf den Vertrag von Versailles Ge- zweite Irrtum liege darin, daß Cloyd George gefagt habe, er sehe walt viel, viel weniger und die Ehre und der kredit keinen Grund, der die Alliierten verhindern könne, Deutschland zu Deutschlands und die Unterzeichnung seiner Verpflichtung weit, ermächtigen, sein Heer anzuwenden, um Ruhe in seiner eigenen weit mehr ins Gewicht fallen werde. Es sei ein Fehler in der Provinz herzustellen. Cloyd George habe sich von der verhäng­Rechnung, wenn Deutschland sagen dürfte: 3hr verlangt unsere Ehre nisvollen wirtung eines derartigen Ratschlags in Frant­und unsere Verpflichtung, was habt Ihr mit der Euren gemacht? Als reich, teine Rechenschaft abgelegt. Man dürfe deshalb er­es gegen uns ging um Wiederaufbau oder Abrüfung, da habt Ihr warten, daß es sich bei diesen bedauerlichen Ausführungen Lloyd auf der Blodadedrohung bestanden und habt andere Maß- Georges nur um einen Fehler handle. nahmen ergriffen, denn Ihr wolltet uns zwingen und den Vertrag von Versailles durchführen. Was habt 3hr getan, als Polen Euch in Oberschlesien herausforderte?

Deutsche .

Poincarés Mißvergnügen.

Es darf weiter nicht übersehen werden, daß auch Lloyd George nicht für ein ungeteiltes deutsches Oberschlesien ein tritt, sondern für eine Teilung des Landes zwischen Deutschland und Polen . Der Streit zwischen den Alliierten geht nur darum, wie diefe Teilung erfolgen foll. England und Italien wollen die polnischen Ansprüche in gewissen Schranken halten, während Frankreich alle maßlofen Ansprüche Bolens mitvertritt und ihre gewaltsame Geltendmachung unverhohlen unterstützt. Der Sieg des englisch - italienischen Standpunkts würde daher auch noch nicht die Erfüllung der deutschen For­derung nach einem ungeteilten deutschen Oberschlesien be= deuten, sondern nur eben soviel, daß die oberschlesische Frage die relativ günstigste Lösung finden würde, die bei dem bie relativ günstigste Lösung finden würde, die bei dem gegebenen Kräfteverhältnis denkbar ist.

Der englische Premierminister erflärt in feiner Rebe: Es gibt feinen Grund, warum die Alliierten etwas dagegen haben sollten, daß Deutschland seine Streitkräfte gebraucht, um in feiner eigenen Provinz die Ordnung herzustellen. Das ist fair ( ehrlich). Und für fair play( ehrliches Spiel) steht England. Ich hoffe, es wird bis zum Ende dafür einstehen.

Weife abgelehnt hat. In seiner Note vom 9. Mai erklärte er Die deutschen Berichte über das Chaos in Oberschlesien für tendenziös übertrieben" und fuhr fort:

Paris , 13. Mai. ( WTB.) Raymond Poincaré schreibt in der Diese Auffassung wird in Deutschland ohne weiteres als Waret Ihr damals ebenso hartnäckig? Revue des Deur Mondes", die Londoner Ronferenz habe leiber richtig anerkannt werden. Und ebenso auch die, daß die Kor­Cloyd George erklärte feierlich, für England und die Aliierten weder die Hofnungen Briands noch die feinigen( Boincarés) erfüllt. fanty- Wirtschaft aus Oberschlesien ein Chaos macht, von dem bandele es sich nicht bloß um eine Angelegenheit ihrer Ehre, Die neuen Opfer, die Frankreich gebracht habe, seien nur bei genauen George fann aber eben nur für England sprechen, weder Bolen noch Deutschland , noch Europa etwas hat. Lloyd obwohl das sicherlich nicht unterschätzt werden dürfe, es Studium der Dokumente erkennbar. Der Gedante fei peinlich, daß fei eine Angelegenheit ihrer Sicherheit und ihrer bei diesem neuen Mißgeschick nicht nur der böse Wille Deutschlands " das auf dem europäischen Kontinent die erste Geige eben nicht Ruhe, zu zeigen, daß sie am Bertrage feft hielten, möge er mitgewirkt, sondern daß der franzöfifche Ministerpräsident Ministerpräsident Briand das Angebot Deutschlands , Hilfe spielt. Es ist noch feine Woche her, daß der französische für sie oder gegen file sprechen. Mehr, als er fagen fönne, mi- auch bei einigen Alltierten auf den Willen zu Zugeständ- für Oberschlesien zu leisten, in ganz unmißverständlicher billige und fürchte er die Tändelei, das Spielen mit niffen an Deutschland gestoßen fei dem Vertrage, indem man sage, schließlich feien es ja nur Bezüglich der Entwaffnungsfrage bemerkte Poincaré : Deutschland bediene sich der ungefeßlichen militärischen Organisation, Cloyd George schloß seine Rede mit der Erklärung, man müsse um Bolen zu bedrohen.(!) Wenn aber Deutschland doch zu Der Grund der Unruhe ist ohne Zweifel zu sehen in den aus aporteilsch urteilen mit ffrengem Sinn für Gerechtigkeit, fei es für extremen Taten übergehe, was würden dann die Alliierten be- deutscher(?) Quelle veröffentlichten Nachrichten, die unzutreffen­odt gegen die Deutschen . Es gebe 3 wei Wege, um die Lage zu schließen? Solle Frankreich trotz der Einberufung der Jahresklasse derweise meldeten, daß die Alliierten sich entschieden hätten, den behandeln. Der eine fei, daß die alllierten Truppen für die Wieder- 1919 und aller für die Befeßung des Ruhrrepiers getroffenen größten Teil des Industrie- und Bergwerts. herstellung der Ordnung forgten. Es fei eigentlich nicht seine Sache, Borbereitungen bis zum 30. Juni untätig bleiben? gebiets Deutschland zuzuteilen. Diese falsche Mel­ein militärisches Urteil abzugeben. Wir waren gezwungen, Zur Annahme der Bedingungen der Alliierten durch den bung hat den Aufstand der Insurgenten entfeffelt. Wie dem auch fuhr der Premierminister fort, unsere Truppen zurüdzuziehen. Des Reichstag bemerkt Poincaré : Es wäre nur natürlich gewefen, fet, die Interalliierte Kommission, die mit der Verwaltung des Ab. halb sind die Alliierten berechtigt, zu den Deutschen zu fagen: Es ist wenn die Alliierten als Gegenleistung für die Deutschland ge- ftimmungsgebiets beauftragt ist, hat in einmütiger Uebereinstim nicht Eure Sache, darauf zu bestehen, daß das Leben unserer Soldaten währten Zugeständnisse sofort materielle Opfer in Befiz ge- mung die energischsten Maßregeln zur schnellen Wiederherstellung aufs Spiel gesetzt wird." Der Premierminister jagte weiter, er be- nommen hätten. An der persönlichen Ehrlichkeit des Reichskanzlers der Ordnung und zur Wiederherstellung der Sicherheit der Ein­stehe nicht auf diesem Argument. Aber er fei berechtigt, auf dem Wirth fönne man nicht zweifein, werde er aber imftande sein, wohner aller Nationalitäten, die in dem Abstimmungsgebiet leben, Alternativvorschlag zu befiehen: Entweder follten die Al- die zustandegekommene Mehrheit, auf die er fich ftüße, aufrechtzu- getroffen. Die allierten Truppen haben voll ihre Pflicht getan, bie liierten darauf bestehen, daß der Bertrag geachtet erhalten? jegt einlaufenden Meldungen lassen eine wesentliche Beffe­

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