Nr.338 38.Jahrgang Ausgabe B Nr. 167
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Expedition Moritolak 11753-54
Mittwoch, den 20. Juli 1921
Die französische Presse behauptet, daß Italten sich dem] französischen Vorgehen in Berlin wegen des Selbstschutzes und der angeblichen Angriffsabfichten in Oberschlesien ange schlossen habe. Auf Anfrage an zuständiger Stelle antwortet man uns, daß von einem solchen Verhalten Italiens nichts befannt sei. Der Umstand, daß Bonomis Programmrede auf den Besitz Syriens gelegt. nichts von Oberschlesien enthielt, fann nach beiden Seiten gedeutet werden; an Versuchen, Italien an den frankopolnischen Wagen zu spannen, wird es ja nicht gefehlt haben.
Inzwischen hat orfanty in Paris durch neue Eventualdrohungen mit Aufständen und weiteren Folgen bei manchen Leuten angestoßen, und es wird schon gemeldet, daß feine Krankheit ihn hindern dürfte, mit oller Energie für feine Sache einzutreten. Es wird unerwünscht sein, den Schein zu erwecken, daß Herr Konfanty auch die französische Zivilpolitik leitend beeinflusse.
Eine neue Teilungslinie wird Herrn Loucheur zuge schrieben. Danach sollen Pleß , Rybnit, Kattowiz und Beuthen an Polen fallen.
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Abteilung Moritplay 11753-54
Rußlands Hungerkatastrophe.
Land
Auch die kommunistische Presse Deutschlands gibt jetzt notgedrungen, zu, daß Rußland von einer furcht= baren Hungertatastrophe bedroht ist. Man nennt die ungeheure 3ahl von 25 Millionen Menschen bevölkerung wohlgemerkt, nicht städtische Arbeiter-, die, an der Möglichkeit einer auch nur fümmerlichen Ernährung perzweifelnd, die weiten Gebiete der Mißernte zu verlassen beginnen, um sich in rat- und regellofen Schwärmen in das übrige Land zu verstreuen. Die Summe des Elends, die in dieser Tatsache enthalten ist, läßt sich nicht ermessen, und jeder Mensch, der imstande ist, zum Damm gegen diese Flut menschlichen Unglücks ein Steinchen zu liefern, hat die Pflicht, es zu tun.
Der Korrespondent schließt mit der Bemerkung, daß euch bie Frage von Zanger den Gegenstand informeller Besprechungen zwischen London und Paris bilde. In gewissen franzöfifchen diplomatischen und politischen Kreisen werde mehr Nachdruck auf die schließ liche Erwerbung der Enclave von Langer durch Frankreich als Morning Post" schreibt: Wir erfahren von maßgebender Seite, daß den britischen Abgeordneten teine derartigen Informationen über die Lage in Oberschlesien vorlagen, wie den französischen, und daß die französischen Informationen ihnen nicht mitgeteilt worden sind. Ebenfowenig sei die britische Regierung verständigt worden, daß die Fran3ofen einen Schritt in Berlin beabsichtigten. Die brilischen Abge- Ein rechtsgerichtetés, nationalistisches Blatt hat dieser ordneten glaubten, daß die deutsche Regierung ihre Versprechungen Tage den Saß gewagt:" Wir haben nichts zu geben, aber bezüglich Oberschlesiens loyal erfülle. Auf jeden Fall hätten sie eine hätten wir, so dürften wir nicht geben!" Aus diesen Untersuchung angeordnet, um festzustellen, ob diese Annahme be- Worten, die der Berliner Spießbürger in feinem Lokalgründet sei. Eine neue Note sei nach Paris abgesandt worden. Der Anzeiger" las, ohne viel darüber nachzudenken, spricht derMeinungsaustausch erfolge durch die üblichen diplomatischen Kanäle. selbe Geist stumpfsinniger Roheit, dessen kraftmeiernde Betonung im Ausland die falsche Vorstellung erweckt hat, als bestünde das deutsche Volt nicht aus fühlenden Menschen, sondern aus Bestien. Dieselben Leute, die die Torpedierung von Hospitalschiffen und die Beschießung von Rettungsbooten mit der englischen Hungerblockade zu rechtfertigen versuchten, wollen jetzt ungerührt zusehen, wie 25 Millionen Menschen, Männer, Frauen und Kinder, verhungern, weil sie glauben, daß das ihren politischen Zielen nüßlich sei.
Unruhen bei Entwaffnung Aufständischer.
Die britische Antwort an Frankreich ist noch nicht bekannt; es wird angefündigt, daß sie den schleunigen Zusammentritt Hohensalza , 20. Juli. ( TU) Hier fam es anfäßlich der Ent des Obersten Rates fordern, weitere britische Truppenfendun- waffnung der hier untergebrachten polnischen Aufständischen zu blutigen nach Oberschlesien ablehnen werde.
Der„ Temps" deutet jezt die Möglichkeit an, das ungeteilte Oberschlesien zehn oder zwanzig Jahre lang bei entfprechender Sicherung am Rhein " unter militärisch starter Herrschaft der Entente zu lassen.
Condon, 20. Juli. ( WTB.) Der diplomatische Korrespondent des Exchange Telegraph" teilt mit: Der französische Botschafter sprach bei Lord Curzon vor, der ihm gegenüber erneut den dringenden Wunsch der britischen Regierung nach einem baldigen Bufammentritt des Obersten Rates zum Ausdrud brachte. Die Aussichten hier für sind indessen nach wie vor nicht groß, und zwar nicht deshalb, weil die französische Regierung abgeneigt ist, die Drientfrage zu er örtern, sondern deshalb, weil Frankreich entschlossen ist, seine Sicher. heit nicht durch eine vorzeifige Aufhebung der Zwangsmaßnahmen
gen Ereignissen. Von den Aufständischen in Stärte von etwa zwei Regimentern feistete nur ein kleiner Teil dem Befehl, die Waffen abzuliefern, Folge. Als Grund des Ungehorfems gaben die Meuternden an, der Staat schulde ihnen den Sold in deutscher Währung. Ein Major versuchte die Aufständischen zu beruhigen, was jedoch nicht gelang. Erst nach einer Salve, wobei es zwei Tote und fünfzehn Verwundete gab, zogen sich die meuterer in ihre Safernen zurüd und fonnten entwaffnet werden.
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Die Interallierte Kommiffion hat heute morgen unter Führung Le Ronds ihre zweite Besichtigungsreise, diesmal ins Rybnifer Gebiet, angetreten. Das italienische Mitglied ist bekanntlich unterwegs nach Rom .
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Lügenhete gegen den Reichspräsidenten. Der Figaro" schreibt, Präsident Ebert habe General Höfer be. oder durch die leberweisung des oberschlesischen Kriegsarsenals" an glückwünscht, der sich verpflichtet habe, aus Oberschlesien einen Herb Deutschland zu gefährden. Ferner wird von franzöfifcher Seite be- der Wieberherstellung und Größe Deutschlands zu machen. Da der tont, daß. da Großbritannien und die Bereinigten Staaten bisher ben Reichspräsident dem Führer der deutschen Aufständischen feinen Garantievertrag für Frankreich nicht ratifiziert haben, Frankreich auf Dant ausspreche für die Befreiung einer unterdrückten Bevölkeeigene Hand Garantien gegen die Möglichkeit eines neuen deutschen rung, die das Opfer schändlicher Ausschreitungen fei", billige er Angriffs suchen müsse. In britischen Kreifen wird bemerkt, daß dieses Programm. Der ehemalige Sattler Ebert, ein SozialdemoFrankreichs neue oberschlesische Politik in der Richtung auf ein unab- frat, der selbstverständlich alldeutsch denke, spreche im hängiges Auftreten sich entwickelt. Briand hat zwar England und Namen von ganz Deutschland . Italien ersucht, mehr Truppen nach Oberschlesien zu entfenden, aber Bei dieser Heze handelt es sich um eine grobe Fälschung, indem zu gleicher Zeit hat er den Entschluß der französischen Regierung nicht Ebert ein Dantschreiben des Präsidenten des Reichsbürger. verheimlicht, auf jeden Fall Truppen zu entfenden, welche Auffaffung rates unterstellt wird, das General Höfer für die Tätigkeit des auch immer in London oder Rom über die Angelegenheit bestehen sollte. Selbstschutzes dankt.
Der neue Mittelpunkt Europas . Prag , 19. Juli. ( EP.) Der Plan, die Anwesenheit des jugoflawischen Ministerpräsidenten pa fitsch in Marienbad zu einer Konferenz zwischen ihm und Dr. Beneich zu benuhen, besteht fchon seit längerer Zeit, und auch die Absicht Tate 3onescus, an diefen Besprechungen teilzunehmen, ist schon gemeldet worden. Die Konferenz der dret maßgebenden Minister der kleinen Entente, die in nächster Zeit stattfinden soll, erhält jeht durch die Anfündigung des Befuchs Briands und Fochs in Prag noch besondere Bedeutung.
Prag , 20. Juli. ( Tul.) Die Regierung hat dem hier weifenden Sereniti zu verstehen gegeben, daß fie für seine Sicherheit teine Bürgschaft übernehmen könne, worauf Kerenski abgereift ist.( Die Monarchisten tönnen ruhig bleiben!)
Diese Gesinnung wäre niederträchtig, auch wenn der Glauben, auf den fie fich stüßt, richtig wäre. Aber er ist falsch. Deutschland hat nichts dabei zu gewinnen, wenn der Bolschewismus in einer Ratastrophe untergeht. Es besteht nicht die geringste Gewähr dafür, daß dem Sturz der Sowjets. ein Regime folgen würde, das die Herstellung leidlich geordneter Berhältnisse bedeutete, vielmehr spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß ein gewaltsamer Umsturz nichts anderes brächte, als statt der alten eine neue Form der russifchen Mißwirtschaft. So sehr wir den Bolschewismus als eine barbarische Berzerrung des Sozialismus befämpfen, so haben wir für Rußland feine Sehnsucht nach einer Herrfchaft der Schwarzen Hundertschaften, nach einer zerreißung des Reichs durch einen dreißigjährigen Bürgerkrieg. Bielleicht fönnten einige militärische Abenteurer oder waghaisig leicht könnten einige militärische Abenteurer oder waghaisig spekulierende Kapitalisten aus einer solchen Entwicklung Nugen ziehen, für das arbeitende Deutschland wäre sie nichts als eine neue Gefahr. Nein, wir können uns gar nichts davon versprechen, wenn der Bolschewismus, der doch ehen daran persprechen, wenn der Bolschewismus, der doch ehen daran ist, sich langsam und mühsam zur Vernunft zurückzutasten, auf diesem Weg in den Abgrund stürzte.
Auf der anderen Seite aber wird jeder unbefangene Mensch zugeben müssen, daß es nicht zugunsten der russischen Regierung und der von ihr angewandten Wirtschaftsgrundfäße spricht, wenn sie nicht imstande war, eine solche KataStrophe vom arbeitenden Bolt Rußlands abzuwehren. Sie tann zwar fagen, daß sie die Erbschaft des 3arismus, und des ber Generalftaatsanwalt, daß über die Haltung der französischen Weltkriegs übernommen hat, aber es ist immerhin schon das Regierung keine anderen Informationen vorlägen, als die bereits Dierte Jahr, feit sie die Zügel an sich gerissen hat und in der Presse veröffentlichten. Er fügte hinzu, daß die Reihe von unbeeinflußt von der gewaltsam niedergehaltenen BolksProzessen, die vorläufig von der britischen Regierung ausgewählt meinung umumschränkt regiert. War sie auf dem richtigen seien, beendet sei, und daß die Frage der einzunehmenden Hal- Wege, so hätte sie es in dieser Zeit zu besseren Ergebnissen tug genau von den Alliierten geprüft werden würde. Er hoffe, daß bringen müssen. dies bald gefchehen werde. Die Prozeßfosten einschließlich der Reisefoften würden von Deutschland bezahlt. Er habe sich geweigert, Gelber für seine Anwesenheit beim Leipziger Gericht an zunehmen.
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Für uns westeuropäische Sozialisten ist der Sozialismus ein System, um die Lage der arbeitenden Menfchen zu beffern, und fein mechanisches Schema, das rüdfichtslos angewendet werden muß, wenn daran auch die Diefe legte Aeußerung fann wegen der Sparfamfeitsbewegung Menschen zugrunde gingen. Wir besigen nicht den graufamen erfolgt sein und soll mohl bedeuten, daß der Generalftaatsanwalt Mut, gegen die jeßt lebende Generation und die heranwach= sende zu wüten in dem unbewiesenen und unbeweisbaren für seine Anwesenheit in Leipzig nichts liquidiert. Condon, 20. Juli. ( Reuter.) Heute wird eine Kabinettssitung Glauben, daß daraus das Glück eines noch späteren Geschlechts abgehalten werden, in der Lloyd George über seine Besprechungen heranmachfen würde. Wir befizen auch nicht die Möglichkeit mit den irischen Bertretern berichten wird. Die Unterredungen dazu, denn unser Volt würde sich glücklicherweise, sagen zwischen dem Premierminister und Devalera wurden fortgefeßt. mir zu solchen Experimenten nicht hergeben. Sie sind nur Eine Schlappe der englischen Regierung. George die größte mühe haben, eine Mehrheit im parlament hinter baren Schule des Leiders ſtumpfen Gehorsam gelernt hatLondon, 20. Juli. ( EP.) Daily Mail" zufolge wird Lloyd möglich bei einem Volt wie dem ruffischen, das in einer furchtLondon, 20. Jult.( EE) Bei der gestrigen Beratung des fich zu haben, wenn er sich den Sinnfeinern gegenüber entgegen- und selbst dort gibt es vielleicht einen Punkt, an dem der allzu Finanzgefeßes im Unterhause wurde mit 137 gegen 135 Stimmen fommend zeigt. Lloyd George ist entschlossen, die äußersten Mittel straff gespannte Bogen zerbricht. Mit dem Problem der Sozialisierung ber ein von der Regierung bereits abgelehnter Zufazantrag ange- anzuwenden, um eine Lösung zu erreichen. Er wünscht nach nommen. Es handelt sich um eine von Asquith empfohlene Aus- Washington zu fahren, um der Herding- Konferenz beizuwohnen, and wirtschaft" hat die ruffische Katastrophe nichts zu nahmebestimmung für die Besteuerung von Rooperativgenoffen- und das wird nur möglich sein, wenn die Irenfrage zuvor gelöst fchaften. Die Opposition begrüßt das Ergebnis der Abstimmung, wird. In dieser Richtung übt Amerifa, früher als man gedacht durch die die Regierung in die Minderheit versetzt wurde, mit hätte, auf die Lösung der irischen Frage einen Drud aus. großem Beifall, und Mac Lean forderte den Rücktritt der Re. gierung. Einem Antrag auf Bertagung der Debatte gab der Abbau des Haffes. Der belgische Ministerpräsident hat an die Sprecher nicht statt. Zu dem Zwischenfall dürfte der Umstand start Brovinzialverwaltungen einen Erlaß gerichtet, worin er an das Ein beigetragen haben, daß gleichzeitig ein Empfang in den Gärten der rüden der deutschen Truppen in Belgien am 1. Auguft 1914 erDowningstreet stattfand, zu bem 1500 Gäste erschienen waren, bar unter alle Mitglieder der Regierung, zahlreiche Abgeordnete, die Ministerpräsidenten der Dominions und auch Mitglieder der Ar beiterpartei.
mert. Die Kirchengloden werden an dem Erinnerungstage läuten. General Dégoutte fagte der spanischen Militärmission beim Fefteffen, die Spanier müßten ja aus Marotto, was es heiße, bauernd einer widerspenstigen Bevölkerung gegenüber. zustehen. Die spanische Mission sei dazu berufen, die deutschen London , 19. Juft.( Havas.) Im Unterhause erklärte in Beant. ügen über die Grausamteiten der Franzosen und über die Bermortung verschiedener Anfragen über die Seipziger Urteil el mendung farbiger Truppen im Rheinland zu widerlegen.
tun. Der Bolschewismus hat sich ja mit diesem Problem niemals beschäftigt, er hat sich darauf beschränkt, nach sozial revolutionären Rezepten in der Landwirtschaft, das heißt im allergrößten Teil der russischen Volkswirtschaft das bäuerliche Privateigentum herzustellen. Bauern find es, die jetzt im Wolgagebiet verhungern, und zwar vor allem deshalb verhungern, weil ihnen die Methoden der modernen Landwirt fchaft unbekannt sind, weil sie selbst in günstigen Jahren kaum die Hälfte des europäischen Produktionsertrages hervorbringen. in ungünstigen aber der Ungnade des Himmels ganz hilflos gegenüberstehen. Dazu kommt der Mangel jeder burch= greifenden Organisation und eines funktionierenden Transportmefens, die Unmöglichkeit, Kredite zu beschaffen, für Zufunftswerte jene Gegenwartswerte auszutauschen, die man