Nr. 409 38. Jahrgang
Ausgabe A nr. 207
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Mittwoch, den 31. August 1921
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Sozialisten! Auf zum Protest!
Es war vorauszusehen, was tommen würde, sobald die Reichsregierung ihre Pflicht tat und die Republik durch neue Maßnahmen schützte.
Die Redner der Parteien in der Demonftration am heutigen| vember 1918 wahrlich leicht genug gehabt, und auch später Mittwoch im Luftgarten sind von der SPD. : Otto Wels , Offo Braun, Richard Fischer, Peter Graßmann, Ernst Heilmann , Kurt Heinig , Franz Krüger , Erich Kuttner , Heinrich Ströbel , Erwin Barth , Dr. Walier Zechlin und andere.
Bon der USP.: Paul Brühl , Artur Crispien, Wilhelm Diffmann, Gustav Edhard, Franz Künffler, Richard Krille, Georg Ledebour , Offo Meier, Dr. Moses, Dr. Rosenfeld,
Die reattionären Pressehelden schmelzen zur Einheitsfront der Feigheit zusammen. Plößlich sind sie alle demokratische Republikaner, sind sie alle Verteidiger der Meinungs= freiheit und der Pressefreiheit. Sie haben alle gar nichts Böses getan. Sie hetzten nicht morgens und abends Dr. Weyl. gegen alles was republikanisch ist, sie steckten nie die Köpfe zufammen um sich gegen die politische Demokratie zu verfchwören. Sie erschwerten dem jungen Reich nie das Leben. Nein, jetzt, da sie Angst haben, sind sie verkannte Engel, find fie die wahren Freunde der Freiheit.
wäre es nicht schwer gewesen. Aber die deutschen Arbeiter und Angestellten bleiben Sozialdemokraten. Sie werden heute mit jedem demonstrieren, der für die Erhaltung der Republik eintritt, und sie werden heute und immer jeden bekämpfen, der die politische Demokratie verraten will. Was der einzelne dabei sagt, gilt nicht viel, was das Ganze will, ist entscheidend. deutschen Sozialdemokratie gehörte, sprach einmal in einer Paul Singer , der gewiß zu den radikalsten Köpfen der entscheidenden Stunde des preußischen Wahlrechtskampfes das Wort, die Partei sei unter voller Wahrung ihrer sonstigen Ziele bereit, Schulter an Schulter mit allen zusammenzustehen, die es mit der Erringung des gleichen Rechtes in Preußen warnt vor jenen unverantwortlichen Elementen, die auf Mos- ehrlich meinten. Eine ähnlich entscheidende Stunde, nur noch fauer Befehl alle Aktionen des deutschen Proletariats zu ungleich bedeutungsoller als jene, erleben wir jetzt, und im putschistischen Zwecken ausnuten, Zusammenstöße provozieren, Sinne Paul Singers können wir heute sagen: Wir sind bereit, Die Feigheit vom November 1918 ist wieder da! Die damit Blut fließt und Konflikte geschaffen werden!" Der„ Bor- Schulter an Schulter mit allen zusammenzustehen, denen es um Maulhelden, die Heimfrontfämpfer und Siegfriedenschreier, fie wärts" hat schon am Sonntag vor den Leuten gewarnt, die den Schuh der Republik ehrlich zu tun ist. Darum werden wir Sozialdemokraten, deren Parteifahne haben sich wieder einmal im Mauseloch zusammengefunden. am lodernden Feuer ehrlicher Empörung ihre Suppe fochen die rote bleibt, heute unter schwarz- rot- goldenen Aber feige Gegner find deswegen noch nicht ungefährlich; sie möchten. Und gestern schrieben wir abermals deutlich genug Farben für die Sicherung der Republik demonstrieren. find nur noch schärfer zu beobachten. Als offene ehrliche Feinde über die verdächtigen Einheitsfreunde", deren Disziplinlosig- arben für die Sicherung der Republik demonstrieren. wagen fie feinen offenen Kampf mehr; sie wissen um so feit, Quertreiberei und Eigenbrötelei ein Verbrechen an der Unsere gute alte Fahne, die wir symbolisch- denn sie war ja polizeilich verboten allen unseren Kämpfen im Kaiserreich beffer mit Waffen der politischen Intrige umzugehen. Schon Arbeiterklasse, ein Helfershelferdienst für die reaktionären vorantrugen, werden wir nie verlassen. Aber neben ihr zeigt ihre Tattit die Konzentration auf einen Punkt, auf die Feinde der Republik ist. heben wir die alte schwarz- rot- goldene Fahne hoch aus dem Stelle der republikanischen Front, von der man an= Dennoch wollen die Feinde der Republik die Hoffnung Staube der Jahrhunderte. Ihr, die im Bormärz verfolgt und nimmt, daß sie brüchig ist. Man will zwischen das republika- nicht aufgeben. Auch die Deutsche Tageszeitung" warnt die geächtet war, die im Jahre 1848 auf den Barrikaden flatterte, nische Bürgertum und die republikanisch fühlenden Ar- Demokraten väterlich und freundlich. Sie meint, das soziali gilt auch heute wieder der wildeste Haß der Reaktion. Gerade beiter massen einen Keil treiben! Man will die regierende stische Vorgehen sei denn doch etwas zu stürmisch", um nicht darum sei sie steil über den Kämpfen der Gegenwart aufgeKoalition sprengen, den Reichskanzler isolieren. Bulle meint in demokratischen Kreisen diesmal noch schneller als am 9. No- richtet. In der Arbeiterfaust steht sie sicher und fest. Da holt in der vorläufig letzten Nummer des„ Deutschen Abendblatts" pember einer gewissen Ernüchterung Platz zu machen. ihr sie nie wieder herunter!" ganz treuherzig, daß es bei der derzeitigen Zusammensetzung der Regierung doch ausgeschlossen" sei, daß seine Zeitung verboten werden könne. Er hat sich getäuscht. Die Reichsregierung will und muß mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die Republik schützen, dafür stehen elf Millionen Arbeiter und Angestellte hinter ihr. Hier gilt es Treue um Treue.
Die Opposition soll und wird im neuen Deutschland nicht unterdrückt werden. Auch die neue Verordnung läßt sachlicher Kritif, fie mag so scharf sein, wie sie wolle, den weitesten Spielraum. Aber mit der Butsch freiheit, der Mordfrei heit und ihrer Begünstigung durch eine skrupellose Presse soll aufgeräumt werden.
Sicher soll, wie Diezgen in feiner Religion der Sozialdemokratie" sagte ,,, der Demokrat den Regenten nicht enstarren wie der Bauer den Pfaff, als zweibeinigen Herrgott, als den anserforenen Besten oder Höchsten"- das zitiert das „ Deutsche Abendblatt"! aber es soll und muß verhindert werden, daß jeder Bulle auf die Republik speit.
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Sprechen wir aus, was ist. Die Uebereinstimmung der reaktionären Presse zwingt dazu. Ihre Meinung wäre nicht so Verbot des Uniformtragens. einheitlich, wenn ihr nicht die Demokraten in lezter Zeit verschiedentlich Anlaß gegeben hätten, zu glauben, fie fönn= Durch WTB. wird folgende Berordnung des ten in ihnen im Ernstfall Stüßen ihrer Politik finden. Um jo Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 der erfreulicher ist, daß die Leitung der Deutschen Demokratischen Bartei jenen Hoffnungen dadurch die Spize abbricht, daß fie Reichsverfassung vom 30. August 1921 veröffentlicht: Auf Grund des Artikels 48 der Verfassung des Deutschen Reiches einen Aufruf veröffentlicht, den wir an anderer Stelle unseres Blattes abdrucken, durch den sie in die geschlossene wird zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung Front aller Verfassungsfreunde, zum Schutze von Republit, für das Reichsgebiet folgendes verordnet: Demokratie und Verfassung hörbar deutlich einrückt.
B. M. meint im Berliner Tageblatt" fragend und zufichernd zugleich:
§ 1. Zum unbeschräuffen Tragen der Militäruniform find nur die Angehörigen der Wehrmacht berechtigt. § 2.
Wenn die Demonstrationen, die morgen stattfinden, als ihr Ehemalige Angehörige der bewaffneten Macht, denen die Be Programm die Sicherung der Republik und ihrer Bolts. rechte, die Aufhebung des Belagerungszustandes, ein energisches rechtigung zum Tragen der Militäruniform verliehen worden ist, Vorgehen gegen die Mordhezer, eine Berhinderung der militaristisch- dürfen hiervon bis auf weiteres nur aus besonderen Annationalistischen Kundgebungen und endlich die Demokratisierung lässen Gebrauch machen, die der Reichskanzler bestimmen der Verwaltung hinstellen, so werden auch die weiten Kreise der wird. Demokratie damit sympathisieren.
Die Kreuz- Zeitung " weist darauf hin, daß es den Demofraten in der Einheitsfront mit den Kommunisten nicht ganz wohl sei. Hier haben wir wieder die eben gekennzeichnete Das genügt uns fürs erste. Auch die Demokraten brauchen Politit. Man will dem republikanischen Bürgertum graulich darum teine Angst zu haben, daß Gewalt von links das demomachen. Dabei wird natürlich unterschlagen, daß auch die kratische Recht kränken könnte. Wenn die deutschen Sozialisten „ Freiheit" vor den„ Turkestanern" ausdrücklich warnt, daß sie| Bolschewisten hätten werden wollen, sie hätten es am 9. No
v. Hirschfeld mordverdächtig.
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Mordtat in Kassel bzw. Frankfurt a. M. aufgehalten und fommen daher nicht in Frage. Auch die in den Berliner Wohnungen vorgenommenen Durchsuchungen haben kein auf die Straftat bezügliches Material zutage gefördert. Die bei T. aufgefundenen Schriftftüde, die seine Zugehörigkeit zu einer Selbstschutzorganisation beweisen, werden zum Gegenstand eines besonderen polizeilichen Ermittlungs
Berlin, 30. Auguft.( WTB.) Der ehemalige Fähnrich Dlf-| abend wieder entlassen worden, da ihnen der angetretene Alibiwig v. Hirschfeld hat sich im Laufe des geftrigen Tages auf dem beweis gelungen ist. Nach Auskunft der in Betracht kommenden Polizeipräsidium eingefunden und ist hier sofort zur Mordfache Erz- auswärtigen Polizeibehörden haben sich T. und M. zur Zeit der berger eingehend gehört worden. Nach seiner Beurlaubung aus dem Strafgefängnis am 27. April 1921- hielt fich v. H. zunächst in der Wohnung feiner Elfern zu Berlin- Steglitz auf. Ende Mai fuhr er mittels Fahrrades zu Besuch nach Rheinsberg in der Mart, von dort nach einem Gut in der Nähe von Neuruppin und von da wieder nach Berlin zurüd. Ende Juni begab er sich zu Bekannten nach Calmbach an der Enz, ungefähr 5 Kilometer von Wildbach im verfahrens gemacht werden. Schwarzwald entfernt. Von hier aus hat v. H. in der Folgezeif verschiedentlich Ausflüge, fo nach Pforzheim und nach Wildbad ge- Die Nachricht des„ 8- Uhr- Abendblattes", daß v. Hirschfeld macht. Am Mordiage will fich v. H. ununterbrochen in Calm- wieder entlassen worden sei, erweist sich demnach als falsch. bach aufgehalten haben und von dort am 29. Auguft, also 3 Tage Der Verdacht, daß er einer der beiden Mörder ist, besteht weiter. nach der Mordtat, nach Weimar abgefahren sein. Nach seiner eigenen Ob er sich bestätigen wird, steht dahin. Aber schon der bloße GeAussage hat v. H. während seines Aufenthalts in Calmbach einen danke, daß dieser Mensch Urlaub aus seiner höchst milden Strafhaft Sportanzug von rehbrauner Farbe und gelb gefärbte englische Feldgamaschen gefragen. Er ist ein schlanker, blonder junger Mann und frägt Kneifer oder Brille. Die Beschreibung, die von Augenzeugen über den einen der in Griesbach erkannten Täter gegeben wird, trifft also auf v. H. zu. Unter diesen Umständen ist Olfwig von Hirsch feld vorläufig in Haft behalten worden, um so mehr, als auch eine auswärtige Polizeibehörde den Verdacht einer Täterschaft des Genannten geäußert hat.
Die am 29. Auguft festgenommenen 2. und 23. find gestern
bekommen haben könnte, um den Mord, den er schon einmal versucht hatte, zu vollenden, ist geeignet, einem ob der Zustände in unserer Justiz sämtliche Haare zu Berge stehen zu laffen. Auf alle Fälle war dieser wegen Krankheit entlassene Häftling gesund genug, seinen Krankheitsurlaub zu großen Radtouren benußen zu fönnen. Ob er ihn auch dazu benußt hat, einen von ihm schon einmal angeschoffenen Mann nun auch wirklich zu erschießen, ob dieses fast Unfaßbare Wirklichkeit ist, muß die Untersuchung ergeben.
§ 3.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe von 500 bis 10 000 Mart bestraft und haben den Verlust der Berechti gung zum Tragen der Uniform zur Folge. für verliehen worden ist oder nachdem er dieser Berechtigung gemäß
Wer Militäruniform trägt, ohne daß ihm die Berechtigung hier
2lbs. 1 verlustig gegangen ist, wird an Stelle der im§ 360 3iffer 8 StrGB. vorgesehenen Strafe mit Gefängnis nicht unter einem Monat bestraft.
Der Reichspräsident. gez. Ebert. Der Reichskanzler. gez. Dr. Wirth. Dieses Berbot stellt eine unbedingte Notwendig feit dar. In einem Uniformträger erblickt die Deffentlichkeit einen Vertreter der Staatsgemalt. Wenn auf„ Frontfämpfertagen" und dergl. immer wieder Massen von uniformierten Offizieren, Soldaten usw., oft gar noch mit umgeschnalltem Säbel, Seitengewehr und Revolver zusammenftrömen und dann unter schwarz- weiß- rotem Banner und den Klängen des„ Heil Dir im Siegerfranz" Paraden abhalten, so entsteht in der Deffentlichkeit der erklärliche Eindruck, als ob derartige Verhöhnungen der Republik von der staatlichen Wehrmacht ausgehen oder aber, als ob eine illegitime Truppenmacht hier gebildet wird.
Deshalb follie der Erlaß namentlich von den Angehörigen der Reichswehr begrüßt werden, die ehrlich der Republik zu dienen gesonnen find. Denn natürlich werden die Erzesse nationalistischer Uniformträger regelmäßig der Reichswehr zur Last gelegt. Das Publikum glaubt eben, wenn es uniformierte Gestalten mit schwarz- weiß- roten Bändern sieht, daß das Reichswehrangehörige sein müßten. Das Ansehen der Reichswehr und das Vertrauen zu ihr wird dadurch sicher nicht gehoben. Die Reichswehr erhält jetzt ein Monopol auf die Uniform. Damit wird dann die Reichsmehr volle Gelgenheit haben, zu beweisen, ob die bisherigen Provokationen wirklich nur von uniformierten Nicht.
Box 201