Nr.411 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 208
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Donnerstag, den 1. September 1921
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Es lebe die Republik!
Berlin hat feinen Plaz, der ausreicht, um die Massen zu faffen, die fommen, wenn zum Schuß der Republit aufgerufen wird! Die Hunderttausende und aber Hunderttausende, die gestern zum Lustgarten und zum Schloßplaz wollten, famen nur zum Teil dorthin. Kopf an Kopf standen von der Staatsbibliothek bis meit über die Spandauer Straße und von der Gertraudtenstraße bis zur Nationalgalerie die Schüßer der Republik , die Kämpfer gegen die Reaktion.
wir weitere sehen! Wir stehen am Anfang. Jetzt heißt] es zupacken und ausräuchern, was Deutschland schaden will. Wir sind gestern nicht umsonst zur Demonstration gegangen!
Der Anmarsch.
Unter den Blafaten fiel eins auf, das folgenden Wortlaut hatte: Reichsschahministerium
Abt. III. Arbeiter Angestellte
1 Beamter
für Berfaffung und Republik.
Schier unübersehbare Arbeitermassen füllten die Straßen, die zum Lustgarten führten, und immer neue Züge rückten heran, rote und schwarzrotgoldene Banner mehten, Musikkapellen spielten revound da die„ Internationale" gesungen. Brausende Hochrufe er- Bauer, gemeint ist oder ob vielleicht noch ein weiterer Beamter in lutionäre Lieder, und mit Begeisterung wurde von den Massen hie Man muß fragen, ob mit dem Beamten der Minister ,. Genosse füllten die Luft, und das Erhebendste war, daß in all diefen langen dieser Abteilung des Minifteriums beschäftigt ist, der für die VerZügen, in denen sich das Proletariat aus Werkstatt und Bureau ver- fassung der Republit eintritt, wenn er seine Gehaltsquittung unter einigte, eine feste, durch nichts zu erschütternde Entschloffenheit be- schreibt. merkbar machte: die Massen wußten, was sie wollten, und feinem Achtgroschenjungen wäre hier eine Provokation geglückt. Immer
Unsere Redner.
Um 4½ Uhr verfündeten Fanfarentlänge den Beginn der Kund
Mord auf Mord.
Am Anfang war das Wort! Es wurde gestern aus gesprochen. Hinter dem Wort soll aber der Wille zur Iat stehen. Er muß sich darin ausdrücken, daß jeder, der gestern dabei war, von heute an diesen Willen zur Tat zeigt. Schweigt nicht, wenn die Republik gelästert wird, duldet nicht, daß die Verderber Deutschlands Lügen ver breiten. Laßt Euch feine schwarz- weiß- roten Reattionsfeiern mehr gefallen. Beobachtet jede Regung der Monarchier vermag die Betriebe zu nennen, die auf den mitgeführten plaz wurde gleichzeitig gesprochen. Genoffe Otto Wels ( Parteivora feiern mehr gefallen. Beobachtet jede Regung der Monarchi- mehr Bolt" wallt über die Brücken, die zur Schloßinsel führen. gebung. Bon etwa 40 Stellen im Lustgarien und auf dem Schloßften und Rückschrittler, laßt Euch kein Wort aus dem Tafeln verzeichnet waren. Eisenbahner waren ebenso vertreten stand) sprach vom Denkmal Friedrich Wilhelms III. aus, auf dessen Munde irgendeines Beamten gefallen, der zwar von der Re- wie die Postbeamten, um mit den Arbeitern der Privatbetriebe gegen höchster Spize ein jugendlicher Arbeiter eine rote Fahne schwenkte. publik das Gehalt einstedt, im übrigen aber fie offen und Meuchelmord und Reaktion für die Sicherung der Republik zu de-„ Ein Schrei des Zornes," so führte er aus,„ geht durch das Land. Die heimlich beschmutzt. Macht auf jeden reaktionären Richter monstrieren. Einzelne Züge erreichten eine Länge von 3 bis 4 Kilo- Arbeiterschaft ist fest entschloffen, die Reaktion in die Schranken aufmerksam. metern, und ihr Vorbeimarsch währte Stunden. Bielfach wurde es ihrer Anhänger, sondern auch durch die Verbrechen unerhörter Art, zurückzuweisen, in die sie nicht nur gehört durch die geringe Zahl Gestern versuchte die Rechtspreffe sich bei den Demo nötig, den Straßenbahn- und Wagenverkehr umzuleiten. Selbst als die sie auf dem Gewissen hat. Die Reaktion, die Erzberger dem Tod traten ein Einfallstor in die republikanische Front zu die Demonstration ihr Ende erreicht hatte und die Maffen mit ruhiger überliefert hat, zielte nicht auf den Mann allein, sondern die Tat schaffen, heute versucht sie zwei neue Wege. Sie bemüht sich. Selbstverständlichkeit abrüdten, tamen noch lange Züge aus den war nur ein Glied in der Kette der Freveltaten, die dem Volk feine das Zentrum zu verheben, es mit roter Schulpolitik grau- Außenbezirken heran. Die roten Ordner waren ihrer Aufgabe voll- Freiheiten wieder nehmen soll. Die sozialistische Arbeiterbewegung lich zu machen, ihm Schreck einzujagen. Wenn das so einfach ständig gewachsen, und die Selbstdisziplin der Massen erschien be- hat die Arbeiter für die Freiheit innerlich reif gemacht. Jahrzehnte wäre! Dazu zielten die Kugeln, die Erzberger trafen, zu gut. wundernswürdig. Das Massenaufgebot der Schupo, das die Bann- lang verhöhnt und unterdrückt, von Wilhelm als vaterlandslose GeArtikelüberschriften wie Wirth und Lump" vergessen sich meile sicherte, fand feinerlei Anlaß zum Einschreiten. Ueberall wur- fellen, vom Kronprinzen als Elende beschimpft, haben die sozialisti nicht so leicht. Sie sind ein Programm. Die Presse der Rech den auf den Straßen die Nachmittagsausgaben der sozialistischen schen Arbeiter alles ertragen, ohne jemals an andere Mittel als die ten weiß das zu gut. Deswegen versucht man es überein Beitungen ausgepriesen, und es verdient registriert zu werden, daß geistigen zu appellieren. Die Reaktionäre aber verüben, seitdem ihr erster Schrecken entwichen ist, stimmend in allen schwarz- weiß- roten Zeitungen noch mit es Unter den Linden feine schwarzweißroten Abzeichen, wohl aber einem anderen Mittel. Vorsichtig und fragend, mit schleichen- schwarzrotgoldene Fähnchen der Republik zu kaufen gab. Lange Die Volksmeinung wird über sie Gericht halten. Wir halten heute der Höflichkeit und heimtüdischer Güte wird darauf hinge vor Beginn der Demonstration hatten sich bereits die Kommunisten Heerschau über alle, die die Republit schützen wollen. Schon einmal, wiesen, daß das republikanische Bürgertum in Gefahr stehe, an der Schloßrampe festgefeßt. Dort wehten die Banner mit dem als Rapp und Lüttwih durch das Brandenburger Tor einzogen, von den kommunisten überrannt zu werden. Sowjetftern. Als aber die Massen den Platz füllten, wurden sie bäumte sich das Volk geschlossen auf. Leider ist das deutsche Voll Nun weiß jetzt jedes politische Wickelfind, daß es feine fom- taum noch bemerkt. ftets zu gutmütig gegen reaktionäre Frevler gewesen.( Stürmisches munistische Gefahr mehr gibt. Die SPD. fowohl wie die Sehr richtig!) Bei jenen genießt das, was uns das heiligste ist, USP. haben ihre Stellung gegenüber den Kommunisten so feine Achtung: das Menschenleben. Aber die Stunde ist gekommen, deutlich gekennzeichnet, daß jeder blaffe Schimmer des Bolin der das Bolt Rache und Bergeltung üben wird und alle zur Nie sah der Luftgarten eine solche Boltsmenge, nie hat Wilhelms Rechenschaft ziehen wird, die seine Freiheit antasten. Die Hafenschewistenschrecks verschwindet wie Nebel in frischer Morgen schimmernde Wehr", die Helmspigen über den Klischees der ge- freuzler, die Arrangeure von Kontrollversammlungen find gewarnt. luft. Ebenso genau weiß man, und hat es auch ausgesprochen, marterten Paradegesichter, das Flittergold dieses theatralischen Mi- Ludendorff, helfferich ufw. wagen es heute, im Namen daß die kommunistische Organisation, wie sie fich jüngst auf litarismus, so eindringlich und gewaltig gewirkt wie das Meer von des deutschen Volkes zu sprechen. Das schwindende Mißtrauen gegen ihrem Parteitag zeigte, nur noch ein Bürgerschred Köpfen, das unablässig und raftlos sich auf diesen Platz ergoß. Es das deutsche Volk im Auslande wird durch ihre Agitation neu belebt... ist. Außerdem hat man gesehen, wie bei der gestrigen De - wogte und wallte von der Kaiser- Wilhelm- Straße her, von der Neuen Denn das Ausland bewertet ihre Hehe richtig als das, was sie ist: monstration die wenigen Kommunisten von den breiten Friedrich und Spandauer Straße. Die Breite Straße landete als Borbereitung des Revanchekrieges, der uns in ein neues Meer Massen der Arbeiter erdrückt wurden, und wie fie Diszi- Ströme auf dem Schloßplatz und die Linden ergossen unabläffig von Unglüd stürzen würde. Jener Mann, der einst vom Balkon des Schlosses herab plin gehalten haben. Dennoch, man muß jedes Mittel be- neue Mengen. Es schien fein Ende zu finden und es fand während nutzen, wenn es um Kopf und Kragen geht. Deswegen wird der ganzen Dauer der Demonstration fein Ende. Ueber den Häuptern triumphierte: Jekt find sie niedergeritten", ist nach Holland entflohen. Ludendorff war es, der stürmisch den Waffenstillstand binnen mit den Kommunisten bange gemacht. wallten die Fahnen, das rote Banner und das Schwarz- rot- goldene 24 Stunden forderte. Und als dann der Waffenstillstand beschlossen Stellen wir fest: Unsere Kommunisten sind zahm ge- vermählten sich zu einem einheitlichen Bilde. Es blinkten die Schilde, war, beschuldigte er die, die gemäß seinem und Hindenburgs Drängen worden. Mag auch noch manche Maultrommel schrecklich laut die der Reaktion den Kampf fündeten, und über das Ganze ergoß gehandelt hatten, der Fronterdolchung. Erzberger wurde der Sünden lärmen. Was steckt denn dahinter? Gar nichts weiter als ein eine warme Spätsommersonne ihre Strahlen. Sie meinte es gut, bock des Waffenstillstandes, während etwas undisziplinierter und ungeklärter Wille, den Republi- diese Sonne, nahm es genau mit der Zeit und verhüllte sich wieder, fanern mitzuhelfen im Kampfe gegen die Reaktion. Dieser als das abschließende Trompetensignal erflang. Zwischen Marstall Hindenburg und Ludendorff heißen. Ludendorff ist sich in jener Wille ist bei den kommunistischen Arbeitern instinktiv durch- und Altem Museum gab es tein winziges Fleckchen, das nicht seinen Tagen seiner Schuld wohl bewußt gewesen. Denn er floh nach gebrochen; die Führer müssen ihm Rechnung tragen, indem Mann trug. Was waren die erzenen Denkmäler nicht für prächtige Schweden . Ebenso schuldig wie er ist Herr Helfferich, der im Krieg fie mit Befliffenheit die Einheitsfront mit ienen suchen, die Aussichtspunkte. Der dritte und erste Wilhelm trugen lebendige die Besteuerung der Kriegsgewinne verhinderte unter Berufung auf sie gestern noch aufs wildeste beschimpften. So hat die Masse ein felten großes Beispiel hingebungsvoller Einstellung für die große Idee des Kampfes gegen alle Rückschrittler gegeben. Niemand fann angesichts des Verlaufes dieser ungeheuren Demonstration daran zweifeln.
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Jm Lustgarten.
Helmbüsche mit flatterndem Rot und auf ihren Pferden und den teutonischen Genien im Gehege hielten die Verfechter der Republik Wache. Musterhafte Ruhe lag über der Menge, die vorsichtige Schäger auf eine halbe Million
bezifferten und die mit feiner Geste Anlaß zu irgendeinem Ein schreiten bot, die sich selbst mustergültigste Polizei war.
die wirklich Verantwortlichen
die zu erwartende Kriegsentschädigung. Er ist sich fonsequent geblieben. Er wurde nach dem Kriege der Vorkämpfer des Großfapitals gegen Erzberger , der den Besik besteuern wollte. Bon seiner
moralischen Mitschuld an der Mordtat wäscht ihn nichts rein. Ein dritter Mann, der heute die Deutschnationalen anführt, ist jener Staatsminister a. D. Hergt, der noch im Jahre 1918 verfündet hatte, die amerikanische Armee fönne niemals nach Europa herüberfommen, denn sie tönne nicht schwimmen und nicht fliegen.
Das fchlimme Uebel
Das Elend war bisher, daß die Arbeiterschaft ihren Feinden
Der Schloßplatz, der Wilhelm des Letzten Jubelrede fürs Niederreiten mit anhörte, das Schloß, dem am 9. NoDember 1918 die rote Fahne aufs Dach gepflanzt wurde, jene In den entfernteren Bororten hatten die meisten Betriebe schon historischen Stätten, die die blutigen Kämpfe mit erlebt um 12 Uhr mittags geschlossen und gegen 1 Uhr setzten sich z. B. in aber ist eine vom Großfapital ausgehaltene Presse, die systematisch haben, die aus der Uneinigkeit der Arbeiter herauswuchfen, Spandau , Röpenid, Grünau usw. Riesenzüge in Bewegung. In die Republik verhöhnt und zum Mord anreizt. Der Arbeiter, der fie fonnten gestern die gemeinsame Front aller Ar- Berlin schloffen die Fabriten, die großen Geschäfte und Kaufhäuser diese Breffe noch in seinem Haus duldet, macht sich mitschuldig an beitenden gegen die Reaktion genießen. Wir wissen, daß auf zwischen 2 und 3 Uhr, um den Arbeitern und Angestellten Gelegen der Hezze.( Lebhaftes Bravo!) heit zu geben, rechtzeitig den Lustgarten zu erreichen. SPD., dem Wege zur gemeinsamen Arbeit noch viele Steine liegen, GPD. und KPD. sammelten ihre Mitglieder in den einzelnen Be- nicht geschloffen gegenüberstand. Zeigt durch die heutige Demondie weggeräumt werden müssen. Wir wissen aber auch, daß airfen. Auf größeren Plägen vereinigten sich dann die Abteilungen ftration, daß Ihr die Einigkeit über alles schäkt. Zeigt auch, daß Ihr die Stunde der Gefahr Kräfte gebiert, die die stärksten Hinder zu Zügen, die in einigen Fällen drei bis vier Kilometer die schwarz- rot- goldene Fahne der Republik schüßen wollt, die Fahne, niffe beseitigen kann. Der gesunde Sinn der deutschen Sozial- lang waren und deren Borbeizug 3. B. am Halleschen Tor und an die einft über den Märzgefallenen geweht hat, die das Bürgertum hat demokraten ist uns dafür die beste Gewähr, die Haltung der Invalidenstraße über eine Stunde dauerte. Der Straßenbahn- finten lassen, die Arbeiterschaft wie das ganze Vermächtnis jener Toten wieder aufgenommen hat. der Gewertschaffen und Angestelltenver- und Wagenverkehr mußte in allen diesen Fällen umgeleitet werden bände hat das bewiesen, als es galt, die schärffte Waffe und die Schutzpolizei erbat vielfach Berstärkungen, um den sich des Broletariats nicht zerbrechen zu lassen. stauenden Verkehr abzuwickeln. Die Züge, die 3. T. Musikkapellen mitführten, zeigten Schilder, auf denen man las:„ Nieder mit der Reaktion", Für Durchführung des Achtstundentages", Fort mit dem Ausnahmezustand, her mit der Produktionskontrolle"," Nieder mit den Mörderzentralen", o bleibt die Durchführung der acht Buntte?" ufw.
Am Anfang war die Tat! Die Haltung der Gewerkschaften war eine Tat, die gestrige Demonstration mit ihrem einhelligen Bekenntnis war eine Tat, die jüngsten Schritte der Reichsregierung waren eine Tat. Jest wollen
"
Der Kampf beginnt erst.
Enden wird und darf er nur mit der völligen Niederringung des Reaktion."( Stürmischer Beifall.)
Nach Genossen Wets sprach Genofie Heilmann einige Worte. Von der Freitreppe des Alten Museums sprach der frühere preußische Landwirtschaftsminister und Ministerpräsident, Genosse Otto Braun : Ms am 8. November 1918 auf dem Schlosse der