Nr.418 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 207
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Montag, den 5. September 1921
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Ein Gesetz gegen Berleumdungen.
Die Regierung für die Reichswehr . Staatszeitung" in solcher Weise gegen die Regierung heßt, wie dieses Blatt es fürzlich getan hat. Der Reichskanzler ging dann Nürnberg , 5. September. ( Eigener Drahtbericht des„ Bor- Berlin, 5. September. Der Reichspräsident hat nachstehende auf die Zustände in Bayern ein. Er wies auf das bekannte wärts".) Am Sonntag fand hier eine konferenz statt, an der Rundgebung für die Wehrmacht des Reiches erlassen: Schmähplatat, welches in München unter Duldung der Beführende Genossen aus allen Teilen Bayerns und Die politische Erregung der letzten Zeit hat bedauerlicherweise hörden angeschlagen werden tonnie, hin. Die 22' Anklagepunkte, so vom parteivorstand die Genossen Hermann Müller und Offo dazu geführt, daß in verschiedenen Fällen Angehörige der Behr erklärte der Reichskanzler, die dort gegen Erzberger erhoben wor ben sind, sind so dumm, daß sie selbst der dümmste Seherlehrling Wels teilnahmen. Gegenstand eingehender Beratung war der& on- macht in den Straßen ohne jeden Grund angegriffen, beleidigt und den sind, sind so dumm, daß sie selbst der dümmste Segerlehrling flikt zwischen der bayerischen und der Reichsregierung, der in den sogar mißhandelt worden sind. Derartige bedauerliche Ausdann den Gang der bereits bekannten Verhandlungen im Reichsin Berlin als erlogen erkennen muß. Der Reichskanzler schilderte nächsten Tagen gebieterisch eine Lösung verlangt. Es besteht kein schreitungen finden nur dadurch ihre Erklärung, daß die Uni- tagsausschuß. Die größten Hetzer in Bayern , so führte Dr. Wirth Zweifel, daß die bayerische Arbeiterschaft gefchloffen form in den politischen Streit der Parteien hineingezogen weiter aus, stammen gar nicht aus Bayern , sondern sind Flücht. hinter der Reichsregierung steht und bereit fei, die Regierung Wirth wurde, es wurde nicht mehr unterschieden zwischen dem Bertreter linge der Reaktion, die da glauben, die Reaktion nach Südmit allen mitteln zu unterstützen. Die sozialistischen Par- der verfassungsmäßigen Wehrmacht, dessen Berufstleid der deutschland verpflanzen zu können. Ich glaube, daß wir im Laufe teien Bayerns fordern, daß dem reichsfeindlichen Treiben der Waffenrod ist, und dem politischen Gegner, durch den man sich dieser Woche zu einer freundschaftlichen Einigung mit preußischen Offizierscliquen in München fofort ein provoziert glaubte. Die Reichsregierung ist entschlossen, diesem Zu- der bayerischen Regierung kommen werden. Das ist ja das Wesen Ende bereitet wird. Die bayerische Arbeiterschaft ist insbesondere ftand ein Ende zu machen. Durch Verordnung des Reichspräsidenten des Volksstaates, daß er den Konflikt nicht auf die Spize treibt. enffchloffen, die 2 ufhebung des Belagerungszustandes auf Grund des Art. 48 der Verfassung und auf besondere Befehle durchzusehen, der in Bayern nur ganz einseifig gegen links des Reichswehrministers ist für die Zukunft jeder Mißbrauch der Wir haben den Gedanken des Rechts der Selbstbestimmung der angewendet wird und unter dessen Schuh in Bayern der polifische Uniform verhindert. Die Regierung muß daher von allen Krei Völker in der Welt populär gemacht. Der Kanzler erinnerte dann Mord heimisch wurde. Die SPD . ist gewillt, hierbei gemeinfam fen des Boltes und allen Parteien verlangen, sie in ihrem an die politischen Vorgänge am 10. Mai, dem Tage der Annahme mit der USP. vorzugehen. Sie wird dafür Sorge tragen, daß Bestreben, der Wehrmacht des Reiches die gebotene Achtung und des Ultimatums. Wer will, daß das demokratische Selbstdie Leitung der Bewegung in den Händen der soziali fti- Geltung zu sichern, zu unterstützen. bestimmungsrecht Einfluß auf die Welt gewinne, der erichen Parteien bleibt und dadurch alle Verwirrungsver- Der Soldat ift der Bürger im Waffenrod , der Vertreter der hebe sich in Deutschland gegen die Reaktion und bekenne sich zur Fahne der deutschen demokratischen Republik . Wir brauchen ein verfaffungsmäßigen Wehrmacht des Reiches, ihn als solchen zu Geseh- und ich will mich dafür einsehen, daß es schnell kommtEbenfalls am Sonntag haben hier Besprechungen von bane- achten, ist ein Gebot der Selbftachtung des Volkes. Die Autorität welches die Ehre unserer Mitbürger, die im politischen Kampf stehen, rischen Gewertschaftsvertretern stattgefunden, an denen des Staates macht es der Reichsregierung zur Pflicht, Ausschrei- fchüßt. Genau fo wie das in England und anderen parlamentari auch der Bundesvorstand des ADGB. durch Ceipart und Graß- tungen gegen die Wehrmacht des Reiches und Angriffe gegen ihre schen Ländern bereits der Fall ist. Kommt ein derartiges Gesetz mann aus Berlin beteiligt war. Gegenstand der Aussprache war Angehörigen mit den ihr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln zu nicht, so wird sich kein Mensch mehr in Deutschland finden, der bei ebenfalls der gegenwärtige Konflikt zwischen Bayern und dem begegnen. den jezigen Berhältnissen in die politische Arena steigt. Ich habe Reiche, der auch die Interessen der Gewerkschaften in hohem Maße bei der Zusammensetzung meines Kabinetts berührt. Heute oder morgen wird der Landesausschuß der Gewertnicht nach der Parteistellung gefragt. fchaften Bayerns zufammentreten, um eventuell entscheidende Beschlüsse zu faffen, die sich auch gegen jede Sonderaktion der Kommunisten richten werden.
suche der kommunisten hintangehalten werden.
Neue Widerstände.
Wirth gegen die Reichsverderber. Der Wahlkreisverband der Groß- Berliner Zentrumsorganisation Ich habe mir die tüchtigsten Leute geholt, wo ich sie nur finden veranstaltete am geftrigen Sonntag vormittag in der Stadthalle eine fonnte. So habe ich mir einen Mann herangeholt, der mit seinen große Rundgebung, in der der Reichskanzler Dr. Wirth und der Ideen und Anschauungen seiner Zeit weit voraus geeilt ist. Er Reichstagsabgeordnete Dr. Pfeiffer sprachen. Schon lange vor hat ein ungeheures Einkommen im Stich gelaffen, er hat am Tage Beginn der Bersammlung war der riefige Raum mit seinen Galerien des Eintritts in die Regierung seine vielen gut bezahlten Aufsichtsüberfüllt, so daß viele tausend Personen teinen Einlaß mehr fanden, ratsstellen niedergelegt, um dem deutschen Volk und der deutschen München , 5. September. ( Eigener Drahtbericht des Bor- obgleich auf dem Hofe des Stadthauses noch eine Barallelverfamm. Republik zu dienen. Gegen diesen Mann ist jetzt eine elende Hezze wärts".) Die einzige heute mittag erscheinende bürgerliche Zei- lung abgehalten wurde. Der Reichstanzler wurde von der Menge im Gange. Mein Kollege Walter Rathenau hat dem deutschen fung Münchens , die Münchener Zeitung", unterstüßt offensichtlich stürmisch und andauernd begrüßt. Nach einleitenden Worten des Vaterlande und dem deutschen Bolt bisher schon mehr genügt, als nach Anweisung der durch die Rückkehr des Ministerpräsidenten zum Bersammlungsleiters nahm die ganze Stadion- Gesellschaft zusammen.( Stürmischer, anhaltenwiderstand gegen die Reichsregierung neu gestärkten Reichskanzler Dr. Wirth der Beifall.) Und einen solchen Mann bezeichnet man als ,, ver Regierungsorgane die neu eingeleitete Abwehrattion gegen zu einer einstündigen Rede das Wort. fluchte Judenfau".( Buruf: Rathenau ist gar fein Jude!") Ja wohl, Rathenau ist ein Jude. Er ist seinem Glauben und Berlin . In Leitartikeln„ Auf dem Wege zur Berliner Diktatur" 34 einer einstündigen Rede das Wort. Der Reichstanzler begann: Werte Freunde in Berlin ! Die hie- feinem Gott treu geblieben. Und wir als Katholiken müssen vor und„ Mehr Würde" wird eine derartige strupellose Hehe figen Parteifreunde find an mich herangetreten mit der Bitte, bei einem solchen Mann erst recht den Hut ziehen. Dr. Wirth kam gegen die Reichsregierung neuerdings entfacht, daß man der heutigen Rundgebung einige Worte an Sie zu richten. Ich bin dann auf die giftigen Artikel in dem erbärmlichen Wisch" zu meint, es würde der Boden für eine Abtrennung vom Reich und dieser Aufforderung gern nachgekommen, allerdings unter der Besprechen, der sich„ Miesbacher Anzeiger" nennt, und schil zum mindeffen für eine offene Obftruffion fyftematisch vorbereitet. dingung, daß ich frei von der Leber weg sprechen kann, wie berte dann die ungeheure Erregung, die sich der Maffen bemäch Dem Reichskanzler , der sich schon heute nicht mehr als Reichs- ich es gewohnt bin.( Beifall.) Ich denke zurück an die Zeit vor tigte, als er, der Reichskanzler am offenen Grabe Erzbergers sprach. tanzler des deutschen Bolles benehme, fondern als Führer deffen, männer des Krieges fagten: Es muß losgehen!, als in Serajewo die sich aus dem Staube gemacht haben, als die ersten Angriffe fieben Jahren, als die Atmosphäre in Europa vergiftet war. Die Gewiß hatte Erzberger auch Feinde, aber daneben auch Freunde, was man als Proletariat zu bezeichnen pflege, wird vorge- der Fürftenmord geschah. Als sich das Gewitter über Europa zugegen Erzberger laut wurden. Der Reichskanzler sprach dann über worfen, er spiele mit dem Gedanken eines Bürgerkrieges fammenzog, war fein Blizableiter vorhanden. Trotzdem nach der gegen Erzberger laut wurden. Der Reichskanzler sprach dann über und gefalle fich in der Rolle des Führers der einen Partel. Die Mordtat von Serajewo unzweifelhaft während der politischen Ver- Die gegen Erzberger schwebenden Verfahren und betonte, daß der Absplitterungsbewegung in Nordbayern fel ein handlungen eine Annäherung der Bölker stattgefunden hatte, hat Untersuchungsrichter, der die Steuerprozesse vorzubereiten hatte, Wert der Reichsregierung. Die Reichsverordnung wird Nationa- man das Ultimatum in die Welt geschickt. Dadurch entstanden unaufgefordert zu dem Redakteur einer süddeutschen Zentrums liftengefeh und ein Gegenstüd des Sozialistengesetzes genannt. Im Trümmer und Millionen find um ihre Kinderjahre gekommen. Das beitung gekommen sei, und diesem erklärt habe, daß es der Unterübrigen wird die Aeußerung eines Dortmunder Blaffes, daß es viel- große Elend, das damals über die Welt gekommen ist, ist noch nicht fuchungsbehörde trotz heißen Bemühens nicht gelungen sei, Erzberger etwas Strafbares nachzuweisen. Der zu Ende. leicht nötig sein werde, die republikanischen Bataillone marschieren zu laffen, zur Aufpeitschung einer fünftlichen triegerischen Stimmung Grab eines meuchlings ermordeten Führers. Nach fieben Jahren stehen wir nun wieder vor dem frischen Reichskanzler erklärte, daß er sich in die Verfahren gegen Erzberger nicht eingemischt habe, soweit es sich um rein preußische Angelegenbenutzt. Dem heute nachmittag angesetzten Ministerrat ruft das bin ich DON befreundeter Seite heiten handelte. Der Vorwurf der Kapitalsverschiebung hat mich Blatt zu: Kein Kompromiß! Es gibt nur ein Entweder Oder, wahr fei, daß Erzberger auf den Knien rutschend die zum Eingreifen veranlaßt, denn hier handelte es sich um eine fonft fallen wir in die Zeit vor dem Mai 1919 der Klaffendiktatur Mörder um fein Leben angefleht habe. Das ist wieder Reichsfache und da habe ich meinem Freunde Erzberger einen so eine von Berlin ausgehende Berleumdung, durch die das politische großen Dienst erwiesen, indem ich die Untersuchung auf alle ErzWie weit die Begriffsverwirrung durch eine derartige Hehe ge- Leben vergiftet wird. Der Abg. Dieß erzählte mir auf seinem bergerschen Steuererklärungen ausgedehnt habe. Mit der Unterdiehen ist, zeigt der Schluß des Artikels, der die Landesregierung Krantenbett den Vorgang, soweit er dazu bei seinem leidenden Zu- fuchung beauftragte ich einen Beamten, der nicht Katholik war. Das zwischen den Zeilen auffordert, unter Umständen gegen das Kugel in der Lunge steden. Dieß fagte, daß er mit Erzberger in ftände gut im deutschen Vaterland, wenn alle ihre Steuererklärunstand imftande war. Diez ist schwer verwundet. Er hat noch eine Ergebnis der Untersuchung war so, daß ich nur sagen kann, es Parlament zu handeln und festzubleiben. ein politisches Gespräch verwickelt war:" Erzberger entwickelte Jbeen gen so gewissenhaft abgeben würden wie Erzberger . Der ReichsDie Lage zwischen München und Berlin hat eine wesentliche über die Behebung der Wohnungsnot, als zwei Herren( Buruf: fangler kam dann nochmals auf die monarchistischen Bestrebungen 3uspihung dadurch erfahren, daß der Reichsminister des Jnnern Lumpen waren es, nicht Herren!") elastischen Schrittes an uns vor- 3u sprechen und erklärte; vergangenen Dingen nachzutrauern ist die bayerische Regierung aufforderte, die München- Augsburger übergingen. Die beiden fehrten gleich wieder um, famen hinter nicht Politit. Der Reichskanzler richtete dann Abendzeitung" zu verbieten und hierüber nach Berlin Mitteilung zu uns her und feuerten in einer Entfernung von höchstens 30 Zentischarfe Angriffe gegen das Großkapital. machen, ferner, daß er die Regierung aufforderte, eine republi- meter auf mich und Erzberger. Erzberger hatte überhaupt keine Dieses habe die Zahlungen der Goldmilliarde sehr erschwert. Es tanische Kundgebung in Roburg nicht stören zu 3eit mehr, auf die Knie zu fallen."( Große Bewegung.) laffen durch bayerische Sicherheitspolizei. Angeblich besteht in baye- Jeßt wagt man, fo rief der Kanzler weiter aus, Erzberger den rischen Regierungsfreifen keine Neigung, dem Berliner Begehren ber ist nicht feig, or stirbt für ſein Vaterland! Erzberger hat sich Stempel der Feigheit aufzudrücken. Wer so stirbt wie Erzberger, auf Unterbindung der„ München- Augsburger Abendzeifung zu ent- nicht banach gebrängt, die Berhandlungen im Walde von Compiègne fprechen. Ob wegen der Koburger Sache etwas unternommen wer- zu führen. Nachdem jetzt die Schüsse gegen Erzberger gefallen find, den soll, war bisher nicht zu erfahren. Die Entscheidung dürfte darf das deutsche Bolt heute nachmittag fallen.
zurüd!"
"
Heute
morgen
ob gefragt worden,
nicht wieder ohne Blihableiter
es
sucht gehandelt, weil es die Ablieferung der Devisen immer wieder habe nicht patriotisch, sondern aus Egoismus und Gewinns verzögerte, in der Hoffnung, daß der Dollar weiter steigen werde. ( Bewegung.)
In den weiteren Ausführungen verteidigte dann der Reichskanzler
fein Programm gegenüber den Angriffen von rechts und betonte, daß nur auf dieser demokratischen Grundlage Deutschland und die Welt Wie wir erfahren, hat die Kundgebung in Koburg zu bleiben. Nein, wir wollen auf dem Platz sein. Wo auch die Real- der Reichskanzler befonders hart über gewiffe militärische wieder zu gefunden Zuständen kommen fönnen. Dabei sprach sich Blutvergießen geführt. Es wurde die Versammlung der tion ihr Haupt erhebt, wird das werftätige Bolf zur Stelle fein. Führer während des Weltkrieges aus, die, solange SPD. und der Usp. unter freiem Himmel durch Hand- Wir stehen auf dem Boden des Rechts. Die Aufgabe der heutigen fie die Macht dazu hatten, die politischen Führer immer wieder an granatenwürfe der Sicherheitspolizei geftört wobei Regierung muß sein, die Quellen der Reaktion zu verstopfen. Die die Wand drängten. Schließlich erklärte Dr. Wirth, daß er keinen mehrere Personen, darunter zwei Kinder, verletzt wurden. Die Ver- Leute, die am 9. November in den Mauselöchern faßen, mißbrauchen Augenblick von seiner Politi abgehen werde und bereit sei, gegen fammlung war froß des Ausnahmezustandes polizeilich genehmigt jetzt die Freiheit zu politischen Berunglimpfungen des Boltes. Mit die Reaktion alle staatlichen Machtmittel einzusetzen. Endlich wies worden, doch war der Demonstrationszug von dem Stadttomman- dieser Affenfreiheit muß aufgeräumt werden. Wer hätte es für der Kanzler noch darauf hin, daß das Zentrum fich noch niemals danten verboten worden. möglich gehalten, daß ein Regierungsorgan wie die Bayerische gescheut habe, schwierige Bosten zu besetzen und daß es jogar
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