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Nr.420 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 208

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Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Beit", der Unter haltungsbellage Heimwelt" and der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal

Telegramm Adresse: Sozialbemotrat Beefin

Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands

Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Wortsplan 15195-97 Expedition Moritzplatz 11753-54

Dienstag, den 6. September 1921

Bayern sabotiert das Reich.

Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., GW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Abteilung Morinplay 11753-54 Berlag, Expedition und Inferaten.

Zwangswirtschaft der Kartelle.

Bon Hermann Kräßig.

Fürchterlich haben die Nuznießer einer ungezügelten Im übrigen bringt die Münchener Poft" neues Material in Profitwirtschaft gezetert gegen die gebundene Wirtschaft, die Die empfindliche Kahr - Regierung. Sachen des ahrschen Einwohnerwehr- Geheim tele- aus Anlaß des Krieges bestand. Diese sogenannte Zwangs­Die Münchener bürgerliche Presse bemüht sich, durch Töne gramms, das sich mit der Organisation des sogenannten Not- wirtschaft ist nun nahezu restlos beseitigt. Und wenn die höchster Entrüstung den Anscheinung zu erwecken, als wehre bann an Stelle der verbotenen Einwohnerwehr beschäftigt. Der recht gehabt hätten, die gegen jene 3wangswirtschaft Sturm fich die bayerische Regierung dagegen, daß Bayern zu einer Inhalt der Entschließung ist furz folgender: Um den an mich her- liefen, so müßte unser Bolt jetzt geradezu in billigen Waren Provinz und die Landesregierung zu einer Untergebenen des angetretenen Wünschen Rechnung zu tragen, und um die feit län- schwimmen. Gebt die Wirtschaft, gebt den Handel frei, laßt Reichsministeriums herabgewürdigt werde. Das Ersuchen des gerem aufgetretenen Schwierigkeiten zu beseitigen, bin ich damit ein- die freie Ronkurrenz zur Wirksamkeit tommen, dann werden Reichsministeriums des Innern, die München - Augsburger verstanden, daß innerhalb des Staatskommissariats München Stadt die Preise bald heruntergehen! So und ähnlich lauteten die Abendzeitung" zu verbieten, wird als ein unerhörter Ein- und Land eine von der Reichsorganisation unabhängige Organi Sprüchlein, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegen­griff in die bayerische Staatshoheit" dargestellt, ebenso das fation nach folgenden Grundfäßen errichtet wird.( Folgen diefe.) heit hergesagt wurden. Nun ist die Wirtschaft von den ein­Berlangen, in Coburg nach dem Rechten zu sehen, wo die Es wird ersucht, der Oeffentlichteit gegenüber 3urüd- schränkenden Bestimmungen in der Kriegszeit befreit; a ber bayerische Landespolizei, aus Bayreuth beordert, eine Anzahl haltung zu beobachten." frei ist die Wirtschaft nicht. An die Stelle der schwerer Verlegungen von Demonstranten hervorgerufen hat. 3wangswirtschaft der Kriegszeit ist die 3 wangswirt­Die ganze fünftliche Aufregung ist nichts weiter als Die Berordnung des Reichspräsidenten verbietet ausdrücklich schaft der Preistonventionen und fartelle Theater, bazu bestimmt, die Aufmerksamkeit vom Kern der das Erscheinen aller Ersatzblätter, die eine Fortsegung des getreten. Die meisten dieser wirtschaftlichen Korporationen Sache abzulenten. Die München- Augsburger Abendzeitung" verbotenen Blattes bedeuten, und bedroht die Herausgeber mit üben einen 3wang auf ihre Mitglieder aus, der aus allge­die schwere persönliche Angriffe gegen Ebert richtete, auf schweren Strafen. Was wird nun die Münchener Staats - meinen voltswirtschaftlichen Gründen immer unerträg Grund der Berordnung des Reichspräsidenten zu verbieten, anwaltschaft gegen die offene Verhöhnung dieser Vorschrift im Falle licher wird. Dieser Zwang hat zum Ziele, den Preisabbau war der Reichs minister des Innern von sich aus des Miesbacher Anzeigers" unternehmen? zu hindern. befugt. Er hat von dieser Befugnis jedoch keinen Gebrauch Die pielgerühmte freie Konkurrenz" läßt man gar nicht gemacht, sondern in einem überaus höflichen Telegramm die Was die Reichsregierung sagt. mehr zur Wirksamteit tommen. Die freie Konkurrenz" ist bayerische Regierung ersucht, das Blatt auf eine Zeit zu in die Fesseln der neuen 3wangswirtschaft gelegt worden. verbieten, die in München für angemessen er= Berlin , 6. September. ( BTB.) Die bayerische Regierung hat Gegen Außenseiter wird mit dem Kampfmittel der wirtschaft­achtet würde. Die bayerischen Frondeure hatten indessen die Telegramme, die der Reichsminister des Innern in der Ange- lichen Vernichtung vorgegangen. Man sperrt ihnen das Ma­nichts eiligeres zu tun, als dieses höfliche Telegramm, ebenso legenheit des Berbots der München- Augsburger Abendzeitung" und terial und liefert ihre Arbeiter dem Erwerbslosenelend aus. wie das über Coburg , der bayerischen Deffentlichkeit der Unruhen in Coburg an die Münchener Regierung fandte, bay e- Oder man läßt sich von den Außenseitern auf dem Wege über zu übergeben und so den Konflikt zu verschärrischen Seitungen zur Beröffentlichung über die Materiallieferung die Kaffen füllen, die im Dienste gegen fen. geben, deren Kommentare bahin lauten, daß die Telegramme einen bie Arbeiter stehen. Man darf sich keinem Zweifel darüber hingeben, daß die Eingriff in bayerische Rechte und eine Brüstierung Bayerns be treibenden Kräfte, die hinter der Regierung Rahr stehen, nicht beuteten. Gine folche Auffassung ist durchaus unhaltbar und eine Aussöhnung mit der Reichsregierung erstreben, sondern in feiner Weise beabsichtigt. Der Reichsminister des Innern hat es gewillt sind, den Konflikt auf die Spige zu im Gegenteil vermieden, sich unmittelbar an untergeordnete Organe freiben. Das sollte die Reichsregierung ihrerseits nicht des bayerischen Staates zu wenden oder direkt auf Grund der Ber­aus dem Auge laffen und auch bei den Verhandlungen, die ordnung des Reichspräsidenten ein Berbot der Zeitung auszusprechen, schen Bekleidungsindustrie zahlen. Sind denn tollere Aus­wegen Aufhebung des Ausnahmezustandes schweben, die- um der bayerischen Zentralregierung Gelegenheit zu geben, jenige Festigkeit zeigen, die allein geeignet ist, solchen Fron- on sich aus das Erforderliche zu tun. Die bayerische Regierung beuren Respekt einzuflößen. hätte also, wenn sie eine abweichende Meinung hatte, diese in Ber­Dr. Wirth hat erst in seiner Berliner Rede erklärt, daß bandlungen geltend machen fönnen. Eine 3uspigung der er bereit sei, gegen die Reaktion die ganze Staatsmacht ein Lage", von der die bayerischen Zeitungen reben, wäre da zusetzen. Er wird vielleicht dazu Gelegenheit haben, in nach lediglich auf die zu bedauernden Veröffentlichungen der Tete Bayern die Festigkeit seines Willens zu erproben. Je energi- gramme zurückzuführen. scher die Regierung dabei auftritt, um den Reichsgesetzen Re­spett auch bei den bayerischen Reaktionären zu erzwingen, desto geschlossener werden alle Republikaner, insbesondere die Arbeiterschaft hinter ihr stehen. München ist Rhodus , dort gilt es zu springen!

Offener Hohn!

Münden , 6. September. ( Eigener Drahtbericht des Bor­wärts".) Eine Gewertschaftstommiffion aus acht Krei­sen Bayerns wird heute nachmittag 2 Uhr beim Ministerpräsidenten Kahr vorsprechen. Sie wird ihm erklären, daß die bayerischen Ge­werffchaften mit allen verfaffungsmäßigen Mitteln fich hinter die Reidsregierung stellen und die Durchführung der Reichs­erlaffe erzwingen werden. Die Einzelheiten der von den Gewert­fchaften aufgestellten Forderungen werden heute abend veröffentlicht

werden.

Die gegenwärtige Cage in Bayern wird am besten von einem bürgerlichen Blatt charakterisiert:

Nordbayern in Bereitschaft.

bände, daß der Zanella- Verband an die Außen­So verlangen die Kleiderfabrikantenver­feiter in der Kleiderfabrikation nur dann Zanella liefere, wenn sie 33% Proz. des Wertes als Aufschlag in die Rasse des Arbeitgeberverbandes der deut­wüchse dieser modernen Zwangswirtschaft überhaupt denkbar? was sagen die Bekleidungsarbeiter dazu, daß sich ihre wirtschaftlichen Gegner auf Kosten der Allge meinheit die Kasse zum Rampfe gegen die Arbeiter füllen. Neuerdings sollen auch die Web­stoffverbände zur Lieferung an Außenseiter zugelassen worden sein, wenn diese Außenseiter 331% des Wertes der getauften Ware in die Kasse des obengenannten Arbeitgeber­verbandes zahlen.

Statt Preisabbau also zunehmende Teuerung. Den Arbeitern aber wirft eine gewisse Bresse vor, ihre Lohn­forderungen seien unberechtigt.

Nürnberg , 6. September. ( Eigener Drahtbericht des Bor­wärts".) Am Montag abend fand hier eine Versammlung der Bertrauensleute der SPD . statt. Ueber 500 Genoffen, zum Teil aus Nürnberg , Mittel-, Ober- und Unterfranken , sowie Gerade auf dem Gebiete der Tertil und Beklei der Pfalz waren anwesend. Genosse Hermann Müller hielt ein dungsindustrie tritt diese Zwangswirtschaft mit am längeres Referat, in dem er sich über die politische Lage äußerte schlimmsten auf. Und es findet sich auch tein Gericht, und die Wege besprach, die eingeschlagen werden sollen, um dem welches einmal hineingreifen möchte in diese Wespennester. Ge­System Kahr- Poehner ein Ende zu machen. Nach seinen Ausfüh­rungen wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:

Die Funktionärversammlung der SPD. - Führer verpflichtet fich, alle Maßnahmen mit Opferbereitschaft zu unterstützen, die die Auf­hebung des Ausnahmezustandes zum Ziele haben. Die Funktionär­verfammlung erwartet von den Bertretern der Partei in Bayern , daß fie alle Wege auf das ernsthafteste in Erwägung ziehen werden, die, sei es selbst die Trennung von Bayern oder einen unbefristeten Generalstreit, dem Ausnahmezustand ein Ende bereiten."

Partei Drehscheibe.

fchieht es einmal, so werden Gestehungskostenrechnung a la Milchmädchenrechnung, vorgelegt, und die nötigen Sachver­ftändigen" dazu geladen, worauf die Gerichte in 99 von 100 Fällen zu dem Ergebnis tommen, daß alles in Ordnung ist. Natürlich ist es meist nicht der Fall, aber die Anflage­behörde steht eben zum Teil intereffelos, zum Teil hilflos den Dingen gegenüber.

Ich habe kürzlich in der Nr. 172 der Bolfs stimme" in Chemnitz gezeigt, wie in solchen Gestehungs­tostenrechnungen die Uebergeminne verbor­gen werden. Mir war mit anderem Material gegen die Kartelle auch eine Gestehungskostenrechnung über Näh­fäden zugegangen. Diese Rechnung habe ich dort abgedruckt und auf ihre Unrichtigkeit zerlegt.

Die Tatsache, daß die München- Augsburger. Abendzeitung" nicht verboten und daß die Sipo aus Coburg nicht zu­rüdgezogen worden ist, gibt wohl die bayerische Ant­wort auf die Offensive der Reichsregierung gegen Bayern ." Dazu kommt noch, daß der Miesbacher Anzeiger" In einer gemeinsamen Sigung haben Reichstags heute morgen unter dem Dednamen Miesbacher fraktion und preußische Landtagsfrattion der Das hat natürlich die Unternehmer sehr schwer getroffen, Tagblatt" mit demselben Drud und derselben Auf Deutschen Boltspartei zur politischen Lage Stellung denn nun sehen die Nähgarnverbraucher, wie enorm sie zum machung wieder erscheint, die Reichsregierung fofort wieder genommen. Ueber das Ergebnis wird berichtet: Füllen der Taschen anderer herangezogen werden. anpöbelt und seinem Lesertreis versichert, er wiffe bestimmt, daß die Die Anwesenden billigten einmütig die von den Fraktions- Natürlich besteht auch ein Kartell, die Bertriebsgesell­bayerische Regierung in der Frage des Ausnahmezustandes fest- vorfizenden gegenüber dem Reichspräsidenten und dem Reichstanzler schaft Deutscher Baumwoll- Nähfaden- Fabrikanten, G. m. b. H. bleiben werde. Die Schriftleitung erklärt, daß fie es als ihre be- abgegebenen Erklärungen über die Notwendigkeit des in München ". Anstatt nun fein stille zu sein und daranzugehen, fondere Aufgabe betrachte, in freimütiger Weise an allen Ereig- Schuzes der Verfassung gegen jeden gewaltsamen Angriff, eine richtige Gestehungskostenrechnung aufzustellen und niffen Krifit zu üben, gleichgültig, ob sich die Vorgänge in Bayern über die Notwendigkeit einer gleichmäßigen Anwendung der neuen danach erheblich niedrigere Bertaufspreise oder jenseits der blauweißen Grenzpfähle zutragen". Den Beweis Ausnahmebestimmungen auch gegen die radikale Linke und gegen festzusehen, läuft diefes Syndikat gegen mich Sturm. erbringt das Blatt mit der Besprechung der Coburger Vorfälle unter jebe Nebenregierung nicht verfassungsmäßiger Orgene. Die Partei Es hat bei der Reichsstelle für Textilwirtschaft, deren stellver­dem Titel Wüste Ausschreitungen in Coburg ", in welcher der dorfi- verwahrte sich insbesondere auf das schärfste gegen die syste- tretender Borsitzender ich bin, ein Ermittelungsver­gen Arbeiterschaft die gesamte Schuld in die Schuhe geschoben wird. matische Unterdrückung würdiger Feiern, natio- fahren gegen mich beantragt, und verlangt, festzu­Ein weiterer Beweis der Unbelehrbarkeit der Regierung Kahr naler Gedenktage und den Terror der Straße, dem ftellen, ob sich jene Veröffentlichung der Ge­Ist die Tatsache, daß München seit heute morgen wieder im Schmud gegenüber die Polizeigewalt häufig vollkommen versagte, und for- stehungskostenrechnung mit meinen Pflich eines nationalsozialistischen Riefenplatats prangt berte sofort Abhilfe. ten der Verschwiegenheit als Mitglied der mit der Ueberschrift: 3 udenfreiheit in der Republi Reichsstelle verträgt. Man will mich also aus mei­und zum Proteft gegen die Unterdrückung der freien Meinung durch ner Stellung werfen, weil ich das Material, das mir in die fogenannte demokratische Reichsregierung" auffordert. meiner Eigenschaft als Reichstagsabgeord Darum ftellt die Münchener Post" in ihrem Leitartikel die For­neter zuging, da ich es im Reichstage nicht mehr be­berung auf: tanntgeben fonnte, der Presse übergab.

Der Münchener Polizeipräsident ist eine Gefahr für die verfassungsmäßige Regierung, ihm das Handwerk zu Legen, ift eine Forderung jedes Demokraten.

Die Deutsche Volkspartei ist also theoretisch für den Schuh der Republik , aber praktisch dagegen, daß etwas zum Schuß der Republik getan wird! Echt nationalliberal!

Professor Kahl foll übrigens erklärt haben, er fei bereit, die Verfassung zu schüßen auch mit seinem Leben. Dazu wäre am 13. März 1920 Gelegenheit gewesen, nur maren Herr Kahl und seine Freunde, soweit sie nicht offen bet Rapp Htanden, damals nirgends zu sehen,

Man sieht, die neue Zwangswirtschaft scheut tein Mittel, um ihre Herrschaft zum Schaden der Allgemeinheit aufrecht zuerhalten