Nr.423+ 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 214
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Donnerstag, den 8. September 1921
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Es wird weiter verhandelt!
Lippenbekenntnis zur Reichstreue
nachmilfag um 4 Uhr begannen in der Reichskanzlei die Be- ablegt und zur vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Schaffenden iprechungen der Reichsregierung mit den Bertre- aufgerufen hat.
=
nicht gegen das bayerische Volt;
Seid wachsam und gerüstet!
tannte Rappist Pfarrer Traub ist, drückt sich noch deutlicher aus, indem sie die Besprechung dieser Matin"-Notiz mit dem Titel „ Ein Wink Dards"
geftrige Weigerung des Ministerpräsidenten, sie zu empfangen, als Die Landeszentrale Bayern der freien Gewerkschaften hat die eine
fern der bayerischen Regierung und der baye- Schamlos und verlogen wird in steigendem Maße gegen Reich rischen Koalitionsparteien. Sie wurden um 71 Uhr abends und Reichseinrichtungen geheßt. Wir wissen, die Maßnahmen des bezeichnet. Im übrigen versucht dieses Blatt, die Berliner Berabgebrochen und werden morgen früh um 9 Uhr fort- Reiches, des Reichspräsidenten und des Reichstages richten sich handlungen nach Möglichkeit zu sabotieren. Es wirft die Frage auf: gefeht werden. Sind denn Verhandlungen überhaupt noch möglich in einer Frage, fie dienen lediglich dem Zwecke, die Verfassung zu schüßen und den wo das Recht Bayerns so flar vor aller Augen liegt, daß es unBesprechung der Koalitionsparteien. Meuchelmord nicht zu einem ständigen Kampfmittel gegen die Re- mittelbar vom bayerischen Volf bis weit hinein in die Kreise der Am Donnerstag, vormittags 10 Uhr, werden die Führer publik und ihre Führer merden zu lassen. Wir wissen, die weitesten Linken empfunden wird?" Schließlich führt es die Verordnung des der Roalitionsparteien des Reichstags eine Kon- ftehen gefchloffen hinter der Reichsregierung und der Mehrheit des selber sei der lebendige Widerspruch der Verfassung. Er sei ja selbst Kon- mirtlich vaterländisch gesinnten Kreise auch des bayerischen Volkes Reichspräsidenten damit an, daß es behauptet, der Reichspräsident ferenz abhalten, um zu der politischen Lage Stellung zu Reichstages. Bayern darf nicht länger der Hort der Unruhe, gar nicht vom Bolk gewählt. In revolutionären Zeiten fann so ein nehmen, besonders um die bayerische Frage zu besprechen. der Volksverhekung und der Reichsverdroffenheit sein. gar nicht vom Bolk gewählt. In revolutionären Zeiten kann so ein Die Entscheidung über die Aufhebung des Ausnahmezustandes für Bustand hingenommen werden. In ruhigen Zeiten widerspräche er Gemeinsames Vorgehen. Bayern muß fallen. Angesichts der einmütigen Haltung aller dem natürlichen Rechtsempfinden des Voltes. Wenn aber verhandelt Am Mittwoch fand eine vertrauliche Aussprache von Ber- brigen deutschen Länder und der Empörung auch des ganzen außer- merbe, dann fönne dies nur in der Form des Verhandelns von bayerischen Bolles steht die bayerische Reaktion auf verlorenem Staat zu Staat geschehen, nicht in der Form, daß eine Provinz, in tretern der Sozialdemokratischen Partei mit solchen Boften. Aber die maßlose Berblendung der bayerischen Regierung der einige Regierungsmaßnahmen ungünstig wirften, eine De der USP. über die politische Lage statt. Man war sich einig fann dazu führen, daß schwerste politische Kämpfe entstehen. darin, daß sich zum Schuße der Republik ein gemein putation an die Regierung entsendet. Dieser Gebrauch endet meist Wir rufen allen freiheitlich Gesinnten zu: fames Vorgehen beider Parteien empfiehlt. Im damit, daß man den Leuten freundlich auf die Schultern flopft und daß es dann beim Alten bliebe. Bordergrunde stand die bayerische Frage. Es wurden die Maßnahmen besprochen, die bereits bei den Beratun unternehmt nichts gegen die Barole Eurer Führer, die erforder Arbeiter, Bolfsgenossen, hütet Euch vor planlosen Aftionen, gen in Nürnberg eingeleitet worden sind, fomie die lichenfalls rechtzeitig fommen wird. Alle notwendigen Maß Unterstüßung, die die gesamte Arbeiterschaft, falls es nahmen find vorbereitet! Unfer gutes Recht und die notwendig werden würde, der bayerischen Arbeiterschaft Gefeßlichkeit muß zum Ziele führen. fchwere Beleidigung des arbeitenden Bolkes leisten würde. Allseitig wurde betont, daß die sofortige Sozialdemokratische Partei Bayerns. empfunden und darauf verzichtet, sich ein zweites mal Aufhebung des Belagerungszustandes in einer Ablehnung auszusetzen. Deshalb hat sie ihre Dele Bayern unerläßlich sei. Wie in diesen Fragen, so ergab gierten aus dem Lande wieder zurückgezogen. Nun erklärt die fich auch eine weitgehende Uebereinstimmung hinsichtlich der Aufruf an alle Arbeiter, Angestellten und Beamten Bayerns . Bayerische Staatszeitung ", der Ministerpräsident hätte sich wähMaßnahmen, die auf dem Wege der Gesetzgebung zum Schuhe Durch den heute durch nichts mehr begründeten Belagerungs- rend des ganzen Mittwochvormittag zum Empfang der Gewer der Republik zu treffen sind. zustand in Bayern haben sich Zustände herausgebildet, die es not schaftsführer bereit gehalten. Es sei aber von Seiten der GemertAm Abend nahmen die Vertreter der beiden Parteien wendig machen, daß auch die Gewerkschaften zur Lage Stellung fchaftsführer feinerlei Mitteilung mehr erfolgt, auch feine BesuchsGelegenheit, den Reichskanzler und den Reichs- nehmen. minister des Innern über ihre Auffassung zu unter- Die Gewerkschaften im besonderen find durch den Belagerungs. anzeige. Aus diesem Grunde sei der Empfang der Gewerkschafts. richten. Insbesondere lenkten sie die Aufmerksamkeit der Re- zustand in ihrer Entwicklung und Lätigkeit auf das schwerste be- führer beim Ministerpräsidenten bis zur Stunde unterblieben. gierung auf die Tatsache, daß auf Grund der Verordnung des drängt. Das wichtigste Recht des schaffenden Boltes, das Koalitions- Ministerpräsident von Kahr sei noch niemals einer Besprechung ausReichspräsidenten neuerdings wiederholt kommunistische lichsten Polizeimitteln der Vergangenheit, die einem Freistaat Hohn recht, ist durch den Belagerungszustand unterbunden. Mit den flein - gewichen, von welcher Seite sie auch begehrt worden sei. Gegenüber der Blätter verboten worden sind. Die Bertreter der Parteien sprechen, wird das schaffende Bolt durch dieses Ausnahmegesetz ließen feinen Zweifel darüber, daß der im wesentlichen schifaniert. Dagegen gilt es Front zu machen. Auf der Gegenseite durch das„ Miesbacher Tagblatt" nimmt sich ein eben erscheinender Umgehung des Presseverbotes gegen die Rechtsbolfchemisten gerichtete fehen wir, daß sich die Feinde des schaffenden Boites hemmungslos Erlaß der Münchener Polizeidirektion gegen das wieder. Charakter der Verordnung nicht durch untergeordnete Ver- auswirken können. Dieser waltungsorgane verwischt und nach links umge= erscheinen des Münchener USB.- Blattes ganz mertverfaffungswidrige Zustand muß geändert werden. bogen werden dürfte. Die Regierungsvertreter betonten Die fortwährende Gegensäglichkeit der bayerischen Regierung zur den bestehenden Bestimmungen teine rechtliche Grundwürdig aus. Die Ablehnung wird damit begründet, daß nach ihre Uebereinstimmung mit dieser Auffassung, erklärten jedoch. Reichsregierung stellt die Reichseinheit in Frage. Mit der lage dafür bestehe, daß ein Zeitungsverbot überhaupt jemals aufdaß, wenn linksstehende Blätter zur Gewaltanmen- Gefährdung der Reichseinheit werden schwere wirtschaftliche Störun- gehoben werden müsse. Die Ersazblätter des ampf", nämlich dung gegen die Verfassung oder die Vertreter der Re- gen ausgelöst. Das schaffende Bolt ift der leidtragende Teil. Dieser die Münchener Morgenpost", und das„ Mitteilungsblatt der USP." publit aufforderten, die Berordnung auch gegen sie Anwen- Bustand andauernder Beunruhigung muß behoben werden. bung finden müsse. Die Besprechung wird am Donnerstag abend fortgesetzt werden, nachdem die Beratungen mit den bayerischen Vertretern beendet sein werden.
dern
II.
"
Die Vertreter der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter-, hätten fich derselben aufreizenden Sprache bedient wie der Kampf". Angestellten und Beamtenschaft Bayerns haben die notwendigen Es sei daher absolut keine Gewähr dafür gegeben, daß nach AufMaßnahmen beraten und sich für den Schutz der demokratischen hebung des Erscheinungsverbotes der Kampf" eine wesentlich Republik und der Einheit des Reiches erklärt. Sie fordern von der andere Schreibweise und eine gemäßigtere Sprache führen werde als bayerischen Regierung Aufhebung des Ausnahmezustandes und vor dem Berbot, weshalb dem Gesuch nicht stattgegeben werden wenden sich an das ganze schaffende Bolt Bayerns mit der Auf- tönne. forderung, die Gewerkschaften im Kampfe für Recht und Freiheit
nach Kräften zu unterstützen. Die Vertreter der Gewerkschaften find Staatssekretärs für das Berkehrswesen, Frant, erstanden, der die
Jedoch nicht etwa die deutsch nationale Heßpresse, um deren Berbot der Reichsminister des Innern ihn ersucht hatte, sonPlatate der Sozialdemokratischen Partei sich in dieser schweren Stunde der und der Gewertschaften! Unser Münchener Korrespondent drahtet uns den Wortlaut dieser Plakate. Hier ist er:
I.
An das freie und deutsche schaffende bayerische Volk! Gegen Recht und parlamentarische Uebung haben die Koali
vollen Tragweite ihres Handelns bewußt
Eine neue Boehner- Figur ist in Bayern in der Person des Geschäfte des verleumdeten Frauendorffer mit einem Erlaß übernimmt, indem er verspricht, sein Amt mit Gerechtigkeit und Wohlund folgen nur dem Drängen der um die Anerkennung ihrer Gleich wollen führen zu wollen. Zur Orientierung, wie man in Kahrberechtigung ringenden Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wir Bayern Minister wird, sei festgestellt, daß Frank jahrelang der fordern Euch auf, bereit zu sein, wenn der Ruf des gemeiner bittertfte Rämpfer gegen die Sozialdemokratie amen Handelns an Euch ergeht; denn der Ausnahmezustand muß innerhalb der bayerischen Berkehrsbeamtenschaft war und im Brofallen.
tionsparteien des Landtags am Dienstag, den 6. September, zeß Auer im Februar 1912 als Nebentläger eine ganz dunkle Rolle durch einen Beschluß im Etändigen Ausschuß die Besprechung gespielt hat. Es hat sich damals herausgestellt, daß die von Frank der gegenwärtigen ernsten Lage vereitelt, die Regierung fonnte Der Vorstand der freigewerkschaftlichen Landeszentrale Bayerns . entscheidend beeinflußte Münchener Eisenbahndirektion die wohlfich ihrer Verpflichtung entziehen, vor den fchwerwiegend sten Entscheidungen die Meinung der berufenen Bertretung des angeklebt werden. Die Polizeidireffion verweigerte jedoch Ein neues würdiges Gegenstück zu Boehner betritt mit Frank die Diese beiden Aufrufe sollten morgen als plafate in München wollende Sozialpolitik des Verkehrsministers stets durchkreuzt hat. gesamten bayerischen Bolles einzuholen.... Selbstsüchtige Eigenbrötelei, engstirniger partitularistischer die abstempelung, verbot das Anschlagen und ord- politische Bühne Bayerns ! Eigennut haben neuerdings das ganze deutsche Bolt in einem nete in der Druckerei die Herausgabe und Vernichtung der Augenblid in Schwierigkeiten verfekt, in dem schon die außen Blatten an! 3ur selben Zeit hängt noch an den Straßeneden politische Lage Deutschlands die geschlossene Einheitlichkeit des Boltes ein Plakat der nationalsozialistischen Arbeiterpartei", das die so- Berfaffungsausschuß des Reichswirtschaftsrats ausgearbeiteten Plan Nachdem eine Reihe von bayerischen Zeitungen einem vom und die rückhaltlose Unterstützung der Reichsregierung und der Re- genannte demokratische Reichsregierung unter der Ueberschrift zur wirtschaftlichen Gliederung des Reichs die gänzlich publit verlangt. Nicht nur die Intereffen der deutschen Arbeiter Judenfreiheit in der Republit" beschimpft! allein, die wirtschaftlichen und politischen Interessen des gesamten falsche Tendenz eines politischen Zeilungsplans untergeschaffenden Boltes ohne Unterschied des Berufes stehen auf dem Ausgleich durch Berhandlungen offenläßt und zugibt, daß der feste vom 7. September diesen Vorwurf auf und spricht von einem Plan Während die„ Bayerische Staatszeitung " die Wege für einen legt hatte, nimmt auch die Kreuzzeitung " in ihrer Morgenausgabe Spiel. In Bayern selbst wird der Ausnahmezustand aufrecht Bille bei den Roalitionsparteien, vor allem der Bayerischen Volks- der Berstückelung Bayerns", der nicht geeignet sei, die Lage zu erhalten und ohne Grund und Notwendigkeit einseitig unter schmähficher Nichtachtung des Grundsages der Gleichheit vor dem Gefeße partei, bestehe, es unter teinen Umständen auf einen bessern. durch Verwaltung und Justiz nur gegen linksstehende Parteien an- Bruch mit dem Reich ankommen zu lassen, daß aber auch in gewendet. Unter feinem Schuge fönnen sich die rechtsputschistischen Berlin der Wille zum Entgegenkommen vorhanden sei, nimmt es tische Schulung und Einsicht der Kreuzzeitung" tann nicht so niedrig Hierzu erfahren die PPN. von unterrichteter Seite: Die poli hochperräterischen Bestrebungen breitmachen, geduldet von der sich sehr sonderbar aus, daß der Leitartikel des Blattes mit eingeschätzt werden, daß sie die wahre Bedeutung des Plans des gegenwärtigen Regierung Rahr. Soweit tornte es tommen, daß einer Aeußerung der Münchener Pressestelle des französischen Reichswirtschafsrats nicht erkannt habe. Man muß also in der gegen friedliche Bürger, die in der höchsten, durch Meuchelmord Geschäftsträgers, des Münchener Berichterstatters des Ma- Aeußerung des Blattes eine bewußte Irreführung und Aufhehung von rechts geschaffenen Not des Boltes ihr Treuebetenntnis tin", sich beschäftigt, der die„ Verdienste" der jetzigen bayerischen der öffentlichen Meinung Bayerns gegen das Reich erblicken. zur Verfaffung und gegenwärtigen Staatsform befundeten, ohne jeden Grund Panzerautos aufgefahren, Maschinengewehre ein Regierung in der Bekämpfung des Bolschewismus und die. Not. gejezt und Handgranaten geschleudert wurden. Soweit haben wir wendigkeit ihrer Erhaltung für die französischen es gebracht, unter Führung eines Mannes, der bei jeder Ge- Interessen darlegt. Die von Boehner immer noch nicht verbotene legenheit ein München- Augsburger Abendzeitung", deren Chefredakteur der bel tung" ist heute erneut verboten worden.
Ein neues Verbot.