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Nr.440 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 218

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Telegramm Abreffe: Sozialbemotrat Berlin"

Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: 6W 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Moritplat 15195-97 Expedition Morigplas 11753-54

Sonnabend, den 17. September 1921

Der Streit um die Sanktionen.

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Expedition und Inferaten­

Abteilung Morigplas 11753-54

Heeresleitung und Waffenstillstand

Von Adolf Köfter.

Neuer englisch - franzöfifcher Gegensatz. raiche Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen unterbreitet lichen Entstehung des Waffenstillstandsangebotes wieder in

habe.

Ein Dementi.

-

Der Mord an Erzberger hat die Fragen nach der geschicht Fluß gebracht. Das ist erfreulich. Denn die deutschnationalen Paris , 17. September. ( EE.) Die französische Regierung Legenden über die Oktober- und November- Ereignisse des veröffentlicht ein offizielles Communiqué, worin sie er­klärt, daß die Sanktionen im Rheinlande nicht aufgehoben behrt nach einer Mitteilung der Rheinland- Rom und wirtschaftlichen Tatsachen direkt ins Gesicht schlagende Be­Köln, 17. September. ( WTB.) Laut Kölnische Zeitung " ent- Phrase von der erdolchten Front", die allen militärischen Jahres 1918 die von einem englischen General aufgebrachte wurden, well die deutsche Regierung den Antrag der franzöfifchen mission die Zeitungsnotiz über eine angebliche Zurüdbehauptung, wir hätten im Herbst 1918 mit der geringsten Aus­Regierung, der Errichtung eines Ein- und Ausfuhrbureaus zuzurufung der englischen 3o1lbeamten aus Opladen ficht auf Erfolg noch weiterfämpfen fönnen sie sind der ffimmen, nicht Folge geleistet hat. Allerdings richtete die jeder Begründung. Reichsregierung am 26. August an die französische Regierung eine geistige Nährboden aller antirepublikanischen Propaganda von Note an die französische Regierung, worin fie der Errichtung eines heute. Ehe über die geschichtlichen Ereignisse jener Monate folchen Bureaus unter gewissen Bedingungen zustimmte. Das Hilfswerk für Sowjet- Rußland. nicht volle Klarheit in das Hirn jedes deutschen Staatsbürgers Auf diefe Note antwortete Briand schriftlich und verständigte gleich- Paris , 16. September. ( MTB.) Der Internationale gebracht wird, ist an einen geistigen und moralischen Wieder­zeitig den deutschen Botschafter in Paris , daß die Aufhebung der Hilfs ausschuß für Rußland hat heute nachmittag unter dem aufbau Deutschlands nicht zu denken. Sanifionen mit der formellen und bedingungslosen Borsiz des früheren Botschafters Frankreichs in Rußland Noulens Die Frage, ob Erzberger sich zu den Waffenstillstandsver­Annahme des interattiierten Ein- und Ausführ- und im Beisein des Vertreters von Nanfen, Fid, eine Sigung handlungen im Herbst 1918 gedrängt hat, ist von jemandem, bureaus verknüpft sei. Da diese Zustimmung Deutschlands abgehalten, in der er beschloß, an die Staaten, die zur Teilnahme des Kriegskabinetts Mar von Baden, Herrn Arnold Brecht , der es wissen muß, nämlich dem Protokollführer der Sigungen bis zum 15. September in Paris nicht eingetroffen war, konnten die an dem Hilfswert eingeladen werden sollen, einen Brief abzu ein für allemal geflärt worden. Seine Darstellung wird er­Santfionen nicht aufgehoben werden. fenden. In dem Brief werden die Gründe auseinandergefeßt, aus härtet durch das Protokoll der betreffenden Kabinettssitzung denert der Ausschuß die Forderung an Rußland gestellt hat, einen felber, das nur aus Rücksichten des Raummangels nicht in das Zu der gleichen Angelegenheit erklärt eine Reuternote, daß die untersuchungsausschuß zuzulassen. Ferner wird darin Weißbuch über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes" hat Besprechungen zur Aufhebung der wirtschaftlichen Ganttionen perfichert, daß der internationale Hilfsausschuß niemals daran ge- mit aufgenommen werden können. Ueber die Rolle hingegen, in Deutschland zwischen London , Paris und Koblenz bacht habe, das Hilfswerk der privaten Organisationen zu verzögern. die die Oberste Heeresleitung bei den Vorbereitungen zur Bil­fortgesezt werden. Der Oberste Rat hatte entschieden, daß die am Schluß des Briefes heißt es, die Aufgabe des internationalen dung einer Waffenstillstandstommission gespielt hat, ist in der Aufhebung der Sanktionen von der Bezahlung der ersten Milliarde Ausschusses werde es sein, alle Informationen über die Lage in den deutschen Deffentlichkeit bisher wenig bekannt geworden. Sie. Goldmark und von der Errichtung einer interalliierten Kommission russischen Gebieten zu sammeln und die von den verschiedenen Reist charakteristisch für den erschreckenden Mangel an Verständ­abhängen solle, die die Ausgabe von Lizenzen für Aus- und Einfuhr gierungen vorgeschriebenen praktischen Maßnahmen zu erwägen, zu überwachen habe. Die französische Regierung ist der An- um im Interesse des russischen Volkes die Aktion zu vereinheitlichen. schauung, daß diese Kommission mit viel weitergehenden Der Einladungsbrief ist an folgende Staaten abgesandt wor­schauung, daß diese Kommission mit viel weitergehenden Bollmachten ausgestattet werden müsse und daß fie in Wirklich. den: Deutschland , Spanien , Bereinigte Staaten, Rumänien , feit ein souveräner Organismus, eine Behörde sein solle, Südflavien, Schweiz , Vatikan , Tschechoslowakei , Portugal , Bolen, um Deutschland ihre Entscheidungen bezüglich der Lizenzen aller Art Argentinien , Brasilien , Bulgarien , China , Dänemark , Estland , Finn­auferlegen zu fönnen. In London begreift man nicht gut, welche land, Litauen , Lettland , Norwegen , Holland und Schweden . Vorteile Deutschland aus der Aufhebung der Sanktionen ziehen

nis für die reale Lage, in der wir durch unsere militärische Niederlage und das aus ihr folgende Waffenstillstandsangebot geraten waren,-charakteristisch für die Mentalität der DHL. überhaupt, deren führende Mitglieder zum großen Teil aus­gezeichnete Soldaten, durch die Bant aber miserable Politiker waren.

Sofort nach dem Abgang unseres Friedensangebotes hatte die OHL. mit militärischer Firigkeit in Spa von sich aus eine Waffenstillstandskommission zusammenzusehen begonnen.

fönnte, wenn eine neue inferalfilerte Kommission mit fo weitgehen- Schwere französische Schlappe in Marokko ? An der Spige dieser Kommission stand der General v. Gündell.

den Bollmachten ausgestattet werden foll. Man hat das Ber. trauen, daß nach Klarlegung gewiffer Punkte durch Besprechun gen, die im Gange sind, diese Frage in friedlicher Weise gelöft Ein Vorschlag Jaspars.

werden könne.

London , 19. September. ( WIB.) Times" berichtet aus Brüssel , daß der belgische Außenminister Jaspar der britischen und französischen Regierung einen Vorschlag betreffend die

dung aus Sebastian besagen Gerüchte, daß eine franzöfifche Geifte und mit welchen Borstellungen von ihrer eigenen Rolle Paris , 17. September. ( WTB.) Nach einer Journal"-Mel- Sie begann am 7. Oftober mit ihren Sigungen. In welchem Kolonne etwa 100 Kilometer von Mednes durch eine sehr große die DHL. damals noch arbeitete, das erhellt schlagend aus Gruppe Mauren angegriffen wurde. Sie soll am ersten Tage einem Telegramm, das der damalige Bertreter des Auswär 400 Tote und Verwundete, am zweiten Tage 300 verloren haben, tigen Amtes in Spa, der jezige volksparteiliche Abgeordnete am dritten Tage seien drei von den Mauren umzingelte p. Lersner am 7. Oktober an den Staatssekretär Solf richtete. Rompagnien gezwungen worden, fich zu ergeben und seien ins In diesem Telegramm heißt es: Innere geführt worden.

Sozialdemokratische Frauenkonferenz.

,, Bei den heute begonnenen Sizungen der deutschen Waffen­stillstandskommission wurde ich gebeten, folgendes Material schnell­stens zu beschaffen:

1. Die grundlegenden wichtigen Noten, die wir während des Krieges mit dem Feinde gewechselt haben in deutscher und in der Sprache, in der sie übergeben sind. Man denkt hierbei an die Note über den uneingeschränkten U- Boot- Krieg, unsere Antwort auf die Papstnote usw.

2. Grundlegende Reden.

3. Material über den Ursprung des Krieges.

Görlitz , 17. September. ( Eig. Drahtbericht d. Borwärts".) Die strophalen Zusammenbruch des hohenzollernschen Deutschland und fozialdemokratische Reichsfrauentonferenz trat am heutigen Sonn- das Ende des gewaltigen Weltkrieges brachte, hat uns wenigstens Ich habe darauf hingewiesen, daß es dringend wünschensw abend zusammen. Genossin Juch a cz eröffnete die Tagung und infofern ein Stück vorwärts gebracht, als die Rechte und politischen sei, die Waffenstillstandsverhandlungen möglichst nur auf rein mili sprach ihre Genugtuung darüber aus, daß die starte Be- Freiheiten der Männer auch den Frauen gegeben wurden. Aber die tärische Fragen zu beschränken. General v. Gündell stimmte dem fchidung der Konferenz das fortdauernd rege Intereffe der politische Freiheit bedeutet nicht, daß wir dicht vor der Erreichung völlig bei, bat mich jedoch der Sicherheit halber, das oben aufgeführte Parteiorganisation an den Frauenfragen zeigt. In der Tat ist der des sozialistischen Zieles stehen. Seine Verwirklichung erfordert eine große Saal des Tivoli von Teilnehmern und Gästen der ersten Ron wesentlich größere Zeitspanne. Es sind Kindstöpfe, die da glauben, ferenz ganz erfüllt. daß man den Aufbau der sozialistischen Gemeinwirtschaft durch rasche Im Namen des Parteivorstandes wird die Konferenz begrüßt revolutionäre Schläge erreichen fann. Verwaltung und Wirtschaft von Genossen Adolf Braun . Die Frauen müffen find nur allmählicher Einwirtung und Ausbildung mit Herz und Hand dabei sein, unterworfen. Eine erste Voraussetzung dafür ist, daß wir

Hilfsmaterial zu beschaffen."

Man weiß nicht, worüber man sich beim Lesen dieses Telegramms mehr wundern soll, über die naive Selbstverständ­lichkeit, mit der die DHL . hier auch nach der Anmeldung ihrer Niederlage wiederum in Anspruch nimmt, politische Verhand­lungen mit dem Gegner zu führen, oder über die bedauerliche Selbsttäuschung, in der sie sich in bezug auf ihre eigene Lage gegenüber den Gegnern befand. Sie hatte immer noch nicht begriffen, daß sie militärisch geschlagen, daß der Moment, da sie unter Berufung auf ein starkes Heer und eine noch nicht verzweifelte militärische Lage mit dem Feinde wirklich ver­handeln konnte, längst verpaßt, daß nun, nach der Niederlage im Westen und dem Zusammenbruch im Südosten, wirklich jener Augenblick gekommen war, mit dem sie das deutsche Volk während des Krieges so oft eingeschüchtert hatte, der Augen­blic, da einer der beiden Kriegführenden wirklich militärisch gesiegt hatte. Sie begriff es nicht. Sie wollte es nicht be­greifen. Sie bildete sich ein, daß Herr Foch ihre Vertreter empfangen werde, um über den Ursprung des Krieges und die Gründe für den päpstlichen Friedensschritt zu debattieren. Nachdem sie mit Kanonen den Feind nicht hatte zerschmettern

wenn der Sozialismus vorwärts dringt und seine letzten Ziele ver. alle Möglichkeiten durch uns selbst ausnutzen. wirklichen will. Wir kommen nicht vorwärts, wenn die Mehrheit unferes Boltes nicht an den wichtigsten Zielen der Partei und der Nach der Revolution wurden die Genoffen in der Regierung und in Gesellschaft mit arbeitet, wenn die Mütter der fommenden leitenden Verwaltungsstellen mit dem Vorwurf verfolgt, daß die den Generation nicht mit dabei sind. Es ist bedauerlich, daß Berwaltungen noch immer reaktionär feien und die Arbeiten unserer lei die Zahl der sozialistisch organisierten Frauen in den letzten Jahren tenden Genossen sabotieren. Trotz allen guten Willens lassen sich zurückgegangen ist. Wir fennen die schweren Hindernisse diese Beschwerden nicht im Handumdrehen abstellen. Das gilt auch unferer Arbeit. In dem mangelhaften Eifer der Genossen in Be für die fommunale Berwaltung. Die Bedeutung unserer Tätig. girts- und Lokalorganisationen muß die Frauenkonferenz Wandel teit in den Gemeinden wird noch immer nicht richtig eingeschäßt. Schaffen. Gemeindeverwaltung und Gemeindewirtschaft sind die Bellen der Frau Klügel Görlitz begrüßt die Frauenkonferenz im Auf- ganzen Berwaltung und des öffentlichen Wirtschaftslebens. Hier trage des Bezirkskomitees und des Sozialdemokratischen Bereins werden die Angelegenheiten des täglichen Lebens bis hin zu den Görlitz , im Namen der sozialdemokratischen Frauen und Männer allergewöhnlichsten Angelegenheiten geordnet, hier wird der tägliche Niederschlesiens . Der Bezirk habe 5700 weibliche Mitglieder, habe Bedarf jedes einzelnen befriedigt. aber in der jüngsten Werbewoche über 1000 neue weibliche Mit­glieder gewonnen. In den Bezirks- und Ortsvorständen, in den Jugend- und Bildungsausschüssen, in den Gemeinden und in der Wohlfahrtspflege sind die organisierten Frauen eifrig tätig. Eie Run findet man auch heute noch und nicht nur in den bürgerlichen tönnen, wollte sie ihn nunmehr mit dem Propagandamaterial stehen entschlossen zur SPD . Kreifen die Auffaffung, daß die Frau feine allzu starke Eignung für des Kriegspresseamis und der Ohla totschlagen. Sie begriff Nach dem Bortrag eines Brologs nimmt die Frauenkonferenz biefe Tätigkeit befize. Die Tatsachen beweisen das Gegenteil. In nicht, daß wir am Ende waren und daß sie durch ihr erzwun­Ihre Konstituierung vor durch die Wahl von Frau Ottilie Bader den Kriegsjahren haben sich die Frauen in der Gemeinwirtschaft in nicht, daß wir am Ende waren und daß sie durch ihr erzwun­zur Vorfizenden. Weiterhin werden gewählt: Frau Marie vollstem Maße bewährt, und es ist bedauerlich, daß sie sich genes, dem Prinzen Mag abgepreßtes Waffenstillstands­Suchacz, Frau Haute Rattowiß, Frau Schröder. Altona , nach Kriegsende wieder haben zurück drängen lassen. Nach ihren angebot selber eine Bewegung in das Volk hineingebracht als Schriftführerinnen Frau Johanna Lesch Frankfurt a. M., Leistungen hätten sie das Recht gehabt, den Umfang ihrer Mitarbeit hatte, die nun nicht mehr aufzuhalten war. Schulte- Köln, Hilda Müller und Luise Kähler- Berlin . I mit aller Energie festzuhalten. Denn jeder vorurteilslose Kommunal- Die Antwort, die der damalige Staatsjefretär Solf am Beratungsgegenstand der diesjährigen Reichsfrauenfonferenz ist die politifer wird auf Grund der gemachten Erfahrungen feststellen nächsten Tage Herrn v. Lersner erteilte, war kurz und bündig. Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. müffen, daß die Mitwirkung der Frau in der Gemeinde fchlecht. Sie wies die DHL. in ihre militärischen Schranken zurück und bin unentbehrlich ist." reservierte politische Verhandlungen denjenigen Instanzen, die für die Führung der Politik nerantwortlich waren.

Das einleitende Referat hält Stadtrat Bugti.Berlin Die revolutionäre Umwälzung des November 1918, die den fata

Nirgendwo fann die Tätigkeit der sozialistischen Frau ausgeschaltet werden.

( Schluß in der Morgenausgabe.)