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Nr. 448 38. Jahrgang Ausgabe

Nr. 222

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Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit". Der Unter haltungsbeilage Heimwelt" and der Beilage Siedlung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Gonn tags und Montage einmal

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Abend- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands

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Donnerstag, den 22. September 1921

Bisher 320 Tote festgestellt.

aus. Ich hoffe, daß es ärztlicher Hilfe und Pflege gelingt, die so

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Ervedition und Inseraten.

Abteilung Morinplay 11753-54

Der Tischlerstreit in Berlin .

Bon M. Kayser.

Der Kampf, den die Berliner Tischler felt dem 13. Auguft Ueber die Zahl der Opfer bei ber Oppauer Rata- milien ber Opfer bes Unglüds in Oppau 75 000 Mart überführen, ist ein gewöhnlicher Lohnstreit. 3war strophe sind auch heute offizielle Zahlen noch nicht bekannt. reichen lassen. fordern die Streifenden auch eine angemessene Erhöhung der Die Aufräumungsarbeiten gehen naturgemäß nur langsam Die Opfer. Löhne, in erster Linie tämpfen sie um die Anerken­vorwärts, und bei dem Umfang und den radikalen Wirkungen der Katastrophe wird man damit rechnen müssen, daß es einige Ludwigshafen , 22. September, 11 Uhr miffags.( MEB) nung des Reichsmantelpertrages. Im Grunde find den Berliner Unternehmern des Holz­Beit in Anspruch nehmen wird, bis volle Klarheit über die ie wir von zuständiger Stelle erfahren, find bei den gestrigen Ber­Ausmaße des Unglüds geschaffen ist. Wenn auch einige Hoff gungsarbeiten 320 Tote geborgen worden. Es besteht jedoch gewerbes die Bestimmungen des Reichsmantelvertrages gar mung besteht, daß die Zahl der Todesopfer nicht die Höhe er die Befürchtung, daß noch eine Anzahl Toter unter den Trümmern nicht wichtig; die meisten von ihnen dürften den Vertrag auch reicht, die in den ersten Stunden nach der Explosion ange- liegt. Die Zahl der Verletzten kann auch nicht annähernd angegeben faum gründlich studiert haben. Hätten sie das, dann würden geben wurde, so ist es doch leider schon heute wahrscheinlich, werden, da diese in den verschiedenen Krankenhäusern untergebracht, sie erkennen, daß er in feiner Weise eine grundlegende daß die Ziffer eines halben Tausend erreicht wird. Angesichts zum Tell in häusliche Pflege übernommen worden sind. Groß ist die Alenderung der seitherigen Arbeitsbedingungen bedeutet. Die dieser Tatsache muß gefordert werden, daß die Unter- 3ahl der Erblindeten. In der Heidelberger Augentlinit allein bisher gepflogenen Verhandlungen haben immer wieder be­fuchung über die Ursachen des Unglüds mit aller wurden etwa 40 erblindete Perfonen arfgenommen. Die Gerüchte stätigt, daß es allein der Obermeister Baeth ist, der Strenge und Beinlichkeit durchgeführt wird. Die Erklärung von 1000 Toten find übertrieben. Nach einer Mitteilung der Diret- fich der Anerkennung des Reichsmantelvertrages widersetzt. der Wertverwaltung ist in feiner Weise ausreichend. Ein fion befrug die Zahl der während des Unglücks anwesenden Er hat seinen Anhängern Schauergeschichten über den In­Bericht der Frankfurter Beitung" spricht davon, daß die Arbeiter 2225 Mann. halt des Vertrages erzählt. In gewissen Kreisen der Berliner Katastrophe auf den Ueberbrud eines Gafo. Unternehmer findet dieser Märchenerzähler gern Glauben, meters zurückzuführen ist. Diese Angabe findet in ver Eine Hilfsaktion des Reiches. denn seine Vorstellung der Streitfrage gibt einen billigen schiedenen übereinstimmenden Beobachtungen im Augenblick der Der Reichspräsident richtete an die Regierung in Borwand für das Beharren in einem Kampf, dessen einziges Explosion eine Stüße. Hier würde also die Prüfung einzu Spener folgendes Telegramm: Biel es ist, den Arbeitern den Daumenins Auge fehen haben. Es handelt sich ja nicht nur darum, die Schul­Lieferschüttert burch die Nachricht von dem furchtbaren Unglüdu brüden und ihre Kampftraft auf lange hinaus zu bigen festzustellen, sondern in erster Linie auch darum, durch im Oppauer Wert spreche ich den bedauernswerten Hinterbliebenen lähmen. Solche Ideen finden bei einem guten Teil der Ber­erhöhte Schußmaßnahmen in den anderen Betrieben der Mög ber getöteten Arbeiter und Angestellten meine herzlichste Teilnahme Eine große und täglich wachsende Zahl von Arbeitgebern liner Unternehmer viel Verständnis. Nicht bei allen. lichkeit einer Wiederholung der Katastrophe vorzubeugen. Die Hilfsaktion für die überlebenden zahlreichen Berlegten, derer ich in aufrichtigem Mitgefühl gebente, hat sich von dem Paethschen Einfluß freige­Opfer hat, wie es nicht anders zu erwarten war, mit aller zu retten. Der materiellen Notlage der von dieser schweren Rata macht und mit den Arbeitern Frieden geschlossen. Die Energie eingefeßt. Und hier halten wir es für unsere Ehren- ftrophe Betroffenen vorzubeugen, wird eine dringliche Aufgabe der Zahl der bewilligenden Unternehmer wäre noch weit größer, pflicht, öffentlich festzustellen, daß auch die französischen Be Reichs- und Staatsbehörden und menschenfreundlichen Hilfe der wenn nicht viele den Verlust fürchten, der ihnen aus dem fagungstruppen und die Befagungsbehörden an dem Hilfs Boltsgenossen sein. Berfall der Wechsel erwächst, die sie leichtsinniger Weise hinter Reichspräsident Ebert. mert tätigen Anteil nehmen. Der französische Oberkomman bierende Degoutte und der französische Oberkommissar ter gebeten, sofort eine Hilfs attion für die Berunglüd­Außerdem hat der Reichspräsident den Reichstanz- legt haben und die sie nun an das Gefolge von Baeth fesseln. Die Berliner Organisation der Arbeitgeber sind die Tirard haben sich persönlich an die Unglücksstätte begeben, ten und ihre Hinterbliebenen einzuleiten. Vertreter der Reichs- Bereinigten Berbände der Berliner Holz­um die Arbeiten der Befagungstruppen zu leiten. Sie haben für die Opfer eine namhafte Summe gespendet. Diese Hal. regierung befinden sich auf dem Wege nach Oppau. Der Reichs industrie", ein ziemlich enges Kartell von Verbänden, an tung ist nicht mehr wie selbstverständlich. Vor dem Unglüd präsident hat aus dem Dispositions fonds dem Hilfs deffen Spitze der Obermeister der Berliner Tischlerinnung Theodor Baeth steht. Die Bereinigten Verbände sind im und vor dem Tode macht alles Halt. Unglück und Tod tennen werf 250 000 Mart überwiesen. feine Rassen-, tennen teine Klaffengegenfäße. Um so verwerf Reichskanzler Dr. Birth fandte an den Regierungspräsidenten Herbst vorigen Jahres ins Leben gerufen worden im Hinblic auf die damals bevorstehende Tarifvertragsbewegung. Er licher ist es, wenn verantwortungslose Stellen voreilige Mel- folgendes Telegramm: dungen herausgaben, in denen die Hilfstätigkeit der Be Die Nachricht von der entseglichen Explosionsdatastrophe hat mich hat bei jener Gelegenheit die Auffaffung vertreten, daß fünftsg die allgemeinen Fragen durch den Reichsmantel­fagungstruppen abgeleugnet wurde, und wenn eine verant aufs Lieffte erschüttert. Ich bitte Sie, den Angehörigen der Getöteten vertrag zu regeln sind, während die Regelung der speziellen wortungslose Bresse , die selbst vor dem Grabe Hunderter, und Berlegten den Ausdruck meiner herzlichsten und innigsten Teil Lohnfragen durch örtliche oder landesverbind­vor dem Unglüd Tausender mit ihrer" Roste es, was es fofte" nahme zu übermitteln. Haßpropaganda nicht halt macht, von diesen Meldungen Weitere Telegramme find eingetroffen vom bayerischen Gesamt haben die Berliner Tischlermeister zugestimmt. Herr Baeth Gesamtliche Unterverträge erfolgen soll. Dieser Auffassung minifterium und von der preußischen Regierung. Spener, 22. September. ( MTB.) Sämtliche Bezirksämter der von Arbeitgeberverbänden aus dem ganzen Reich mit den wurde ihr Vertreter in der Kommission, in welcher eine Reihe Pfalz sind von der Regierung angewiesen worden, Sammel- Arbeitervertretern über die Geftaltung des Reichsmantelver­stellen zur Sammlung von Spenden für die Angehörigen der trages verhandelt haben. Getöteten und Berlegten sowie der Beschädigten zu errichten. Nahezu sieben Monate wurde verhandelt und Herr Paeth hat sich daran sehr lebhaft beteiligt. Als die Verhandlungen beendet waren, hat die überwiegende Mehrzahl der Arbeitgeber organisationen dem Vertrage zugestimmt; nur Herr Baeth erhob namens der Berliner Unternehmer Protest.

Gebrauch macht.

Mainz , 22. September. ( WTB.) Wie mitgeteilt wird, hat der französische Oberkommissar in den Rheinlanden, Tirard, den Ar beitergewerkschaften in Ludwigshafen als erste Beihilfe für die Fa­

ben Inschriften: Es lebe der Strelt bis zum äußerften!", Brot ober Blei!" mitgeführt wurden. Hunderte von Fensterscheiben wurden durch Steinwürfe zertrümmert. Die Polizei nahm einige Berhaftungen vor. Die Verhafteten wurden alsbald wieder frei­gelassen.

Das tam nicht von ungefähr. Der Berliner Obermeister hat einen ungeheuren Respett vor sich selbst. Er ist überzeugt, daß er allein geeignet ist, die Führung der Arbelt­

Die Entscheidung über Oberschlesien . Paris , 22. September. ( EE.) Dem New York Herald " wird aus Genf gemeldet: Zuverlässigen Informationen zufolge läßt der gegenwärtige Stand der Arbeiten des Biererfomitees für die ober­ Schlesische Frage die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß eine Ent­fcheidung vor Schluß der gegenwärtigen Session des Bölferbundes Die französische Gewerkschaftskonferenz. geber des Holzgewerbes in ganz Deutschland zu übernehmen. erfolgen tönne, und daß der Bölterbundrat noch vor dem 1. Ot Die Nationalversammlung der franzöfifchen Gewert. Seine Kollegen im Reich haben aber schnell erkannt, daß tober der Bollversammlung Mitteilungen über die Ergebnisse feiner Berhandlungen machen werde. Grundsäglich hätte sich die Versamm- schaften nahm am Mittwoch die Wahl des Bureaus vor. Herr Baeth nur ein leerer Schwäger ist und sie haben Die Anhänger Mostaus wurden geschlagen. Mit etwa 80 zu die ihm als Querulanten gebührende Beachtung geschenkt. Als fung des Bölkerbundes mit der Angelegenheit nicht zu beschäftigen, 60 Stimmen wurden die Mehrheitsfanbibaten gewählt. dann die, hauptsächlich durch Baeths Schuld so lange hin­doch will man ihr von dem glücklichen Ergebnis Renntnis geben. Jouhaug, Dumoulins, Bourant, Lapiere wurden mit 71 und gezögerten Berhandlungen endlich doch beendet waren, da Die Bertreter Spaniens , Brafiliens, Chinas und Belgiens , die mit Calveirach mit 77 Stimmen neuerdings zu Sekretären gewählt. An hielt der madere Berliner Obermeister seine Zeit für ge­der Berichterstattung über die oberschlesische Frage beauftragt find, der Spike der Gewerkschaftskommission stehen weiterhin 3o u haur fommen. Nun wollte er zeigen, was er für ein arbeiten eifrigst, so daß die ganze Angelegenheit ausgezeichnete Fort- und feine Mitarbeiter. Bei den Wahlen des Berwaltungsausschusses für das Bureau Rerlift. Die Unternehmer in Deutschland wollten Baeth fchritte mache. Zwischen Balfour und Léon Bourgeois finden täglich Besprechungen statt. Man hat den Einbrud, daß des Allgemeinen Arbeiterverbandes erflärten die Vertreter der nicht als ihr Oberhaupt anerkennen, mun sollen sie seine Macht Frankreich und England zu einem Einvernehmen gelangten, so daß Minderheitsrichtung, fie würden das Berlangen des Allgemeinen tennen lernen: Er wird ihnen den Reichsmantel­Arbeiterverbandes nicht annehmen, gegen ihre Grundsähe zu arbeiten vertrag zerschlagen. die Entscheidung des Bölterbundrates beiden Staaten angenehm fein und für Jbeen einzutreten, bie fie befämpfen, und sich dadurch mit ben Taten, bie begangen worden feien, folidarisch zu erklären. Die arbeiter in Berlin . Die Unternehmer, die dem rabiaten Ober­Das ist der eigentliche Grund für den Kampf der Holz­Bertreter der Mehrheit hätten beschlossen, die revolutionären meister Gefolgschaft leisten, sind sich gar nicht recht bewußt, Arbeiterausschüsse auszuschließen. Darin wollten fie fie nicht unterstüßen, sondern sie daran hindern. Demgemäß welchen Sweden sie dienen und daß sie nur dem Obermeister wurden ausschließlich Bertreter der Mehrheitsrichtung gewählt. Auch zuliebe thr Geschäft ruinieren. der neue Verwaltungsausschuß besteht ausschließlich aus Anhängern ber Mehrheit.

wird.

Auslandsrundschau.

Im Berliner Holzgewerbe macht fich nach langer Depression wieder ein fleiner Aufschwung bemerklich. Auch die kürzlich veranstaltete Möbelmesse soll nicht ganz er folglos gewesen sein. Manche Anzeichen deuten aber darauf

Das Streifende in Nordfrankreich. Paris , 22. September. ( WTB.) Wie der Petit Parifien" aus Roubair meldet, haben gestern große Bersammlungen der Streitenden stattgefunden, in denen über die Lage Bericht erstattet murde. Bon einem Mitglied des Streitausschusses wurde dem ,, Bettt Parifien" erklärt, daß der Generalstreit tatsächlich zu Ende fei. Es bliebe nur noch übrig, diesen Beschluß des Streitausschusses Der gemischte Ausschuß der Arbeiterpartei des englischen hin, daß der augenblickliche Geschäftsaufschwung feinen langen durch eine Bersammlung der Ausständigen bestätigen zu lassen. Von Gewerfiaftstonarelles hat eine Entschließung ange Bestand haben wird. Um so bewundernswerter ist die Kurz­morgen an werden daher nur noch die Verbände, deren Arbeitsbe- nommen und an Lloyd George gesandt. in der der Ernst des Arfichtigkeit der Unternehmer, die einer Marotte ihres Ober­bingungen streitig seien, den Ausstand fortfehen, wie Textilarbeiter, beitslofen problems hervorgehoben und verlangt wird, daß meifters zuliebe die Konjunktur ungenutzt verstreichen lassen. ein Teil der Metall-, Bauarbeiter und ein Teil der Transportarbei, das Barlament unverzüglich zusammentritt, um Dabei haben die Berechnungen des Herrn Baeth ein ter. Die anderen, ble nur aus Solidarität gestreift hatten, werden fich mit der Lage zu beschäftigen. von heute die Arbeit wieder aufnehmen.

Der belgische Senat naben mit 58 zu 44 Stimmen einen großes Loch, das täglich größer wird. Er hat sich bemüht, Paris , 22. September. ( B) Rach einer, Mehung des malen bei Gammroet vergibt. Die 2ammer hatte diesen Reichsmantelvertrages abzuhalten und in Flugblättern, die Gelebeaportchios an, der den Frauen bei Provinzial. auch andere Arbeitgeberverbände von der Anerkennung des Journal" aus Tourcoing matree dort geffer to 8009 Borulan be reworken, numshe ein Konflikt entsteht, er herausgab, suchte er den Nachweis zu führen, daß für die Streitenden ein großer Umzug veranstaltet, wobel Schilder mit der zur Auflojung ber Kammer führen fann. Mehrzahl der Holzarbeiter in Deutschland der Reichs­