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Nr.466+38. Jahrgang

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Nr. 231

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Montag, den 3. Oftober 1921

Französische Friedensrede in Genf .

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Der Beschluß der USP.

Der Beschluß der Unabhängigen zur Frage der Regie­rungsbildung, der dem Sozialdemokratischen Parteivorstand als Antwort auf seine Anfrage zuging, ist ein hoch bedeut­fames Ereignis in der inneren Geschichte der jungen deutschen Republik . Spricht auch dieser Beschluß noch nicht die unmittelbare Bereitwilligkeit der Unabhängigen aus, in eine Koalitionsregierung mit einzutreten, so bedeutet er doch unter allen Umständen ein Aufgeben der grundsätzlichen Ab­lehnung gegenüber einer solchen Regierung und die Eröffnung on Möglichkeiten, die zu verwirklichen im höchsten Interesse des Staates liegt.

allen gemeinsam ist. Nichts aber ist auch erfreulicher als die Schnelligkeit, mit der die Selbstbesinnung einsette und die Um­stellung auf die neuen Aufgaben erfolgte, die uns die neuc Beit gestellt hat.

Die Völkerbundversammlung in Genf hatte am Sonn- ftändige und loyale Ausführung des Friedensvertrages, die die abend einen großen Tag. Die Rede, die der Vertreter Frank- wesentliche Grundlage des Völkerbundspaktes felbft bilden, erhalten reichs zur Abrüstungsfrage hielt, war ein Ereignis. Nach dem hat. Heute sind bisherigen Verhalten der französischen Delegierten, das hem­diese Sicherungen noch nicht vollständig erreicht. mend auf die wenigen positiven Resultate der diesjährigen 3war sind die materielle Abrüstung Deutschlands und die Ab Versammlung wirkte, rief fie in Genf ein Gefühl der Be- lieferung der Waffen so gut wie vollzogen. Aber die Möglichkeit freiung hervor. Uns, die wir nicht unter dem unmittelbaren neuer Rüftungen ist noch nicht beseitigt, so daß die Fortführung der bisherigen Kontrolle nicht überflüssig ist, so wenig Eindruck der Rede stehen, sei eine etwas fühlere Betrachtung wie die in Artikel 213 und die durch den französischen Antrag für gestattet. Es ist vielleicht kein Zufall, daß Frankreich nach den alle Staaten vorgesehene leberwachung. wenig abrüstungsfreudigen Reden seiner anderen Delegierten Mit besonderem Nachdruck erhob hierauf Noblemaire die For- Es soll hier nicht weiter untersucht werden, welchen Weg und nach dem wenig günstigen Eindruck, den die derung moralischer Abrüstung, die wichtiger sei als die vom Irrtum zur Wahrheit die Partei der Unabhängigen im Worte Hanotaur in der Frage des Mädchenhandels machten, materielle. Nach seiner Ansicht hat sich diese moralische Abrüftung letzten Jahr zunüdgelegt hat, es sei nur ausgesprochen, daß es daß man Noblemaire vorschickte und daß man ihm eine andere in Frankreich bereits vollzogen. Wie steht es mit die hohe politische Schulung der deutschen Ar­Route gestattete. Es ist vielleicht auch kein Zufall, daß diese Deutschland ? Wir wissen nicht, ob sich in Deutschland diese un- beiter war, die ihr das Zurücklegen dieses Weges erleichtert Rede in die Tage fällt, in denen sich Deutschland die klare entbehrliche Abrüftung der Geiſter und der Herzen vollzogen hat, hat. Nichts ist verständlicher, als daß die katastrophalen Er­Scheidung zwischen Reaktion und Demokratie vorbereitet. oder aber wir wissen zu gut, daß sie noch auf starte Widereignisse der jüngsten Bergangenheit Berwirrung und unklares Man wird es uns deshalb nicht verübeln, wenn wir der Rede gegenwärtig eine der erschütterndsten Tragödien abspielt: des Krieges Streben erzeugten, daß es Augenblicke des Schwankens gab vorsichtig prüfend gegenüberstehen. Darüber besteht natürlich und des Revanchegeistes gegen den Geist des Friedens und der und verhängnisvollen Streit über den Weg zum Ziel, das tein Zweifel, daß wir es nur begrüßen, wenn Frankreich Arbeit, einen Schlußstrich unter seine Politik der militäri­zwischen den Junkern und der Demokratie, ichen Gewaltandrohungen setzt. Wir können und da können wir uns unsere Sicherheit, die mit der Sicherheit Noblemaire nur zustimmen, wenn er sagt, daß die moralische ganz Europas zusammenfällt, gewiß und voll erst an dem Tage Abrüstung wichtiger ist als die militärische. Denn das erste ist porstellen, an dem die deutsche Republik unbeftritten ist, fich fefter Wenn die deutsche Industrie trotz aller politischen Er­die Voraussetzung für das zweite. Gelegenheit, diesen Grund- demokratischer Einrichtungen erfreut, und an dem in Deutschland der schütterungen Leistungen vollbringen konnte, auf die das Aus­faz Tat werden zu lassen, findet Frankreich mancherorts. Nicht heit gesichert ist, die auch die Ideale des Bölterbundes selbst find. Diese Leistungen unmöglich gewesen wären ohne den Fleiß endgültige Triumph des gerechten Ideals, der Würde und der Frei- land mit Staunen blickt, so darf nicht vergessen werden, daß zum mindesten im Saargebiet, dessen Vertreter soeben dem er aber will bestreiten, daß in diefer Stunde der Ausgang des und die Intelligenz der deutschen Arbeiter. Die deutschen Ar­diese Leistungen unmöglich gewesen wären ohne den Fleiß Bölkerbund ihre Wünsche unterbreiten. Duells noch unsicher ist, daß wir infolgedessen mit Gewehr bei Fuß bleiben müssen. Das sei, so führte Noblemaire weiter aus, beiter werden aber ihr Verdienst am Voltsganzen noch stei­tein Militarismus, sondern einfach der Wille, nicht noch einmal die gern und ihre Bedeutung für den neuen Staat erhöhen, wenn Genf , 1. Oftober.( WIB.) Die öfferbundsper Greuel des Krieges zu erleben. In diesem Geifte arbeite Frankreich fie nicht nur gute Arbeit leisten, sondern auch gute Poli fammlung nahm heute abend die Borschläge der dritten Rom. im Bölkerbund und werde jezt auch nach Washington gehen. Noble- tik treiben. Daß sie das wollen, dafür ist der Beschluß der miffion( Rüftungsbeschränkungen) an, über welche Lord Robert maire schloß seine Rede mit den Worten: Ich glaube, den Willen Unabhängigen ein neuer Beweis. Cecil- Südafrita Bericht erstattete. Die Vorschläge bezmeden meines Landes und auch des Bölkerbundes in folgende Worte zu u. a. den Kampf gegen die Anwendung von giftigen Gajen, fammenfaffen zu fönnen: si vis pacem, para pacem. Was würde der Eintritt der Unabhängigen in eine Roas der am besten durch Beröffentlichung der einschlägigen Erfindungen Die Rede wurde von vielfachen Beifallskundgebungen unter- litionsregierung bedeuten? Nichts anderes als dies, daß sich geführt werden könne. Die Regelung des Waffenhandels foll durch brochen. Rum Schluß beglückwünschten zahlreiche Delegierte den die ganze deutsche Arbeiterschaft pon den kleinen verwesen­cine möglichst schnelle Ratifizierung des Abkommens von Saint Redner. Alle späteren Redner, Fisher- England, Hymans- Belgien den Reften des Kommunismus abgesehen mit positiven Germain durch alle Staaten, auch die Nichtmitglieder, erzielt mer und auch Lord Robert Cecil schlossen sich der Rede an und hoben Leistungen am Dienst des neuen Staates beteiligen will. Die den. Ferner find Maßnahmen zur Zerstörung der im Kriege die Bedeutung ihrer Darlegungen zum deutsch - franzöfifchen Brobelm Gefahr neuer frampfhafter Erschütterungen, die mit den Sor­aufgehäuften affen und Munitionslager notwen hervor. So gab dig. Die temporäre gemischte Rommiffion wird aufgefordert, ein gen des fommenden Winters wachsen wird, wäre damit auf Ablommen über den Waffenhandel vorzubereiten, das noch das denkbar geringste Maß herabgemildert, und die innere vor der nächsten Böllerbundsversammlung einer internationalen zunächst dem Verständnis Ausdrud, das England der französischen Bolitik Deutschlands wäre für alle absehbare Zeit auf den Konferenz unterbreitet werden soll. Der von der letzten Bersamm Auffassung entgegenbringe. Jedoch feien nach seiner Ansicht die Weg gewaltlofer Entwicklung gewiesen. lung ausgesprochene Wunsch, der sich gegen die Vermehrung der frieblichen Gefühle nicht nur auf der einen Seite des Rheins. Der Hier zeigt sich ein Ziel, das jeden ernsten Staatsmanni Rüftungen richtet, wird wiederholt, wie auch die Forderung nach Friede Europas und der Welt wird erst möglich, wenn Frankreich Ermittlungen über den gegenwärtigen Stand der Rüftungen in den und Deutschland ihre Gegenfäße etwas vergessen haben. Er zitierte loden muß, dessen Wert feiner verkennen fann, der um die bei dieser Gelegenheit Beispiele ritterlicher Gesinnung deutscher Zukunft unseres Volkes ehrliche Sorge trägt. Für die So­einzelnen Ländern. Kriegsteilnehmer und sagte fchließlich, daß nicht nur Frankreich , zialdemokratische Partei ist dieses Ziel um so erstrebenswerter, sondern auch England den Frieden wolle. Frankreich und als seine Erreichung zugleich eine enorme innere Festigung der England, erklärte er wörtlich, sind in der letzten Zeit auf dem politischen Arbeiterbewegung und eine gewaltige Stärkung der diplomatischen Boden Europas nicht immer einig gewefen. Aeußern Republik gegen ihre Feinde mit sich bringen würde. folgen das gleiche Riel, beide wollen für den Frieden arbeiten, selbst will ich aber nichts darüber, meine Herren. Beide Staaten ver wenn fie in den Methoden nicht übereinstimmen.

Der wichtigste Antrag der Kommiffion stützt sich auf Articl 8 bes Paftes und verlangt vom Rate die

Fisher- England

Lord Robert Cecil ,

Ausarbeitung eines Planes für Rüstungsbeschränkungen. Andere Vorschläge beziehen sich auf die Verstärkungen der tempo rären gemischten Kommission und der entsprechenden Abteilung des Völkerbundssekretariats. Lord Robert Cecil schloß seine Darlegun gen mit der Forderung nach einer großangelegten Weltpropa­ganda für Rüstungsbekämpfungen mit einem Appell an die der die Debatte beschloß, bezeichnete die Rede Noblemaires als das Arbeiterklasse, der im Laufe der Debatte von verschiedenen große Ereignis der gegenwärtigen Tagung. Er ift einverstanden Rednern angenommen wurde. Hierauf hielt der Delegierte damit, daß man der Freundschaft Englands für Frankreich Aus­brud gibt, hält es aber für unehrlich, wenn man nicht auf gewiffe Mißverständnisse, die in der öffentlichen Meinung weiterbestehen, hinweist, die allerdings durch Reden, wie die des französischen De legierten, zerstreut werden können. Er hoffe, daß Noblemaires Rede in England, vor allen Dingen aber auch in Deutschland gelesen wird. Cecil schloß mit den Worten: In dem Kampfe zwischen dem Deutschland der Junker und dem Deutschland der Demokraten muß der Bölferbund fich auf die richtige Seite stellen und allen denen feine hilfsbereite Hand reichen, die dort für den Frieden arbeiten.

Noblemaire- Frankreich

eine lange Rede, in der er den französischen Standpunkt zu dem Abrüstungsproblem, der sich im letzten Jahre und seit den Friedens verhandlungen in Paris nicht verändert habe, barlegte und als Voraussetzung für eine spätere Abrüstungspolitik die vollige Durch führung der Abrüstung bei den durch die Friedensverträge dazu ge­zwungenen Nationen und die Organisation des Kontrollrechts for berte. Schließlich sei die Prüfung einer gemeinsamen, vom Bölter. bund auszuübenden Aktion auf Grund des Artikels 16 des Battes notwendig. Das Abrüftungsproblem fann nach dem französischen Delegierten nicht besser als an einem tonkreten Beispiel, das aber nur ein Beispiel sein solle, beleuchtet werden, und zwar an dem

Denkschrift der Saardelegation.

daß die Sozialdemokratische Partei den Beschluß der USP. Es darf darum nicht der leiseste Zweifel daran bestehen, mit dem größten Ernst behandeln wird, daß sie ihr feineswegs bloß als einen Zug in einem politischen Schachspiel betrachtet, der durch Gegenzüge wieder ausgeglichen wird, fondern daß sie in ihm ein politisches Ereignis erblickt, dem die möglichst weiteste Auswirkung gegeben werden muß.

Die Mindestforderungen, die in dem Antwort schreiben der Unabhängigen aufgestellt werden, halten sich im Rahmen des Möglichen und sind auch alte Forderungen der Sozialdemokratie. Unübersteigbare Hindernisse für die bür gerlichen Parteien, auf sie einzugehen, sind nicht vorhanden: follte man vielleicht die Sozialisierung des Berg baues als ein solches betrachten, so wäre daran zu erinnern, daß diese schon im Januar d. J. von einem bürgerlichen Kabinett grundsäßlich beschlossen worden ist, und daß der volksparteiliche Wirtschaftsminister Scholz und der volks­Genf, 2. Oktober. ( WTB.) Die in Genf weilende Vertretung parteiliche Schahminister Raumer damals für sie gestimmt Berhältnis zwifchen Deutschland und Frankreich . des Saargebietes hat ein vorläufiges Memorandum ausgear- haben! Unter gespannter Aufmerksamkeit der Bersammlung erflärte beitet, in dem als wesentliche Ursache der wirtschaftlichen Die ,, ausreichende Heranziehung des Besizes, insbesondere Noblemaire, daß er mit Vorsicht, Höflichkeit und Gerechtigkeit das Notlage des Landes die gegen den Willen der Bevölkerung er- auf dem Wege der Erfassung der Goldwerte" ist Broblem anfassen wolle. Er betonte zunächst, indem er an feine folgte Einführung der Frankenwährung neben der Mart- auch für die Sozialdemokratische Partei eine Bedingung für eigenen Kriegserlebnisse erinnerte, daß man auch die Gefühle und währung bezeichnet wird. Das Memorandum weist darauf hin, ihre Beteiligung an der Steuerarbeit und damit für ihr Ver­die Tapferkeit beim Gegner achten müsse. Genau so wie der fran- daß die faarländische Industrie nach wie vor für den weitaus größten bleiben, in der Reichsregierung. Sie ist im Görlizer Bes zöfifche Soldat vor dem Tod im Felde als letztes Wort Es lebe Teil des Absages auf den deutschen Markt angewiesen ist, da schluß und in der Entschließung unserer Reichstagsfraktion Frantreich! ausgerufen hat, find auch Hunderte und Taufende die tatsächlichen Verhältnisse es unmöglich machen, fich in Frankreich gefordert ebenso wie die Fortführung der Sozialpolitik, der von deutschen Soldaten mit dem Rufe auf den Lippen gestorben: ein Absatzgebiet zu eröffnen. Infolge der Einführung der Franken- Schutz der Republik, die Politik der Bölkerverständigung. Es Es lebe Deutschlant". Warum, fo rief Noblemaire aus, follen diese heiligen Wünsche unserer Helden und ich sage das mährung müsse die faarländische Industrie ihre Selbst to sten ist festzustellen, daß bisher dies sei ohne alle Ironie be­Bort Helden" von ganzem Herzen, indem ich mich bemühe, die für Rohstoffe, Kohlen, Frachten und dergleichen in Franken auf- merft feine Bartei eine ähnlich weitgehende Bereitwillig­Ausschreitungen, deren Schreden wir nicht wieder erleben wollen, bringen, während der Bertauf fast nur in art erfolgen fann. teit gezeigt hat, sich auf den Boden des Görliger Beschlusses zu vergessen, warum sollen diese Wünsche fich nicht alle verwirt. So arbeitet vor allem die Eisenindustrie mit ihren etwa 35.000 Ar zu stellen, wie die Partei der Unabhängigen. lichen! Warum soll es unmöglich sein, daß in Zukunft Frankreich beitern seit Monaten mit wachsenden Berlusten, die sich auf Als Ironie tönnte diese Feststellung höchstens denjenigen lebt, aber auch Deutschland iebt? Warum soll neben einem freien viele Millionen beziffern. Da nun auch die Besoldung der Kommu erscheinen, die den Görlizer Beschluß falsch aufgefaßt haben. und friedlichen Frankreich nicht ein freies Deutschland leben nalbeamten in Franken durchgeführt werden soll, was auch die Zah- Diefer Beschluß richtet sich nämlich, wie hier gleich von Anfang fönnen? Eind wir nicht gerade deshalb hier, um dieses Ereignis, fung der Steuern in Franken nach sich ziehen würde, werde die an hervorgehoben wurde, nicht an eine einzelne Partei, fon­das in fich das Glück und den Frieden eines großen Teiles der Mart endgültig verdrängt werden. Damit wäre die Eaar- dern an alle, rechts sowohl wie links. Infolgedessen hat er Welt birgt, zu ermöglichen und es in Bälde zu ermöglichen? Noble­maire glaubt, daß dieses Ziel mit dem Zusagantrag Bourgeois zu industrie nur noch auf den franzöfifchen Martt ange auch nicht die befürchtete Wirkung gehabt, die Kluft in der verwirklichen ift, das heißt, menn Frankreich die notwendigen Wie wiesen, der dafür nicht aufnahmefähig fei, was zu einer schar politischen Arbeiterbewegung zu verbreitern. Man kann sogar bergutmachungen, die notwendigen Sicherheiten durch eine vollfen wirtschaftlichen Krise im Saargebiet führen müffe. erfreulicherweise das Gegenteil tonstatieren.

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