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flr.4$5 �ZS. Jahrgang Ausgabe A Nr. 245 Bezugspreis: ViertelMrI. 36, M., monatL 12, SR. frei ins Saus, voraus zahlbar, Post- bezug: Monatlich 12, M. einschl. gu- siellungsgebuhr. Unter Kreuzband für Deutschland . Danzig , das Saar - und Memelgebiet, fowte die ehemals beut- schen Gebiete Polen «, Oesterreich, Ungarn und Luxemburg 22, SR., für das übrige Ausland 2g, SR. Post- besteüungen nehmen an Oesterreich, Ungarn , TscheMo- Slowakei , Däne- mark, Holland , Luxemburg , Schweden und die Schweiz . Der.Vorwärts" mit der Sonntags - deilage.Volk und Zeit", der Unter- Haltungsbeilage»eimwelt" und der BeilageSiedlung und Kleingarten" erjchelnt wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: �Sozialdemokrat Berka-

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Freitag, den 14. Oktober 1931

vonvärts-verlag G.m.b.H. , SW 68, iindcnfltc. 3 SCrrwinr� riiet-- Verlag, Expedition und Inseraten- . Abteilung Morihplah 1l7SZ-k»

ßn öie werktätige Bevölkerung Groß-Serlins!

Am Sonntag, den 16. Oktober, soll es sich entscheiden, ob in der Stadtverordnetenversammlung eine bürgerliche oder sozialistisch« Mehrheit über das Schicksal der Viermillionenstadt Berlin be- stimmen soll. Mr die werktätige Bevölkerung, die unter Mühen und Sorgen um das nackte Leben ringt, sür alle Lohn- und Gehaltsempfänger kann die Entscheidung nicht schwer sein. Für sie gibt es nur eine Wahl: Am 16. Oktober muh aus der Wahl eine sozialistische Mehrheit emporsteigen. Das gesamte Bürgertum bis zum Grohindustriellm, zum Groß- kaufmann und Bankier, die Hausagrarier und die ganze alte reak- tionäre Bureaukratie stehen geschlossen im Kampf gegen den Sozialismus. Di«ser Einheitsfront des Bürgertums, das mit ungeheueren finanziellen Mitteln, mit Lug, Trug und Verleumdung arbeitet, muß die Einheitsfront der Werktätigen entgegengestellt werden. Das Bürgertum, das über Mißwirtschast in der Stadtverwal- tung schreit, verschweigt wohlweislich, daß es ein Defizit von über 4. Milliarden den Sozialisten hinterlasien hat. Die finanziellen Schwierigkeiten der Stadt fallen also auf das Schuldkonlo der früheren bürgerlichen Mehrheit im Stadtparlamenl. Die sozialistische Mehrheit war gezwungen, eine vollständig bankerotte Wirtschaft, eine Folge des Krieges und des politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruchs, zu übernehmen: sie hat aber nach besten.Kräften versucht, diese Sünden des Bürgertums wieder gutzumachen. Gut« Anfänge dazu waren bereits vorhanden, als die bürger- lichen Parteien in ihrem Machthunger die Auflösung des Stadlparlaments betrieben, in der Hoffnung, ihre Herrschaft über das werktätige Volk wieder aufzur'chten. Die organisierte Berliner Arbeitnehmerschaft kann und darf es nicht dulden, daß die bürgerlichen Parteien je wieder zu unum- schränkter Herrschaft über das Proletariat gelangen. Nicht bürger- lich rückständige, sondern sozialistisch weitblickende Politik muß im Stadtparlament betrieben werden.

Nur der Sozialismus führt vorwärts und aufwärts! Iugendschutz, Jugendpflege und Jugend- erziehung muß den reaktionären Gewalten entrisien werden. Die Fürsorge für die Erwerbslosen, Schwa- chen und Kranken ruht am sichersten in den Händen von Vertretern des werktätigen Voltes, von überzeugten Sozialisten. Die Steuerpolitik der bürgerlichen Parteien läuft darauf hinaus, die breiten Massen des werktätigen Volkes zu be- lasten und die Reichen und finanziell Starken zu schonen. Die Wohnungsnot mit allen ihren üblen Begleit- erlcheinungen in moralischer, sozialer und hygienischer Hinsicht schreit zum Himmel. Nur mit Mitteln, die zur Gemeinwirkfchafi führen, kann die Wohnungsmiser« behoben werden. Eine gesund« Lohnpolitik in den städtischen Wer- ken, denn die Stadt Berlin ist der größte Arbeitgeber, ist nur van einer sozialistischen Mehrheit zu erwarten. Auf allen Gebieten der Kommunalpolitik muß der sozialistische Geist herrschen, wenn die werktätige Bevölkerung Berlins gegen die reaktionäre Unter- drückung und Belastung geschützt werden soll. Darum rufen wir die organisierte Arbeitnehmer- schaft Berlins , die Männer und Frauen des werktätigen Volkes auf, am 16. Oktober nur den sozialistischen Parteien ihre Stimme zu geben. Die Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre haben die Pflicht, in den Betrieben ihre Kollegen und Kolleginnen auf die Bedeutung dieser Wahl hinzuweisen und es ihnen zur Pflicht zu machen, ihr Stimmrecht auszuüben. Organisierte Arbeitnehmer, die von der Wahl fernbleiben, be- gehen gewerkschaftlichen Disziplinbruch und damit Verrät an den Interessen ihrer Klasse. Das sozialistische Berlin muß auch am 16. Oktober den Sieg davontragen, und dieser Sieg ist uns sicher, wenn Männer und Frauen des Proletariats ihre Pflicht tun. Wenn je, so gilt bei dieser Wahl der Grundsatz: Wahlrecht ist Wahlpflicht! Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend: Sabal h. Vollmerhaus.

Halfours Hericht. London . 13. Oktober. (DJIB.) Wie Renler erfährt, meldet ein vormittags von Balfour aus Genf eingegangenes Telegramm, daß der Völkerbundrat die Empfehlungen des Ausschusses über Oberschlesien angenommen hat, deren Text den Alliierten mitgeteilt wird. Man hält es nicht für wahrscheinlich, daß eine besondere Zusammenkunft des Obersten Rates stattfinden wird, aber über diesen Punkt wird vor der Prüfung des vorgeschlagenen Textes noch keine endgültige Entscheidung getroffen werden. Die Angaben über die Empfchlungen besagen, daß der Völkerbund eine sehr faire Lösung getroffen zu haben scheint, indem er das Gebiet gemäß dem Ergebnis der Volksabstimmung teilte, während anscheinend wirtschaftliche Vereinbarungen getroffen wurden, um die Wirtschaft. liche Wohlfahrt der in Frage kommenden Gebiete zu gewährleisten. Die Schlußansicht der alliierten Regierungen muß bis zum Erhalt de« Textes abgewartet werden, doch muß daran erinnert werden, daß die Mächte sich verpflichtet haben, die Entscheidung anzunehmen. Dies schließt durchaus nicht die Möglichkeit aus, daß einer oder alle alliierten Bemerkungen dazu vorbringen. sobald die Entscheidung bekanntgegeben ist; es wird erwartet, daß Deutschland und Polen sie vollkommen und loyal annehmen. Der Oberste Rat wird sich nicht im geringsten durch irgendeinen Versuch der einen oder anderen Seite, Abänderungen zu erhalten, in seiner Haltung beirren lassen. Soweit das vorstehende Telegramm über die Mitteilimg vom Eintreffen des Balfourfchen Berichts hinausgeht, scheint es die Meinung des Reuterschen Bureaus wiederzugeben, hinter der aller- dmgs höhere Instanzen stehen können. Paris , 12. Oktober. sTll.) Der Kurier des Völkerbundes. der das Gutachten des Völkerbundrats überbrachte, ist beute vor- miftaa in Paris einqetroflcn. Er hat sofort dem Seneralsekretoriat des"Ministeriums des Aeustern das Dokument übergeben. Vriand hat als Präsident des Obersten Rates das Gutachten sofort an die alliierten RÄerungen weitergegeben. Das Dokument umfaßt ein Begleitschreiben und ein Vorwort. Das Vorwort erläutert, in welcher Art und weise der Völkerbundrat gearbeitet hat. und es entbält die Gründe und Dokumente, aus die der Rat sich bei der Tests ebuna der Grenzen gestübt hat. Schließlich zählt es die Gründe auf. weshalb der Rat die Einsetzung eines Wirtschaftsrates vorschlägt. O Die Interalliierte Kommission in Oberschlesien erläßt einen ein- dringsichen Ausruf, die Ruhe zu bewahren wie einst bei der Volks- absttmmung. Sie kündigt alle Energie gegen Ruhestörungen an.

Die gestrige Mitteilung des Völkerbundsekretariats bestätigt trotz deren unbestimmter Form und obgleich alle Angaben über die Grenzlinie oermieden werden, die bisher veröffentlichten Meldungen. Einzelheiten über die Grenzlinie lassen sich unmittelbar aus den Mitteilungen über die wirtschaftlichen Abmachungen herauslesen. So kann es sich bei Abmachungen über die Eisenbahnfrage nur um die Bestimmung über die Eisenbahndirektion handeln, die sich bekanntlich in Katto. vitz befindet, das nach den bisher bekannten Meldungen Polen zufallen soll. Die Bemerkung über die Wasser- Versorgung gilt den: östlichen Teil des Kreises Tarnowitz . An- gaben über die Elektrizitätsversorgung dem Orte Chorzow , der zwischen Kattowitz und Lönigshütte liegt, und die Einzelheiten über die Zink- und Kohlenproduktion verweisen von neuem auf Kattowitz und vielleicht auch auf den östlichen Teil de» Kreises Beuthen.

Sozialdemokratischer Aufbau. Zu den Kommunalwahlen am 16. Oktober. Von Earl Mermuth. Je näher der Termin der Stadt- und Vezirksverordneten- wählen heranrückt, desto unverhüllter zeigen sich die bürger» lichen Parteien im Kampf gegen die alte Stadtverordneten- Mehrheit. Dieser Wahlkampf enthüllt sich uns in seinen Einzel- erscheinungen als ein gewaltiges Ringen zweier streng ge- schiedener Gruppen: hier Besitzende, deren Ideologie und aus- geprägtes Klasseninteresse in der kapitalistischen Weltanschau- ung wurzelt, dort die werktätigen Schichten, auf deren Schul- tern die Schwere der Zeit lastet und die einer besseren Zu- kunft die Wege ebnen wollen. Dieses Ringen nach neuer Gestaltung der geistigen und wirtschaftlichen Verhältnisse kann in seiner Bedeutung nicht herabgemindert werden, auch wenn unsere kommunistischen Phantasten durch ihre politischen Harlekinaden den bürger- lichen Parteien eine billige Gelegenheit zur demagogischen Wahlmache geben. Den kommunistischen Phantastereien mat� hin und wieder noch der ehrliche Wille zugrunde liegen, wäh- rend die v. Eynern, Dr. Steiniger und Genossen in ihrer Be- kämpfung der von der sozialdemokratischen Fraktion betrie- denen Politik bewußt ein frevelhaftes Spiel treiben. Denn daran, daß die wirtschaftliche und finanzielle Misere, unter welcher nicht allein das mit einer sozialistischen Verwaltung versehene Berlin leidet, auf das Konto der Sozial» demokratie zu setzen ist, glauben diese eingefleischten Vertreter deutschen Größenwahnsinns wahrlich selbst nicht. Und bei ernster Selbsteinkchr, zu welcher doch gerade a b g e st e m- pelte Fachleute der Verwaltung fähig sein sollten, müßten die Gegner der sozialistischen Mehrheit eingestehen. daß die letztere sich unter der Ungunst der Verhältnisse sehr wacker gehalten hat. Aber gerade die Tatsache, daß bereits nach knapper Jahresfrist der Beweis für den unbestrittenen Erfolg sozialistischer Verwaltungsarbeit erbrächt ist, stachelt unsere Gegner zu immer schärferem Kampfe an. Nicht eine Gesundung und Erstarkung der neuen Einheits- gemeinde liegt ihnen am Herzen, sondern derKampfgegen das Prinzip des kommunalen Sozialismus. Der Zerstörung dieses Prinzips opfern jene Helden wenn es sein muß die Wohlfahrt von Hunderttausenden ihrer Mitbürger. Diese Wahl selbst ist ein sprechender Beweis für die unverhülltsn Absichten der Gegner. In treffender Weise hat in der letzten Nummer der Kommunalen Praxis" vom 8. Oktober Genosse Victor N o a ck darauf verwiesen, wie die Deutsche Volkspartei aus reinem Parteiegoismus nur einen formalen Fehler einiger Wahlvorstände zum Anlaß nahm, die Ungültigkeit der Wahlen vom Juni vorigen Jahres im Verwaltungsstreitverfahren zu betreiben, obwohl sie durch die Wiedergutmachung dieses Fehlers auch nicht den geringsten politischen Nachteil erlitten hatte. Die um das Wohl ihrer Mitbürger so schwer ringende sozio- listische Verwaltung wurde gerade durch diese überflüssige Wahl in dem Wiederaufbau der Verwaltung a u f s n a ch t e i- ligste unterbrochen. Denn wer es weiß, was ein solcher Wahlkampf nicht allein für Geld verschlingt, sondern auch für eine Unsumme von Arbeit in der Verwaltung er- fordert, muß in diesem volksparteilichen Werk die klare Absicht mutwilliger Störung der planmäßigen Verwaltungsarbeit und gewollte Schädigung der Allgemeinheiterblicken. Wenn die um ihre Existenz schwer kämpfende städtische Arbeiterschaft eine Erhöhung ihrer Löhne fordert und erhält, zetert die bürgerliche Korona über die Mißwirtschaft des sozialistischen Magistrats, die Schädigung der Stadtgemeinde aber um Millionen erscheint den bürgerlichen Parteien als rettende Tat. Die Kreditfähigkeit Berlins , die noch vor Jahresfrist in bedenklicher Weise gefährdet galt, ist nicht zuletzt infolge des ernsten Bestrebens der in den städtischen Werken tätigen Ar- beiter und Angesteljten im Dienste der Allgemeinheit gebessert worden, sie wird indessen wieder vollständig vernichtet, wenn die bürgerlichen Parteien fortfahren, den"Aufbau der Ver- waltung und die Gesundung der Wirtschaftsbetriebe durch ihre skrupellosen Wahlmanöver zu stören. Alle ihre Argu- mente, mit denen die Feinde des sozialistischen Berlins jetzt vor die Wählerschaft treten, erweisen sich nur als bewußte Täuschung uneingeweihter Vorlksgenossen Es kann weder der Einwand, daß Verlin von unfähigen Männern verwaltet werde, noch daß die kommunalen Betriebe unrentabel arbeiten, mit Tatsachenmaterial erhärtet werden. Denn daß die gegenwärtig in den verschiedensten Dezernaten amtierenden Stadträte ein größeres Maß fachlicher Eignung aufweisen als ihre Herren Vorgänger, ist erst in der Sonn- absndnummer desVorwärts" vom 8. Oktober dem deutsch - nationalenLokalanzeiger" klar zum Bewußtsein gebracht worden. Kein auch nur oberflächlich mit der städtischen Ver- waltung vertrauter Sozialist wird die Notwendigkeit be- stimmter Fachdezernenten und das Vorhandensein des juristi- schen Elements in der Verwaltung bestreiten wollen, aber daß eine ganze Anzahl von Verwaltungszweigen besser mit Männern der Praxis besetzt werden kann. Hat die Erfahrung