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Nr.546 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 276

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Sonnabend, den 19. November 1921

Die Gewerkschaftsführer bei Nollet.

Das Schicksal der Deutschen Werke.

den Mitteln zu verhindern wiffen. Mit derfelben Ent Die Vorstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- angetan sind, die nur auf Friedensarbeit eingestellten Betriebe schiedenheit wenden sie sich gegen alle Bestrebungen, welche dazu bundes, des Deutschen Gewerkschaftsbundes( chriftlich), des lahmzulegen. Die Betriebsräte erklären sich mit allen bisher Gewerkschaftsringes( Hirsch- Dunder) und des Ufa - Bundes unternommenen Abwehrmaßnahmen ausdrücklich einverstanden. Sie hatten den Borsigenden der Interalliierten Militärtommiffion, beauftragen die Gewerkschaften, auch ihrerseits weiter alles zu tun, General Nollet, gebeten, eine gemeinsame Abordnung zu emp- um die der deutschen Volkswirtschaft drohenden Gefahren abzuwenden fangen, um im Namen von 13 Millionen organisierten Ar- und insbesondere die ausländischen Bruderorganisationen zu Pro beitern Vorstellungen wegen des Vorgehens der Entente gegen testaktionen aufzurufen gegen die geplanten Zerstörungsmaßnahmen. die Deutschen Werte zu erheben. General Nollet erklärte fich Die Betriebsräte erwarten bestimmt von General Nollet fofort zum Empfang bereit; die Kommission hatte gestern Ge- wie von dem Botschafterrat die restlose Aufhebung legenheit, in einer zweistündigen Unterhaltung dem General der bisher getroffenen Bestimmungen. die Auffassung der deutschen Arbeiter darzulegen, während der General die Gründe für das Vorgehen der Interalliierten Kommission erläuterte. Es steht zu erwarten, daß diese Rüd­sprache nicht ohne Einfluß auf das Schicksal der Deutschen

Werte sein wird.

Die Kommiffion wutde ferner vom englischen und vom italienischen Botschafter sowie vom amerikanischen Geschäfts­fräger empfangen.

Die gestern in Berlin versammelten Betriebsräte aller zu den Deutschen Werten gehörenden Betriebe haben folgende Entschließung gefaßt:

Die BS.- Storr. melbet, daß sich mehrere Herren der Leitung der Deutschen Werke nach Paris begeben haben, um durch den deut. schen Botschafter bei den zuständigen französischen Stellen und auch beim Botschafterrat nochmals wegen der angedrohten Lahmlegung der Werte in Erfurt und Spandau vorstellig zu werden.

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Die Fascisten in Rom .

O. L. Rom , 15. November. fehen hat, muß den Eindruck empfangen haben, daß sich in ber Wer Rom während des Fascistentongresses ge mitte hielt zwischen Fastnachts- Mummenschanz und indiani­Hauptstadt Italiens irgendein Ritus abspielte, der etwa die schen Totenfeiern. In der Stadt wimmelte es von Männern und Burschen in schwarzen Hemden oder schwarzen Tritots, auf deren Brust freundlich, in mehr als natür­licher Größe, ein Totenkopf prangte. Neben diesen Sym­bolen des Todes machten sich die Mittel zur Beförderung ins Jenseits breit: auf den Flaggen, die bie Fascistengruppen mit sich führten, waren große Meffer, Hirschfänger oder Bajonette aufgepflanzt. Das ganze oftentative Verachten von Recht und Gesetz wurde auf den Straßen, in den Cafés, in allen öffent­lichen Lokalen zur Schau getragen, und zwar von Männern Dom Typus des Rombies oder bes eleganten Dekadents und die das Maul voll Kriegsgerede haben, aber nicht einmal zum von einer linmenge Jüngelchen ohne Bart und ohne Muskeln, Militärdienst im Frieden tauglich sein werden, wenn sie erst den Lausbubenjahren entwachfen sind.

Und die Bevölkerung Roms ertrug bie Inva­fchämtheit, ertrug alles mit der steptischen Duldsamkeit der teilton mit den Totentanzriten, den Lümmeleien, der Unver­erlebt hat. Sie ertrug, daß die Proving gegen 30 000 Fafciften Bevölkerung mit alter Kultur, die schon allzuviel gesehen und auf die Hauptstadt ausspie, zu dem großen Umzug, den die Regierung, in ihrer unergründlichen Weisheit, für Donners tag, den 9. November, gestattet hatte. Aber es fam dann doch Broletarier ein Genug" ertönte, das den Fascisten und der der Augenblick, an dem aus den Kehlen einer Viertel Million Regierung noch lange in den Ohren widerhallen wird. Schließ­Regierung noch lange in den Ohren widerhallen wird. Schließ­lich war's mit der Geduld zu Ende.

Der Zwischenfall von Heidenan. Dresden , 18. November. Wolffs Sächsischer Landesdienst teilt zur Durchsuchung in Heidenau folgendes mit: Die Angelegenheit ist heute dadurch erledigt worden, daß die Fabritleitung und die Arbeiterschaft von sich aus beim Polizeipräst dium den Antrag auf Besichtigung und Durchsuchung des betreffen. den Raumes stellten. Die von der Interalliierten Rommiffion bei Mauer wurde daraufhin an einer Stelle durchstoßen. In dem da. der Durchsuchung am Dienstag in dem einen Hochbau bezeichnete hinter befindlichen Raume wurden von den Polizeibeamten hundert. fünfzig Stück aufrechtstehende Mantelrohre für leichte Felb. haubigen aus Chromnickelstahl in den verschiedensten Bearbei. tungsstadien festgestellt und zur weiteren Verfügung darüber durch die zuständigen Stellen sichergestellt.

Wir erheben entschieden Protest gegen die Forderungen, die die Interalliierte Militär- Kontrollkommission neuerdings an die Deutschen Berle gestellt hat. Die Auffassung oder Befürchtung, in den Be­trieben der Deutschen Werte tönne in kürzester Frist wieder Kriegs. gerät hergestellt werden, ist völlig unbegründet, da weder die noch vorhandenen technischen Einrichtungen dazu verwendet werden fönnen, noch die Arbeiterschaft gemtilt ist, Kriegsgerät herzu. Die Fabrikleitung und die Bertreter der Arbeiterschaft erklärten ftellen. Bereits im Dezember 1918 haben die Arbeiter der ehemaligen einstimmig, es handle sich dabei um Mantelrohre( 3wischenfabrikat), Heeres- und Rüftungsbetriebe auf einem Rongreß der Rüstungs- welche die Fabrit, die während des Krieges Militäraufträge arbeiter beschlossen, jedwede Fabrikation zu Kriegs- und Rüftungs. gehabt hatte, noch in den letzten Monaten des Krieges in Bear­zweden einzustellen. Die Betriebsräte der Deutschen Werte beitung genommen hätte. Reinesfalls sei es Material, das erst werden etwaige Bersuche, die Betriebe auf Kriegs und Rüftungs. nach dem Friedensvertrag angeschafft und in Bearbeitung ge­zwede wieder nußbar zu machen, mit allen ihnen zu Gebote stehen- nommen worden sei.

Abreise der Reparationskommission. Die Reparationsfommission wird wahrscheinlich im Lafe bes heutigen Tages abreisen. Als Ergebnis der Verhandlun gen zwischen den Finanzpolitikern der Entente und der Reichs. regierung ist festzustellen, daß die Ententemächte auf die or d nungsmäßige Erfüllung der Reparations raten am 15. Januar bzw. 15. Februar bestehen. Die Re­parationsfommission ist der Ansicht, daß die deutsche Regierung in der Lage ist, die dann nötigen Beträge von der deutschen Industrie zu erlangen.

Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner gestrigen Sigung mit der Erledigung neuer Gesetzesvorlagen. Das Re. parationsproblem wurde nicht erörtert.

Finanzdebatte im Reichsrat.

161,6 Milliarden Defizit.

Rom an. Da die Arbeiter einer Werkstätte der Staatsbahnen Am Mittwochmorgen fam ein Zug mit 500 Fascisten in es magten, gegen den Bug, der so erhabene Bürde trug, ein energisches. Pfeifen ertönen zu laffen, antworteten bie die Fenster der Werkstätte zertrümmerten. Darauf erflärten Fasciften mit einigen 50 Revolverfchiffen, die nur die Fenster der Werfftätte zertrümmerten. Darauf erflärten die Arbeiter, sie würden feine weiteren Fascistenzüge entsprechend ein und Iteßen fich, über 1000 an der durchlaffen, ftellten die Signale der Bahnstrecken Bahl, auf den Gleifen nieber. Rommt ein Fascistenzug, der nicht durchgelassen wird. Aus ihm steigen Polizeibeamte, die Bayern gegen Privatisierung. parlamentieren. Gleichzeitig sind hohe Bahnbeamte einge­München, 18. November. ( WIB.) Im bayerischen Land- Eisenbahner und Arbeiter stellen eine Bedingung: man troffen, die den Arbeitern zureden, den Zug durchzulassen. tag erklärte heute Handelsminifter Hamm, daß die bayerische entwaffne die Faizisten, bann tönnen sie durch. Die Staatsregierung dem Kreditangebot der Industrie die Polizeibeamten versichern: fie sind durchsucht worden und größte Aufmerksamkeit entgegenbringe, weil es fich dabei auch um das haben fetrte Waffen. Daraufhin lassen die Arbeiter dem Zuge Schidfal der früher bayerischen Bahnen handele. Es wäre befonders die Strede fret. Raum fährt der Zug, so schießen die feigen für Bayern gefährlich, die Entscheidung über die gesamten Wichte aus dem Zuge auf die Eisenbahner, beren einer schwer Fragen des Eisenbahnwesens Privaten zu liberlaffen. Die verwundet zusammenbricht. Es war ein Lotomotivführer, der bayerische Regierung habe daher den Borschlag die Gefährten zum Freigeben der Strede hemogen hatte. Er der Industrie für unannehmbar erklärt und diesen ist am selben Abend geftorben. Standpunkt dem Reich gegenüber vertreten. Sie erwarte aber, daß die Maßnahmen zur wirtschaftlicheren Gestaltung der Bahnen mit größter Beschleunigung in die Wege geleitet werden und daß an den Berhandlungen hierüber auch die Länder teilnehmen.

Gleich nach dem Berbrechen stellten die Eisenbahner die Arbeit ein und telegraphierten an alle Linien die Einstellung des Verkehrs mit der Hauptstadt. Wenn noch weitere Züge eingelaufen sind, so nur deshalb, weil die auf ihnen befind lichen Fascisten mit dem Revolver in der Fauft die Lokomotiv führer und Hetzer zum Weiterfahren gezwungen haben. Der Trams fehrten in die Depots zurüd, die Druderelen ber Tages­blätter wurden verlassen, die Bäcker stellten die Arbeit ein, die Droschten, Straßentehrer. Das Komitee für die proletarische Berteidigung beschloß, daß die Gas- und Elektrizitätswerte weiter arbeiten follten, um nicht die Stadt in Dunkelheit dem fascistischen Verbrechertum auszuliefern, bas sich wie eine Eiterbeule in Rom zusammengezogen hatte. Auch die Kranken­wärter der öffentlichen Hofpitäler wurden aufgefordert, ihre Pflicht weiter zu tun.

Stuttgart , 18. November. ( Mtb.) In den Streifen der wirftem bergischen Industrie befürchtet man, daß die vorgeschlagene Ent- Generalftreit wurde dann automatisch durchgeführt. Die Im Reichsrat teilte gestern Ministerialdirektor Sachs mit, daß ftaatlichung der Reichseisenbahnen dieses Vertebre der dritte Nachtragsetat für 1921 im ganzen 112,2 Milliarden für mittel feinen boltswirtschaftlichen Aufgaben entziehen Reparationstoften in Rechnung stelle. Er zählte weitere notwendige werde und namentlich den Intereffen der wirtschaftsgeographisch Ausgaben auf und berechnete für das Jahr 1921 einen Fehl. ungünftig gelegenen süddeutschen Gebiete zuwiderlaufen würde. betrag von 161,6 milliarden. Dagegen seien die Erträge Man darf deshalb erwarten, daß die Bertretung der württem aus den neuen Steuern auf nur 42 Milliarden zu veranschlagen. Der Redner forderte bringend zur Sparsamkeit in den Aemtern und in den Betriebsverwaltungen auf. Die Ministerien, die aus dem Reichs amt des Innern hervorgingen, erforderten jetzt 55 Millionen Mart gegen 2 Millionen Mark im Jahre 1914, das Auswärtige Aint 44 Millionen Mart gegen 3 Millionen Mart . Die überhaftete Ge­fehmacherei habe die Folge, daß das Reichsgefeßblatt" im Jahre 1920 2318 Seiten zählte, gegen 1157 im Jahre 1911. Im Etat für 1922 feien durchgreifende Einschränkungen notwendig.

bergischen Industrie, der Verband württembergischer Industrieller, diese Auffassung mit aller Entschiedenheit dem Reichsverband der deutschen Industrie gegenüber vertreten wird.

Beratungen in der Zentralarbeitsgemeinschaft. Und so spaltete sich Rom vier Tage lang in zwei Lager: In Ergänzung unserer Notiz: Interessierte Falschmeldung" auf der einen Seite die Streifenden, mit denen die ungeheure vom Freitag schreibt der Sozialdemokratische Barlamentsdienst", Mehrheit der Bevölkerung fympathisierte, auf der anderen die daß es sich bei den neuen Borschlägen der Industrie nur um eine Fafciften, bie sich auf die Polizei und die Behörden stützten. neue gutachtliche Aeußerung der Industriellen handelt, aus der Eine waffenlofe Ueberzahl gegen zwei bewaffnete, der Straf­Für die preußische Regierung erklärte Staatssekretär Göhre, die Arbeitnehmer ersehen wollen, welche Reorganisations. freiheit sichere Minderheiten. Das Ergebnis des viertägigen biefe habe im Reichsrat ftets auf größte Sparsomteit gedrungen, vorschläge die Industrie zu machen hat. Jebenfalls steht nach Kampfes find 7 Tote, 14 Sterbende, über 100 Berwundete; leider ohne Erfolg. Dem schloß sich v. Breger für Bayern an. Der genannten Quelle fest, daß die in Aussicht genommene Beratung zwei der Toten sind Fascisten, einer von diesen wurde von Reichsfinanzminister Dr Hermes fündigte einschneidende Maß der Vorschläge der Industrie in teiner Beile bindet. Soweit derte. Mo immer es zu Straßentonflitten fam, wurden nahmen in diesem Sinne an. Die Ministerien hätten allerdings viele es sich um den Ausschuß zur Neuorganisation des die Arbeiter durchsucht, während man den Fascisten ihre neue Arbeiten übernehmen müssen. Das Reichsverkehrsministerium Eisenbahnbetriebes handelt, ist festzustellen, daß darüber in Waffen ließ. habe seinen Etatentwurf für 1922 zurüdgezogen, um ihn nochmals der Sitzung der Zentralarbeitsgemeinschaft überhaupt nicht Immer die freche Roheit der Bewaffneten und Straf­zu überprüfen. Größte Rüdsichtslosigtett fei notwendig. beraten wurde. Dieser Ausschuß setzt sich aus Bertretern der freien gegenüber der Wehrlosigkeit, immer diefelbe blöde und Auch die Verbilligungszuschüsse des Reichs müßten abgebaut werden. Eisenbahnverwaltung und fämtlichen Eisenbahnerverbänden zu verfogene Anmaßung, als Berteidiger und Retter des Bater­Darauf wurde der Nachtragsetat angenommen. Abgelehnt fammen und hat das Recht, nach Bedarf Sachverständige zu feinen landes geehrt zu werden. Wer nicht vor dem Back den Hut wurde ein Gesetz zur Kürzung der Benfionen von Beamten, die sich Beratungen hinzuzuziehen. 30g, wurde geprügelt: auch ein Offizier, der im Kriege beide privat betätigen, da die Pension ein unverfürzbarer Rechts Arme verloren und deshalb nicht grüßen fonnte, mußte diese anspruch sei. Berstümmelung mit Mißhandlung büßen. Einem anderen Kriegstrüppel, der sich weigerte, vor den fascistischen Abzeichen ben Hut zu ziehen, wurde der Stumpf feines perlorenen Beins

Das Gefeß, bas bie Lohnpfändungsgrenze auf 8000 m. herauf febt, wurde angenommen.

Jum Borsigenden der sechsten Oberschlesien - Kommiffion( Kohle und Bergwertserzeugnifie) wurde der bisherige Reichstohlenfommissar Geh. Bergrat Stub ernannt.