Nr.552 38. Jahrgang Ausgabe A nr. 279
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Mittwoch, den 23. November 1921
Das Echo der Rede Briands.
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Wirths schwerer Weg.
Es hat keinem von uns behagt, daß der Reichskanzler Dr. Wirth gestern in so höflich diplomatischen, so vorsichtig abZurückhaltung bei den Engländern. gewogenen Redewendungen von der fragwürdigen KreditNew York, 22. November.( Funkspruch des WTB.) Ein München, 22. November.( Eigener Drahtbericht.) Angesichts ein weithin hallendes Zuschlagen der Türe hätte uns besser hilfe der Industrie gesprochen hat. Ein fräftiges Wort, Telegramm der„ New Yorker Tribüne" aus Washington berichtet, des allgemeinen Mißtrauens, das im Verhältnis des Auslandes zu in den Ohren geklungen. Wir wissen, daß die Industrie für die Engländer daselbst seien der Ansicht, Briand sei in seinen Deutschland immer wieder zutage tritt und für beide Teile schädlich ihre Kredithilfe unerfüllbare Bedingungen gestellt hat Aeußerungen bezüglüch Deutschlands zu weit gegangen und ist, haben sich die deutschen Gewerkschaften durch eine neue Initiative und daß der herausfordernde llebermut ihres Auftretens selbst er habe Frankreichs Bedrohung seitens Deutschlands sehr über ein weiteres Verdienst erworben. Wie schon gemeldet wurde, haben in rechtsstehenden Kreisen Bestürzung erregt. Das trotzdem trieben. Frankreich könne sein Heer wesentlich ver- die deutschen Arbeitervertreter auf der Internationalen Arbeits- fortgesette Berhandeln mit ihr ruft Gefühle hervor, die nach ringern, ohne sich irgendeiner wirklichen Gefahr auszusehen. Es konferenz in Genf eine aus Mitgliedern dieser Konferenz und aus Entladung drängen. Diese Entladung ist gestern nicht erfolgt. habe den britischen Delegierten auch nicht gefallen, daß Briand Vertretern der verschiedensten Länder zusammengesetzte Reisegesellfeinen Hinweis machte auf die Unterstützung, welche die Engländer schaft zu einer Tour durch Deutschland eingeladen; die Reisegesells flingt wie das Gespräch einer Krantenstube, nicht anders verJedoch läßt sich die Rede des Reichskanzlers, die gedämpft den Franzosen während des Krieges zufeil werden ließen, und daß schaft ift gestern in München angekommen. er Englands Angebot, wie es im Parlament geäußert worden sei, Reichswirtschaftsministers Genossen Wissell eine Reihe von möglich. Die„ Privatisierung" der Eisenbahnen Hier wurden gestern und heute unter Führung des ehemaligen dustrie ablehnt. Etwas anderes ist ja auch sachlich gar nicht stehen als dahin, daß die Regierung die Bedingungen der Inso hingestellt habe, als ob es dahin deute, daß die Vereinigten Brivatbetrieben in München und Dachau, darunter vor allem auch bedeutet eine Verfassungsänderung, die nur mit ZweidrittelStaaten Frankreich gegen weitere Angriffe jeitens Deutschlands sicherstellen sollten. Dies erkläre, so meinten einige Engländer, die Deutschen Werte, besichtigt. Die Mitglieder der Reise- mehrheit des Reichstags beschlossen werden kann- wo will Balfours Bemerkungen und besonders seinen Hinweis auf die Zahl gesellschaft, unter denen sich Vertreter der Regierungen aller Länder, man die hernehmen? Und sie erfordert außerdem die Zuder Briten, die im Kampfe für Frankreich fielen. Die englischen der Presse, u. a. Jouhaur- Frankreich sowie auch Mitglieder des tönnen? Selbst wenn man das Mißtrauen hätte, die Redarunter Borstände von Wirtschaftsorganisationen und Bertreter ftimmung der Alliierten wie glaubt man die erlangen zu Delegierten hätten Briands Redegabe in den höchsten Ausdrücken Bölkerbundrates, führende Militärs der alliierten Länder befanden, gierung könnte sich in ihrer Not zu allerhand Zugeständnissen gelobt, aber fie seien in der Billigung feiner Ausführungen waren fämtlich zu der Arbeitskonferenz in Genf geladen. Sie an die industriellen Krawattenmacher bereitfinden lassen, so zurudhaltend gewesen. zeigten ein lebhaftes Interesse an den wichtigen Betrieben und den bedürften diese Zugeständnisse immer noch der Sanktionierung darin vorgenommenen Umbauten und Veränderungen zufolge des durch den Reichstag, d. h. durch die Mehrheit, auf die sich das von Dachau waren sie auch Zeugen der dort noch täglich vorgenom fnüpft, der bringt sie absichtlich zum Scheitern. Versailler Friedensvertrages. Während der Besichtigung der Werke Kabinett Birth stüßt. Wer die Kreditaktien an Bedingungen menen Zerstörungen der früheren Einrichtungen der Bulverfabrik. Die Reise soll morgens fortgesetzt werden und eine Reihe wichtiger Industriezentren Deutschlands berühren, darunter insbesondere folche, die im Auslande den Ruf genießen, die Zentren des früheren deut schen Militarismus gewesen zu sein und über die heute sehr beun ruhigende Meldungen durch die Presse gehen.
Internationale: Rommiffion, bayerische Politifer und Bertreter der banerischen Gewerkschaften morgen zu sich geladen, um über die wirtschaftlichen Berhältnisse, welche die Kommiffion in Deutschland studieren foll, durch seine Beamtenschaft eingehend Bericht erstatten zu lassen.
Baris, 22. November.( WTB.) Zur Rede Briands schreibt der Temps", es sei nötig gewesen, darzutun, daß man Frankreich nicht vorwerfen könne, die Beschränkung der Heere verhindert zu haben. Der„ Temps" glaubt, daß Briand seine Zuhörer über zeugt habe. Er spricht den amerikanischen, japanischen, italienischen und belgischen Vertretern seinen Dank aus für die Erklärungen, mit denen sie die Rede Briands beantwortet haben. Was Balfour betreffe, der die Gefahr, der Frankreich ausgefeßt sei und die tra- Der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld hat bie gische" Ungerechtigkeit besonders hervorgehoben habe, die eine 350 lierung Frankreichs bedeuten würde, so sei der beste: Dank die Feststellung, daß seine Washingtoner Rede seine Genfer Erklärungen bestätigt und noch einmal bewiesen habe, daß es für einen Staats mann wie ihn feine englisch- französische Frage gebe, die sich nicht zum Vorteil beider Länder und der gesamten Zivilisation regeln Laffe. Intransigeant" meint, Briand könne ruhig das Schiff be= steigen, das ihn nach Frankreich zurückführt, und alle seine Sachverständigen mitbringen. Er habe seine Aufgabe erfüllt. Frank reich habe seine Verteidigung und es habe Gehör gefunden. Etwas anderes habe es von der Washingtoner Konferenz nicht erwartet. Jetzt werde man wieder an die Arbeit gehen. Jacques Bainville schreibt in der ,, Liberté": Da niemand von Frankreich verlangt habe, daß es entwaffne, habe Briand auf der Konferenz von Washington leichtes Spiel gehabt. Unter der Vorausfeßung, daß Frankreich weder Berpflichtungen noch Bürgschaften von seinen ehemaligen Alliierten und Assoziierten verlange, stehe es ihm frei, die Rekrutierung beizubehalten und die Kosten für sein schweres militärisches Budget zu bezahlen( oder zum großen Teil durch Deutschland bezahlen zu lassen. Red.). Die Antwort Balfours habe einen Ton von Kaltsinnigkeit gehabt, den man nur Balfours habe einen Ton von Kaltsinnigkeit gehabt, den man nur schwer hätte überhören können. 3m ganzen fel nach der Rede in Washington nichts geändert. Was könne man aus der Rede schließen?
Daß der
wesentliche Zwed des Krieges nicht erreicht(!) worden sei, weil er das Ende des verderblichen bewaffneten Frie dens sein sollte, der aus dem Vertrag von Frankfurt hervorgegangen fei. Der bewaffnete Friede bestehe für Frankreich noch fort. Es sei verpflichtet, 60 Millionen Deutsche zu überwachen, ohne Desterreich und die anderen mitzuzählen, die das Deutsche Reich annettieren wolle.(?).
Auch Briand ist befriedigt. Washington, 22. November.( TU.) Nach der gestrigen Sitzung der Konferenz erklärte Briand, daß die französische Delegation tief gerührt sei von der Art und Weise, in der seine Rede aufgenommen worden sei. Ich bin glücklich, festzustellen, sagte er, daß alle Delegationen sich unserem Standpunkte angeschlossen haben. Die heutige Sigung der Konferenz wird in Deutschland einen großen Einbrud machen. Ich wünsche, daß sie den Beginn der moralischen Entwaffnung Deutschlands bedeuten möge.
begeben, um auch die dortigen Anlagen der Deutschen Werte zu beWie die, Dena" erfährt, hat sich General Nollet nach Erfurt fichtigen. Er will auch das Werk Wolfgang aufsuchen, um sich über die Verhältnisse an Ort und Stelle zu informieren. Er wird am Donnerstag in Berlin zurüderwartet und wird dann einen Bericht an den Botschafterrat absenden.
Großer Krach im Palais Bourbon. Paris, 22. November.( WTB.) In der heutigen Kammerigung brachten die Kommunisten Interpellationen ein, die sich auf die sofortige Freilassung der in Paris gewählten Muni ipairäte Marty und Badina beziehen. Der stellvertretende Ministerpräsident Bonnevan verlangte, daß die Beratung dieser Interpellationen erfolgen solle, wenn die vorliegende Tagesordnung erledigt sei. Dagegen sprachen Cachin und nach ihm Berthon der das Elysée in die Debatte 30g und die Behauptung aufstellte, der Präsident der Republik und die Regierung hätten einen illegalen Krieg gegen Rußland geführt. Der Kammerpräsident verlangt darauf, daß der Abgeordnete Berthon diese für die Mitglieder der Regierung beleidigenden Worte zurücknehme. Berthon weigert sich und verschärft seine Anschuldigung noch. Auf Antrag des Kammerpräsidenten wird die Zenfur über ihn verhängt. In diesem Augenblick stimmen die Sozialisten die Internationale an. 400 bürgerliche Abgeordnete singen die Marseillaise, so daß der Präsident gezwungen ist, die Sizung zu schließen und die Tribünen räumen zu lassen. Nach der Wiederaufnahme der Sigung befindet sich der Abgeordnete Berthon, umringt von seinen Freunden, auf seinem Plaz. Die Sigung dauert fort.
Auswärtiges Amt und Republik.
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auf ihre Bedingungen langfristige Kredite für das Reich zur Die Frage ist heute die, ob die Industrie unter Berzicht Bezahlung seiner nächsten Reparationszahlungen flüssig machen will, oder ob das Reich den Verfuch machen muß, die nötigen Summen selber bei ausländischen Geldverleihern am 15. Januar find 500 Millionen Goldmark fällig, auf deren aufzubringen. Die Frage muß rasch entschieden werden, denn Bezahlung die Reparationskommission besteht.
Weg der leichtere ist, denn die Industrie ist reich und Wir dürfen uns nicht. darüber täuschen, daß der erste das Reich ist arm. Die Industrie ist im Besiz der Wirtschaftssubstanz, sie ist als Eigentümer verpfändbarer Werte freditfähig. Die Kreditfähigkeit des Reiches aber beruht nur der Privatwirtschaft dasjenige anzueignen, was es zu seinen auf seinem Recht, sich aus den Erträgen und von der Substanz Zwecken bedarf.
hat der Volksparteiler Dr. Sugo vor einem Eingriff. des In der gestrigen Sigung der vereinigten Steuerausschüsse Reichs in die Substanz gewarnt, weil dadurch die Kreditfähigfeit der Industrie geschwächt würde. Das ist bis zu einem gewissen Grade richtig, aber mas nügt uns die Kreditfähigfeit der Industrie, wenn sich das Reich ihrer nicht bedienen fann, um eine schwere außenpolitische Krise, wie sie aus der Nichtbezahlung der Januarrate droht, zu überwinden? Wenn nun aber die Industrie als Träger der aufzunehmenden Kredite nicht in Betracht kommt, weil sie sich in ihrem Willen, nicht zu helfen, hinter unerfüllbare Bedingungen verschanzt, auftreten muß, dann schlägt die Beweisführung Dr. Hugos auftreten muß, dann schlägt die Beweisführung Dr. Hugos und wenn infolgedessen das Reich selber als Kreditsucher in ihr Gegenteil um: dann kommt es darauf an, nicht die Industrie kreditfähig zu erhalten, sondern das Reich reditfähig zu machen. Und weil die vorgeschlagenes Steuern dazu nicht ausreichen, wird ihre Ergänzung durch die Erfaffung der Sachwerte unerläßlich.
einem Biertel an den großen werbenden Vermögen beDurch die Erfassung der Sachwerte soll das Reich zu einem Viertel an den großen werbenden Vermögen beteiligt werden. Es wird dadurch zum Gesellschafter der großen Erwerbsgesellschaften, der ohne gemeinen Betrug in seinem Anteil an den Erträgen nicht verkürzt werden kann. Die anerkannte und von ihr selbst betonte Kreditfähigkeit der Industrie überträgt sich damit zum Teil auf das Reich.
Die Frage ist: Wer hilft dem Reich, die drohende schwere Krise zu überstehen? Wenn es nicht die Industrie tut, dann muß es die Mehrheit des Reichstags tun, indem sie nicht nur rasch die Steuern in der geforderten Höhe bewilligt, sondern auch darüber hinaus dem Reich aus den Mitteln der Brivatwirtschaft das Erforderliche zur Verfügung stellt, um seinen nächsten Verpflichtungen nachzukommen. Tut sie es nicht, dann wird sich die Sozialdemokratische Partei an die Maffen des Volkes wenden, um sie zu fragen, ob sie es für national" halten, wenn kapitalistischer Herrenübermut und die Abhängigkeit der bürgerlichen Parteien von ihm das Reich ins Berderben hineinjagen.
Wir haben vor geraumer Zeit auf die unerhörte Pro potation der deutschen Republik durch die ungarische Horthy- Regierung hingewiesen, die ein Beileidstelegramm an Seine Majestät den König Rupprecht von Bayern" gerichtet hatte. Wir verlangten von der Reichs Eine Schweizer Mahnung an Frankreich. regierung, daß sie sofort in Budapest energisch gegen diese Unverschämtheit protestiere. Nach unserer Infomation ist bisBern, 22. November.( WTB.) Der„ Berner Bund" schreibt her kein derartiger Schritt unternommen wor: zur Rede Briands: Wir wollen uns die Gegenfrage, wie es dem. Daß die zuständigen Bureaufraten im Auswärtigen Amt mit der moralischen Abrüstung in Frankreich steht, schenken, und unsere Entrüstung nicht teilen, wundert uns nicht, da wir nur nur sagen, daß uns die Befürchtungen des französischen Premier- allzugut wiffen, daß die meisten von ihnen noch von der alten präsident Briand die lange erwartete große Rede gehalten, In Washington hat am Montag der französische Ministerministers übertrieben erscheinen. Das Deutschland der Luden- Schule stammen und daher über eine Beleidigung der deut- in der er die Unmöglichkeit einer Abrüftung Frankreichs zu dorff usw. ist nicht das wahre Deutschland, jebenfalls nicht dasjenige, fchen Republik durch eine fremde Regierung mehr Freude beweisen versuchte. Die Frage ist auch für uns von brennendas die Macht in den Händen hat. Aber gerade diesem neuen als 3orn empfinden. Sie haben wohl darauf gerechnet, daß dem Intereffe, denn unser Unglück hat es gewollt, daß wir Deutschland wird das Leben so schwer wie möglich ge die Angelegenheit in Vergessenheit geraten würde. Wir jetzt den französischen Militarismus mitbezahlen müssen, wie macht und gerade diesem neuen Deutschland so wenig Bertrauen erwarten insbesondere von unseren Genossen in der Regie- wir früher den deutschen bezahlt haben. Die Gründe Briands gefchenft. Man wird sich auch in Frankreich einmal anders rung, daß sie dafür sorgen, daß die Souveränität und die waren gewiß äußerst fadenscheinig, aber mer hat sie ihm geeinstellen müssen, mit der Kriegsspychose und der Angst ab- Würde der deutschen Republik gegen die monarchistischen Ein- liefert? Das waren unsere deutschnationalen Hurraschreier, bauen und dazu tommen müffen, felbft einem geschlagenen und gemischungsversuche und Berhöhnung eines Horthy geschüßt unsere Einwohnerwehren, unsere Orgejch, das war vor allem mik bart belafteten Gegner Glauben an fhenten wird, 2ndendorft dessen Buch Briand feitenlang zitiert hat