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Nr.2 39. Jahrgang of on

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Ausgabe B Nr. 1

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Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit", der Unter­haltungsbeilage Heimwelt" und ber Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonn tags und Montags einmal

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

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Montag, den 2. Januar 1922

Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident hat gestern die Chefs aller hiesigen fremden diplomatischen Bertretungen anläßlich des Jahreswechsels empfangen. diplomatischen Korps, hielt folgende Ansprache:

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Frieslands Anklage.

Die Wirkung der Vorwärts"-Enthüllungen. Feldwebelgeist der KPD .

-

Der

Der apostolische Nunfius, Monsignore Pacelli, als Aelfeffer des die Herzen aller Böller beseele. Ihr übereinstimmender Wille istand( Reuter) hat zu seiner Rechtfertigung einen Privat

Herr Präsident!

daß es die lebel wieder gutmache, daß es selbst die Spuren eines langen und graufamen Krieges auslösche, und daß dieser Wunsch unerläßlich, um den Frieden zu verwirklichen. Frankreich , dessen Arbeit für den Frieden Eure Exzellenz Anerkennung gezollt hat, wird alles tun, um die Neuordnung der Dinge, wie sie aus den Zum erstenmal seit dem Weltfrieg versammelt fich das diplo- Berträgen hervorgegangen ist, zu feftigen. Ich begrüße es, matische Korps in Berlin aus Anlaß des Neujahrsfestes vor dem dazu berufen zu sein, mit allen Mitgliedern des diplomatischen höchsten Beamten der Deutschen Republic. Rorps in dem Geifte polltommenen Einverständnisses an der Ein glückliches Ereignis, ein Sinnbild der fortschreitenden Rüd- Erfüllung dieses Wunsches mitzuarbeiten. Das Jahr, das beginnt, kehr der Menschheit zum Ideal der Brüderlichkeit und des Friedens wird, wie ich vertraue, eine entscheidende Etappe zu seiner Boll zwischen den Böllern, welches Ideal den Ruhm der zivilifierten Böller endung sein."

bildet.

Möge die göttliche Vorsehung, welche die Menschen zu edlem Washington , 2. Januar. ( EP.) Die diplomatischen Beziehungen Streben anfpornt und fie leitet, ihnen troh der Berschiedenheit der zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland wurden gestern Stämme und der Staaten ermöglichen, in diesem Jahre die wirkliche offiziell wieder dadurch aufgenommen, daß der Staatsfefretär und dauerhafte Verjöhnung der Völker zu vollenden, die von allen Aufrichtigen erfehnt wird und fich auf der Achtung des Rechtes, aufughes den deutschen Geschchäftsträger Karl Lang zum erften­

der fruchtbaren und friedlichen Arbeit und auf den ewigen Gesetzen der Gerechtigkeit und der Wahrheit gründet.

Bon diesen Gefühlen durchdrungen bringen wir Ihnen heute, Herr Präsident, inmitten der schwierigen Aufgaben der Gegenwart, unsere Huldigung und gleichzeitig unsere Glüdwünsche für Sie felbfi und für das deutsche Bolt dar."

Der Reichspräsident erwiderte darauf mit folgenden Worten: Herr Nunfius!

Für die Glückwünsche, die Eure Exzellenz als Sprecher des diplomatischen Korps zum Jahreswechsel dem deutschen Bolt und mir als seinem Vertreter dargeboten haben, bitte ich meinen fief­gefühlten Dank entgegenzunehmen. Gern folge ich Ihnen in dem Gedanken, den heutigen Besuch der Herren Berireter der fremden Mächte als das Symbol einer allmählichen Rückkehr der Menschheit zum Frieden zu betrachten. Der Umstand, daß diese Worte aus bem Munde des Bertreters Seiner Heiligkeit des Papiles fommen, der sein vornehmites Ziel darin erblidt, Frieden auf Erden zu schaffen und zu erhalten, gibt ihnen in meinen Augen besondere Be­deutung.

Das deutsche Bolt wünscht für fich nichts anderes als in fried­licher Arbeit neben den übrigen Bölfern fein nationales Dasein wiederaufzubauen. Es gibt sich der Hoffnung hin, daß im tommen­den Jahr die Erkenntnis der Welinotwendigkeiten weiter wächst und daß in diefer Erkenntnis jede Nation fich bemühen wird, durch frucht­bare Zusammenarbeit mit allen übrigen Bölkern der Menschheit den wahren und aufrichtigen Frieden zu geben.

mal empfing.

Prag , 1. Januar. ( WTB.) Beim Neujahrsempfang fam Präsident Masary? auch auf die deutsch - tschechische Frage zu sprechen, die er als die wichtigste bezeichnete. Dabei fagte er:

-

Bon tschechischer Seite ist öfters betont worden, daß wir eine Lösung nach Schweizer Beispiel wünschen. Vielleicht könnte man eher vom belgischen Beispiel sprechen, weil Belgien ein einheitlicher Staat ist, während die Schweiz felt altersher in viele selbständig fleine Staaten zerfällt. Unser Staat- speziell die böhmischen Länder hat sich historisch einheitlich entwickelt und muß es daher bleiben. Ueber territoriale Autonomie tann und wird nicht verhandelt werden. Das läßt auch die unvorteilhafte Konfiguration der Minoritäten nicht zu. Unseren deutschen Lands. leuten gebührt Anteil in der Administrative und in der Regie­rung; das versteht sich in einer Demokratie von selbst. Diese Mit wirkung setzt allerdings eine loyale Anerkennung des

Ein

Der gemaßregelte Führer der KPD . Ernst Fries­brud 3ur Krise unserer Partei" erscheinen lassen. Exemplar dieser Schrift flattert auf unseren Schreibtisch, und wir wollen nicht verfehlen, einiges daraus mitzuteilen, was für die Allgemeinheit von Interesse ist. Die jetzige Krise der PD. ist nach langem Schwären durch die Enthüllun= gen des Vorwärts" zum Ausbruch gebracht worden, die nicht nur für die große Deffentlichkeit, sondern auch für eine ganze Anzahl hervorragender Mitglieder der KPD. eine wirkliche Enthüllung waren, so unglaublich das flingt. Friesland sagt darüber auf Seite 6 ff. feiner Schrift, nachdem er die Zuspigung der Gegenfäße in der RPD. durch allerhand Intriguen einzelner Zentralmit­glieder geschildert hat:

"

In dieser Situation erschienen die Publikationen des Borwärts". vollständige Enthüllung, und sie erfuhren eine ganz verschiedenartige Die Publikationen waren für mehrere Mitglieder der Zentrale eine vollständige Enthüllung, und sie erfuhren eine ganz verschiedenartige Beurteilung. Mehrere Mitglieder verlangten, daß die durch diese Enthüllungen kompromittierten Genoffen freiwillig ihre Nemter als Mitglieder der Zentrale niederlegen follten....

Die Parteidiskussion über die Märzaktion.. war start beein flußt von der Ueberzeugung der weitesten Kreise der Mitgliedschaft, daß alle die in fleinen Ronventikeln aufgestellten Behauptungen be­wußt oder unbewußt erfundene Lügen seien zu dem zwed, die Partei zu diskreditieren. Rein einziges Mitglied der Partei hat die Möglichkeit als wahr unterstellen fönnen und unterstellt, daß an irgendeinem Punkte zum Zwecke der Entfachung der Bewegung von Parteigenoffen auf Veranlassung verantwortlicher Führer der Partei Attentate und Sprengungen vorbereitet oder unternommen worden feien. Die Andeutungen Levis in seiner Broschüre und im Zentral­ausschuß bezeichneten wir als eine freche, lügenhafte Er. findung und waren aufs höchste darüber entrüstet, daß Levi Ueber das Verhältnis zu Deutschland führte der Präsident aus, für diese Erfindungen feinen Wahrheitsbeweis antrat. das Verhältnis zu Deutschland sei freundlich und werde freundlich Da in einer etwas summarischen Behandlung im Zentralausschuß bleiben. Die Tschechoslowakei wolle den Frieden, deshalb wünsche fie, von vornherein erklärt wurde, daß alle diese Behauptungen. daß sich auch Deutschland wirtschaftlich und fulturell möglichst bald Schwindel seien, so wurde die Auffassung zum Allgemein­wieder aufrichte. Europa , ja die ganze Welt, könne nicht ruhig gut der Partei.

Staates voraus.

sein, wenn die zwei größten Bölker Europas , Rußland und Durch die Enthüllungen des Borwärts" ist diese Ueberzeugung Mit dieser großen Hoffnung im Herzen und durchdrungen von Deutschland , die unseligen Folgen des Krieges nicht über- bei der gesamten Mitgliedschaft aufs schärfste erschüttert worden. Auch dem Bewußtsein, daß ihre Erfüllung Gebot ist, bitte ich Sie, Herr ständen. Rußland und Deutschland bildeten die Mehrheit Europas . Diejenigen Genoffen, die heute noch in den Betrieben die Kommu­Nuntius, und Sie, meine Herren, auch meine Glückwünsche für Ihr Die fleinen und feineren Staaten Mitteleuropas , ja selbst die größe- nistischen Bartel gegen die Angriffe der SPD. und USPD. ver­Wohlergehen und für das Gedeihen der von Ihnen vertretenen Re- ren Staaten im Westen könnten sich nicht ruhig entfalten, wenn teidigen, mit dem Hinweis darauf, daß die Enthüllungen Schwin­gierungen und Bölfer entgegenzunehmen." Bei dem Empfang waren der Reichskanzler Dr. Wirth und die Deutschland und Rußland nicht einer Gesundung entgegengeführt del sind, werden morgen oder übermorgen sich der Empfindung nicht beiden Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes von Haniel und würden. von Simfon zugegen.

Im Anschluß daran sprachen die Mitglieder der Reichsregierung, Es ist wenig wahrscheinlich, daß der Gelehrte Mafaryt, dessen der Reichskanzler, die Reichsminister und die Staatssekretäre, ferner die Präsidenten des Reichstages und des preußischen Staatsministe­riums, Bertreter des Reichsrates und der Wehrmacht dem Reichs­ präsidenten ihre Glückwünsche aus.

Neujahrsempfänge im Ausland.

Paris , 1. Januar. ( WTB.) Bei dem heutigen Neujahrsemp­fang des diplomatischen Rorps beantwortete der Präsident der Re­publit, millerand, die Ansprache des päpstlichen Nuntius u. a. mit folgenden Worten:

Zu Beginn des neuen Jahres ist derselbe Wunsch auf allen Lippen, daß es den vollkommenen Weltfrieden bringe,

Das Ende des Eisenbahnerstreiks.

Der Arbeitsbeginn in Berlin . Am Sonntag faßte eine Funktionärtonferenz des Deutschen Eisenbahnerverbandes, Verwaltung Berlin , folgenden Beschluß: Die heufige Funktionärversammlung beschließt, daß die Arbeit in den Betrieben bis Montag, abends 10 Uhr, restlos aufzunehmen ist, in den Wertstätten bis spätestens Dienstag früh. Wir fordern unsere Kollegen auf, diefem Rufe gefchloffen Folge zu leisten."

Bon der Oberzugleitung der Eisenbahndirektion Berlin er. fahren wir, daß im Berliner Zugverkehr die Lage unverändert ist und der Betrieb nur mit großen Unregelmäßigteiten aufrechterhalten wird. Die Stadtbahnzüge fahren durch schnittlich alle 20 bis 30 Minuten. Auf den vom Stettiner Bahnhof ausgehenden Vorortstreden ruht der Verkehr seit gestern vollständig, auf den anderen Vorortstreden wird er leidlich durchgeführt.

Der Berliner Personen- Fernverkehr konnte fast durchweg be. Der Berliner Personen- Fernverkehr fonnte faft durchweg be­wältigt werden. Der Güterverkehr ruht vollständig bis auf einige Milch und geschlossene Rohlenzüge, die aus den Bezirken einlaufen. Die Streiflage im Reich.

lleber die Lage im Reich liegen feine Nady ten vor, auf Grund beren man faqen tönnte, daß der Streit der Eisenbahnarbeiter sich wesentlich verschärft hätte. Allerdings treten die Wirkungen des Streits besonders in dem direkt davon betroffenen Teilen des Reichs

Eingreifen in die Politit vielleicht nicht ungetabelt bleiben wird, die althistorische Schicksalsgemeinschaft der ehemals föniglich böhmischen Länder lieber mit dem jungen Kunstgebilde Belgien als mit der Schweiz verglichen haben soll, deren drei oder vier Urtantone fich schon auf dem Rütli vereinigt haben! Freilich mag es in das staats­politische System der Tschechoslowakei besser passen, die nationalen Minderheiten mit den Vlamen in Belgien zu vergleichen, als fich des feierlichen Versprechens von der neuen Schweiz " zu erinnern. Tat­fache bleibt es, daß die Tschechoslowatet ein Völkerstaat ist wie das alte Defterreich, in dem cinsichtige Tschechen für die nationale Selbst. braucht, gekämpft haben.

regierung, die nicht territoriale Autonomie zu bedeuten

erft jezt unliebfam hervor. Fast überall wird der Fernverkehr nach Möglichkeit aufrechterhalten, während der Güterverkehr meist still liegt. Der Streifparole der Ortsgruppenleitung des Deutschen Eisen­bahnerverbandes in Breslau entsprechend find auf einzelnen Stationen der Provinz Schlesien die Eisenbahnarbeiter in den Streif eingetreten. Infolgedessen mußte eine Reihe von Zügen ausfallen, doch wird der Verkehr notdürftig aufrechterhalten.

In Roblenz ist bisher noch feine Wenderung einge­treten. Die Anordnungen der Rheinlandfommission sind von den Streifenden außer Acht gelassen worden. Der Zugverkehr wird in besdränftem Maße aufrechterhalten.

verschließen fönnen, daß an diesen Dingen etwas Wahres sein muß.

Das flingt etwas anders als die fortgesetzten Bebeue­rungen der Zentrale, daß unsere Mitteilungen auf die Kreise der KPD. teinerlei Eindruck gemacht hätten. Friesland legt dann dar, daß die Mitglieder es wohl verstanden hätten, wenn die Führer ihre Fehler eingestanden und mit der er­regten Zeit entschuldigt hätten.

Aber sie werden es nicht verstehen können, daß die Fehler einzelner Genoffen auf andere Mitglieder abgewälzt werden, die als Phantasten und Lügner der Deffentlichkeit denunziert wurden, um so mehr, wenn diese Deduktion an sich schon vollkommen unhaltbar geworden ist.

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Die Schrift Frieslands fritisiert dann weiter die Haltung der Bentrale gegenüber der Kommunistischen Arbeitsgemein schaft, sie bringt das Protokoll einer Sigung des Bolbureaus" ( wohl politischen Bureaus) der KPD., worauf wir bei Ge­legenheit zurückkommen werden. Es folgt die bekannte Er­flärung der 138 und zum Schluß ein von Otto Braß , Ernst Friesland und Heinrich Malzahn unter­zeichneter Aufruf. Dieser Aufruf erklärt, daß die Politik der Bentrale die Partei in eine schwere Krise stürzt, an deren Ende der Zerfall steht, wenn sie nicht beseitigt wird. Die Lügentaktik der Zentrale gegenüber den Vorwärts"-Ent­hüllungen wird gegeißelt und dann heißt es:

So zeigen fich fortlaufend noch die Folgen der falschen nach Die Streifeitung in Köln fordert die Streifenden auf, am märzlichen rein bisziplinarischen Einstellung. Die Zentrale Montag früh 6 Uhr die Arbeit in vollem Umfange wiederaufzuft auch heute noch die Gefangene diefes alten Feldwebelgeiffes... Die alte Pogromstimmung, die Reinigungsmethoden, Die Bezirksleitung des Deutschen Eisenbahnerverbandes in werden wieder aufgenommen, welche die Partei zu einer einfluß­Elberfeld fordert zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auf. lofen Sette machen. Eine notwendige Nichtigstellung.

nehmen.

Diese Zustände werden noch verschärft durch die fort­währenden Eingriffe Mostaus in die deutsche Lei­tung, wofür die Schrift Frieslands einige interessante Belege bringt. Der Aufruf folgert hieraus:

Die Tel.- Union verbreitet heute morgen erneut die Mitteilung, daß der Borsigende des Deutschen Eisenbahnerverbandes vor Be­ginn der Eingungsverhandlungen im Eisenbahnerstreit die Erflä rung abgegeben hat, der Streik im Westen werde von der Organi Es bedeutet eine heillose Rompromittierung der fationsleitung miß billigt, weil er ein wilder fei. Wir stellen kommunistischen Internationale und des Gedankens der internatio­demgegenüber fest, daß diese Meldung eine grobe 3rrefühnalen zentralen Leitung des revolutionären Profetariats, wenn die rung bedeutet. Die an den Verhandlungen beteiligten Borstands. Methoden der Tendenzriecherei, der Beschnüffelung der unkontrollierten mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes werden in fürzester Nebencinflüsse und des untontrollierten Eingreifens in die Ungelegen­Frist eine Erklärung abgeben, in der sie nochmals auf diese falsche heiten der deutschen Partei nicht rücksichtslos aufgedeckt und beseitigt Behauptung eingehen werden.

werden.