Einzelbild herunterladen
 

Nr. 42 39. Jahrgang Ausgabe

Nr. 21

Bezugspreis: Blerteljahr. 60,-, monail, 20,-. frei ins Haus, noraus zahibar. Bost bezug Monatlich 20.- einial. Bu ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland , Danzig , das Gaar- und Wiemeigebiet, sowie die ehemals deut fchen Gebiete Volens, Desterreich Ungarn und Luremburg 54,-, file bas übrige Ausland 72,-. Bot beftellungen nehmen an Defterrei Ungarn. Lichecho Glowatei, Däne mart, Holland , Luxemburg , Schweden und die Schweiz .

Der Borwärts" mit der Sonntaga beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Seimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten erjcheint wochentäglich zweimal, Gouw, tage und Montags einmal

Telegramm- Adresse: Sozialdemofral Berlin

Abend- Ansgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

Groß- Berlin 40 Pl. auswärts 50 Pfennig

Anzeigenpreis:

Die zehngespaltene Nonpareillegelle loftet 9, 02. Aleine Anzeigen" bas ettgebrudte Wort 8,- W.( läfftg amet fettgedrudte Worte), jebes wettere Bort 150 M. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 1.50 W jebes weitere Wort 1.-M. Worte liber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- An­geigen für Abonnenten Seile 4.-M. Die Breise verstehen fich einschließlich Teuerungszuschlag.

Anzeigen für die nächste Rummer müssen bis 4%, 2hr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion erinplas 15195-97

Expedition Marisblas 11753-54

Mittwoch, den 25. Januar 1922

Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag. Grvedition und Inferaten. Abteilung Morisplas 11753-54

Wirths Schicksalstag.

Heute muß es sich entscheiden, ob die Steuerverständigung| lands Borschub leisten, daß sie mit ihr die gefährliche Thefe| Sozialdemokratie aus der Regierung und zu einer starten zu stande fommt und Wirth bleibt, oder ob fie scheitert und stärken, aus Deutschland sei nichts herauszuholen ohne einen Schwenkung des gesamten außen und innenpolitischen Kurses Birth fällt. Diese Entscheidung liegt in hohem Grade beim fortgefeßt ausgeübten äußeren Drud. Würde sich die Sozial führen muß. Wollen die bürgerlichen Parteien das wirklich? Man hat Reichskanzler selbst, der noch immer bei den Parteien demokratie der bürgerlichen Tattit ohne weiteres anschließen, eine sehr starke Stellung hat und der vielleicht nur schon zu fo tämen wir in Gefahr, wieder einmal eine halbe Boliden Eindrud, daß zwar einzelne Politiker bewußt auf dieses lange gezögert hat, sich mit seiner Person für eine bestimmte tit zu treiben, eine Politit der Diagonale zwischen Er. Biel hinsteuern, daß aber sehr viele eine solche Fahrt ins Un­Lösung einzusehen. Es war entschieden ein Fehler, daß der füllungspolitit und passiver Resistenz Eine solche halbe Boli- gewiffe nur mit bangen Gefühlen mitmachen würden. Auch Reichskanzler den Parteien sagte, er fönne feine Erklärung tit ist in Deutschland während des Krieges getrieben worden, fie wären dem Reichstanzler dankbar, wenn er nach allzu im Reichstag erst abgeben, wenn sie sich über die Steuern ge da die leitenden Staatsmänner immer die Diagonale zwischen langem 3ögern noch im legten Augenblick den Wagen her mit wel- umriffe, noch bevor er zerschellt. einigt hätten. Biel richtiger wäre es gewesen, wenn er mit Annegions- und Verständigungsfrieden suchten einem eigenen festen Programm an sie herangetreten wäre chem Erfolg, das weiß man. und ihnen erklärt hätte, mit diesem Progra.nm werde er in offener Reichstagssigung stehen oder fallen.

Die Gegensäge zwischen den Parteien find so groß, deß ohne das Eingreifen eines Mannes, der auf beiden Seiten Vertrauen genießt, eine Verständigung taum möglich ist Es geht dabei nicht nur um ein Mehr aber weniger her Befiß­belastung, um Abstriche oder zuschläge bei den Berbrauchs Steuervorlagen. Jedermann in Deutschland weiß, daß die Ber. braucher um schwere Lasten nicht herumtommen, und daß auch die Besigenden noch zu viel erheblicheren Opfern als den bisherigen genötigt sein werden. Hier würde sich eine Linie der vorläufigen Berständigung finden laffen, wenn nicht über die bisherige Politik der Regierung selbst, die Erfüllung politit schwere Meinungsverschiedenheiten beständen.

Die Sozialdemokratische Partei steht auf dem Stand punkt, daß Deutschland in Ausführung der Erfüllungspolitik pon sich aus alle möglichen Anstrengungen machen müffe um seinen guten Willen zu beweilen und seine Zahlungsfähig keit nach außen auf den höchsten Grab zu bringen. Erst unter Hinweis auf die Bollständigkeit diefer Anstrengungen fonn ihrer Ueberzeugung nach die deutsche Regierung gegen tatsäch fich unmögliche und unausführbare Forderungen Einspruch erheben mit der Aussicht, ihn auch durchlegen zu fönnen. Tie bürgerlichen Barteien dagegen neigen immer mehr zu der bedenklichen Auffaffung, Deutschland dürfe der Entente nichts auf dem Präsentierteller entgegenbringen", es müffe olio vielmehr immer erst einen entsprechenden Drud von außen abwarten, um sich zu den Maßregeln zu bequemen, die zur Erfüllung feiner Verpflichtungen notwendig sind.

Die bürgerlichen Barteien scheinen nicht zu bemerken, daß sie durch diese Tattit den schlimmsten Gegnern Deutsch .

Sehr merkwürdig ist nun an der Bolitit der bürgerlichen Parteien, daß fie anscheinend meinen, man fönne zwar auf dem Gebiet der Berbrauchsbesteuerung der Entente aus freien Stüden entgegenkommen, müsse aber auf dem der Befihbelastung Zurüdhaltung üben und sich hier das unvermeidliche erst abnötigen lassen. Es ist begreiflich, daß die Sozialdemokratie, die sich als die Vertreterin der breiten verbrauchenden Massen fühlt, für diese Art der Unterscheidung fein Verständnis aufbringen fann.

Die Aussicht auf einen Sturz der Regierung ist unter den gegenwärtigen Umständen für alle, die sich ihrer Berantwor tung bewußt sind, äußerst drückend. Sie wird noch drückender durch das Bild, das diese Krise darstellt, denn wieder einmal handelt es sich um eine Rrise hinter den Kulissen, wieder einmal soll sich das Schicksal der Regierung in Ber handlungen entscheiden, die hinter verschloffenen Türen ge­führt werden. Herr Wirth hat einmal nach der topflojen Oberschlesien - Strife geäußert, er werde nicht anders fallen als in offener Feldschlacht, das heißt in einer Abstimmung des Reichstags. Noch immer bleibt ihm der Weg zum Reichstag, den er zur Gefolgschaft zwingen oder als ehrenvoll Besiegter verlassen fann, um einmal als Gieger wiederzukehren. Der Abgang im Dunklen aber führt ins Dunkle und nicht nicht wieder aus ihm heraus.

Herr Wirth legt heute seine entscheidende Prüfung als Staatsmann ab. Im Interesse unseres Landes, bas Staats männer braucht, wollen wir hoffen, daß er sie besteht!

Immer wieder tritt in den Betrachtungen der bürger lichen Bresse die Auffassung hervor, daß der Vertrag von Ber sailles der Entente den Zugriff nur auf das öifentliche Eigen tum, nicht aber auf das Brinateigentum gestatte. Das ist richtig und falsch zugleich. Die Entente tann nicht die Fabrit des Herrn X. oder das Landgut des Herrn D. zugunsten des Reparationsfontos versteigern laffen; aber fie tann von Deutschland die Maßnahmen verlangen, die not­wendig find, um ihre Forderungen ficherzustellen. Die Fähig. feit des Staates, Verpflichtungen zu übernehmen, beruht auf Zentrum, Demokraten, Deutsche und Bayerische Boffspartel seinem Recht, von seinen Bürgern Abgaben einzutreiben, und von diesem Recht muß er Gebrauch machen, wenn er sich nicht hielten heute vormittag eine gemeinsame Besprechung ab. dem Vorwurf aussehen will, daß er sich seinen Verpflichtungen wir ihn heute morgen hier andeuteten, wieder in den Hintergrund. Sierbel geriet der plan einer gesehlichen Kredithilfe, wie entziehe. Der Kampf im Reichstag geht also im Grunde um nichts Auch der Gedanke ter fofortigen Einziehung beider noch aus anderes, als um die Politik selbst, die in den letzten acht Mofchender Drittel des Reisnotopfers scheint wieder naten geführt wurde und die mit dem Namen des Reichs. fallengelaffen zu sein. Dagegen beschäftigte man sich wieder mit der tanglers Wirth aufs engste verknüpft ist. Was die Sozial. Jdee einer 3 wangsanleihe in der ursprünglich vorgeschlagenen demokratie will, ist nichts anderes als die geradlinige Fort- Form. Mittags[ prachen Sozialdemokraten und Unabhän führung dieser Bolitit. Bas die bürgerlichen Barteien unter Führung der Deutschen Boltspartei bewußt oder unbewußt gige gemeinsam beim Reichsfanzler vor. Die fozialdemokra betreiben, ist ein Abbiegen von ihr, das logischerweile zum fiche Fratilon tagt wieder um 3 Uhr nachmittags, um 5 Uhr abends Sturz des Kabinetts Wirth, zum Ausscheiden der wieder Interfrattionelle Besprechung.

Dollar 204.

Belgien und die Reparationen. Brüffel, 25. Januar. ( MTB.) In der Kammer gab der Heute fand an der Berliner Börse ein offizieller Berkehr Ministerpräsident eine Erklärung ab, in der er ausführte: nur in Devisen und Noten statt. Um die Mittagsstunde war Wir mukten in Cannes die Frage des Zahlungsauffchubes prüfen. Das Gerücht verbreitet, daß das Steuerfompromiß zustande Die truische Abordnung tam zu Worte. Es war in Cannes unmög- gekommen sei. Daraufhin setzte ein Rüdgang der Devisen nich, den Eindruck, den das Condoner Memorandum gemacht hatte. furje ein. Dollarnoten wurden um 11 Uhr mit 204 bis 3n befeltigen. Die Sachverständigen erkannten einffimmig, daß man 204 gehandelt. Deutschland für das Jahr 1922 Erleichterungen gewähren müffe, aber gegen neue Sicherheiten. Es ist in der Tat erforderlich, daß, damit diejenigen Länder, die auf Reparationen ein Unrecht haben, die ihnen zukommenden Entschädigungen von Deutsch­ land erhalten fönnen, Deutschland selbst einen gewiffen Grad des Wohlflandes zurüdzugewinnen vermöge.

Für deutsche Wiederaufbauarbeit.

zum 9. November, der auf ole saufende, hurende und fressende Offiziersmeute in der Etappe hinwies.

Der Angeklagte trat durch seinen Berteidiger, Rechtsanwalt Faltenfeld, einen außerordentlich umfangreichen Wahrheits­Er benannte über 1500 3eugen für die Su­beweis an. stände in der Etappe, außerdem legte er zahlreiche Urkunden, Speise tarten aus Offizierstafinos und dergleichen zum Beweis des Etappen lebens vor. Das Gericht hatte eine heilige Scheu, in diese Beweis. aufnahme einzutreten, die so ganz und gar nicht der Absicht der An­flage entsprochen hätte, das Offizierstorps in Schuß zu nehmen. Es wußte fich zu helfen, indem es sämtliche vom Verteidiger ge­Der Aftions ausschuß für die verwüsteten Gestellten Beweisanträge furzerhand als wahr unterstellte. Unter biete, dem eine Reihe von linksstehenden Abgeordneten aus den diesen Beweisanträgen befand sich u. a. auch die Behauptung, die zerstörten Gebieten angehört, hat eine Tagesordnung angenommen, in dem Buch eines bürgerlichen Bolitifers, Die Tragödie Deutsch Was die belgische Priorität betrifft, fo zeigte sich die bel- in der er feststellt, daß die im Budget vorgesehenen Summen den lands"( Berlag Dunder u. Humblot) aufgestellt ist: ie Regierung immer feft entstoffen, auf deren gewiffenhafte Bedürfnissen nicht entsprechen und daß im Jahre 1922 Beachtung zu bestehen. Wir gingen nach Cannes mit dem Beruht der Wiederaufbau in ebenso beschränktem Maße fortschreiten fein unserer schweren Berantwortung. Nach zahlreichen Erörterun- und ebenso unsicher sein werde wie vorher. Deutschland gen hatte man sich im Augenblide des Rücktritts Briands auf den müffe in fürzester Frist veranlaßt werden, Material und Arbeits­Plan geeinigt, die Barzahlungen Deutschlands für 1922 von 500 auf fräfte zu stellen. Seit der Sozialistentonferenz von Frankfurt wüßten 720 Millionen zu erhöhen, wovon 130 bis 140 Millionen das Deilzit die Behörden, daß die deutschen Arbeiter in der Form von des Belatungsheeres deden follten. Belgien folle die übrigen Gilden, die immer zu niedrigeren Breifen arbeiteten als Brivat 580 millionen auf Grund feiner Priorität erhalten, an Stelle unternehmungen, am iederaufbau teilnehmen wollten. ber in Lonten in Ausficht genommenen 250 millionen. Wir hatten Der Ausschuß wird eine Unterredung mit dem Minifter für die be noch einen weiteren punkt der Berständigung, wonach Grant- freiten Gebiete, Reibel, nachsuchen, um ihm zu erklären, daß reich dem Wiesbadener Abkommen gemäß einen großen außer den privaten Interessen nichts der Einrichtung der Bilden in Teil der notwendigen Materialien erhalten fell, um die Wunde den zerstörten Gebieten entgegenstehe. feiner verwüsteten Gebiete zu heilen.

Arbeitervertreter nach Genua eingeladen?

Paris , 25. Januar. ( WTB) Das Gewerkschaftsblatt Le Beuple" glaubt zu wissen, daß der italienische Ministerpräsident Bo. nomi an alle aur Konferenz von Genua eingeladenenen Regierungen appelliert habe, in ihre Delegationen einen Vertreter der Ar. beiterbewegung und

treter mit aufzunehmen.

Der kronprinzliche Harem.

Die Offiziere gaben der Mehrzahl nach nur ein Beispiel be. fonderer Zügellosigkeit. Der deutsche Kronpring beher bergte einen harem pon Dirnen in feinem Hauptquartier, die Bordelle für Offiziere überschwemmten bie Etappe.

Ferner behauptet die Berteidigung, der ehemalige Kronpring habe ein in seinem Etappenort wohnendes unbescholtenes junges Mädchen zu feiner Dirne gemacht, und die empörten Eltern des Mädchens aus dem Dorf abschieben laffen. All das wurde von dem Gericht furzerhand als wahr unterstellt, eine nähere Ba weisaufnahme hielt es nicht für nötig. Nicht gerade sehr ehrenvoll für den Erfronprinzen!

Man hätte eigentlich meinen müssen, daß nach dieser Wahr. beitsunterstellung das Gericht zu einer Freisprechung des Angeklagten getommen wäre. Aber weit gefehlt! Mit der fnifflichen Begrün bung, daß es ein besonderes Etappenoffizierstorps nicht gegeben(!) habe, daß also durch die Behauptung des Angeklagten auch die Front Bom Gericht als wahr unterstellt. offiziere mit beleidigt(!!) feien, von denen jeder, wenn auch nur Daß ein Gerichtshof im Deutschen Reich als wahr unterstellt, für furze Zeit, einmal in die Etappe gelommen fel(!!), verurteilte daß der frühere deutsche Kronpring in seinem Hauptquartier einen das Gericht den Angeklagten& u 1500 mt. Gelbftrafe. Der Genossenschaftsper. Sarem von Dirnen beherbergt habe, dürfte vielleicht Erstaunen Staatsanwalt Jastrow hatte 3 Monate Gefängnis oder 150 000 m. erregen. Freilich erflärt sich diefer Berfall ganz zwanglos. Vor dem Geldstrafe( 1) beantragt. Gegen das Urteil ist Revision angemeldet. Landgericht Frankfurt a. b. D. als Berufungsinstanz hatte fich am Bezeichnend an der Sache ist, wie das Gericht die Erhebung eines 23. Januar Genesse Redakteur Kurt Lehmann wegen Belei ihm peinlichen Beweises vermeidet, indem es alle Behauptungen bes bigung des Offizierstorps des alten Heeres und der Reichs. Angeflagten als wahr unterstellt, diesen dann aber trotzdem ver. wehr zu verantworten, Gegenstand der Anklage war ein Artikel urteilt!

Keine Militärbfint niffe mehr ist bekanntlich eine der Grund. bedingungen von Versailles , Darum verhandeln jetzt auch Rumänien , Südflawien und Griechenland über eine Militärfonvention.