Nr. 62 39. Jahrgang Ausgabe Nr. 31
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Montag, den 6. Februar 1922
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Die Lage im Eisenbahnerstreit hat insofern' eine Verschärfung erfahren, als in der Nacht vom Sonntag zum Montag die badischen Lokomotivführer in den Ausstand traten, doch werden die aus Württemberg tommenden Züge weiter durchgeführt.
Aufruf zum Streikabbruch.
des Reichspräsidenten vom 10. November 1920 nicht beachtet wurde, daß die Berliner Gewerkschaftstommiffion teine Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu nehmen. daß den Verbandsmitgliedern weder gehörige Aufklärung gegeben, noch das Recht eingeräumt wurde, über zuzuschreiben, mit der man sich in diesen Streit stürzte, als ob er den neuen Schiedsspruch zu entscheiden; das ist alles der- Eile nur eine Kleinigkeit sei, derentwegen man sich nicht Kopfzerbrechen zu machen braucht.
Die einfachsten gewerkschaftlichen Grundbegriffe mit Füßen zu treten, jedes Berantwortlichkeitsgefühl zu mißachten, das ist ein Beginnen, das sie bisher noch in jedem Falle gerächt hat. Je rascher die hier begannene Torheit beendet wird, um so besser. Und wir müssen schon fordern, daß mit diesem Streit unverzüglich Schluß gemacht wird.
Freiheit" gegen den Berliner Streik. Die Freiheit" schreibt in ihrer gestrigen Morgenausgabe: Der Beschluß der Streitleitung, unter diesen Umständen den Streit in den städtischen Betrieben für Sonntag früh zu proflamieren, muß als unverantwortlich bezeichnet werden, weil die Streif leitung, die nur einen geringen Teil aller vom Streit betroffenen Kreise vertritt, für sich nicht das Recht in Anspruch nehmen darf, eine Frage von so schwerwiegender Bedeutung eigenmächtig und ohne vorherige Verständigung mit allen anderen Instanzen der Arbeilerbewegung zu entscheiden. Der Straf der städtischen Arbeitnehmer wird durch die Unterbrechung von Strom, Gas- und Wasserzufuhr nicht nur der gesamten Berliner Bevölkerung in ihren Privathaushaltungen ungeheure Schwierigteiten verursachen, son. dern er führt automatisch zur Stillegung der gesamten Berliner Industrie.
Die Borstände des DGB. und der Afa werden an die streifenden Gemeindearbeiter einen Aufruf richten, der zur sofortigen Wiederaufnahme der Arbeit auffordert. Der Aufruf soll möglichst noch im Laufe des heutigen NachDer sozialdemokratische Parteivorstand hat nicht zuletzt aus außenpolitischen Gründen und um weitere wirtschaftliche mittags zur Verbreitung kommen. Schäden zu vermeiden, die schwierige Aufgabe übernommen, Sm Gegenteil, die älteren seßhaften Arbeiter seien nicht darauf ereine Aktion zur Beilegung des Streites einzuleiten. Schon am Sonnabendnachmittag verhandelten die Ge- picht, daß den neu hinzukommenden nach verhältnismäßig furzer nossen Hermann Müller und Otto Wels mit dem Reichs. Seit schon alle die Vorteile zufallen sollen, auf die die ständigen fanzler und später mit maßgebenden Mitgliedern der Reichs. Arbeiter jahre und jahrzehntelang warten mußten. gewerkschaft mehrere Stunden über die Differenzpunkte. Bie Ein Genosse, der mit in der Streitleitung eines städtischen Gasbereits gemeldet, wurden die Berhandlungen mit den An- werks ist und der uns als ruhiger, besonnener Mann bekannt ist, gehörigen der Reichsgewerkschaft auf Sonntag vormittag ver- gab auf die Frage, weshalb nun eigentlich der Streit troß der Berfagt. Am gestrigen Vormittage einigte man sich auf Borlängerung der alten Manteltarife unternommen wurde, folgende Er. Die schläge, die einer um 111 Uhr stattfindenden Sigung in der flärungen: Wie in dem Schiedsspruch, wird auch in dem Aufruf des Reichskanzlei, an der von der Sozialdemokratie die Genossen Magistrats darauf hingewiesen, daß die Arbeiter alle mefent. Müller und Wels, vom Zentrum Spahn und Höfle und von Lichen Rechte weiter genießen sollen. Die Gerüchte über bedeuden Demokraten Erkelenz teilnahmen, vorgetragen wurden. tend verlängerte Arbeitszeit seien unwahr. Darin liege der Schwer Später trat das Reichskabinett zusammen, um über das Ers puntt, daß nicht alle Rechte aufrechterhalten würden und die gebnis der Verhandlungen zwischen Parteivorstand und Arbeitszeit verlängert werde. Die betonten AbänderunReichsgewerkschaft zu beraten. Nach leberwindung gewisser gen mögen zwar von den Berhandlungsförpern übereinstimmend als Schwierigkeiten stimmte das Kabinett dem Vorschlage zu, am zweckmäßig erachtet worden sein, doch seien sie von den Belegschaften Montagmorgen 10 Uhr mit den Spizenorganisationen ein nicht anerkannt, so daß von gegenseitigen Bereinbarungen die Rede schließlich dem Beamtenbund, dem bekanntlich die nicht sein könne. Der Magiftrat habe folgende Aenderungen durch Reichsgewerkschaft angeschlossen ist, Berhandlungen über die gelegt: Beilegung des Streifes zu führen. Das Mandat zur Führung der Verhandlungen für die Reichsgewertschaft als Unter organisation des Beamtenbundes hat die Bost und Tele graphengewertschaft erhalten. Die Verhandlungen werden sich hauptsächlich auf fachliche Forderungen der Strei fenden beziehen. Ueber die Ansprüche der Reichsgewerkschaft find vielfach falsche Mitteilungen gemacht worden. Es trifft nicht zu, daß die Streifleitung Menderungen im Reichsver fehrsministerium oder irgendwelche andere behaupteten Maßnahmen verlangt, sondern die Wünsche gehen dahin, das feine Verlängerung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der Grundgehälter eintritt. In maßgebenden Kreisen erwartet man, daß die Besprechen. gen zwischen Regierung und Gewerkschaften bald zu einer Berständigung führen und die Reichsgewertschaft in aller Kürze den Streifabbruch ausrufen wird. Sobald eine Einigung erzielt und die Streitparole rückgängig gemacht ist, wird die Verordnung des Reichspräsidenten zurüdgezogen werden.
1. Die zwei Stunden werden nicht mehr gezahlt, um die an den drei zweiten Feiertagen die Arbeitszeit früher beendet wird.
2. Die Fortzahlung des Lohnes bei Heilstättenbehandlung nach Ablauf der Krantenunterstügungsdauer findet nicht mehr statt, während bisher der Lohn solange gezahlt wurde, wie der Arzt die Behandlung für notwendig erachtetc.
3. Bisher fonnte jeder Arbeiter wegen Erfrantung drei Tage vom Dienst fortbleiben, ohne sich in ärztliche Behandlung zu be geben und sich über die Tatsache der Erkrankung auszuweisen.
4. Ebenso wenn ein Familienangehöriger erfrantt war und der Arzt die Notwendigkeit der Anwesenheit des Familienoberhauptes bescheinigte.
Der Beschluß der Streifleitung widerspricht auch allen gewartschaftlichen Grundsähen, weil die Broflamation des Streit's verge. nommen werden ist auf Grund einer Ur abstimmung, die vor Fällung des Schiedsspruches stattgefunden hat.
Wir freuen uns, daß die Freiheit" in diesem Falle die vornehmste Pflicht eines Arbeiterblattes, den Arbeitern die 3 ahrheit zu sagen, anerkennt und ausübt.
Die Streiklage im Reich.
5. Weiter fonnte jeder Arbeiter bei Beerdigung von Verbandsfollegen bis zu drei Fällen jährlich( ohne Lohnabzug) fehlen. 6. Der§ 21 sei gestrichen, der besagt, bestehende günstigere LohnFreiburg, 6. Februar. ( WIB.) und Arbeitsbedingungen dürfen nicht verschlechtert, werden. Nach einer Mitteilung der Eisenbahngeneraldirektion Karlsruhe Der Teilschiedsspruch des Einigungsamts beim Magistrat habe ist auch in Baden der Eisenbahnerftreif Sonntag nacht die Arbeitszeit um täglich 4 Stunde verlängert. Die Bause von 12 Uhr ausgebrochen. Der Eisenbahnverkehr in Ober- und MittelHeute vormittag begannen die Verhandlungen furz nach 4 Stunde lag bisher innerhalb der achtstündigen Arbeitszeit und baden ruht feit Sonntag nacht 12 Uhr vollkommen. Die Technische 10 Uhr in der Reichstanzlei. Zunächst sprach der Reichs- soll nun nicht mehr als Arbeitszeit berechnet werden. Das mit. Nothilfe iff aufgerufen worden, um den in Aussicht genommenen NotPanzler über die innen- und außenpolitische Lage im Bufam bestimmungsrecht sei erheblich beschnitten worden. Dieser Teilschieds. verkehr durchzuführen. menhang mit der gegenwärtigen Situation. Anschließend er spruch sei daher mit überwältigender Mehrheit abgelehnt werden. örterte der Reichsverkehrsminister die Streiflage. Für Die Streifenden befürchten nun, daß die von ihnen ab= 12 Uhr sind die Führer der Koalitionsparteien zur Reichs gelehnten Abänderungen in diesem Teilschiedsspruch, in tanzlei gebeten, um über den vorläufigen Gang der Berhand- ben Schiedsspruch beim Reichsarbeitsministerium lungen unterrichtet zu werden. übernommen worden seien. Auch die Frage des Tarifablaufs Die Lage im Streit der städtischen Arbeiter, fpiele eine große Rolle. Ende Juli laufe auch der Reichs der über die ganze Berliner Bevölkerung wie eine Ratastrophe mantel tarif ab, und so sei zu befürchten, daß Berlin in diesen hereingebrochen ist, ist noch völlig ungeflärt. Einstweilen ift Reichsmanteltarif einbezogen werden solle, wodurch wesentliche Ver. das gesamte Erwerbsleben gelähmt, und man tämpft an ver- fchlechterungen eintreten würden. Zudem sei die Konjunktur im flegenden Brunnen um ein Glas Wasser. Aus den Kran. Hochfommer für den Magiftrat günſtiger, für die Arbeiter dagegen fenhäusern fommen Hilferufe wegen des schwer gefähr- ungünstiger. Sobald der Magistrat erkläre, daß der alte Mantel tarif in unveränderter Form bis Jahresschluß weiterlaufen foll, werde die Arbeit wieder aufgenommen."
deten Lebens der Kranten.
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Effen, 6. Februar.( Eigener Drahtbericht.) Die Streitlage it unverändert. Die Gewerkschaften find nach wie var gegen den Einfriff in den Streit. Dagegen iff aus Effen zu berichten, daß die Mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes die Berbandsleitung auffordern, den Streif zu proflamieren. Sonnabend und Sonntag find liberall Verfammlungen der Streifenden gewesen, in denen es sehr laut und ftürmisch zuging. Es wurden besonders schwere Angriffe gegen den Reichspräsidenten , die Reichsregierung und den Reichstag erhoben. Redner, die fachlich die Cage besprechen wollten, wurden vielfach niedergefrien. So in Effen ein Angestellter der christ. lichen Gewerkschaften und in Duisburg ein Justizbeamter, der fich politisch zur SPD. bekennt. Dagegen konnten die fommuniftischen Redner, die sich in allen Versammlungen einstellten, unbeDaß die gesamte Berliner Bresse gegen diefen gewiffen hindert ihre Phrasen unter stürmischem Beifall der Versammlung lofen Streit aufs fchärffte Stellung nimmt, ist selbstverständ Rann davon auch die Rede nicht sein, daß alles beim alten vorbringen. 3m französisch befehten Gebiet find die fich. Nur die Rote Fahne " ist natürlich so„ arbeiterfreund bleibt und unser Gewährsmann mußte selber zugeben, daß die Beamten requiriert und unter militärische Leitung gefich", ihn nicht nur aus vollem Herzen zu billigen, sondern meisten der erwähnten Abänderungen den Streit nicht rechtferti- ftellt. In der Duisburger Beriammlung forderten je ein Mitglied auch mit allen Kräften weiterzuschüren. ir haben unferem gen, fo find die Befürchtungen der Streifenden, die sie aus der Reichsgewerfiaft aus Duisburg und Effen die Eisenbahner auf, in altbewährter Treue und Pflichterfüllung" ihre gestern ausgesprochenen Urteil nichts hinzuzufügen. Diefer dem neuen Schiedsspruch herleiten, doch offenbar start über Dienste im befesten Gebiet zu verrichten, um gleiserweise den AnStreit schädigt in geradezu furchtbarer Weise nicht nur die übertrieben. Wir haben die Ueberzeugung geforderungen der militärischen Kommiffion nachzukommen. 3m SoEristenzbedingungen der Arbeiter. fondern auch ihre ganze wonnen, daß der großen Mehrzahl der städtischen Arbeiter und ingr Bezirt, we englische Bejagung in Frage tommt, if Bewegung. Auf seine rascheste Beilegung hinzuwirken, ist die Angestellten überhaupt nicht bekannt ist, was der neue Schiedspruch jede Bersammlung für oder gegen den Streit verboten. besagt, mit welchen Abänderungen der alte Manteltarif weiterlaufen Die eingeführten Notfahrpläne funktionieren nicht besonders. Milch Pflicht jedes Sozialdemokraten. foll. Der Schlichtungsausschuß beim Reichsarbeitsministerium müßte und Lebensmittelversorgung ist fehr gefährdet. Kohlenversorgung flipp und flar erklären, welche Abänderungen in Frage tommen. ftodt. Die 3nduftriebetriebe find aufgefordert, mit ihren ColoBergeblich versuchten wir eine diesbezügliche Erklärung zu befom- motiven Kohlen heranzufchaffen. Die fommuniffischen Blätter formen, doch fann fie ein einzelner nicht geben, sondern nur das Ge- dern den Rücktritt der Regierung und ein entscheidendes Handeln der Arbeiterschaft. Die Beamtenorganisationen haben beschlossen, dort, famitoflegium. wo der Streit noch nicht befteht, zu einem allgemeinen Beamtenstreit Um den Streit zu beenden ist also wie der Vorwärts" be aufzufordern. reits geftern früh schrieb- notwendig, Hanau , 6. Februar. ( WTB.) 1. daß den Streifenden der Schiedsspruch genau bekannt- Sonnabend nachmittag zogen ungefähr 1500 Streifende aus gegeben wird, einer Bersammlung nach dem Bahnhof, drangen trop des 2. daß ihnen zugleich Gelegenheit gegeben wird, sofort durch Widerstandes der Polizeimannschaften in das BahnUrabstimmung über den Schiedsspruch zu entscheiden. hofsgebäude ein und entfernten die Arbeitswilligen mit Gewalt. Die Schupo hat den Bahnhof zwar wieder besetzt, ist aber außerstande, die Bahnhofsanlagen von den Streifenden zu säubern.
Offenbar fehlt es an einer authentischen Erklärung über die Be. beutung des Zwischenfages im Echiedsspruch, wonach die alten Manteltarife mit den von beiden Parteien übereinstimmend für 3 medmäßig gehaltenen Abänderun gen" bis Ende Juni verlängert werden.
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Während nach der Auffassung eines Organisationsvertreters die Bestimmung böses Blut machen soll, daß die unständigen Arbeiter nicht mehr wie bisher nach sechs Monaten in den Genuß aller fozialen Leistungen tommen sollen, spielt diese Frage- wie aus den Kreisen der Streifenden selbst versichert wird-teine große Rolle.
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Denn das ist das Tollste bei diesem Streit, daß die Streitenden nicht wissen, warum und weshalb sie streiten. Daß die Berordnung