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Nr. 166 39. Jahrgang Ausgabe

Nr. 83

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Freitag, den 7. April 1922

Die Not der Zeitungen.

Jim Reichstag wurde heute der Antrag Löbe( S03.) beraten, der von den Vertretern aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten unterzeichnet ist. Danach wird die Reichsregierung ersucht, mit mög­lichster Beschleunigung einen Gesezentwurf vorzulegen, durch den der Not der Zeitungen auf wirtschaftlichem Gebiet wirksam gesteuert

wird.

Abg. Löbe( Soz:) begründet den Antrag. Gestatten Sie, daß ich Ihre Aufmerisamfeit auf ein paar Minuten auf eine schlimme Krise lente, die zwar schon oft hier im Hause und in vielen anderen deutschen Parlamenten besprochen ist, die aber doch nicht den Grad der Beachtung findet, den sie gerade bei uns Parlamentariern finden müßte: Die Not des Zeitungsgewerbes. Eine kurze Notiz, die Ihnen vielleicht allen nicht entgangen ist und die in den letzten Tagen durch die Zeitungen ging, beleuchtet wie ein grelles Schlaglicht die Lage. Sie lautete: In den letzten drei Monaten find

170 deutsche Zeitungen und Zeitschriften eingegangen.

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( Hört, hört!) Wenn auch unser Wirtschaftsleben auf einer ungefun­det Grundlage immerhin noch floriert, so find 170 deutsche Zeitun gen- bereits eingegangen. Wer ist es, ter diesen Todestampf führt? Zuerst sind es die kleinen und mittleren Provinz blätter, politische Organe, lokale, bodenständige Blätter, die zum Teil auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Ich darf daran erinnern, daß dieser Tage der Tod des Laubaner Tageblattes" in feinem 150. Jahrgange gemeldet wurde, und in der Großstadt mögen diese Zeitungen winzig, dürftig erscheinen: für ihren Bezirk und an gepaßt ihrem Leserkreise bilden sie ein Stück des geistigen und poli fischen Lebens ihrer Leserschaft.( Sehr richtig!) Die Opfer der Bei tungen find gefallen, während der Papierpreis von 20 Bf. im Frie ben auf 7,80 m. im März dieses Jahres gestiegen ist. Bom März bis April steigt aber der Papierpreis weiter von 7,80 auf 12 M.

( hört, hört!) Die Zeitungen werden erliegen, wenn wir nicht ein­greifen. Wir müssen uns die Frage vorlegen: Gibt es ein Mittel dagegen und

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Ervedition und Inieraten. Abteilung Morinplan 11753-54

Mutterschaft.

Bon Klara Bohm Schuch.

Gestern wurde bei der Beratung des Etats für das Mini­fterium des Innern der sozialdemokratische Antrag verhan­delt, der verlangt, daß die uneheliche Mutterschaft einer Beam wenn es fein Mittel gibt, was wird dann? tin fein Grund zu ihrer Entlassung sein darf. Er wurde ab wenn nicht, dann ist es nicht nur die Provinzpresse, die ihren Unter- gelehnt, ein demokratischer Vermittelungsantrag dem Rechts­gang findet. Ein großer Teil des Volles verliert dann seinen Zu- ausschuß überwiesen. Zunächst also wird die Sittenrichterei sammenhang mit dem Boltsganzen, beschränkt sein Interesse am über die beamtete Frau weitergehen. Nach§ 128 der Ver­öffentlichen Leben, verfintt in eine gewiffe politische Apathie. Ueber- faffung ist zwar die Beamtin dem männlichen Kollegen gleich­haupt geht der Refonnanzboden, den die Behörden und die Regierung berechtigt und nach Artikel 119 steht die Mutterschaft unter für ihre Maßnahmen, den das Parlament für seine Arbeiten haben dem besonderen Schutz des Staates, aber um die Verfassung muß, verloren.( Sehr richtig!) Aber nicht nur die kleine Bresse, fümmern sich viele Leute in der deutschen Republik nicht. Das auch die größere tommt an die Reihe. Wir sind zusammen gewesen mit Bertretern der angesehensten deutschen Beitungen. Die follte eigentlich Veranlassung sein, daß die Volksvertretung. Bertreter der Zentralorgane großer Barteien haben uns mit frap. daß die Regierung und ihre ausführenden Organe fie um so pierenden Zahlen das Schicksal belegt, das diese Zeitungen erleiden mehr beachten, aber man beruft sich in den Ministerien und müssen. Gewiß werden diese Zeitungen nicht alle eingehen. Aber in den bürgerlichen Parteien des Reichstags auf ein Beam­die einen werden ihren Charakter ändern und die anderen werden tenrecht aus dem Jahre 1873, auf die Moralanschauung wei­fennen, von Frankfurt und Köln angefangen, von Magdeburg , Leip­verfümmern. Die großen deutschen Zeitungen, die Sie ja alle ter Boltskreise usw. und beschließt- verfassungswidrig. zig und Berlin nach Königsberg und Breslau , fie schrumpfen zusammen, müssen ihren politischen, fünstlerischen Teil ein­schränken, fie müssen den Lesern das Wertvollste entziehen. Aber die anderen und das ist das Schlimme werden

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zu Tebenbetrieben fremder Gewerbe aufgetauft von industriellen Konzernen.( Sehr wahr!) Diese Zeitungen, die ich oben erwähnt habe, deren politische Selbständigkeit, deren Eigenart unser Stolz in Deutschland gewesen ist, werden nicht mehr Reprä­fentanten selbständiger politischer Gruppen sein, sondern als An­hängsel von Interessengruppen auftreten.

( Der Redner spricht bei Schluß des Blattes fort.)

Eine Hetrede Poincarés.

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Wir sind daran gewöhnt, daß in der französischen Kam- zwingen uns ständig die gefährliche Last auf, Vorposten zu stehen. mer über den deutschen Militarismus und Deutschlands Bös- Wenn wir nochmals angegriffen würden, fönnten wir dann unsere willigkeit die verwunderlichsten Dinge erzählt werden. Wir Mobilisation ohne wirtungsvolle Dedung vornehmen, damit wir find bereits derart daran gewöhnt, daß wir diesen sich ständig nicht den Nußen der Belegung des Rheinlandes wiederholenden Ergüssen nur noch mit den Gefühlen der verlieren und damit unser Land nicht nochmals besetzt wird. Ber­größten Langeweile gegenüberstehen. Es gehörte deshalb so geffen wir auch ferner nicht, daß wir auch im Ellaß eine zusagen mit zum Programm, wenn bei der gestrigen Schluß- Grenze gegen Deutschland haben, viel schwächer als bebatte über die Dienstzeit in der französischen Kammer die unsere Grenze im Norden, die also auch solide Deckung erfordert obligatorischen Märchenerzähler wieder auf den Plan traten. Jn 15 Jahren, felbst vorher, wird Deutschland hoffentlich end­Etwas Farbe bekam diese Debatte nur durch die Rede des gültig entwaffnet sein, aber heute ist es das nicht. Herrn Poincaré , die am Vorabend der Konferenz von Genua alles übertrifft, was bisher an leichtfertigen und Zum Schluß fagte Poincaré: In diesem Augenblick Teistet böswilligen Anklagen gegen Deutschland vorgebracht wurde. Deutschland der Reparationsfommiffion Widerstand und sucht die Soll man auf die einzelnen Punkte eingehen? Soll man fragen, Aliierten zu trennen. Diese Haltung beweist uns, daß das Reich wo in aller Welt auf deutschem Boden militaristische Kund seine Niederlage nicht annimmt und seine Unterschrift ver­gebungen stattgefunden haben, soll man daran erinnern, daß leugnet. Gestern haben wir im Rheinland ein Dokument be­Frankreich foeben erst den Bertrag von Sèvres wie einen Fehen fchlagnahmt, das eine Beleidigung und eine Herausforderung für Bapier behandelt hat, während Deutschland seinen Berpflich- unfere belgischen Freunde und ihren König ist. In Deutschland bis tungen in einer Weise nachkommt, die selbst den verantwort- nach Elsaß- Lothringen hat man eine sogenannte Erklärung der drei lichen Staatsmännern Frankreichs des öfteren Worte der An- Verbrecher Briand , Lloyd George und Poincaré verteilt, die ihre erfennung abgerungen hat. Aber das ist es gerade, was issetaten, ihr Verbrechen eingestehen, nämlich die Berlegung des Herrn Poincaré wurmt, das ist es, was ihn an die Stelle feines, Friedensvertrages. Das ist start. Kollegen Briand treten hieß, und so wäre denn jedes Wort André Fribourg ruft dazwischen: Man hat eine niedrige einer Entgegnung vergebliche Liebesmühe. Rampagne gegen die schwarzen Truppen veranstaltet. Poincarés Ausführungen erinnern an die große Rede Poincaré bemerkte dazu, das sei vollkommen richtig, und seines Vorgängers in Washington , als es galt, in der Abforberte zum letzten Male auf, der Regierung die Möglichkeit zu rüstungsfrage Farbe zu bekennen. Diese Rede, die mit geben, so start zu sein, um eventuell die notwendigen den Mitteln der plumpelten Lüge arbeitete, hat Frankreich Garantien zu nehmen. mehr als alles andere die Freundschaft der Vereinigten Staaten gekostet. Es scheint, daß Poincaré der traurige Ruhm seines Vorgängers nicht schlafen läßt, es scheint, daß Boincaré in

Scharfmachertöne auch in Belgien .

Brüffel, 7. April( BTB.) Meldung.der Agence Beige. Mäh­

Stunde in Spannung hielten. gehen nicht nur die Beamtinnen Doch die erregten Debatten, die gestern den Reichstag eine an, sondern darüber hinaus alle Frauen. Es handelt sich bei dieser Auseinandersetzung nicht mehr nur um die ungeheure Ungerechtigkeit und Härte, die in der Brotlosmachung der sich um die rechtliche und sittliche Wertung beamteten unehelichen Mutter liegt, sondern es handelt der Mutterschaft überhaupt. Hat jede körperlich und seelisch gesunde Frau das Recht Kinder zu haben? Das ist die Frage, die zur Entscheidung steht. Und sie muß beant wortet werden, flipp und flar, von den Parteien sowohl mie von den Frauen insgesamt. Der Nutzen der gestrigen De batte ist diese Klärung.

Wir bejahen die Frage im Intereffe der Menschlichkeit, im Interesse der Sittlichkeit, im Interesse des Staates. Die hei ligste Kraft im Menschen ist die Schöpferkraft und die Natur rächt mit eiserner Konsequenz ihre Bergeudung an den Men­Schen selbst. Der stärkste Trieb alles Lebenden ist der Fort­pflanzungstrieb hörte er auf, so würde es das Ende alles Bestehenden bedeuten. Darum gilt es, Schöpferfraft und Fortpflanzungstrieb im Menschen rein und gesund zu erhal­ten, wenn sich die Menschheit weiter und höher entwideln off. Moralgefeße sollen helfen, innere Bindungen zu stärken, aber sie sollen nicht den Schöpfertrieb unterbinden wollen. Sonst werden sie unmoralisch, eine Sünde gegen die Natur, töten fie, was rein und gut im Menschen ist.

Es ist eine unnatürliche und darum unmenschliche Moral­auffaffung, die Massen gesunder Frauen das Recht auf Mutter­schaft abspricht. Gegen diese Feststellung wehren sich zwar die bürgerlichen Parteien, und dennoch ist sie richtig. Wenn diese Kreise die Mutterschaft in der Ehe wohl anerkennen, sie außer­balb dieser schühenden Familiengemeinschaft aber ächten, fie als Fehltritt, oder wohl gar als Schande bezeichnen, so sprechen sie damit Millionen von Frauen das Urteil, finderlos bleiben zu müssen, weil nicht alle sich verheiraten können. Vor dem rieg fchon war ein Frauenüberschuß vorhanden; im Krieg haben Millionen blühender Männer das Leben verloren und damit genau soviele Mädchen und Frauen die Möglichkeit der Ehe und des Mutterglückes in der Ehe. Dazu kommen die perfrüppelten Opfer des Krieges, die zur Ehe nicht mehr fähig sind und die wirtschaftlichen Verhältnisse, die die Gründung von Heim und Familie immer mehr erschweren. Das sind die harten Tatsachen und es ist Feigheit und Lüge, sie nicht zu fehen, ihre Folgerungen nicht anerkennen zu wollen. Der Krieg ist der große Zerstörer und Ummerter aller Werte ge­wesen, damit müssen wir uns abfinden, auch in unserer Moral­auffaffung.

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Genua dieselbe Rolle spielen möchte wie Briand in Washington . rend der Debatte über Einnahmen und Ausgaben des Staatshaus verlangen, dienen wir einer neuen und höheren Sittlichkeit. Indem wir die Achtung vor der Mutterschaft als solcher Die Delegierten Frankreichs in Genua werden nicht das Recht halts in der Kammer antwortete Minister des Aeußeren Jaipar Mutterwerden ist das heiligste Erlebnis einer Frau, um ein der freien Entscheidung haben, sie werden im Gegensatz zu auf die Worte mehrerer Redner: allen anderen Delegierten lediglich die südlichen Horchposten Es ist nicht wahr, daß wir Gewalt angewandt haben, um reineres Siel als der Geburt eines neuen Lebens kann das jenes Militärapparates sein, deren östliche Horchposten am Deutschland zum Bahien zu zwingen. Deutschland hat, nachdem es eigene Leben nicht eingelegt werden. Vor der Frau, die be­Rhein fizzen. Und das ist gut so. Eine reinliche Scheidung der den Vertrag unterzeichnet hatte, seine Schuld am Kriege wißt Mutter geworden ist, die zwischen Leben und Tod um Geister ist vollzogen und das Spiel kann mit offenen Karten geleugnet und sich erst zum Bahlen entschlossen, nachdem wir neues Leben gerungen hat, sind die Hüllen der Urewigkeit beginnen. ihm gezeigt haben, daß hinter der Gerechtigkeit unserer Sache gefallen. Soviel Schmerz und soviel Glück hält das Leben nötigenfalls die Macht stand. Wir stehen nicht einem niemals mehr in einer Schale. Und darum darf niemand Paris , 7. April. ( WIB.) In seiner gestrigen Rede in der Volke gegenüber, daß feine Verpflichtungen einhält; denn Deutsch - formen und fragen: Hast du alles ehelich oder unehelich er­Stammer erklärte Ministerpräsident Boincaré zum Schluß zur land denkt heute nur daran, wie es die Ergebnisse unferes Sieges lebt? Das ist Pharifäertum und am schlimmsten dann, Begründung der 18monatigen Dienstzeit: Ich sage, daß wir ge- in Frage stellen tann. Um etwas von Deutschland zu erreichen, wenn es von ehelichen zu unehelichen Müttern zum Ausdruck zwungen find, Rüdfight zu nehmen auf den Geisteszustand Deutsch - genügt nicht Sanftmut. Deutschland muß fühlen, daß ihm nötigen- foinmt. Diese Klaffifizierung der Mutterschaft fällt ja in ihrer lands, wo sich die militärischen Kundgebungen häufen, wo eine Pro- falls die Gerechtigkeit durch die einigen Völker aufgezwungen werden Entwürdigung auf uns ehelichen Mütter und das müssen wir paganda entfaltet wird, selbst bis in die Rheinlande, wo eine Pro- tann.( Anhaltender Beifall rechts und im Zentrum.) olle empfinden lernen. Unsere Mutterschaft soll paganda der Verleumdung und der Lüge( 1) gegen uns, gegen die man anerkennen, aber man soll sie nicht herab­Belgier und gegen den Friedensvertrag. Die Ausführung des würdigen zu der gesehlich sanktionierten Zeugung. Friedensvertrages sicherstellen und unsere Sicherheit garantieren, Mit dieser Auffassung werden wir die Ehe nicht zerstören, das sind die Pflichten, denen sich feine französische Regierung ent- An der heutigen Berliner Börse machte die Ermattung sondern festigen. Die Ehe, die nicht nur ein Nebenein­ziehen kann. Ich will nicht die Borausseßung ins Auge faffen, daß des Devisenmarktes weitere Fortschritte. Dollarnoten anberleben in der häuslichen Gemeinschaft ist, sondern wir eines Tages für die Berteidigung unserer Rechte alleinstehen wurden um die Mittagsstunde mit 299-300 gehandelt. Am die Lebenstamerabschaft zu zweien, aus der neue, werden. Wir hoffen wohl, daß der treue Beistand unserer Alliierten Effektenmarkte war die Stimmung etwas freundlicher, das bessere Glieder der menschlichen Gesellschaft fommen sollen. uns niemals fehlen wird. Aber die Geschichte und die Geographie Geschäft jedoch sehr gering. Daß alle gefeßlich geschlossenen Ehen heute eine solche hohe Ge­

Abschwächung des Dollars.