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Nr. 188 39.Jahrgang Ausgabe Nr. 93

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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

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Freitag, den 21. April 1922

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Die deutsche Verständigungsnote.

Die heute dem Präsidenten der italienischen Delegation| haben. Sie fühlt sich einig mit dem Geiste der Solidarität und des überreichte deutsche Antwortnote hat folgenden Wortlaut: Deutsche Delegation. Genua , den 21. April 1922. Herr Präsident!

Auf das von Ihnen gemeinsam mit dem Herrn Borsitzenden der

französischen, britischen, japanischen, belgischen, tschechoslowakischen, polnischen, jugoslawischen, rumänischen und portugiesischen Delega tion unterzeichnete Schreiben vom 18. d. M. beehre ich mich folgendes zu erwidern:

Bertrauens, der diese Arbeiten befeelte. Weit entfernt von dem Gedanken, sich von der europäischen Gemeinschaftsarbeit abzuwen­den, ist sie bereit, an den von der Konferenz von Genua zu er füllenden Aufgaben im Sinne der Bölkerversöhnung und im Sinne des Ausgleichs östlicher und westlicher Wohlfahrt mitzuarbeiten. gezeichnetsten Hochachtung. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus­gez. irth.

Seit mehreren Jahren hat Deutschland die russische Abordnung, Giannini, wird von dem italienischen Außen. Genua , 21. April. ( EE.) Der Generalsekretär der italienischen Sowjetrepublit anerkannt. Eine Auseinandersetzung minister Schanzer von einen Disziplinarrat gestellt werden, zwischen den beiden Ländern über die Folgen des Kriegszustandes denn man glaubt in ihm diejenige Persönlichkeit zu sehen, die von war jedoch notwendig, bevor die ordentlichen diplomatischen Bes Rathenau über den Fortgang der deutsch - russischen Berhand ziehungen wieder aufgenommen werden konnten. Die Verhandlun lungen verständigt gewesen ist, ohne daß sie ten Inhalt dieser gen, die hierüber zwischen den beiden Regierungen geführt wurden, Besprechungen an die italienische und englische Regierung weiter waren schon vor mehreren Wochen so weit vorgeschritten, geleitet hat. daß sie einen Abschluß ermöglichten.

Die russische Verständigung war für Deutschland deshalb beson. ders wichtig, weil hier die Möglichkeit bestand, mit einem der großen am Kriege beteiligten Staaten

zu einem Friedenszustand zu gelangen,

Deutschland ging nach Genua mit dem herzlichen Wunsch auf gemeinsame Arbeit mit allen Bölfern zur Wiederaufrichtung des leidenden europäischen Erdteils, im Bertrauen auf das wechselseitige Berständnis für die Sorgen aller seiner Glieder.

Wenn der fachliche Inhalt des Bertrags gerecht fertigt und der Wunsch ausgesprochen wird, er möge der Grundstein eines von gleichem Geiste getragenen allgemeinen Vertragsschlusses werden, so wird es viele im Ausland geben, die dieser Auffassung zustimmen, und wenige in Deutschland ,

die es nicht tun. Schließlich wird man die Antwort auf die Anregung, Deutschland an den weiteren Russenverhandlungen nicht zu beteiligen, nur logisch und korrekt finden um Fragen handelt, die durch den deutsch - russischen Bertrag können. Der Nichtbeteiligung wird zugestimmt, soweit es sich bereits geregelt sind, bezüglich der übrigen werden Borbehalte gemacht, indem gesagt wird, daß Deutschland daran inter­effiert bleibt. Hier tönnte es vielleicht schwierige Unterschei dungen geben, über die aber die Praris hinweghelfen wird. Der ganze Gang der Angelegenheit läßt darauf schließen, daß die deutsche Note für die Entente teine Ueber. raschungen enthält und daß mit ihr der Zwischenfall be endigt ist. Bersuche aus ihm meitere Störungen der Konfe­Die deutsche Note, deren Inhalt unseren im heutigen renz herzuleiten, dürften mit Entschiedenheit zurückgewiesen Morgenblatt ausgesprochenen Erwartungen entspricht, ver werden. Selbst wenn sich Frankreich von der Konferenz zu dient Billigung, weil sie bei fachlicher Festigkeit überflüffige rückziehen wollte wäre die übermältigende Mehheit der der alle dauernde Schuldnerschaft ausschließt und von Grund auf er er sich bei dem plötzlichen Abschluß des deutsch - russischen Ber­Schärfen des Tones vermeidet. Sie stellt den Vorgang, wie| Teilnehmer zu ihrer Fortsetzung entschlossen. neute, durch die Bergangenheit nicht belastete freundschaftliche Betrags abgespielt hat, wahrheitsgemäß dar. Die deutsche Dele- finnigen Lügen der französischen Chauvinisten Die Konferenz zeigt durch ihre Haltung, daß sie den blöd. ziehungen ermöglicht.. gation hat bei diesem Abschluß offenbar unter dem Eindruck preffe über eine nationalbolichemistische Schwenkung der gestanden, daß Gefahrim Berzuge sei, da ein die Inter - beutschen Bolitit, ein deutsch - russisches Militärabkommen, ge effen Deutschlands schwer schädigender Vertragsschluß zwischen meinsame Kriegsvorbereitungen usw. der Entente und Rußland unmittelbar bevorstehe. Ob dieser im polnischen Korridor"- eine gerechte Würdigung ange " Deutsche Truppen Eindruck den Tatsachen entsprach, das zu untersuchen bleibt deihen läßt. Obwohl es unter vernünftigen Menschen über­der geschichtlichen Forschung vorbehalten. Objektiv tann er flüssig ist, solchen Unsinn zu widerlegen, jei auf die Tatsache unrichtig gewesen sein, subjettiv hat die deutsche Delegation hingewiesen, daß in der letzten Zeit innerhalb der deutschen zweifellos in dem guten Glauben gehandelt, daß ihr ein Reichswehr überhaupt feine Ortsveränderungen vorgeg igen anderer Ausweg als der rasche Abschluß nun nicht mehr offen find, die zur Entstehung solcher unfinnigen Gerüchte auch nur ſtehe. den geringsten Anlaß hätten bieten können. Am meisten hat man der deutschen Delegation' zum Bor­Wiederholt hat die deutsche Delegation Mitglieder der Delegation wurf gemacht, daß sie hinter dem Rüden der Konfegation hatte ob aus wirklicher Not oder aus irrtümlichem Zusammenfassenb fann man sagen: Die deutsche Dele­der einladenden Mächte in eingehenden Besprechungen auf diese renz gehandelt habe; hierin wurde ein illoyales Vorgehen Glauben an eine unmittelbare Gefahr, sei dahingestellt.­schweren Bedenken aufmerksam gemacht. Dies ist jedoch ohne Erfolg erblickt. Die Note macht glaubhaft, daß die deutsche Delega einen sehr raschen und gewagten Schritt unternommen. Sie geblieben; vielmehr wurde der deutschen Delegation bekannt, daß tion der Meinung war, fie habe ihre Absicht, mit Rußland hat aber dann verstanden, die aus diesem Schritt drohenden die einladenden Mächte Sonderverhandlungen mit Rußland abzuschließen, noch vor ihrer Ausführung der Konferenz deutschmeren Schäden start zu vermindern, vielleicht, so darf man eingeleitet hatten. Mitteilungen über diese Verhandlungen Ileßen lich genug zu erkennen gegeben. Hierbei mögen vielleicht hoffen zu beseitigen. Geholfen hat ihr dabei der gute darauf schließen, daß eine Berständigung binnen kurzem bevorstand, Fehler und Mißverständnisse vorgekommen fein, aber der Wille ber Engländer und der Italiener, bie darauf schließen, daß eine Berständigung binnen furzem bevorstand, daß aber die Berücksichtigung der gerechten deutschen Wünsche nicht Vorwurf, die deutsche Delegation habe mit Absicht hinter dem Konferenz zum Biele zu führen, mehr vielleicht aber der daß aber die Berücksichtigung der gerechten deutschen Wünsche nicht Rücken der Konferenz gehandelt, läßt sich nicht aufrecht- plumpe Eifer, mit dem sich gewiffe andere Kräfte auf den in Aussicht genommen war. Die deutsche Delegation ließ demgegen­über feinen Zweifel, daß fie gezwungen sei, ihre Intereffen unmittel­3wischenfall stürzten, um die Konferenz an ihm zum Scheitern bar zu vertreten, da sie sonst in die Lage gekommen wäre, sich in der Kommission einem Entwurf gegenüber zu sehen, der für sie unan­nehmbar, aber von der Mehrheit der Kommiffionsmitglieder bereits vereinbart war. Der Vertrag mit Rußland ist deshalb am Sonntag abend in genauer Uebereinstimmung mit dem bereits vor Wochen aufgestellten Entwurf unterzeichnet und alsbald bekanntgegeben worden.

Die Vorschläge des Londoner Programms ließen die deutschen Interessen außer Acht. Ihre Unterzeichnung hätte brüdende Reparationsansprüche Rußlands gegenüber Deutschland hervorgerufen. Eine Reihe von Bestimmungen hätte dazu geführt, daß die Folgen der zaristischen Kriegsgefeße Deutschland allein zur Last gefallen wären.

Dieser Borgang zeigt in aller Deutlichkeit, daß die deutsche Delegation den Weg der Verhandlungen mit Rußland

nicht aus Mangel an Gemeinschaftsfinn, fondern aus zwingenden Gründen

erhalten.

Frankreich und der Russenvertrag.

Paris , 21. April .( Havas.) Britische und Pariser Rapallo ben echten und Borrechten der Reparations Kreise sind der Ansicht, daß der Abschluß des deutsch - russischen tommission Abbruch tun tann. Abkommens die Festigkeit Europas erschüttere und glauben daher, daß ein zusammenschluß der Mächte der Großen und Kleinen Entente fowie Bolens, das hauptsächlich gefährdet ist, auf die Genueser Konferenz folgen müsse, damit Borsichtsmaß beschritten hat. Er zeigt ebenso deutlich, daß die deutsche Delegation regein besonders angesichts des vorgesehenen Abbaues der alliierten bestrebt gewesen ist, von ihrem Verfahren jede Heimlichteit Rontrolle in Oberschlesien getroffen werden fönnen, wo fernzuhalten. Waffen und Munitionslager festgestellt worden sind. Frant Es würde durchaus den Wünschen der deutschen Delegation entreich wird seinen Alliierten seine Ansichten unter fprechen, wenn auf der Konferenz eine allgemeine Regelung der breiten in der Hoffnung, baß fie die Notwendigkeit anerkennen russischen Frage gelänge, und wenn in diese Gesamtregelung der werden, die neue allgemeine Lage zu prüfen. deutsch - russische Vertrag eingefügt werden fönnte. Die Möglichkeit Anmerkung des MLB.: Diese Meldung ist bezeichnend für den hierfür ist sehr wohl gegeben. Der Vertrag greift in das Ber - bekannten französischen Standpunkt. Was insbesondere die in Ober­häftnis dritter Staaten zu Rußland in feiner Weise ein, auch ift er fchlesien aufgefundenen Waffenlager anlangt, welche aus durch in jeder seiner Bestimmungen von dem Gedanken getragen, deffen fichtigen Gründen für weitgehende Pläne benutzt werden sollen, fo Berwirklichung sie mit Recht als das Hauptziel der Konferenz be- ist bisher noch gar nicht aufgeflärt, von wem diese Lager angelegt zeichnen, nämlich von dem Geiste, der das Bergangene als find. endgültig abgeschlossen ansieht und eine Grundlage für den gemeinsamen frieblichen Wiederaufbau zu schaffen sucht.

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Paris , 21. April .( Havas.) Die Reparationstom mission veröffentlicht folgende Note: Die Reparationstommiffion hat ihre Aufmerksamkeit dem in Rapallo am 16. April von Dr. Rathenau als Bertreter der deutschen Regierung und von dem Bolts­tommissar Tschitscherin als Bertreter der Regierung der Sowjet­republik unterzeichneten Bertrag zugewandt. Im Laufe einer heute abgehaltenen Sigung hat die Kommission beschlossen:

1. von der Kriegslastenkommission eine offizielle Rople

die weitere Behandlung der russischen Fragen auf der Konferenz betrifft, so hält auch die deutsche Delegation es für richtig, daß sie sich an ten Beratungen der ersten Kommission über diejenigen Fragen, die den zwischen Deutschland und Rußland bereits geregelten Fragen entsprechen, nur dann beteiligt, wenn etwa ihre Mitarbeit besonders gewünscht des Bertrages von Rapallo zu fordern, werden sollte. Dagegen bleibt die deutsche Delegation an allen 2. ihre juristische Abteilung zu beauftragen, fofort denjenigen der ersten Kommiffion übertragenen Fragen intereffiert, und ohne das Eintreffen der erwähnten offiziellen Ropie abzu die sich nicht auf die im deutsch - russischen Berfrage geregelten warten, die Frage zu prüfen, ob und in welchem Maße der Ber­Punkte beziehen. trag von Rapallo die Bestimmungen des Bertrages von Ber Die teutsche Delegation hat mit Genugtuung die Entwidlung failles berührt, für den allein die Reparationstommiffion zu begrüßt, welche die Berhandlungen der Rommiffionen genommen ständig ist, insbesondere ob und in welchem Maße der Bertrag von

Poincaré fordert Zwangsmaßnahmen. Paris , 21. April .( WTB.) Das Deuore", dem die Berant­mortung für feine Nachricht überlassen bleiben muß, schreibt, Poincarés Programm sei zuerst, England davon zu über. zeugen, daß die Umstände einen fofortigen Abschluß des französisch englischen Schuppertrages notwendig machten, in dem die Klaufel einzufügen sei, daß die militärische Allianz in Erscheinung trete, wenn Bolen von den Deutschen oder Russen bedroht werde. Sobald dieser Paft unterzeichnet wäre, würde die französische Regierung von England verlangen, sich wenigstens durch eine Geste an den 3wangsmaßnahmen gegen Deutschland zu beteiligen, die dadurch gerechtfertigt feien, daß Deutschland ein Abfommen mit den Russen aufrecht­erhalte, das dem Friedensvertrag von Versailles zuwiderlaufe.

Das Deuvre" fragt: Und wenn sich England an der Be­fegung des Ruhrgebiets nicht beteiligt? und fährt dann fort: Denn darum handelt es sich. Und unser Generalstab ist seit einigen Tagen aktiv mit dieser Frage beschäftigt.

daß preußische Ravalleriestreitträfte, sogenannte 3m Zusammenhang damit verbreitet das Blatt das Gerücht, Bolizeiträfte, schon im Rorridor von Danzig zusammen. gezogen feien.

Dazu bemerkt TB.: Soweit diese Meldung Berdächtigungen gegen Deutschland enthält, trägt sie den Stempel ber unwahrheit und Lächerlichkeit an der Stirn. Denn wie sollte Deutschland im Rorridor auch nur einen Mann mobilisieren, ohne daß die Bolen es wüßten und ohne daß sie sofort darüber ein großes Geschrei erhöben?"( Bir glauben an einen Uebermittlungsfehler. Daß ein ernstes Blatt wie Deuvre" folchen Blödsinn verbreitet, scheint uns ausgeschlossen. Reb. d. B.")