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Nr. 303.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Biertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreichs Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919.

Vorwärts

11. Jahrg.

Infertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pig. Juferate für die nächste Numiner müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner

Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Abonnements- Einladung.

Sonntag, den 30. Dezember 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

weg auf gerichtlichen Akten, die von uns dem Verfasser zur Verfügung gestellt worden sind,

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werden kann.

Und die Nordd. Allg. 3tg." jammert: Die Brauereien fügen sich jetzt in die Forderung, die sie am 13. Oktober rundweg ablehnten." Der Eindruck,

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Zur Jahreswende richten wir an alle Freunde und und sie zeigt, wie heute der, welcher von seinem Rechte nicht welchen die Sozialdemokratie hat, kann nach der nicht weg Parteigenossen die dringliche Bitte, für die Erweite weicht, in Form Rechtens" zu Grunde gerichtet zuleugnenden Kapitulation der Brauereien nur der der Schwäche rung unseres Abonnentenkreises mit aller Nach Schluß von: Zu Tode gehetzt! beabsichtigen wir Energie thätig zu sein. Gegen die Partei, deren den früher angekündigten Roman, die Berliner März Zentralorgan der Vorwärts" ist, haben die ver­einigten Parteien der Reaktion, denen der ereignisse des Jahres 1848 behandelnd, zu veröffent­Boden unter den Füßen waukt, jetzt alle ihre Kräfte auf­

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Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonne­ment auf den ,, Vorwärts"

lichen.

Judem wir so bestrebt sind, unsere Leser zufrieden zu stellen, dürfen wir uns auch der Hoffnung hingeben, daß dieser Aufruf an die Freunde und Genossen seinen Zweck nicht verfehlen wird.

Berlin , Dezember 1894.

Redaktion und Expedition des ,, Vorwärts".

Der Bierboykoff.

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Hause zu sein. Das ist das Ende des Berliner Bierboykotts." Hause zu sein. Das ist das Ende des Berliner Bierboykotts."

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des Gegners und der eigenen siegverbürgenden Kraft sein." Die Berliner Brauereibesizer haben somit nach diesem Friedensschluß" aufgehört, Herren in ihrem eigenen , Das politische Jnteresse, die sozialdemokratische Be wegung in Berlin von einer empfindlichen Fessel( es handelt sich um die gesperrten Säle) zu befreien, überwog bei den Brauern die bisher festgehaltenen Gesichtspunkte der persönlichen Wide, Gesammtheit." des wohlverstandenen eignen Nutzens und der Pflicht gegen die

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geboten; durch ein neues Knebelgesez soll die zahl­reichste Partei in Deutschland , mundtod gemacht, und für unsere Feinde und des Volkes Feinde die Ruhe des So urtheilt die Presse, die man als verschämtes Kirchhofes hergestellt werden, damit sie ungestört Sprachrohr des Unternehmerthums bezeichnen kann. Wir ihre gemeinschädliche und gemeingefährliche Arbeit verrichten können. Die Kämpfe, in denen wir stehen, find neugierig, was die den Stumm, Krupp und Konsorten direkt untergebene Preßmeute für ein Wuthgeheul darüber sind von entscheidender Bedeutung; und die Verhand anstimmen wird, daß die Sozialdemokratie so stolz und stark lungen des Reichstages über die sogenannte Um= dem Brauerring gegenüber steht. Wenn die Gegner eine sturz vorlage, die sofort nach den Ferien beginnen, Gefährdung ihrer kapitalistischen Interessen und eine werden von ganz besonderer Wichtigkeit sein. Unter diesen Die überwältigende Majorität, mit welcher die Auf Schädigung des Unternehmerthums in der Art, wie der Umständen ist es doppelt nothwendig, daß die Partei- hebung des Boykotts am Freitag Abend beschlossen worden Boykott beendet wurde, erblicken, so erfüllt uns das mit hoher genossen sich in dem Zentralorgan der Partei über alle Bor - ist, zeigt deutlich, daß die Parteigenossen den sozial- Genugthuung; aber um so befremdlicher muß es erscheinen, daß in tommnisse aufs genaueste unterrichten, und daß sie dafür politischen Werth der Zugeständnisse, zu welchen die den Reihen der Parteigenossen nicht überall volle Befriedigung sorgen, daß der Vorwärts" immer weiter verber That, der Ausgang des Kampfes ist so ehrenvoll und von Siegestaumel, aber auch nicht von Verkleinerungssucht sorgen, daß der Vorwärts" immer weiter ver- Brauereien gedrängt worden sind, zu würdigen wissen. In über den Ausgang herrscht. Bei ruhiger, objektiver, nicht breitet wird. Je größer die Verbreitung des Zentral- gewinnreich für die Arbeiterschaft, hat die Macht der organi- getrübter Betrachtung der Sache treten die Vortheile, organs, desto größer sein Einfluß und seine Wirksamkeit, firten Arbeiter Berlins so kraftvoll bewiesen, daß es thöricht welche die Arbeiter von dem Zugeständniß der Brauereien und desto größer die Macht der Partei. wäre, sich die berechtigte Freude an dem Erfolge durch den Um- haben, klar und scharf hervor. Wenn man erwägt, daß die Die Redaktion des Borwärts" wird bemüht sein, ihre stand, daß nicht alle anfangs gestellten Forderungen durchgesetzt Arbeiter nichts, aber auch garnichts, gegen frühere Ver Pflicht zu thun, und das Zentralorgan der Partei würdig sind, trüben zu lassen. Wir werden den hohen Werth, den die hältnisse verloren, dagegen wenn auch nicht die Er­zu machen! in hartem Kampfe den kartellirten Brauereien abgerungenen füllung aller beim Beginn des Kampfes gestellten Forde­Bugeständnisse sowohl für die Brauerei- Arbeiter speziell, rungen- doch eine Reihe sehr wichtiger und werthvoller als auch für die Arbeiterklasse im allgemeinen haben, im Bugeständnisse errungen haben, dann war die Aufhebung einzelnen nachweisen. Vorerst aber wollen wir einmal an des Boykotts nicht nur nur ein Gebot der Klugheit, dem Urtheil unserer Gegner die Größe des Erfolges, den sondern auch ein im sozialpolitischen Interesse der Arbeiter­der Bierkrieg für die Arbeiter gebracht hat, abmessen. klasse nothwendiger Akt. Um das letztere zu begründen, Die von dem Unternehmerthum inspirirte Bourgeoispresse, bedarf es nur des Hinweises auf die Bestimmungen des so- sowie Blätter, die sich ihrer offiziösen Beziehungen rühmen, Arbeitsnachweises bezüglich der Nichteinstellung von Arbeit­entwissen sich vor Zorn über diesen Ausgang des Kampfes nicht zu nehmern und der damit zusammenhängenden Frage des lassen. Trotz der erheiternden Wirkung, welche die Herzens- Schiedsgerichts. Während die Brauer früher es rundweg ergüsse der Geldsackpresse auf uns ausüben, verkennen ablehnten, für die Nichteinstellung von Arbeitern irgend wir nicht, wie blutig ernst der Ingrimm der im Dienste welche Gründe anzugeben, haben sie sich jetzt verpflichtet, der kapitalistischen Interessen für die Arbeiterklasse Kuebel- dem aus Arbeitern und Unternehmern zu gleichen Theilen gejeze verlangenden Presse darüber ist, daß der Bierring zusammengesetzten Schiedsgerichte Rede und Antwort zu vor der Arbeiterschaft Berlins kapituliren mußte. Die Kreuz- stehen und sich dessen Entscheidung zu unterwerfen. Zeitung" bezeichnet die Zugeständnisse des Unternehmerthums Zum ersten Male in Deutschland hat eine so starke als einen sozialdemokratischen Sieg." Die Berliner Unternehmerorganisation, wie die des Brauereigewerbes in Neuesten Nachrichten" sagen: Berlin , die klare und bündige Erklärung in ihrem Arbeits­für die sozialdemokratische Partei oder für die Gewerkschafts­nachweis niedergelegt, daß die Zugehörigkeit und die Thätigkeit organisation keinen Grund für die Nichtannahme eines Ar­beiters bilden dürfe, und zur Ueberwachung und Kontrolle kanische Idee sich bisher nur rom Glauben und von der Hoffnung hatte nähren können. O welche schöne Aufgabe hatten die Leiter des Staates zu erfüllen, wenn sie es verstanden, dem neuen Frankreich Spender von Licht, Ge­rechtigkeit und Glück zu sein, wenn sie die Organis satoren der zukünftigen brüderlichen Gemeinschaft sein wollten!

mit der illustrirten Sonntags- Beilage

Die Neue Welt".

Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen gegen zum monatlichen Preise von

ments zum Preise von

1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne­3,30 M. für das Quartal entgegen.( Eingetragen in die Post- Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7128.)

Nach Beendigung des Romans: Im Exil", der im Laufe des Januar zu Ende gehen wird, bringen wir eine Erzählung aus dem Leben: Zu Tode gehetzt", von Franz Held. Diese Erzählung beruht durch­

Feuilleton.

Am Exil.

[ Nachdruck verboten.] 39

worden".." Der Ausgang des Krieges, über den man sich Die Macht der Sozialdemokratie ist entschieden unterschätzt durch feine Schönfärberei hinwegtäuschen sollte, ist ein furcht­barer Beweis für die Stärke unserer Gegner."

versenkte er sich in eine Träumerei, die zugleich süß und schmerzlich für ihn war. Er wurde aus diesen Träumereien durch seine Mutter herausgerissen, die ihn anrief:

Antworte mir doch! Findest Du Deine Kousine Marce­line nicht sehr nett?

Und wie aus einem Traume erwachend, antwortete er: Ja, ja, sehr nett. Ich werde ihr Briefmarken für ihre XII.

Noman von Georges Renard. Autorisirte Uebersetzung Sammlung schicken.

von Marie Kunert .

René fühlte, wie seine Seele erfüllt war von den Schätzen des Enthusiasmus und der Liebe für diese ideale Herr Dubourg, der ganz enthusiasmirt war, fang Zwei Monate waren wie im Fluge vergangen, seit| Republik . Er liebte sie mit der Leidenschaft eines Mannes, darauf zwei oder drei Opernarien mit einer Stimme, René in sein Heimathland zurückgekehrt war. Der Augen- der für sie gelitten hat, und er beschränkte seinen Ehrgeiz teren Klang an der einer ausgeleierten Drehorgel blick zum Handeln war für ihn gekommen. Bevor er den darauf, ihr seine Intelligenz und seine Energie zu weihen. erinterte. Darauf wurde René, von dem man wußte, daß Kampf ums Dasein auf einem neuen Gebiete aufnahm, Was erstrebte er für sich selbst? Nur wenig. Die Mittel, er dichtete, gebeten, einige Verse zu deklamiren. Er weigerte prüfte er seine Aussichten und seine Mittel zu einem Erfolge. von seiner Arbeit zu leben und sich der Gesellschaft nützlich fich dessen mit einer Hartnäckigkeit, die man schließlich auf Er unternahm das, was er seine Waffenprobe nannte. zu machen. Rechnung seiner Bescheidenheit setzte. Nun mußte Marceline Er war sich bewußt, im Geiste der modernen Welt- Das war zweifellos leicht zu erreichen. Was konnte wieter eine Phantasie aus dem Schwarzen Domino" spielen, anschauung zu handeln, indem er mit aller Kraft an der man ihm eigentlich noch vorwerfen? Nichts weiter, als worauf man es, da zehn Uhr vorüber war, für angezeigt Begründung der Volksherrschaft arbeitete. Es schien ihm, daß er die Republik mit glühender Begeisterung erstrebt hielt, sich zu trennen, doch geschah dies nicht, ohne daß Herr man müsse durch Familientradition verblendet oder im hatte, als Frankreich noch zögerte, sie zu erstreben, daß er und Frau Dubourg ihre Gäste eingeladen hätten, sie in Egoismus befangen sein, wie eine Natte im Käse, wenn man in der Vorhut der ungeheuren Armee, die sich jetzt bildete, Ville- d'Avray in ihrem Landhause, das sie sich nächstens die große Bewegung nicht sähe, die alle Völker einer Gesell- seinen Platz ausgefüllt hatte. Doch wie? War das ein einrichten wollten, zu besuchen. schaftsform zudrängte, in der die einzelnen unter gleichen Verbrechen oder eine ehrenhafte That? Er sah jetzt In dem Wagen, der sie mit ihrem Sohne nach Existenzbedingungen frei und glücklich sein werden. Er glaubte Männer zur Macht gelangt, die wie er und neben ihm Hause suhr, fargte Frau Messant nicht mit Lobes schon von einem Ende der Welt bis zum andern das gegen das Kaiserreich gekämpft hatten. Hatten sie nicht erhebungen über die Liebenswürdigkeit des Vetters, der Todtengeläute der alten Vorurtheile erklingen zu hören, förmliche Verträge mit dem Volke geschlossen, nicht ge­Kousine und ihrer Tochter. Sie sah ihren René schon ver- welche die Menschen in zwei Klassen theilten, die von schworen, die Masse ungerechter und schlechter Gesetze zu heirathet, wohl versorgt, reich, für immer von der Noth- Geburt an entweder zum Wüssiggang oder zum Elend, ent- beseitigen? Er erinnerte sich der begeisterten Worte, wendigkeit befreit, in mühseliger Arbeit sein Brot verdienen weder zum Befehlen oder zum Gehorsam bestimmt waren. die sie damals in die Menge schleuderten und

zu müssen. Aber René ließ diesen Schwall von Worten Die Republik triumphirte in Frankreich . Sie hatte die sein Jünglingsherz höher schlagen ließen. über sich ergehen, ohne anderes, als mit wenigen, zerstreuten das Recht, die Mehrheit, die Macht auf ihrer Seite. Sie Gewiß waren diese Männer für ihn mehr als bloße Waffen­Bemerkungen darauf zu antworten. Seine Gedanken weilten vermochte jetzt ihre Versprechungen zu halten, die Prinzipien gefährten, sie waren seine Führer, seine Lehrer in der fern, fern von Paris . Er sah Annette vor sich, ihre lebens- anzuwenden, die ihre Daseinsbedingung waren, die Reformen Revolution. Wie konnte er ahnen, daß sie einen verlorenen pollen, geistsprühenden Züge, ihre in der Sonne auf- durchzuführen, die sie auf ihr siegreiches Banner Sohni ihrer Partei übel aufnehmen würden, der nur leuchtenden; goldenen Haare. Er hörte ihre helle Stimme, geschrieben hatte. Sie sollte nun allmälig fort- begehrte, wieder in Reih und Glied zu treten und ihnen zu aus der ein warmes, jugendfrisches Herz tlang und als er schreitend, aber entschlossen und ausdauernd die Wünsche dem Ziel, das sie sich einst gesteckt hatten, zu folgen? War das, was war, mit dem, was hätte sein können, verglich, der Boltsmassen erfüllen, deren Hingabe an die republi- les denn möglich, daß er in seinem eigenen Lande und mitten