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Nr. 289 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 142

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Mittwoch, den 21. Juni 1922

Gewerkschaften gegen Brotwucher.

Der Gewerkschaftstongreß in Leipzig nahm| belastet werden. Ueber die Preisfrage muß Klarheit geschaffen heute vormittag einstimmig folgende Entschließung zur Frage werden. Ohne das sei die Zustimmung der Unabhängigen zur Vor­der Brotversorgung durch die Getreideumlage lage nicht zu haben. Der Redner warnt das Zentrum davor, ein Kompromiß mit der Volkspartei zu suchen. Dadurch würde die Der Kongreß nimmt kenntnis von dem trifischen Stand der Möglichkeit, eine Mehrheit nach links zu schaffen, vernichtet werden. parlamentarischen Behandlung des Gesetzentwurfes über die Rege- Reichsernährungsminister Fehr: Nicht Freude an der Zwangs­lung des Berkehrs mit Getreide. wirtschaft, sondern Not veranlaßt uns, an der öffentlichen Bewirt fchaftung in beschränktem Umfange festzuhalten. Grundfäßlich ist die freie Wirtschaft zur Förderung der Produktion am besten geeignet. Die Produktion braucht zu ihrer Förderung aber

Angesichts der Gefahr, daß die bürgerliche Mehrheit des Reichs­fages dem Drängen nach freier Wirtschaft folgt, unterstützt der Kon­greß in letter Stunde nochmals einmütig alle Forderungen des ADGB., die in der Frage der Brotversorgung dem Reichs­ tag , der Reichsregierung und den Regierungen der Länder rechtzeitig

unterbreitet wurden.

nicht nur Freiheit, sondern auch Ruhe und Ordnung, und darum ist für die volle Freiheit der Zeitpunkt noch nicht ge­tommen, sondern eine beschränkte öffentliche Bewirtschaftung not Der Kongres fordert, daß der Reichstag dem Gesetz eine Faffung wendig. Wer für die Umlage ist, ist daher kein Gegner der Land­gibt, durch die die Brotversorgung der versorgungsberechtigten Be- wirtschaft. Der Sprung in die freie Wirtschaft ist jetzt nicht möglich, völkerung in ausreichendem Maße zu erschwinglichen darüber fann es gar feinen Streit geben. Es ist zu verurteilen, Preisen bei Dedung der Produktionstoften, aber unter völliger wenn der Regierung zum Vorwurf gemacht wird, sie halte aus Furcht Ausschaltung von konjunktur- und Balutage- vor der Strafe an der Umlage fest. Schon durch die Freigabe der winnen sichergestellt wird. Wirtschaft, soweit sie erfolgt ist, find breite Boltsschichten Indem der Kongreß nochmals auf die Folgen der von gewiffen ins Elend gekommen. Die Not des Volkes fordert Festhalten an Kreisen der Landwirte geforderten freien Wirtschaft in der Brotver- der Umlage. Bekommen wir die Umlage nicht, dann bekommen wir forgung hinweist, erklärt er, daß er für die mit Sicherheit eintreten Auslandspreise für Brot. Dafür kann die Reichsregierung die Ber­den tatastrophalen Zustände jede Verantwortung ablehnt." antwortung nicht übernehmen.

Um nach 1 Uhr schlug der Vorsitzende Bertagung vor.

"

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Absage an die Kommunisten.

Die USP. wird energisch.

Die tommunistische Parteizentrale richtete fürzlich wieder einmal einen langen Offenen Brief" an unsere Partei sowohl wie an die Unabhängigen, in dem sie zu gemeinsamen Aktionen gegen die Reaktion" aufforderte. Die Zentrale der USB. hat darauf jetzt in einem längeren Schrei­ben geantwortet und zwar in so deutlicher Weise, daß wir wünschten, sie hätte sich immer so entschieden gegen die kommunistischen Rattenfänger ausgesprochen. In der Antwort heißt es u. a.:

Diese Frage richten Sie an uns, während zu gleicher Zeit in Moskau Führer Ihrer Organisation durch fortgefehte Wortbrüche deren Arbeiterparteien das Papier nicht wert sind, auf dem sie ge­aller Welt den Beweis liefern, daß Ihnen Bereinbarungen mit an­schrieben stehen...

fames Handeln gegen die Reaktion zu unterhalten und geben Ihren Sie wünschen sich mit unserer Organisation über ein gemein­Organisationen zu gleicher Zeit Anweisungen, Versammlungen zu sprengen, die von unserer Organisation einberufen werden. Sie er blicken offenbar in dem systematischen Versammlungsterror Ihrer Beauftragten gegen unsere und andere Arbeiterorganisationen ein geeignetes Mittel, die Arbeiterorganisationen zu einem gemeinsamen Handeln gegen die Reaktion zusammenzuführen.

Das Schreiben der USP. versichert weiter, es hätte.bis vor furzem der Anschein bestanden, als ob bei den Füh

Obstruktionsversuche im Ausschuß. Es sind noch drei Redner zur Generaldebatte gemeldet. Die Sorern der KPD. eine bessere Einsicht gesiegt hätte: Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages trat heute bialdemokraten forderten energisch rasche Arbeit und wider­10 Uhr vormittags zusammen, um die Beratung der Ge- sprachen der Vertagung, die trotzdem gegen die Stimmen der treideumlage zu beginnen. An der Zusammensetzung des Aus- Sozialdemokraten und Unabhängigen beschlossen wird. Es folgt schusses fällt auf, daß die Bertreter der bürgerlichen Barteien eine sehr lebhafte Geschäftsordnungsdebatte, in der auch der Reichs­wiederum fast ausschließlich aus Repräsentanten des land- ernährungsminister Fehr seinem Bedauern über die Verzögerung wirtschaftlichen Besizes bestehen.

Es wurde zunächst beschlossen, in Anbetracht der dringenden Wichtigkeit des Gegenstandes und seiner raschen Erledigung von einer Generaldebatte abzusehen.

der Ausschußarbeiten Ausdrud gibt.

Landbündlerdreiftigkeit.

Die Generaldebatte wurde aber dennoch von den Deutschnatio­Es ist ein schwieriges Geschäft, zugleich den unbegrenzten nalen erzwungen, indem sie einen vom Abg. Roeside eingebrachten Brotwucher zu fordern und dabei seine Anhänger aus Ber Antrag begründeten, den grundlegenden Artikel 1 der Vorlage brauchertreifen bei guter Laune zu erhalten. Das sehen abzulehnen und damit den freien Verkehr mit Getreide die Landbündler ein, deshalb muß sich einer ihrer Parlamentarier, Herr Dr. Kaufhold, die Finger blutig schreiben, um den städti inländischer Ernte herzustellen. Dr. Kaufhold weiß als erfahrener Demagoge, daß er bei den deutsch schen deutschnationalen Wählern Sand in die Augen zu streuen. nationalen Berbrauchern mit dem agrarischen Profitgeschrei feinen Eindrud erzielen wird. Deshalb vergießt er Krokodilstränen über die gestiegenen Kosten der Lebenshaltung, um dann mit heuch­lerischem Pathos fortzufahren:

Ein weiterer Antrag der beiden Rechtsparteien will für die Umlage einen Scheinerfaz in Form weitläufiger Maßnahmen Herstellen, deren Wirksamkeit start bezweifelt werden muß und deren Durchführung jedenfalls im Laufe der zur Verfügung stehenden Zeit unmöglich wäre. Es handelt sich ganz offensichtlich um einen Ver schleppungs- und Obstruktionsantrag, um zunächst einmal die Getreideumlage zu Fall zu bringen. Was danach wird, scheint den Herren von den Rechtsparteien ziemlich gleichgültig zu sein. Der von ihnen gestellte Erfazantrag soll nur dem Zwede

dienen, ihr Verhalten vor den städtischen Wählern einigermaßen zu

verschleiern.

Käppler( Soz.) trat den Berschleppungsmanövern der Rechten In ausführlicher und energischer Rede entgegen. Er erklärte, daß die Sicherstellung der Brotversorgung durch die freie Wirtschaft auf keinen Fall erfolgen könne, daß man vielmehr auf diese Weise einer Katastrophe zusteuere.

Es handle fich darum, ob es außer der Umlage noch einen anderen Weg gebe. Ein solcher sei aber nicht zu sehen. Der Weg, den die Gegner der Umlage gingen, führe zur Hungersnot. Fällt die Vor­lage, muß die Auflösung kommen. Die Frauen werden sich dann gegenüber ihrer Haltung am 20. Juni 1920 eines besseren befinnen. Böhme( Dem.) spricht den Wunsch nach Berständigung aus. Seine Partei behalte sich volle Freiheit gegenüber der Regierungs­Dorlage vor und werde ihr nur zustimmen, wenn ihre Bedingungen erfüllt würden. Sie würde also mitarbeiten und sich ihre Entschei­dung für den Zeitpunkt vorbehalten, in dem die Gestaltung des Ganzen zu übersehen sein werde. Der Redner begründete sodann ausführlich seinen Antrag, der dahin geht, die kleineren Flächen bis zehn Hettar freizulassen, bei den Flächen bis fünfzig Heftar zehn Hektar nicht in Anrechnung zu bringen, die größeren

Flächen aber voll zu erfassen.

Die sozialdemokratische Fraktion hat beantragt, die zu erfassende Menge von Millionen Tonnen auf 4% Millionen Tonnen zu erhöhen und nicht nur die mit Getreide bebauten Flächen, sondern die gesamten landwirtschaftlichen Flächen zu erfaffen. falls der Antrag auf Ablehnung des§ 1 und damit der gesamten Umlage abgelehnt werden sollte, die Umlage von 2% auf 1% Millio­

Von den Deutschnationalen ist ein Eventualantrag eingelaufen,

nen Tonnen zu ermäßigen.

Dr. Herh( U. Soz.) wendet sich scharf gegen die Obstruktions­versuche der Rechten, deren Abgeordnete sich nur als Landwirte gebärdeten und vergessen, daß sie nur

als Vertreter des ganzen Boffes gewählt feten. Sie fürchten den Appellans Bolt, weil sie wiffen, daß fich das Volf gegen sie entscheiden würde. Dem Grundgedanken des bemokratischen Antrages, die Verteilung anders zu regeln, sei zuzu­Stimmen. Die Kleinen müßten gefchont, die Großen stärker

u

Leider ist diese bessere Einsicht gegenwärtig wieder vollkommen verdrängt worden durch die von Moskau erneut angeordnete Taktik des wüsteſten Kampfes nicht gegen die Reaktion, sondern gegen an­Sie die Antwort auf Ihre Frage selbst finden, nämlich, daß es dere Arbeiterorganisationen. Aus allen diesen Tatsachen können nicht möglich ist, mit Ihrer Organisation gemeinsame Handlungen

gegen die Reaktion herbeizuführen. Alle Ihre Parolen und Briefe entstehen aus Ihrer hinterhälligen Abficht heraus, andere Arbeiterorganisationen nicht als Bundesgenossen zu gewinnen, son­dern zu zertrümmern und als Berräterorganisationen zu verleum­den und zu beschimpfen... Wir sind überzeugt davon, daß auch die Arbeiter, die heute noch in der kommunistischen Bewegung stehen, über furz oder lang erkennen werden, daß die Taten der kom­ munistischen Führer der Reaffion nügen und die prole­tarische Bewegung schädigen...

wünschen möchte, daß sie nicht bei nächster Gelegenheit wieder Das sind sicher sehr mannhafte Worte, von denen man vergessen sind. Allerdings sorgt schon die Redaktion der Frei­heit", in der wir diesen Brief abgedruckt finden, für die not­wendige heitere Abwechslung. In unmittelbarem An­schluß an den Absagebrief veröffentlicht sie eine zuschrift Die verantwortliche Reichsregierung steht den Dingen angeblich aus der Feder eines rechtssozialistischen Arbeiters, tatenlos gegenüber, fie rührt feine Hand und ergreift feine der sich über das Bersagen der SPD gegen den Brotwucher" Maßnahmen, um der Teuerung abzuhelfen. Dies in dem Augenblick, wo die Reichsregierung um die neue beschwert und bittet, daß die USP. und KPD . den Ge­mlage fämpft, die von den Agrariern auf jede Weise jabo im Gegenteil mit aller Macht in ganz Deutschland gegen den danken der Demonstration nicht aufgibt, sondern tiert wird! Es geht doch nichts über einen tüchtigen Schuß Drei­stigkeit. Herr Dr. Kaushold hat aber auch einen guten Gedanken. Wucher die Maffen aufruft". Der Brief hat wochenlang im Ueberfaz der Freiheit" gestanden und wird ausgerechnet So schreibt er bei Aufzählung der Gründe für die heutige Not: Die Arbeitslöhne und Gehälter der handarbeitenden Bevölet veröffentlicht, wo die Sozialdemokratie im Vordergrund ferung und der Festbesoldeten sind der Geldentwertung ent- des Kampfes gegen den Brotwucher steht! sprechend nicht gestiegen. Wir haben vielfach Weltmarktpreise, Bei den Unabhängigen weiß augenscheinlich die rechte aber noch kein Weltmarkilöhne! Hand nicht, was die linte fut. Während die Zentral­Hoffentlich ist fich Herr Dr. Kaufhold auch über die Ronfeleitung ein Zusammengehen mit den Kommunisten für quenzen dieses Sages flar. Der Saß bedeutet, daß die Arbeiter, rüdsichtslos a blehnt, fordert das Zentral organ un­Angestellten und Beamten, wenn die Agrarier ihre Erzeugnisse auf mittelbar darauf zu gemeinsamen Demonstratio­Weltmarktpreise hinauftreiben, gar nicht mehr anders tönnen, nen auf, die sich natürlich auch gegen. die Sozialdemokratie als Weltmarktlöhne zu fordern.

Erhöhung der Beamtenbezüge.

Die gestern bei den Verhandlungen zwischen Regierung und Spikenorganisationen erzielte Einigung sieht, wie die Tele graphen- Union" hört, eine Erhöhung des Teuerungszu­schlages um 40 Proz. vor. Während also bisher auf die ersten 10 000 m. 120 Broz. Zuschlag gewährt wurden, erhöht sich dieser Betrag nunmehr auf 160 Proz. Für die weiteren Beträge über 10 000 m. tritt eine Erhöhung des Zuschlages von 65 Proz. auf 105 Proz. ein.

Dollar 320!

richten sollen! Es geht nichts über eine prinzipienfeste Redak­tion. Sie überschreibt eine polemische Notiz gegen die" So­zialistische Korrespondenz" mit den Worten: Heute so, morgen anders." Die Freiheit" übertrumpft alles: Sie kann auf derfelben Seite so und anders!

Verfrühter Siegesjubel.

Die reaktionäre Presse erzählt von einem bürgerlichen Sieg" in Sachsen , weil es den bürgerlichen Parteien gelungen ist, die 10 Proz. der Wahlberechtigten, die zur Herbei­führung eines Boltsbegehrens notwendig find, nicht nur auf die Beine zu bringen, sondern noch einen ansehnlichen Ueberschuß zu erzielen. In Wirklichkeit ist der Siegesjubel reichlich verfrüht. Daß es den bürgerlichen Parteien, die bei Der Devisenmarkt wurde durch die gestern von ver- der letzten Wahl zusammen 48 Proz. der abgegebenen Stim­schiedenen Zeitungen verbreiteten Meldungen über eine an- men aufgebracht haben, möglich sein würde, in einer mehr­geblich sehr pessimistische Beurteilung der Aussichten des tägigen Einzeichnungszeit mindestens 10 Broz. der Wahl­Markturses in Regierungskreisen ernstlich beunruhigt. Daran berechtigten zur Einzeichnung zu bewegen, hat faum ein vermochte ein inzwischen veröffentlichtes Dementi nichts zu Mensch bezweifelt. Wenn aber die Bürgerlichen einen großen ändern. Infolgedessen überwog wieder die Nachfrage nach Erfolg darin sehen, daß es sogar 30 Proz., nämlich ausländischen Zahlungsmitteln. Der Dollar wurde um rund 82 000 Stimmen, geworden sind, so muß gerade. die Mittagsstunde mit 320 gesucht. Auch am Markte das für ihre Aussichten bei dem wirklichen Volks­der österreichischen Noten machte die Aufwärtsbewegung begehren selber zweifelhaft wirken. Denn offenbar haben die weitere Fortschritte. Die österreichische Krone wurde mit 2,45 bürgerlichen Parteien alles zur Einzeichnung geschleppt, was gehandelt. Am Effektenmarkte herrschte infolge der wachsen sie nur irgend heranbringen fonnten. Um im Boltsbegehren den Geldknappheit vollkommene Geschäftsstille bei ab zu siegen, müssen sie aber mindestens 50 Proz. der Wahl­bröckelnden Kursen. berechtigten zur Abstimmung bringen. Daran fehlen ihnen