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Nr.29239.Jahrgang Ausgabe A nr. 146

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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands

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Expedition Morisplass 11753-54

Freitag, den 23. Juni 1922

Volk, wehr' Dich!

Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Verlag. Expedition nnd Inseraten. Fernsprecher: Abteilung Morispian 11753-54

Abrechnung mit Katastrophenpolitik und Brotwucher.

Die Hochspannung der innerpolitischen Situation fam in beschränken, im allgemeinen zu erklären, daß meine Partei, wie der Bevölkerung der ganzen Welt längst anerkannt ist. Wir sind der der gestrigen Reichstagssizung zu einer scharfen Entladung. iede unterbrüdung, so ganz besonders auch die, die am Ueberzeugung, daß nur der Fortschritt jener Weltgefinnung der Ge­Genosse Friedrich Stampfer , der als erster in der fort- Rhein und Saar verübt wird, auf das schärfste berechtigkeit imftande sein wird, das schamlos gebeugte Recht an Rhein Genosse Friedrich Stampfer , der als erster in der fort­gesetzten Debatte zu Worte tam, setzte sich mit den Herrschaften tämpft.( Sehr richtig! bei den Soz.) Meine Partei hat feine und Saar wiederherzustellen.( Sehr richtig! bei den Soz.) In diesem gesetzten Debatte zu Worte fam, setzte sich mit den Herrschaften Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne unter Ausnutzung ihrer inter - Sinne billigen meine Freunde die Erklärung, die gestern von der von rechts und ganz rechts in einer Weise auseinander, die nationalen Beziehungen das Ausland über jene Zustände aufzu- Reichsregierung abgegeben worden ist. diesen, nach ihrem äußeren Verhalten zu schließen, nicht ganz klären, deren unhaltbarkeit von den französischen Sozialisten und den angenehm gewesen zu sein scheint. Nach der Schlacht, die von englischen Arbeiterparteilern und darüber hinaus von weiten Kreisen ber einen Seite mit Argumenten, von der anderen mit einem Trommelfeuer wüster Zwischenrufe geführt wurde, stellte der demokratische Abgeordnete Goth ein, das Schicksal wägend in gerechten Händen", fest, daß die Deutschnationalen- wie einst Ludendorff - die Nerven verloren hätten.

-

Aus den nicht immer parlamentarischen Zurufen der Rechten war öfters das Wort Wahlrede" zu vernehmen. Wir möchten diese Kritik nicht für unbedingt vernichtend halten, zumal es das gute Recht eines Abgeordneten ist, einen Appell an das Bolt, den er für wahrscheinlich hält, mit einigem Nachdruck zu unterstützen. Im übrigen waren es besonders zwei Dinge, die auf der Rechten erhebliche Auf­regung hervorriefen.

Genosse Stampfer wies auf gewisse Bestrebungen im Rheinland hin, die darauf gerichtet sind, gegen eine neue Ge­treideumlage die Hilfe der Besaßungsbehörden in Anspruch zu nehmen. Im Zusammenhang damit tam er auf einen Brief des Landbündlers Oldenburg Januschau aus der Kriegszeit zu sprechen, in dem dieser dem Minister des Innern v. Loebell mitteilte, er bestelle aus Aerger über die vielen Berordnungen 500 Morgen überhaupt

nicht mehr und viele andere machten es eben

10. Die Photographie dieses Kriegsbriefs eines deutschen Batrioten finden unsere Leser anbei. Ein Exemplar dieser Photographie wurde vom Redner auf den Tisch des Hauses

Berlin den 12.4.15.

Lobſte ſpelling Fruz.

Im Bezuff, nach f Posten jüückzugehen, der Schwein mit den Guten him. Halling

nach Polen auf meine danke ich Gott . Fl

be zu sein.

niedergelegt; es war der Gegenſtand größter Aufmerksamkeit f. 7 dem Bunde jetzt thalsichtig

gab zu heftigen zwischen Abgeord­neten verschiedener Parteien Anlaß.

Das zweite, was die Rechte so sehr in Harnisch brachte, war eine Feststellung Stampfers aus dem Auswärtigen Aus­schuß. Dort war Helfferich von Rathenau darauf auf­merksam gemacht worden, daß die von ihm befürwortete Ab­lehnung der vorliegenden Verträge das erneute Infrafttreten des Londoner Diftats zur Folge haben würde. Helfferich er­tlärte, er auch das Londoner Diktat ab und antwortete.

ündkreislich und den Köglich nifflel

die Unsicherhend de fab. De

fchließlich auf die wiederholte Frage, was denn dann meiter de Leſteningen zu geßigt. Den

merden sollte, mit dem klassischen das weitere sich dann eben entwickeln". Das ganze Haus, mit Ausnahme der Rechten, brach in Gelächter aus, und die Er­flärung unseres Redners, in dieser kläglichen Verlegenheits­ausrede habe sich die ganze Gedankenlosigkeit und Gewissen­losigkeit des deutschnationalen Führers dokumentiert, fand bis

Sache and den Kertosseln ist jetzt einge­

de

Schweinfūlen

maßen vernünftig, der für ſiltonne. infaulen und der Hälftelten dem Lande ist sehr Erlitſung auf dem Lande

über die Bänke der Sozialdemokraten hinaus lebhafte zu- der

stimmung.

Dagegen war bei der Stampfers, die einzutreten, bei den Bürgerlichen keinerlei Begeisterung zu be= starten unterstrichen.

Sozialdemotratie fei jederzeit bereit, in den Wahlkampf merten, während die Sozialdemokraten gerade dieſe Worte Heute nachmittaga geht die Debatte weiter. Als erſter hat

der Angeklagte das Wort: Helfferich!

In der gestrigen Sigung des Reichstags erhielt vor Eintritt

in eller.

M Meine Freunde und ich find nicht dag geneigt, die Gefahr der Loslösung der Rheinlande

als übertrieben groß zu betrachten. Wir halten es aber dennoch für notwendig, sorgfältig allen Anzeichen nachzugehen, die sich von dem Bestehen einer solchen Gefahr bemerkbar machen. Nach zuverläffigen Nachrichten, die mir zugegangen find, gibt es Leute in den Rheinlanden, die eine gewisse Neigung zeigen, fich hinter die hohe Kommiffion zu stecken, für den Fall, daß die Entscheidung des Deut­schen Reichstages in bezug auf die Getreideumlage anders ausfallen follte, als sie es selber wünschen. Diefer Gefahr muß ins Auge- ge­fehen werden. Man darf die Tatsache nicht außer acht lassen, daß der Rheinische Bauernverein eine öffentliche Rundgebung erlassen hat des Inhalts, die Landwirte würden dem neuen Gesez jeden Widerstand leisten, um seine Durchführung zu verhindern.( hört, hört! lints.) Wenn so etwas in einem Lande geschieht, das unter fremder Befagung steht und in dem fremde Behörden einen gemissen, leider nicht unbeträchtlichen Einfluß haben, muß man die Augen offen halten. Ich will durchaus nicht annehmen, daß die Mehrzahl der rheinischen Landwirte geneigt wäre, solchen verbrecherischen Lodungen zu folgen. Leider beweisen aber die Tatsachen, daß es Schurken gibt. Schurken gibt es in jedem Berufsstande, die in Wahrung ihrer egoistischen Berufsinteressen vor direktem Landes­perrat nicht zurückschrecken.( Sehr richtig! bei den Soz.) Ein Do­fument, das Ihnen beweist, daß meine Behauptung nicht auf dem Sand gebaut ist, habe ich hier. Halten Sie es für möglich, daß ein Ihnen allen, besonders Ihnen da drüben( nach rechts) sehr wohl be= tannter Mann am 12. April 1915 unter dem furchtbarsten Druck der englischen Blockade an einen preußischen Minister einen Brief geschrieben hat, dessen Hauptstelle ich mir zu verlesen erlaube. Liebste Erzellenz Fritz!

Jm Begriff, nach Polen auf meinen Posten zurück­zukehren, danke ich Goff, die Schererei mit den Gütern und der Zivilverwaltung los zu sein. Es ist auf dem Lande jetzt tatsächlich unerträglich mit den täglich wechselnden Ver­ordnungen. Ich bestelle 500 Morgen über­haupt nicht, und so machen es viele( hört, hört! bei den Sozialbemofraten. Zuruf: Dolch stoß! Abg. Stampfer: Das ist der Dochstoß, gewiß), weil die Unsicher­heit der Ernte und der Bestimmungen zu groß ist. Die Sache mit den Kartoffeln ist jetzt einigermaßen vernünftig, von den Schweinen wird die Hälfte in der Pöfeltonne verfaulen. Die Erbitterung auf dem Lande ist sehr groß und wird sich nach dem Kriege ent­laden. Dazu kommt, daß das Bertrauen zu der Obersten Heeresleitung in allen Kreisen immer mehr schwinds. Daß das Vertrauen zu der obersten Zivilleitung längst fehlt, weißt Du. Nun aber Schwamm drüber.

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wen war dieser Brief Herrn Minister Herrn v. Loebell.

veranlaßt hat. Vielleicht kann man an anderer Stelle danach fragen. Unterschrieben ist dieser Brief von Ihrem Freund Adenberg, Herr Mumm.( Abg. Mumm ist nicht deutschnational! Lebhafte Zurufe links: Wels: Das war der Dolch stoß!")

Guß ad und sich nach dem Kage af Innern, Serm 5.& oebe 11. 3) weiß leider nicht, was er darauf landen. Dazu kommt, daß der Nabein der obersten Kingsleting Kousen immer mehr schwindet. Daß deß Vertrauen zu der Obergte Liet. Liling list. schlt, müßt die. Nun aber Schwenn

in die Tagesordnung Abg. Crifpien( U. Soz.) das Wort zur Ge schäftsordnung: Meine Fraktion hat einen Antrag eingebracht, die Regierung aufzufordern, dem Reichstag schleunigst den Plan einer allgemeinen Finanzreform nach bestimmten Leitfäßen vorzulegen. Ich möchte namens meiner Fraktion beantragen, diefem dibe. Antrag die Dringlichkeit zuzuerkennen. Wir sind damit ein­verstanden, daß der Antrag der Steuerfommiffion überwiesen wird. Widerspruch wird nicht erhoben; der Antrag wird der Steuer­fommiffion überwiesen.

In der Besprechung der außenpolitischen Inter­pellationen nimmt als erster das Wort

Abg. Stampfer( Soz.)

Die Debatte, die am Mittwoch einigermaßen zusammenhanglos an uns vorüberrauschte, hat verschiedene Stoffgebiete berührt, ganz deutlich in zwei Gruppen gliedern lassen. Drei der gestellten Interpellationen betrafen die besonderen Leiden unserer Volksge­noffen an Saar und Rhein ; zwei andere beschäftigten sich mit den allgemeinen Leiden finanzwirtschaftlicher Art, die der verlorene Krieg über unser ganzes Volk verhängt hat. Ich darf mich hier darauf

Anknote beichst die mir sehr heute nach ſerben. Gost befohlen

Der Herr ist nicht deutschnational? Ich danke für die Auf­flärung. Herr v. Oldenburg , den ich hier einen Landesver= räter nenne, war der engere Rollege jenes Herrn Röside, der vor einigen Tagen hier für Sie gesprochen hat. ( Sehr richtig! links.) Herr v. Oldenburg ist der Mann, der einmai vor Jahren an derselben Stelle stand, an der ich hier stehe, und den berühmten Sah sagte: Jehn Soldaten, vom Kaiser geschickt, müßten genügen, um diesen Reichstag auseinander zu jagen."( Zuruf von den Deutschnationalen: Haben Sie das gehört?) Jawohl, ich hab es gehört. Und warten Sie weiter ab. Dieser Herr v. Oldenburg ist derselbe Herr, den Sie dieser Tage in den illustrierten Zeitungen sehen fonnten, geschmückt mit der alten Uniform, ge­schmückt mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, das er wayt­scheinlich dafür bekommen hat( Sehr wahr! links), wie er treu­herzig und bieder dem Feldmarschall v. Hindenburg die Hand schüttelt. Ich frage Sie, welchen Wert diese alte Uni­form noch haben tann, wenn folche Männer fie tragen dürfen. Ich frage Sie, welchen Wert das Eiserne Kreuz 1. Klasse noch haben tann, wenn solche Leute es tragen dürfen, die solche Briefe wie diesen schreiben. Das frage ich Sie( nach rechts), und ich bitte Sie, in der Debatte Darauf die Antwort zu erteilen.

Ich darf also, zum Zusammenhang meiner Ausführungen zurückkehrend, sagen: Schurken/ gibt es in jedem Stand. Und weil es solche Schurfen gibt, warne ich die rheinischen Land­wirte, ihren Einflüsterungen zu folgen. Ich vertraue darauf, daß

Gegen den Brotwucher! Maffen- Versammlungen

abends 7 Uhr. Niemand darf fehlen

H Oldenburg