Nr.298 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 149
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Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
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Parteigenossen!
Dienstag, den 27. Juni 1922
An die Partei!
Die Crmordung des Reichsaußenministers Rathenau durch nationalistische Mordbuben, drei Wochen nach dem mißglädten Blausäureattentat auf Genoffen Scheidemann, zehn Monate nach der Ermordung Erzbergers, fündet wie ein Alarmschuß die der deutschen Republik drohende schwere Gefahr an. Diese Gefahr besteht nicht allein in der systematischen Beseitigung der führenden republikanischen Staatsmänner, fie erhält einen noch ernsteren Charakter durch die Tatsache, daß Hand in Hand mit den Mordtaten reaktionärer Geheimorganisationen weit umfangreichere Bestrebungen gehen, die auf den gewaltsamen Sturz der Republik abzielen.
Mögen die deutschnationalen Kreise unter dem Eindrud der ungeheuren Erbitterung, die die Mordtat hervorgerufen hat, auch augenblicklich von der Tat und den Täfern abrüden, so besteht doch die unumstößliche Gewißheit, daß die deutschnationale Preffe und die Reden der deutschnationalen Parlamentarier die vergiffete Atmosphäre geschaffen haben, aus der diese Taten erwachsen sind. Es ist weiter festzuffellen, dah bis heute die Deutschnationale Partei es unterlassen hat, zwischen sich und den terroristischen Kreisen ihrer Anhänger die Trennungslinie zu ziehen.
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Abwehr. Vor allem muß die Arbeiterklaffe erkennen, nären Feinde verwendet wird. Damit dies geschieht, muß daß nur durch die Zersplitterung ihrer Einheit die Reaktion der Staatsgerichtshof, der in letzter Instanz über die in Deutschland so start hat anwachsen können. Das beste Anwendung der Verordnung entscheidet, ohne jede Ausnahme Mittel zur Abwehr aller rechtsputschistischen Bestrebungen ist ausschließlich aus solchen Persönlichkeiten zusammengesetzt die Sammlung der gesamten werftätigen Bevölkerung, aller sein, die als zuverlässige Anhänger des republikanischen Arbeiter, Angestellten und Beamten usw. auf dem Boden des Staatsgedankens bewährt find. Sozialismus und der demokratischen Re- Hand in Hand mit der Durchführung und Berbesserung publik, um diese um diese durch eine unüberwindliche, ein- der Verordnung muß die Reinigung aller der ftaatlichen Orheifliche Phalang zu schützen. Damit ist gleichzeitig die ganisationen gehen, in denen sich die Reaffion eingenistet hat. stärkste Möglichkeit gegeben, durch die Machtmittel der Gesetz- Wir fordern in erster Linie die Säuberung der Bergebung und der Regierungsgewalt die Gefahr des reaktio- waltung, der Ministerien und der Schutzpolizei von renären Terrorismus zu erstiden. affionären Elementen. Besonderes Augenmerk ist der Das schaffende Volt muß seine gesamte Macht, feinen Reichswehr zuzuwenden. Waffen fragen darf nur, ganzen Einfluß in die Wagschale werfen, damit durch Regie- wer der Republik bis auf den Tod ergeben ist. Nicht rung und gefeßgebende Körperschaften die Maßnahmen durch- minder dringend ist die einschneidendste Einwirkung auf die geführt werden, die sich mit zwingender Notwendigkeit aus der Justiz, die bisher in der Bekämpfung des reaktionären jetzigen Situation ergeben. Die fozialdemokratischen Ber- Verbrechertums vollkommen versagt hat. Der in der Vertreter in Regierung und Parlament werden alles aufbieten, ordnung begangene Weg, der jetzigen Justiz die Rechtum diese Maßnahmen wirksam zu machen. Aber sprechung mit politischem Charakter aus der Hand zu nehmen da sie fast überall nur starte Minderheiten sind, so bedürfen und diese an zuverlässig republikanische Gerichtshöfe zu übersie der stärksten Unterstützung der Arbeiterschaft, um auch weisen, muß zu Ende gegangen werden. zögernde und unentschloffene Elemente des republikanischen Bürgertums mitzureißen, damit nicht auf halbem Wege stehengeblieben wird.
Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuße der Republik zeigt die Absicht der Reichsregierung, den Kampf gegen den reaktionären Terrorismus aufzunehmen. Aber diese Verordnung weist noch zahlreiche Lücken auf. Wir verlangen, daß sie sobald als möglich durch ein Gefeh zum Schuße der Republik erseht werde, das ihre Mängel beseitigt.
Wer die Symptome der letzten Zeit durchgeht, wer die Gesinnung beobachtet hat, von der die sogenannten Regimentsfelern und„ nationalen" Kundgebungen getragen waren, wer die Provolationen und offenen Gewaltalte der Reaktion verfolgt, für den fann fein 3weifel bestehen, daß sich immer noch jeir weite Kreise der Nationalisten mit dem Gedanken eines gewaltsamen Sturzes der Republik tragen und auch Vorbereitungen treffen, diesen Plan in die Tat umzu- Sehr wesentlich für den Erfolg ist die Art ihrer Anwensetzen. dung. Wir fordern, daß die Berordnung getreu den Motiven, Gegen dieses Treiben fann für das werktätige Bolt nur aus denen sie gegeben wurde, allein und ausschließlich als eins gelten: einmütigste und entschlossenste Verteidigungswaffe der Republif gegen ihre reaffio
stehende reaktionäre Anschläge abgewehrt werden, muß die Damit dies erreicht wird und damit noch bevorganisation der Sozialdemokratischen PatArbeiterklasse wachsam und alarmbereit bleiben. Die Orfei hat sich beim Kapp- Putsch wie bei allen anderen Gelegenheiten als die eiferne Armee zur Verteidigung der Republik bewährt. Arbeitet unermüdlich, ihre Stärke und Schlagkraft Stelle jeder seinen Mann! Dann ist uns in dem schweren zu erhöhen. Kampfe der Sieg gewiß. Es lebe die Republik !
Der Borstand der Sozialdemokratischen Partei
Massenaufmarsch des Berliner Proletariats
Arbeiter! Angestellte! Beamte! einjelnen Bezirke von den Parteileitungen für Demonftrationen notwendig werdende Entscheidungen find die in Frage kommenden
5. Alle nicht in Betrieben Tätigen sammeln sich an den für die 9. Notstandsarbeiten sind auszuführen. Für besondere hierfür
In Ergänzung unseres gestern abend in der Arbeiterpreffe befanntgegebenen Aufrufes veröffentlichen wir für die heutige Demonstration nachstehend den
Organisationsplan:
1. Die Arbeitsruhe beginnt heute mittag Punkt 12 Uhr und endet morgen, Mittwoch, bei Arbeitsbeginn.
2. Die Schichtarbeiter, die sich um 11½ Uhr in ihren Betrieben einzufinden haben, begeben sich mit dem Zuge ihrer Betriebsbelegfchaft zum Demonstrationsort.
3. Die Demonstration findet staff um Punkt 3 Uhr nachmittags im Custgarten, auf dem Schloßplah und auf dem
Neuen Markt.
4. Die Betriebsbelegschaften marschieren in geschlossenem Zuge unter Führung selbstgewählter, durch rote Armbinden fenntlich gemachter Ordner zum Demonstrationsort.
ffets bekanntgegebenen Plähen und begeben sich von dort gleichfalls Gewerkschaffen zuständig. in geschlossenem Zuge nach dem Lustgarten.
6. Die Betriebe müssen die Aufstellung des Zuges und deffen Abmarsch so einrichten, daß fie Punft 3 Uhr am Demonstrationsorf find. Benachbarte und bezirklich zusammenliegende Betriebe verbekannten Hauptstraßen zu leiten ist. einigen ihre Einzelzüge zu einem großen Gesamtzuge, der durch die
7. Die Betriebe des Westens, Nordwestens und die der westlichen Vororte benutzen vorzugsweise zum Anmarsch folgende Straßenzüge:
Berliner Straße oder Bismardstraße oder Kurfürstendamm , ferner Hardenbergstraße, Tauenzienstraße, Wittenbergplah, kleiftftraße, Nollendorfplatz, Potsdamer Straße , Cühowstraße, Flottwell straße, Schöneberger Ufer, Schöneberger Straße, Anhaltstraße, obere Wilhelmstraße, Kochstraße, Charlottenstraße, Französische Straße. 8. Alle Züge haben die Bannmeile zu beachten.
10. 3eitungen dürfen während der Zeit des Demonfirationsstreifs( Punkt 1 dieses Planes) nicht erscheinen.
11. Für Dienstag abend angefehte öffentliche Versammlungen finden nicht statt.
12. Redner bei der Demonstration find Abgeordnete der Parteien. Die Redner treffen sich um Punkt 2 Uhr Breite Straße 8/9. Jeder Redner spricht 15 Minuten. Der Beginn und das Ende der Reden werden durch Trompetenfignal angezeigt.
13. Die Demonstration schließt mit dem Vortrag von Arbeitertampfliedern.
14. Die Arbeiterfänger, die den beauftragten Ordnern ihre Legifimation vorzuzeigen haben, nehmen Aufstellung auf der großzen Museumstreppe, die von anderen Demonstranten freizuhalten ift.
15. Jede Partei muß 100 Ordner stellen. Diese Ordner versammeln sich mittags 12% Uhr Breite Straße 8/9. Armbinden sind mitzubringen.
Arbeitende Männer und Frauen Groß- Berlins! Gestaltet diese Demonstration zu einer einheitlichen, machtvollen Kundgebung des Proletariats!
Siegle.
AfA- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. Flatau, Rogah, Rothe.
Pfeiffer.
Rathenaus letter Gang.
Königsplatz gebracht, von wo nach vollzogener Ehrenparade durch die Reichswehr der Tote nach Oberschöneweide zum Erbbegräbnis der Familie Rathenau überführt wird. Hier erfolgt in aller Stille die Beisehung im engsten Familienkreise.
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Wirth vorläufiger Reichsaußenminister. Der Reichspräsident hat den Reichskanzler Heute, um die Mittagsstunde, werden der Deutsche Reichstag, Dr. Wirth mit der Führung der Geschäfte des Reichsministe- die Reichsregierung und die Landesregierungen dem meuchlings riums des Auswärtigen beauftragt. dahingemordeten Reichsminister Dr. Rathenau die letzte Ehre geben. Auf dem Präsidentenplatz des Sigungssaales, der in schlichte Trauer Die Ausschmückungskommission des Reichstages hielt am Mongehüllt ist, erfolgt die Aufbahrung der Leiche. Nach einleitender tag eine Sigung ab, um über die Vorbereitungen zur Trauerfeier Trauermufit wird zunächst der Reichspräsident dem Toten für Dr. Walter Rathenau zu beraten. Das Standbild Kaiser im Namen des Volkes die letzten Grüße widmen, für den Wilhelms 1. in der Wandelhalle soll so verhüllt werden. Reichstag spricht Bizepräsident Bell die Abschiedsworte, für die daß es die Gestalt eines Obelisken bekommt. In der nächsten Zeit Demokraten Pfarrer Korell, Nach diesem Abschied wird der fol: diefes Wahrzeichen der Monarchie aus dem Reichstag entfernt Garg unter den Klängen der Trauermusik durch das Portal 1 zum werden.