Str. 414 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 203
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Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295
und 2506-2507
Sonnabend, den 2. September 1922
Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Hauptexpedition u. InferatenAbteilung: Dönhoff 2506-2507
Gegen die Teuerung.
Die gewerkschaftlichen Spizenorganisationen haben am] Freitag zu den bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung gegen die Teuerung Stellung genommen. Soweit die weiteren Bläne der Reichsregierung bekannt sind, werden sie von den Gewerkschaften als vollkommen ungenügend er achtet. Die Spitzenorganisationen haben deshalb in einem Telegramm an den Reichskanzler um sofortige neue Berhandlungen mit der Reichsregierung gebeten.
eine gewisse Sicherstellung des Kartoffelbedarfs bedeuten. In der Bierfrage hat fein deutscher Bundesstaat gegen die Herabfeßung der Stammwürze grundsäglichen Einspruch erhoben. Bayern wünscht nur eine Ausnahme für sein Erporibier; für den fegung der Stammwürze auf etwa 8 Proz. einverstanden. Das inländischen Verbrauch innerhalb Bayerns ist es mit der Herab
werden.
treibeumlagepreis wieder zur Entscheidung. Der Kar toffelpreis erscheint gegenwärtig angesichts der günstigen ErnteBrüssel, 1. September. ( EE.) Eine amtliche Mitteilung befagt: erwartungen nicht übermäßig hoch. Man wird deshalb die EinHeute um 3.30 Uhr morgens wurde in Oberkaffel ein belglicherwendungen gegen Wiedereinführung einer gewissen KartoffelzwangsPosten durch Revolverschüsse getötet, ein Unteroffizier, der ihm zu Hilfe eilen wollte, ebenfalls erichoffen. Als die Wache ein- wirtschaft wahrscheinlich stark beachten, zumal sehr günstige Liefeschrift, fah man mehrere Männer fliehen. Die Wache drang in ver- rungsverträge der Genossenschaften fchiedene noch geöffnete Gasthäufer ein und verhaftete etwa 12 Perfonen. Die Untersuchung dauert an. Die belgische Regierung Hierzu schreibt der„ Soz. Parlamentsdienst": hat dem General Rucquon befohlen, in der ganzen Stadt HausDie Reichsregierung war auf dem besten Wege, gegen Teue- fuchungen abbatten zu laffen und den deutschen Behörden mitrung und Wucher vorzugehen. Ihre angekündigten Maßnahmen zuteilen, daß, falls die Schuldigen nicht innerhalb sechs Stunden haben bei den breiten Boltsmassen größte Sympathie gefunden, Andere Magnahmen sollten ergriffen werden, wenn diese Bedinverhaftet seien, die deutigen Behörden verhaftet würden. leider aber blieb es bisher nur bei dem Anfang. Die gungen nicht erfüllt würden. Außenminister 3 as par bat den erbot des Branntweinausschants wird auf der HamBeröffentlichung einer Verordnung über die Beschränkung der Ein- deutschen Geschäftsträger Dr. Landsberg im Namen der belgischen burger Zusammenkunft am Mittwoch weiter erörtert werden. Gegen fuhr, die übrigens äußerst unzulänglich erscheint, und die Ausarbei- Regierung, bei der deutschen Regierung energifchen Einspruch ein- die Schlemmerei in den Gastwirtschaften besitzen eigentlich die Ge= burger Zusammenkunft am Mittwoch weiter erörtert werden. Gegen fung einer Verordnung über die Erhöhung der Ausfuhrabgaben, zulegen und Entschuldigungen der deutschen Regierung zu die Schlemmerei in den Gastwirtschaften besitzen eigentlich die Gemeinden schon gute Handhaben, da sie nach der Gewerbeordnung von der man sich ebenfalls nicht viel versprechen foll das find fordern. Weitere Maßnahmen werden vorbehalten. Dem belgischen bis jetzt die einzigen Maßnahmen-, können den Hunger des dar- Obertommiffar im Rheinland und der interalliierten Rheinland - die Konzession beschränken tönnen. Immerhin haben wir ein neues benden Bolfes nicht füllen. Wir verfennen feinesfalls, daß die fominiffion wurde mitteilung von dem Vorfall gemacht, und dieje Gefeß ausgearbeitet, daß die Konzessionspflicht verschärft und Reichsregierung in den lehten Tagen durch die schwebenden Re- gebeten, die notwendigen Maßnahmen zum Schuhe der bel- unter bestimmten Boraussetzungen die Zurücknahme der Kongischen Truppen zu treffen. parationsverhandlungen außerordentlich stark in Anspruch genommen Aus den vorliegenden Meldungen ist über das Motiv der Tat, 3effion gestattet. Ferner sollen die Wohnungsämter in 3uwar, aber wir haben kein Berständnis dafür, daß das unbedingt auf über die Täter und über die näheren Umstände nichts Sicheres zu funft bei der Verwendung von Räumen als Schantstätten mit gehört Kosten der arbeitenden Schichten geschehen mußte. Inzwischen ist ersehen. Es bedarf einer besonderen Versicherung nicht, daß ein Auch gegen Bucher und willkürliche Preiserhöhung find an sich die Not größer geworden. Sie erfordert weitergehende Meuchelmord, wenn ein solcher begangen wurde, gleichgültig an Maßnahmen, als sie bisher von der Regierung geplant waren. mem er begangen wird, schärfte Mißbilligung findet. Eine fofor. Die gefeßlichen Bestimmungen scharf genug. Die Vertreter des Zunächst verlangen wir, daß, bevor man hastet und eilt, um bald tige Aufklärung liegt nicht nur im belgischen, sondern auch durchaus Einzelhandels sind bei mir gewesen undhaben nachzuweisen versucht, im deutschen Interesse. daß der Kleinhandel den Inderpreisen sogar nachhinke. Auch die die Erhöhung der Umlagepreise, insbesondere auch für das erste Bertreter der Margarineindustrie haben sehr nachbrücklich Drittel, vornehmen zu können, zunächst einmal für unsere Gehaltsund Cohnempfänger gesorgt werden muß, deren Gehälter mit der Breistafeln im Kleinsten Gemüseladen eine Art Meldestelle für durch den Preis der ausländischen Dele bestimmt wird. Sie feien darauf hingewiesen, daß der gesamte Margarinepreis fast allein Bewegung des Dollars nicht fortschreiten. Jetzt muß endgültig Börsennotierungen geworden, die den stündlich wechselnden also unweigerlich gezwungen, mit der Devise zu laufen. Immerhin Klarheit darüber gefchaffen werden, ob man in der gegenwärtigen Dollarstand wiedergaben. Mögen sie jetzt auch ehrlich wider haben die Margarinefabritanten von der beabsichtigten PreiserNot den Handel weiterhin frei schalten und walten lassen will und spiegeln, was tatsächlich geschehen ist. höhung start abgelaffen. Es läßt sich natürlich mit den Wucherge= ob ferner weiterhin zugefehen werden soll, wie für den Groß- und Es wäre dennoch falsch, immer wieder alles Heil von der fehen noch mancherlei unternehmen, wenn auch leider die Gerichte Kleinhandel jede Entwertung der Mark für neue Preisfeftfehungen Reichsregierung zu erwarten. Es bleibt die hohe Aufgabe der fich meist auf den Standpunkt gestellt haben, daß man den börsenmaßgebend ist, während das Sinten des Dollars keine Berücksichti- politischen und wirtschaftlichen Vertretungen des leidenden mäßigen Preis ohne weiteres nehmen kann. Aber z. B. gung findet. Wo bleibt die zugesicherte schärffte Anwendung der Teils unseres Boltes, mit den Behörden Hand in Hand zu für Nähgarn wird heute mehr als das Bierhundertfache des FrieWuchergefehe? Wann gedenkt man dem endlosen unerhörten arbeiten, nötigenfalls sie auch mit einem etwa notwendigen denspreises verlangt. Das hat nicht einmal mehr mit dem DollarTaumel auf dem Produktenmarkt durch energische Maßnahmen Zuwachs an Energie zu unterstützen. Entscheidend ist aber, stand etwas zu tun, jondern nußt nur wucherisch die Tatsache aus, entgegenzutreten? Wie lange soll sich das Volk das Unwesen an daß der einzelne zu jeinem eigenen Teil praktisch auf die daß die deutsche Produktion den Bedarf nicht deckt. der Börje noch gefallen laffen? Preisgestaltung Einfluß nimmt. Er möge sich rühren und Beim Zucker dürfte die nicht schimpfen oder randalieren. Durch eine zertrümmerte Fensterscheibe fällt fein Fleischpreis und mit Schimpfworten Rüdfehr zur Zwangswirtschaft unvermeidlich Dermag niemand die Margarine billiger au machen. Unter- fein. Leider läßt sie sich wohl für diese Rampagne nicht mehr schätzen wir aber nicht den Einfluß des denkenden, ruhigen pflichten, Likör- und Schokoladenfabriken und dgl. nicht mehr mit burchführen. Immerhin kann das Reich das Zuckerſyndikat verund zielbewußt handelnden Konsumenten. Er gehört vor die Front. inländischem Zucker zu versorgen. Die wären dann auf ausEs ist auffallend, daß die nicht zu bestreitende augenblick- Die Unzufriedenheit der Leitungen der Arbeitnehmerver- ländischen Zucker angewiesen und die Einfuhr von ausländischem liche Entspannung unserer außenpolitischen Lage, die eine bände ist wahrlich fein lebermut. Sie haben oft genug be- Bucker würden wir selbstverständlich mit Rücksicht auf den DevisenRückwirkung auf den Dollarkurs haben müßte, sich bisher wiesen, wie ernst es ihnen um das Allgemeinwohl ist. Wenn bedarf unter Kontrolle halten. noch nicht auszuwirken vermochte. Wir überschäßen den sie jezt dringlich werden, so ist das ein Zeichen für die verEntscheid der Pariser Sigung der Reparationskommiffion 3 weifelte Lage der Millionen, die fich willig und auch nicht. Pessimisten haben in gewissem Sinne recht, wenn sie in schwierigsten Zeiten ihrer Führung bisher immer wieder fagen, daß es ja nur ein Hinausschieben der Vollstreckung des anvertraut haben. Das wird auch so bleiben, wenn ihr Todesurteils über die deutsche Wirtschaft sein könne. Die nicht die Zügel entgleiten, weil sie in ihrem Wollen nicht andere Meinung hat aber ihre auch nicht zu unterschäßende unterstützt wird. Unterschägung der Not des Volkes, ja Berechtigung: Wenn Deutschland für einige Monate feine auch nur Gleichgültigkeit ihr gegenüber, bedeutet heute Gift Bargeldleistungen aufzubringen hat, wenn die Fundierung für unseren geschwächten Bolts- und Wirtschaftsförper. Es ist der Schatzwechsel fachlichen Berhandlungen zwischen der deut- hohe Zeit; die Reichsregierung hat jetzt die Arme frei, fie schen und der belgischen Regierung vorbehalten bleibt, wenn foll fie gebrauchen, fie muß sich rühren. Die übergroße Frankreich für die nächsten Monate durch jenen Entscheid auf Mehrheit aller Lohn- und Gehaltsempfänger, die entsetzlich den Weg etwas friedfertigerer Politif geführt ist, so muß leidenden Invaliden, Kleinrentner, Witwen und Walsen, die sich das in unserer Wirtschaft ausdrücken. notleidenden freien Berufe verlangen es.
Es ist die allerhöchste Zeit, daß die Reichsregierung endlich entfchieden zugreift. Das Bolt wünscht mehr als lediglich eine Ankündigung von Maßnahmen, die bisher nur auf dem Papier stehen. Hunger fut weh, das möge die Reichsregierung gerade in diesen
Tagen nicht vergessen!
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Noch gar teine Entscheidungen sind auf dem finanzpoliti. ichem Gebiet gefällt. Und doch liegen gerade hier die wichtigsten Entscheidungen. Wir haben zuerst eine Flucht aus der Mark in die ware erlebt. Dann sind die deutschen Industriellen und Kaufleute direkt aus der Mart in die fremde Devise geflüchtet. Sie haben nicht nur ihren Einfuhrbedarf gedeckt, sondern sich auch schon für den fünftigen Einfuhrbedarf decken wollen. Hierauf hat man in Dollar zu rechnen und neuerdings in Dollar zu handeln begonnen. Von der Leipziger Messe ist bekannt, welch spontanen stürmischen Protest das hervorgerufen hat. Diese Entwicklung bedeutet eine gar nicht zu unterschäßende Gefahr für den Fortgang der deutschen Wirtschaft, Industrie und Handel, Großhandel wie Kleinhandel, find nicht fapitalstark genug, um dieses Ueberspringen in eine Goldwährung mitbraucher, sondern auch der Zwischenglieder droht zu versagen. Nach machen zu können. Die Konsumfraft nicht nur der letzten Ver
Ueberall, wo der aufmerksame Beobachter hinhört, melden Wie weit ist der Kampf gegen Teuerung und Wucher? fich die gleichen Zeichen. Es gibt leider bei uns eine ganze Ein Vertreter der PPN. hatte heute Gelegenheit, den Reichs- meiner festen Ueberzeugung muß hier Durchgreifendes geSchicht von Menschen, die über die Möglichkeit, daß die Mart wirtschaftsminister Schmidt zu fragen, wieweit die Maßnahmen schehen. in der Lage ist, etwas zu steigen, nicht allzu sehr erfreut der Reichsregierung zum Kampfe gegen Wucher und Teuerung find. Sie hatten Dispositionen in anderer Richtung getroffen. gediehen feien. Der Minister erwiderte: Die Widerstände gegen die Devise: fontrolle find allerdings sehr start. Sie fürchten, persönlichen Schaden zu leiden, wenn ihnen die tatsächliche Entwicklung nicht recht gibt. Hier ist der Hebel fint bie notwendigen Maßnahmen bereits erfolgt. Die Verordnung geworden, und fie erffären jede Devisenkontrolle für undurchführbar. Soweit das Reichswirtschaftsministerium allein zuständig ist, Das Devisengeschäft ist jetzt ein Hauptgeschäft der Banken anzusetzen. Die Reichsregierung hat nunmehr die Aufgabe, fiber bie Erhöhung der Ausfuhrabgabe allgemein Ich bin überzeugt, daß weite Kreise der Industrie und des Handels jetzt mit aller Kraft und planmäßig an die Auswertung 60 Pro3. Auffchlag auf die bisherige Ausfuhrabgabe ist erganinnerlich ganz anders zu der Frage stehen. der veränderten Grundlage unferer Finanz- und Volkswirtfchaft heranzugehen. Sollten dabei einzelne, die an der Börse gen. Ebenso der erste Teil der Einfuhrsperre, nämlich die Außer der Devisenkontrolle brauchen wir nach meiner Meinung oder sonstwie fchief" liegen, unter die Räder fommen, dann Einfuhrverhofe für Tabat und alle seine Nebenprodukte, furafriftige Goldschabwechsel, um der Flucht aus der haben sie das zu tragen. Die Arbeiter, ja, die ganze breite et enfo für Summern, Rafaoichalen und Rafaomaffe. deutschen Marf entgegen zu wirken. Natürlich ist das für die FiMaffe des Volkes ist seit Jahren der duldende und leidende Für weitere Einfuhrverbote, z. B. für zahlreiche Arten von Süd- nanzverwaltung ein sehr großes Risifo, wenn man annimmt, daß Teil unseres Boltes. Er ist ein Grundpfeiler unserer Wirt- früchten bedarf es der Zustimmung des Ernährungsministeriums. der Dollar noch einmal weit über 2000 steigen fönnte. Aber es ist fchaft, im Gegnfaz zu manchen Kreisen, die sich mehr um den Was die Einfuhrverbote anbetrifft, so bleibt die Einfuhr von noch fein anderes Mittel vorgechflagen worden, um die Markflucht Dollar fümmern, als uns allen nüßlich ist. Ratao bohnen frei. Die Einfuhrsperre für Tabat ist natürlich noch kein anderes Mittel vorgeschlagen worden, um die Markflucht Eine selbstverständliche Auswirkung der Erleichterung nicht als dauernd gedacht. Sie wird aufgehoben, sobald die nichts unternehmen, zerrütten wir das ganze Wirtschaftsleben. unferer Lage muß ein heruntergehen der Preise außerordentlichen Zollerhöhungen in Kraft ge. Es muß auch den Millionen geholfen werden, die auf Renten aller Lebens- und Nahrungsbedürfnisse wer- treten sind, die wir für notwendig halten. Bekanntlich find froß und dergleichen angewiefen sind. Ihnen müssen wir nicht nur erden. Wo die Preise auf Grund entgegengesetter Einflüsse des Einfuhrverbotes durch das Loch im West en ständig große höhte Bezüge geben, sondern vor allem Sachleistungen, Maffennicht fallen wollen, dort muß die Reichsregierung fie fto ßen, Mengen Tabaffertigfabritate eingeführt worden. speisungen und Wärmestuben, und auf diese Weise ihre Konsumkraft daß sie fallen. In den jüngst vergangenen Wochen sind die f Auf dem Gebiet der Ernährung steht zunächst der Ge- fünftlich erhalten.
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