Nr. 415 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 201
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Sonnabend, den 2. September 1922
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Der verfluchte Buchprüfer.
Die nachstehende Zuschrift eines von der Steuerbehörde beschäftigten Buchprüfers gibt so beachtliche Einblicke in die Methoden und Schwächen unserer Steueraufbringung, daß wir sie sachlich unverändert zum Abdruck bringen.
Der Staatssekretär Schröder ist heute vormittag aus und die schwerste Laft des Krieges auf sich genommen hätten. Die Paris zurückgekehrt. Um 11 Uhr trat das Reichstabinett alliierten Schulden seien nicht für den eigenen Nußen einzelner zusammen, um den Bericht Schröders, der kurz gehalten war, Staaten, sondern für das gemeinsame Ziel gemacht worden. Daentgegenzunehmen. Die Reichsregierung nimmt zu der Ent- gegen ist Man verwende in der Finanzverwaltung Leute aus dem fcheidung der Reparationstommiffion vorläufig eine abwarWirtschaftsleben, die auch die Leiden und Nöte von uns Kauftende Stellung ein und wird erst nähere Beschlüsse die Folge freiwilliger und in der Mehrzahl überflüssiger Zerstörungen leuten und Industriellen kennen." So verlangten es Infassen, sobald die Garantieforderungen der bel- und der Zahlung der Pensionen. Diese notwendige Reparation muß dustrie und Handel. gischen Regierung befannt sind. Inzwischen hat der natürlich den Vortritt vor jeder anderen Regelung Heute haben wir in der Einrichtung der Buch- und Bebelgische Gesandte in Berlin der Reichsregierung Mitteilung haben, soweit Frankreich in Frage kommt. Am meisten durch triebsprüfungsstellen den Vermittler zwischen behördlicher und gemacht, daß die belgischen Vertreter zu Beginn die Zerstörung seines Gebietes betroffen, hat es sich gezwungen ge- privater, speziell privatwirtschaftlicher Steuergesetz a us= der kommenden Woche in Berlin zu Verhandlun- sehen, da die von Deutschland versprochenen Zahlungen nicht ge- legung. Man sollte nun meinen, daß damit den Handelsgen eintreffen. Die Verhandlungen werden jedenfalls am leistet wurden, selbst an den Wiederaufbau der zerstörten Provinzen und Industriekreisen gedient und nun alles in Ordnung und Mittwoch stattfinden. heranzutreten. Die Borschüsse, die es aus diesem Grunde ge- Frieden sei. Dem ist aber nicht so, dagegen ist eher das umgemacht hat, verursachen den gegenwärtigen Fehlbetrag in seinem fehrte der Fall. Seit einigen Monaten üben die Buch- und BeHaushalt. Es fann für Frankreich nicht die Rede davon sein, irgend- triebsprüfungsstellen ihren Dienst aus, und der Erfolg, mit eine Regelung der Schulden, die es während des Krieges einging, dem fie arbeiten, übertrifft alle Erwartung. Ge in Erwägung zu ziehen, folange die Ausgaben, die es vorgenommen fchäftsleute, die bei der Fatierung angaben, sie hätten mit hat, und die es noch vornehmen muß, für den Wiederaufbau seiner Berlust gearbeitet oder weniger verdient als ein Tagelöhner, verwüsteten Gebiete, nicht durch Deutschland direkt oder durch eine sahen zu ihrem Erstaunen nach vorgenommener amtlicher Kombination gededt find, die es gestatten würde, baldigst einen ge- Buchprüfung, daß sie über Nacht zu reichen Leuten geworden waren. Sie hatten viel mehr Ware auf Lager, als in den nügenden Teil der Forderung zu mobilisieren. Büchern stand, oder sie hatten ihre Warenvorräte so niedrig bewertet, wie sie nie daran dachten, sie zu verkaufen. Andere hatten stille Reserven in der Bilanz verschwinden lassen, so daß diefelben gar als Schulden des Geschäfts erschienen und dadurch das Betriebsvermögen fürzten, wie natürlich auch den Gewinn.( Wir fönnten noch andere Methoden nennen, die angewandt wurden, um„ nichts verdient zu haben", doch würde das zuviel teueres Papier in Anspruch nehmen und zu sehr instruttiv für steuerscheue Kreise sein.)
Solange die Garantieforderungen Belgiens nicht bekannt sind, werden voraussichtlich auch die Parteiführer zur Fortsetzung der am Donnerstag abgebrochenen Besprechung beim Reichstanzler nicht zusammentreten.
Paris , 2. September. ( EE.) Die belgischen Vertreter in der Reparationskommission, Delacroig und Bemelmann, mer. den Montag abend nach Berlin abreisen, um mit der deutschen Regierung in der Garantiefrage zu verhandeln. Die Sondervorbereitungen für diese Reise wurden gestern bereits in Besprechungen zwischen den Belgiern und dem Staatssekretär Dr. Bergmann getroffen. Die Belgier hoffen, zu einem schnellen Abschluß der Verhandlungen zu gelangen und bereits Dienstag nach Paris zurüdfehren zu können. Die Brüsseler Regierung erteilte ihnen alle Bollmachten für ihre Verhandlungen. Die belgischen Delegierten brüd ten den Bunsch aus, daß ihnen zwei Finanzsachverständige beigegeben werden möchten.
Sobald Deutschland einmal dieser Berpflichtung nachgetommen ist, die vor allen anderen den Vortritt haben muß, würde die französische Regierung feinen Widerspruch dagegen erheben, daß man eine allgemeine Regelung der interalliierten Schulden in Erwägung zieht. Außerdem werben, wenn es fich für die franzöfifche Regierung darum handeln wird, insbesondere
zu prüfen, gewisse Erwägungen berücksichtigt werden müssen. In erster Linie wird die franzöfifche Regierung, die in den Ber - worden waren, den Buchprüfungsstellen und besonders den Brüssel , 2. September. ( EE .) Nachdem Ministerpräsident einigten Staaten und in Großbritannien nur Geld Theunis gestern eine Besprechung mit dem Rönig hatte, empfing aufgenommen hat, um ihre eigenen Einkäufe zu decken, und ohne er Journalisten und gab ihnen Erklärungen über den Beschluß der daß damals von der Garantie eines Dritten die Rede war, einen Reparationstommiffion ab. Theunis erklärte, daß man sich zu diesem Unterschied zwischen den gegenüber diesen beiden Ländern einbeglückwünschen müsse. Frankreich könne sich vollständig befriedigt gegangenen Kriegsschulden machen müssen. Ein Teil der franzöfifchen zeigen. Durch den Beschluß der Reparationstommiffion fei die Schuld gegenüber den Vereinigten Staaten entstand nach nächste interalliierte Ronferenz zur Regelung der dem Waffenstillstand, um den Anlauf amerikanischer Borräte ficher Schuldenfrage gesichert, und man fönne auch mit dem Zu- zustellen, die für den französischen Staatsschatz wieder verkauft standekommen der internationalen Anleihe rechnen. wurden. Bei diesem Teil handelt es sich um eine zweifellos ge Allerdings sei eine Verminderung der deutschen schäftliche Schuld. Der Betrag der britischen Schuldsumme nötig; aber fie dürfte nur vorgenommen wer- Forderung, der effektiv noch nicht zahlenmäßig festgestellt ist, den, wenn gleichzeitig die zwischen den Alliierten bestehenden Schul- muß, so heißt es weiter, gerechterweise Gegenstand einer den vermindert werden. Theunis hat das große Vertrauen, daß die Ueberprüfung fein. So hat z. B. bei der Ueberweisung von deutsch - belgischen Verhandlungen zu einem gedeihlichen Abschluß Material und Lebensmitteln zwischen den Alliierten die englische gelangen werden. Die Sechsmonatswechsel, die Belgien erhalten Intendantur sich die von ihr gemachten Lieferungen zu einem er werde, könnten, da sie von wertvollen Garanfien begleitet sein wer- höhten Preise gutgeschrieben und diese, um die allgemeinen Untoften den, veräußert werden. Würde Deutschland die Belgien notwendig und die Ausfuhrgebühren des britischen Fiskus sicherzustellen, er erscheinenden Garantien aber nicht geben, so müßte es unbedingt höht, während im Gegenfaz dazu die französische Intendantur die Goldreserven in den von Belgien noch zu bestimmenden Banten Ueberweisungen an die englische Armee zu den inneren Tarifen behinterlegen, und zwar in der Höhe, wie die Wechsel ausgestellt rechnete, wie sie bei Ueberweisungen von einer franzöfifchen Abwurden. Uebrigens habe Deutschland alles Interesse daran, zu teilung an eine andere französische Abteilung berechnet werden, ohne einem Einvernehmen mit Belgien zu gelangen, weil es dadurch den die allgemeinen Untosten oder Steuern zu berücksichtigen. Wenn Borteil erlangte, feine auswärtigen Devisen laufen zu brauchen in daher der Stand der für die Wiederherstellung der verwüsteten Geeinem Augenblick, der für Deutschlands Währung so schwierig sei. biete geleisteten Zahlungen Frankreich eine Regelung der Schulden Belgien habe die Sicherheit erhalten, daß es die von Deutschland zwischen den Alliierten gestattet, so wird dieser Regelung ausgegebenen Wechsel sofort estompfieren fönnen werde.
Poincarés Antwort an Balfour.
eine genaue Prüfung vorhergehen müssen, um den Betrag der Schulden auf gerecht und gleichmäßig aufgestellter Grundlage festzusetzen. Sie wird außerdem so allge. mein wie möglich sein müssen. Die französische Regierung beanParis, 2. September. ( WTB.) Poincaré richtete an den sprucht in dieser Hinsicht behandelt zu werden, wie sie selbst die britischen Botschafter in Beantwortung der durch Lord Balfour gemeinsamen Alliierten behandelt. Sie fordert nun nicht der französischen Regierung am 1. August übermittelten Note betr. die Zahlung von Summen, welche die Alllierten ihr schulden. Sie Regelung der interalliierten Schulden, ein Schreiben, in dem gibt sich darüber Rechenschaft, daß moralisch oder materiell eine es heißt, die französische Regierung sei wie die britische Regierung derartige Forderung gegenwärtig unzulässig wäre, und denkt felbft überzeugt, daß das Reparationsproblem feine endgültige nicht daran, sie aufzustellen. Lösung finden kann, wenn es nicht in irgendeiner Form mit dem Problem der interalliierten Schulden verknüpft Der Brief schließt: Wenn auch die Regierung der Republik wird. Es scheine ihr nötig, daß diese Frage in Kürze nach jeder interalliierten Schulden zu regeln wünscht, so glaubt sie doch ihre den Geist ehrt, in dem die britische Regierung das Problem der Seite hin geprüft werde durch eine Konferenz, zu der alle beteiligten alliierten Staaten ohne Ausnahme berufen Aufmerksamkeit auf die vorstehenden Erwägungen lenten zu sollen. würden. Dies hätte bei der legten Konferenz in London geschehen Unter diesem Vorbehalte ist sie, wie die englische Regierung, der würden. Dies hätte bei der letzten Konferenz in London geschehen Ansicht, daß die allgemeine Regelung der Schulden, wenn sie um den fönnen, wenn die britische Regierung nicht im voraus durch ihre Note vom 1. August ihre Stellungnahme festgelegt hätte dadurch, Preis gegenseitiger Opfer durchgeführt würde, für die Menschheit daß sie die französische Regierung ersuchte, sich darauf vorzube- gewinnbringend wäre. reiten, in dem Maße zu zahlen, in welchem England genötigt sein werde, an die Vereinigten Staaten zu zahlen.
Das Schreiben Poincarés macht dann darauf aufmerksam, daß die Kriegsschulden der Alliierten und die Reparationsschulden
nicht einander gleichgesetzt
Der Kampf gegen den Wucher.
Daß mun aber diese Kreise, die so über Nacht reich geBuchprüfern für ihre Aufklärungsarbeit dankbar gewesen mären, tann man nicht gerade behaupten. Das Gegenteil war der Fall. Nachdem ein paar Buchprüfungen Hunderttausende und Millionengewinne, die der Besteuerung entzogen worden waren, aufgedeckt hatten, lief Industrie und Handel hilfefuchend zu Handelskammern, Rechtsanwälten, Treuhand gesellschaften. Es wurden Beschwerden gegen die Finanzämter und Buchprüfer an deren vorgesetzte Stellen eingereicht, einige Duhend Paragraphen wurden angezogen", speziell 162 und 163 der Reichsabgabenordnung, die einzelnen Buchprüfer verleumdet, bedroht und als solche abgelehnt. Industrieund Handelsorganisationen sammelten" die Buchprüfungsfälle; gegen einzelne besonders erfolgreiche Buchprüfer ging man gemeinsam derart vor, daß jeder einzelne„ Geprüfte feinem gepreßten Herzen in den Fachversammlungen Luft machte. Das solchergestalt zusammengetragene Material, bei dem Unfähigkeit des Buchprüfers, einseitige Abfassung der Prüfungsgutachten, gegen Industrie und Handel mit Haß erfüllte Persönlichkeit oder gar zugehörigkeit zu linksstehenden Parteien die hauptsächlichsten Schuldmomente des Buchprüfers bildeten, wurde an seine vorgesetzte Behörde gegeben und der Antrag gestellt, daß der Betreffende als Buchprüfer nicht zugewiesen werde. Dagegen verlangte man, daß ein Buchsachverständiger, von den Handelskammern anerkannt oder bei den Gerichten vereidigt, die verfügte Buchprüfung vornehmen soll, also unter Ausschaltung der amtlichen Buchprüfungsstellen! Ja, man stellte sich auf den Standpunkt, daß nur der und jener strittige Punkt in den Büchern des der Steuerflucht Berdächtigen geprüft werden dürfe, daß aber alle übrigen Buchungen nicht nachgeprüft werden
dürften.
Die steuerscheuen Herren Industries und Handelsbarone schreiben also der Behörde vor:„ du darfst nur auf der und der Seite in dem oder jenem Geschäftsbuch diese oder jene genau vorher bezeichnete Buchung nachprüfen, im übrigen ist aber eine weitergehende Prüfung zu unterlassen".
Das ist feine Prüfung mehr, sondern ein Na ch schlagen gemäße Durchprüfung eines ganzen oder mehrerer Geschäftsirgendeines Betrags. Unter Prüfung ist aber eine ordnungsjahre zu verstehen. Wenn diese Geldbarone ihre Geschäftsbücher am Ende des Geschäftsjahres von einer Treuhand ge= sellschaft zur Kontrolle der Geschäftsführung prüfen lassen, dann dauert die Prüfung tagelang. Dem Staat aber schreiben diese Herren vor, daß seine Prüfung ihrer Bücher vielleicht fünf Minuten zu dauern hat.
So ist der Stand ungefähr heute. Man tauscht seine Erfahrungen aus der erlittenen Buchprüfung aus, man fucht die Buchprüfer mit allen Mitteln unmöglich zu machen, hinauszuekeln. Wie lange währt es noch, und die Zentralstellen von Handel und Industrie bilden eine Phalang gegen diese-
Die Preußische Staatsregierung wird noch im Laufe des heutigen Tages die Ausführungsbestimmungen zu den heute von uns veröffentlichten Beschlüffen des preußischen Ministerwerden könnten, da die ersteren alle im Interesse der gemeinsamen rats gegen Wucher und Teuerung veröffentlichen. Die Buchprüfer. Einstweilen sucht man diesen Stellen und ihren Sache aufgenommen feien. Die Einkäufe, zu denen sie dienten, Beflimmungen sind äußerst scharf und verpflichten unter Androhung Beamten die Arbeit zu verefeln. Man erhebt Beschwerde hätten fämtlich zum Siege beigetragen. Während der Vorbereitung hoher Strafen u. a. zur fofortigen Anbringung von Preis- auf Beschwerde, drängelt bei Buchprüfungen auf deren Ende, des Friedensvertrages hätten die siegreichen Länder zum ersten schildern und zur Einhaltung der Gewichte insbesondere bei erhebt gegen die Einschähung gruppenweise Einspruch- eine Male in der Geschichte beschlossen, von dem besiegten Land feine Brof. Ferner werden für die Bevölkerung Erleichterungen zur An- Organisation gab ihren Mitgliedern den Rat, jeder einKriegstoften(!) zu fordern. Wenn die Zahlung der Kriegsschulden bringung von Wucheranzeigen und die schnellste Uleber- 3eine möge Einspruch erheben, wenn seine Fatieverlangt würde, so würde ein Teil der Roften auf diejenigen alliierten weisung dieser Anzeigen zur Erledigung an die Staatsanwaltschaft rung nicht anerkannt würde- Länder zurückfallen, die militärisch die größte Anstrengung gemacht angeordnet. lehnt Buchprüfer ab usw. Man hofft scheinbar, durch diesen Ansturm von allen Seiter