Nr. 429 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 208
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Vorwärts
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Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands
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Montag, den 11. September 1922
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Die neue Reparationskrise.
Reden Wirths und Poincarés.
ökonomischen getreten.
einzutreiben.
Condon, 11. September. ( WTB.)" Times" meldet drücken tönnten? Noch einmal find es polifische Erwägungen einer werden. Aber nicht durch diese teilweise und zeitweise Entscheidung aus Brüssel , daß die Abreise der belgischen Delegierten aus der alliierten Regierungen, die sich an den Buchstaben der Ent- fann das ernste Reparationsproblem gelöst werden. Die Fragen, Berlin nicht als ein endgültiger Abbruch der Verhandlungen scheidung der Reparationsfommission flammern und behaupten, man die es aufwirft. sind nur vertagi, und sie werden alle vor angesehen werden dürfe. Die belgischen Delegierten feien önne über das, was die Reparationstommiffion entschieden hat, Ende des Jahres wieder auftauchen. Möge man diese Fragen endlich in ihrer Gesamtheit anschneiden. Wir werden an diese zurückgekehrt, um sich mit ihrer Regierung zu beraten. nicht hinausgehen. Noch einmal find Minifterpräsident Theunis werde die Frage einem morgen bei der belgischen Regierung die politischen Erwägungen vor die Prüfung mit dem lebhaften Wunsche herangehen, den schweren Alpdruck, der auf Europa lastet, zu vertreiben. Wir legen indessen, stattfindenden Ministerrat unterbreiten. Paris , 11. September. ( Tul.) In Brüssel faßt man die Wir brauchen deshalb nicht zu verzagen; denn nur das, was öko- um niemand zu täuschen, Wert darauf auszusprechen, daß Paris , 11. September. ( TU.) In Brüssel faßt man die Entwicklung der Lage folgendermaßen zusammen: Die bel- nomisch noch möglich ist, wird vom deutschen Lande und von der wir vor allem die Absicht haben, unsere Forderungen an Deutschland deutschen Wirtschaft getragen werden. Aber bis diese Erkenntnis gische Regierung wird heute, Montag, nach ihrer Rückkehr sich in Europa durchgebissen hat, müssen wir nicht nur Geduld, fon- Wenn man uns den Vorwurf macht, daß wir das, was man uns aus Berlin die Delegation anhören und daraufhin sofort von dern die letzten Reste non staatlicher und wirtschaftlicher Energie schuldet, allzu dringend verlangen, und daß wir unser Recht der deutschen Regierung die hinterlegung einer aufzubringen versuchen, um durchzukommen. Ich glaube, nur eine zu scharf ausüben wollen, so werden wir demgegenüber wiederholen, Goldsumme in einer ausländischen Bank wirklich einheitliche große deutsche Nation, ein wirkliches Zu daß wir auf unsere Ansprüche nicht verzichten fönnen, ohne Frankverlangen, und für den Fall, daß Deutschland dies sammenspielen von Nord und Süd in Deutschland , von Reich und reich zu ruinieren, und daß der Ruin Frankreichs für ganz Europa verweigern follte, sofort der Wiedergutmachungskommission ändern fönnen diese Probleme, vor denen wir als Gesamtheit die schrecklichste Katastrophe wäre. Wir müssen aus dem Provisorium die ganze Sache unterbreiten, die daraufhin ein freistehen, meistern. Glückt uns das, auch wenn wir nur tastend uns heraus. Deutschland muß freiwillig oder gezwungen seine Verpflichvorwärts bewegen, dann haben Sie die Voraussetzungen zur Erwilliges Verschulden Deutschlands feststellen wird. füllung Ihrer oberschlesischen Wünsche; zerbricht die Nation als tungen erfüllen. Wir sehen ebenso sehr wie andere darauf, die In gewissen Kreisen ist man in Brüssel der Ansicht, daß die Ganzes, verlieren wir den einheitlichen Zusammenhang, zersplittern europäische Solidarität zu erhalten. Aber ein Erfordernis diefer Solidarität ist das Wohl Frankreichs . Wenn man uns Regierung vorläufig nur eine Goldhinterlegung für die Fällig- wir uns durch eine Berfeindung derer, die etwas in Händen haben dieser Solidarität ist das Wohl Frankreichs . Wenn man uns feitszahlungen vom 15. August und 15. September, also und der Millionen, die schon in die wirtschaftliche und soziale Bernicht bei unserer Wiederherstellung unterstützt, dann werden wir uns 100 Millionen Goldmark im ganzen, werde verlangen fönnen elendung hinuntersinken, dann ist auch Ihre Arbeit in Ober- felbst helfen. Die KPF. gegen Versailles . und daß, da die belgische Regierung alles getan habe, um die fchlesien selbstverständlich vergebens. Sache auf persönlichem Wege zu regeln, es jetzt an der Zeit fei, energische Maßnahmen zu ergreifen, um Deutschland zur Zahlung zu zwingen. Fischer und Bergmann in Paris .
Wie die" P. P. N." hören, werden die Staatssekretäre Fischer und Bergmann heute nach Paris abreisen, um nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Belgien der Reparationsfommission auf Anfragen zur Verfügung zu stehen, falls diese die Lösung des Reparationsproblems wieder in die Hand nimmt.
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So tommt ein Problem neben das andere und überschattet das
große Broblen. der Erhaltung er deutschen Nation. Berstehen Sie nisten angesagten Umzüge waren die in Frage kommenden beshalb, geehrte Herren aus Oberschlesien , wenn es uns in der Straßen durch Bolizei abgesperrt. Nur auf dem Platz der Reichsleitung mitunter unmöglich ist, an allen Orten zu erscheinen und alles in Liebe zu behandeln, was Ihnen auf dem Antlig und im Nation ist es zu kleineren Ansammlungen gekommen, die aber Herzen geschrieben steht; Glauben Sie aber niemals, daß wir beim sofort von der Polizei zerstreut wurden. Bersuche der Bewältigung der größten aller Fragen derer zu gedenken vergessen, die gerade in den Randgebieten wohnen: am Rhein , im deutschen Süden und Norden, in Oberschlesien und in Ostpreußen . Das alte Lied, das einst wegen Schleswig- Holstein gesungen wurde:
„ Das ganze Deutschland foll es sein", dieses Lied ist auch das, was wir Ihnen am Schlusse der heutigen schönen Tagung entgegenbringen. Das ganze Deutschland soll es sein und in ihm ein glückliches wiederaufblühendes Oberschlesien ! Bei einer Marneschlachtfeier in Meaug hielt Ministerpräsident Poincaré
Am geftrigen Sonntagnachmittag fand im Anschluß an die Veranstaltung des oberschlesischen Hilfsbundes im Staat lichen Opernhause ein Empfang beim Reichspräsidenten statt. Erschienen waren die Reichs- und die preußische Regierung, der Vorstand des oberschlesischen Hilfsbundes und Vertreter von Wirtschaft, Handel, Industrie und Presse. Der Reichs. präsident dankte dem Hilfsbund für seine Arbeit und gab eine Rede, in der er über die Reparationsfrage sagte: ihm die besten Wünsche auf den Weg. Der Oberpräsident Bitta dankte dem Reichspräsidenten für die tatkräftige Förderung der Ziele des Bundes. Regierungspräsident Brau weiler, Oppeln , gab eine furze Darstellung von den Zielen und Aufgaben des Hilfsbundes. Handelsminister Siering sprach über die Pläne der preußischen Regierung für den wirtfchaftlichen Wiederaufbau Oberschlesiens , Landwirtschaftsminister Wendorf über den landwirtschaftlichen Wieder aufbau.
Darauf führte
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Reichskanzler Dr. Wirth
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Deutschland hatte ein Moratorium zuerst bis Ende des Jahres, dann für die beiden folgenden Jahre verlangt. Die Reparations fommission hatte diefer Bitte nicht stattgegeben und hat an den vorher festgesetzten Terminen und an der Höhe der deutschen Fälligder Ansicht, daß, da Belgien infolge feines Prioritätsrechtes an den teiten festgehalten. Andererseits war die Reparationskommission Zahlungen dieses Jahres allein intereffiert ist, man ihm auch das Recht lassen sollte, selbst die Garantien für diese Zahlungen zu bestimmen. Es hätte uns schlecht angestanden, eine Rompensation abzulehnen, die von unseren belgischen Freunden nicht nur angenommen, sondern sogar vorgeschlagen wurde. Das Brüsseler Kabinett hat übrigens Wert darauf gelegt, uns zu versichern, daß die Bedingungen, die es von Deutschland verlangen würde, nicht die Wirfung haben würden, ein bemänteltes Moratorium zu schaffen.
Wenn Deutschland sich den legitimen Forderungen Belgiens entziehen sollte, dann würde es sich in den Zustand der Verfehlung versetzen,
Der Dollar gestiegen.
Für die Oberschlesienhilfe.
Die Veranstaltung am gestrigen Sonntagmittag füllte das staatliche Opernhaus bis auf den letzten Platz. Nach Webers hinreißendem Euryanthe - Vorspiel sprach Meister Wüllner einen Prolog An Oberschlesien ". Darauf sang Michael Bohnen herrlich Hans Eachfens Wahn"-Monolog aus den Meistersingern ". Nun folgte Die Rede des Reichspräsidenten .
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Zu einer ernsten Feierstunde sind wir hier zusammengekommen. Wir wollen Oberschlesiens gedenken, des Landes, das ein Wahrzeichen deutscher Kultur und deutschen Fleißes, fest eingefügt in das politische und wirtschaftliche Leben des Reiches, gebend und nehmend, wuchs und blühte; des Landes, das die letzten Jahre hindurch aus tausend Wunden bluten, von einem Aufstand nach dem anderen heimgesucht werden mußte, um nun
zu sein.
durch landfremden Spruch zerrissen
Wir haben wertvollste Teile des Landes hingeben und blutenden Herzens sehen müssen, daß die neue Grenzlinie mitten durch den unteilbaren, unzertrennbaren Industriebezirk gezogen wurde. Ein organisches Ganze ist zerschnitten. Unersetzliche Werte sind uns genommen. Der überwiegende Teil des Volkes hat sich trotz aller Hemmungen, Drohungen und Gefahren für das Verbleiben beim Mutterlande klar und deutlich ausgesprochen. Ohne Rücksicht auf die Stimme des Volkes und auf unsere unablässigen Hinweise auf Recht und Vernunft ist die Entscheidung gefallen.
In langwierigen Berhandlungen haben wir uns mit Polen auseinanderzusehen gesucht mit dem Bestreben, im Interesse des ganzen oberschlesischen Landes und feiner deutschen Bevölkerung die durch die Grenzführung zerrissenen Fäden soweit wie möglich Berfall des wunden Körpers zu hindern. Vor allem aber hatten wir wieder zu knüpfen und ein dauerndes Siechtum, einen dauernden www die Pflicht, rechtliche Grundlagen für die
Die Unterbrechung der Berhandlungen mit den belgischen Bertretern hat, wie zu erwarten war, eine stärkere Nachfrage nach Devisen an der hiesigen Börse hervorgerufen. Der Dollar wurde heute vormittag bereits wieder mit 1650 gehandelt. Im Verlauf der Börse erfolgten jedoch aus den gehamsterten Vorräten der Industrie und des Handels erhebliche Abgaben, die im Zusammenhang mit der Knappheit an inländischen Zahlungsmitteln stehen. Infolgedessen wurde durch dieses Angebot einer weiteren Steigerung des Dollarfurses entgegengewirkt. Gegen Mittag zahlte man für den Dollar 1575 Mart.
nach einigen Worten der Ueberleitung zur äußeren Politik aus: Geehrte Herren! Ein Problem, das angeschnitten worden ist, gibt uns seit Monaten und Jahren tief zu denken. Es ist das große Broblem, wie Reich, Staat, Gemeinde als bureaukratische Organi fation das Herz des Bürgers gewinnen fönnen. Das ist die Auf- und es würde uns nur noch übrig bleiben, von einer Hand gabe für die deutsche Republik, das ist die Aufgabe auch für die lungsfreiheit Gebrauch zu machen, die wir nicht aufgeben Länder und für die Gemeinden. Wir alle, die wir hier beisammen find, wir müssen, wenn wir einmal aus diesem ewigen Stürmen herauskommen es arbeitet ja jeder von Ihnen, wie wir ja alle, unter Damp f; erschöpft finten wir mitunter hin, erdrückt von der großen Fülle der Aufgaben, die in den wenigen Stunden und Tagen über uns hereinstürmen, aber fommen wir einmal vielleicht ist doch der Tag nicht fern zur ersten ruhigen Minute des Nachdenkens, dann bitte ich zu bedenken: das Schicksal des deut schen Volkes hängt davon ab, ob es uns glückt, die Herzen der deutschen Staatsbürger für den großen Gedanken des Reiches und der Länder und ihrer Zusammenarbeit zu gewinnen. Ueber allen Problemen aber ist das große Problem das vorherrschende: die Rettung der deutschen Nation. Dieses Rettungswert ist noch nicht abgeschlossen. In zähem Ringen müssen wir das größte aller Probleme auf der Welttribüne vorDie Effektenbörse wird in ihrer Geschäftstätigkeit durch die märts schieben. Das ist jenes Problem, das den Namen Repa= Geldknappheit sehr behindert. Die mittleren und kleineren Banfrationsproblem trägt, das aber viel tiefer und weiter geht; das ist firmen sind verhältnismäßig besser daran als die großen. Die mit fenes große Problem, den Gedanken des Wiederaufbaus einem ausgedehnten Filial- und Depofitentassennek arbeitenden Europas und der Welt aus den Händen der Rachepolititerroßbanken sehen sich den allerſtärksten Ansprüchen von Handel und hinüberzutragen auf ein Gebiet, wo nüchterne, wirtschaftliche Er- Gewerbe ausgesetzt, während ihnen auf der anderen Seite gegenwägung die Borherrschaft hat. In dieser großen Frage find wir por: wärtig bare Gelder faum zufließen. Die mittleren und fleineren wärts gekommen. Gewiß treten Rückschläge ein. Auch gestern haben Sie es gesehen, daß der Gedanke mitunter wieder verdun Firmen besorgen sich jetzt schon für den kommenden Quartalsultimo telt wird, am Berhandlungstisch zu ökonomischen Möglichkeiten flüssige Mittel aus dem Auslande. Hierbei werden un zu kommen. erhört hohe Binsfäße bewilligt. Man zahlt für furzfristige Kredite Was helfen uns Schahwechsel, die nur fechs Monate Caufzeit haben, Binsen, die auf das Jahr berechnet einem Betrage von 50 bis die, wenn wir von jetzt ab rechnen, im Februar nächsten Jahres 70 Broz. gleichkommen. Es liegt auf der Hand, das unter diesen in der schwierigsten Seit vielleicht unsere Währung endgültig er Umständen das Effetten geschäft sich nicht recht entwickeln kann.
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Erhaltung der deutschen Sprache und deutschen Kulfur im abgetrennten Gebiet zu schaffen. Wehen Herzens haben wir Abschied genommen von unseren deutschen Brüdern, die nun einem fremden Staate angehören, und haben ihnen in der Trennungsstumde zugerufen, daß uns, die wir eines Blutes, einer Sprache, einer Gesittung find, niemand das Gefüht nehmen kann, daß wir auf immer mit ihnen tulturell per bunden sind und ewig bleiben werden.( Lebhafter Beifall.) Was für unsere Brüder jenseits der neuen Grenze, im Rahmen unserer vertraglichen Rechte und Pflichten, tun können, werden wir tun. Wir haben im Angesicht der ganzen Welt Verwah. rung eingelegt gegen die Bergewaltigung dieses Landes, diese Berwahrung wird in unserer Geschichte fortleben. Die rauchenden Schlote und Essen, die Bergwerfe unb Fabriten, die einer regtomen fleißigen, rastlos vorwärtsstrebenben Bevölkerung Arbeit und Lehn gaben, werden immer zeugen für das, was deutsche Tatkraft dem Bande gegeben hat. Diese deutsche Schaffenstraft ist nicht zu zer. hören; sie hat Oberschlesien ihren Stempel airfgedrückt in alle unseres ewigen, unverjährbaren Rechts, dieser Wunde, die uns geSo gedenken wir heute, schmerzbewegt, aber im Bewußtsein schlazen ist; wir werden sie niemals vergessen! Nun aber wollen wir vorwärts schauen! Nicht müßig trauern und flagen ziemt
Zukunft.