Nr. 432 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 212
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Berliner Volksblatt
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Mittwoch, den 13. September 1922
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Die Lüge vom faulen Arbeiter.
Der Arbeiter ist der Packesel, dem manche Polititer, viele Bolkswirtschaftler und alle Kannegießer gar zu gern die Fehler,
die fie an der derzeitigen deutschen Produktion finden, auf laden. Im Streit der Meinungen, im politischen Tageskampf, furz bei jeder Gelegenheit ist ja auch nichts einfacher, als diese Feststellung": Es wird nicht genug gebaut, natürlich weil der bahnen rentieren sich nicht, sehr einfach, der Etat iſt, mit Arbeiter nicht genug Rohmaterialien herstellt, die EisenBersonal überbelastet, das Brot ist so teuer, ganz klar, die Das ist die Melodie, die in abertausend Variationen
Landarbeiter sind faul
Hinterlegung eines Golddepots. Brüssel , 12. September. Wie die Agence Belge mit. Goldes Statt aufgefüllt werden kann. Ehe über diese feilt, hat der belgische Ministerpräsident The unis, der seine Fragen nicht Klarheit herrscht, werden werden Dispositionen in Brüssel anwesenden Kollegen auf dem laufenden gehalten schwerlich zu treffen sein. Hier werden sich also Rückfragen der hatte, beschlossen, von Deutschland die Begleichung der am Herren Schröder und Bergmann in Paris nicht um 15. 8. und 15. 9. fälligen Zahlungen mit Schahscheinen zu gehen lassen. verlangen, die durch ein Golddepot sichergestellt werden Von vornherein muß aber betont werden, daß der Beg, jollen, das in einer der belgischen Regierung genehmen Bank auf den sich die belgische Regierung begeben hat, nicht ohne hinterlegt werden soll. Heute vormittag notifizierte der Mi- schwerste Bedenken ist. Dem Währungsverfall, der in den überall und nicht zuletzt im Stadtbahnzuge und auf der Stra nister des Aeußeren, Jaspar, dem deutschen Gesandten Dr. legten Tagen nur mühsam gegen die Bestrebungen gewisser Benbahn, auch am Born vieler politischer Weisheit, dem BierLandsberg den Beschluß der belgischen Regierung. Kreise aufgehalten werden konnte, ist damit von neuem die Paris , 12. September. ( EP.) Der Korrespondent des„ Temps" Tür geöffnet worden. Was nügt der deutschen Regierung tisch , zu hören ist. Am verwunderlichsten ist dabei, daß die in Brüssel meldet, daß man in gewissen politischen Kreisen zögere, und dem deutschen Volk, was nüßt der ganzen Welt die Tat- Arbeiter selbst sich diese Vorwürfe immer wieder so ruhig es zu Santtionen gegen Deutschland kommen zu lassen, da man sache, daß neben England und Italien auch Belgien zu der gefallen lassen. Sie sind leider oft genug von einer era glaube, daß dadurch der Zusammentritt der Finanzfonferenz Ueberzeugung von der deutschen Zahlungsunfähigkeit und der chreckenden Gleichgültigkeit und ohne das geringste Bedürfnis, in Brüssel im November unmöglich gemacht werde. In Regie wenn man auf der Gegenseite vergißt, diesen Tatsachen RechBerderblichkeit der bisherigen Reparationspolitik gelangt ist, fich zu mehren. Das Kennzeichen der deutschen Produktion ist, wenn die rungstreifen sei man dagegen entschlossener. nung zu tragen? Soll Deutschland der apiermart Frage ernsthafter untersucht wird, doch, daß sie mit einem die lezte dünne Golddede nehmen? Es ist denn Apparat arbeitet, der verwirtschaftet ist. Es ist alles doch sehr die Frage, ob sich die Präsidenten der Reichsverwirtschaftet, das Material, die Maschinen, die Häuser, die bant, die auf ausdrücklichen Wunsch der Entente dem Ein- Berkehrsmittel und nicht zuletzt die Menschen selbst. In diesen fluß der deutschen Regierung entzogen wurden, und denen die Tatsachen drückt sich die Folge des Krieges und die Last, die Herkulesarbeit überantwortet wurde, der Inflation ein Ende Versailles uns aufbürdete, aus. Optimisten meinen, da die zu machen, ohne eine genaue Klärung der Lage zu einem der anderen Länder Arbeitslose hätten und wir keine haben, sei artigen Eingriff verstehen würden. Was nun gar die Priunfere Wirtschaft, abgesehen von dem Dollarstand, doch eigentvatindustrie anbelangt, so werden sich die Bertreter lich ganz in Ordnung. So wird immer wieder vorbeigesehen. Belgiens in Berlin davon überzeugt haben, daß es besser ist, Es vergeht faum ein Tag, daß nicht die bürgerliche und im zu einem Einvernehmen zu gelangen, ohne i're so überaus besonderen die schwarzweißrote Bresse, bewaffnet mit statistihilfreiche Hand in Anspruch zu nehmen. Wenn also Belgien fchen Zahlenreihen und darauf aufgebauten weisheitsvollen die Kreise Deutschlands , die keine Mühe scheuen, um zu einer Schlüffen aufzeigt, wie dem Verfall der deutschen Produktion gefunden Wiedergutmachungspolitik zu gelangen, von der nur auf einen Schlag ein Ende gemacht werden könne. Die Proschwer sauber gehaltenen Straße vertreiben will, so ist es auf duftion muß gehoben werden! Das ist ganz einfach: der dem rechten Wege. Arbeiter mag nur wieder gezwungen werden, so viel zu leisten wie vor dem Kriege. Es soll hier nicht untersucht werden, ob er dazu überhaupt in der Lage ist. Diese Brüfung ist schon deswegen überflüssig, weil heute in der Mehrzahl der deutschen Produktionsstätten erstaunlicherweise die Friedensleistung schon wieder erreicht ist. Der Produktionsrückgang gegenüber der Borkriegszeit liegt eben in ganz anderen Ursachen als darin, daß der Prolet vom Unternehmer nicht mehr so scharf an die Kandare genomme werden fann wie ehedem.
Bei den im August und September fälligen Raten handelt es sich um eine Summe von insgesamt 100 millionen Goldmart. Indem die belgische Regierung an Deutschland mit dem Verlangen herantritt, diese Summe in Schaganweisun gen zu begleichen und als Garantie eine entsprechende Reserve in Gold bei einer Belgien genehmen Bank zu hinterlegen, beschreitet sie den Weg, den die Reparationsfom mission für den Fall eines resultatlosen Verlaufs der direkten Verhandlungen vorgesehen hatte. Wenn in der Mittei lung von den weiter fälligen Raten nicht gesprochen wird, so kann darin der Wille zu einem gewissen Entgegenkommen zum Ausdruck kommen, unbedingt notwendig ist das aber nicht, und es wäre gefährlich, seine Maßnahmen auf eine derartige Hoffnung aufzubauen.
Die deutsche Regierung ist nunmehr vor die Frage ge Es scheint, daß man sich in Belaien über den Ernst stellt, woher sie das Gold für die zu deponierende Summe dieser Lage, die ihre Schatten weit über die Grenzen nehmen soll. Die Hundert Millionen Goldmark find etwas Deutschlands hinaus wirft, nicht im flaren ist. Noch sind nicht mehr als ein Drittel der im ganzen an Belgien zu entrichtenden alle Türen zugeworfen, aber es muß dech betont werden, daß Summe. Bevor weitere Schritte erfolgen fönnen, wäre es einseitige Dittate nicht der Weg sind, um dem Wahn ratsam, zu wissen, wie sich die belgische Regierung das Be- sinn ein Ende zu machen, der Europa noch immer gefangen gleichungsverfahren für die Rest summe denkt, hält, obgleich man sich auch auf der Gegenseite darüber im was sie unter der ihr genehmen Bank versteht, und flaren ist, daß dieser Wahnsinn nur Methode hat, wenn man ob das Golddepot gegebenenfalls mit Goldmerten an Deutschland in das äußerste Unglück stürzen will.
Nebenregierung?
Die Eisenbahnen leisten heute 75 Broz., also dr. Biertel ihrer Borkriegskraft. Ist das nicht eine bewundernsZur Sicherung der Ernährung. merte Leistung? Das Eisenbahnnetz hat vier Jahre lang eine Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst" schreibt: Am Dienstag vormittag empfing Reichswirtschaftsminister ungeheuerliche Ueberlastung ausgehalten, es wurden weder Die wiederholten Besprechungen der Reichsregie Schmidt im Beisein des Ernährungsministers, Prof. Dr. Fehr, wirtschaftliche noch kaufmännische Rücksichten genommen. Nach rung mit den Spizenverbänden der Gewerkschaften die Vertreter der gewerkschaftlichen Spikenorgani dem Kriege hat die deutsche Industrie durch ihre hohen Preise machen einem Teil der bürgerlichen Bresse einige Sorgen. fationen zu neuen Besprechungen über die Maßnahmen gegen für Ergänzungsmaterialien, hat sie durch günstige Frachttarife, Wie früher, so spricht man auch jetzt von der gewert die Teuerung. Der Bertreter der Christlichen Gewerkschaften gab hat auch die Allgemeinheit durch Fahrpreise, die in keinem schaftlichen Nebenregierung, aber die eigentliche feiner Genugtuung darüber Ausbrud, daß das Reichswirtschafts. Berhältnis zur wirklichen Entwertung des Geldes standen, Ursache der Aufregung dürfte darin zu erblicken sein, daß die ministerium in so wohlwollender Weise die Interessen der Arbeiter aus dem Eisenbahnbetrieb Unterstügung gezogen. Das waren hinter der bürgerlichen Bresse stehenden Handels- und In- fchaft zu wahren bestrebt ist und bereits einen großen Teil der von der Ueberbelastung mit Bersonal gesprochen, so sollte nicht verOpfer, die die Reichsbahnen dem Bolke brachten. Wird von dustriekreise eine Beschränkung der Wucherfreiheit befürchten. der bürgerlichen Presse als phantastisch und undurchführbar be- der Ueberbelastung mit Bersonal gesprochen, so sollte nicht verSelbst die Bossische Beitung" glaubt betonen zu müssen, zeichneten Forderungen der Gewerkschaften verwirklicht hat. Die gessen werden, in welchem Ausmaße Kriegsbeschädigte ,, daß Wirtschaftskatastrophe und Teuerungsnot feine fozial- Hauptwünsche der Gewerkschaften bezogen sich diesmal auf die Berwendung gefunden haben. Das ist ebenfalls Dienst an der Demokratische Propaganda- und leider feine ausschließliche Sicherung der Ernährung der arbeitenben Maffen. Der Waffenstillstandsbedingungen und der Bestiminungen von Allgemeinheit. 3u all dem tommit, daß auf Grund der Angelegenheit der Arbeiterklasse sind", daß es vielmehr auch Reichsernährungsminister entwarf ein ausführliches Bild von der Bersailles unser bestes Material aus dem Lokomotiv und dem andere Schichten der Bevölkerung gäbe, die bei der Teuerung gegenwärtigen Ernährungslage und äußerte sich dabei sehr opti agenpart abzuliefern war. Und dennoch leistet die Eisengeringere Erfolge aufzuweisen hätten als die Arbeiter. Von mistisch über die diesjährige Ernte. Die Getreibeernte fel bahn heute schon wieder 75 Proz. dessen, was ihr vor den ihnen sei leider feine Rede. zwar nicht besonders günstig gewesen, aber mit Hilfe der noch vorDie Reichsregierung ist nicht nur für eine bestimmte Be- handenen Reserven hoffe man ohne Schwierigkeiten das neue Ernte- Kriege möglich war. Das ist doch nicht zulegt auch ein Bevölkerungsschicht, sondern für das ganze Bolt da, und sie jahr überstehen zu können. Die Kartoffelernte fei als glänweis für den ehrlichen Arbeitswillen der Eisenbahner. hat bisher gezeigt, daß ihr nichts ferner liegt als die Bevor- zend zu bezeichnen. Höchstpreise für Kartoffeln seien faum nötig, Die Bergarbeiter bekommen immer wieder die zugung einer Klaffe. In welchem Maße aber die Wirtschafts- da durch das zu erwartende große Angebot ein übermäßig hoher durchschnittliche Kohlenmenge auf den Kopf zugerechnet, die sie organisationen zu den notwendigen Beratungen herangezogen Preis nicht zu befürchten sei. Sehr gut verspreche auch die 3 ud er jetzt fördern und ehedem geleistet haben. Das ist ein statistiwerden, das hängt nicht nur von deren Macht, sondern auch ernte zu werden. sches Kunststück, das z. B. jeder fertigbringen muß, der bei der von ihrer Initiative ab. Die Gewertschaften aller In der sehr ausführlichen Besprechung wurde von den Ber - Deutschen Tageszeitung" Volontär werden will. Dabei ist Richtungen haben sich in der Vertretung der Interessen ihrer tretern aller Spizenorganisationen wiederholt dem Wunsche Aus- die Kohlenförderleistung eine Angelegenheit, die von vielen Mitglieder feinerlei Beschränkung auferlegt und sind wieder- brud gegeben, daß, wie das Reichswirtschaftsministerium, sich auch anderen Umständen und nicht nur von der Zahl der mit ihr holt von den Regierungsstellen zu Beratungen herangezogen die anderen zuständigen Ressorts die Bekämpfung der Teuerung und beschäftigten Arbeiter abhängt. Die Kohlengewinnung und worden, die überdies im Interesse aller jener Boltsgenoffen des Wuchers angelegen sein laffen möchten. im besonderen die schon auf der 3eche beginnende Kohlenliegen, die nicht über riesige Kapitalien verfügen. Mertverwertung erfordern heute viel mehr Arbeitskräfte als ehewürdig ist, daß die bürgerliche Presse nur sieht, was die Gedem, wie ja der Gewinn aus Kohle schon lange nicht mehr in wertschaften machen und offenbar nichts von dem ununterihrer Berwertung als Brennstoff, sondern in der Ausnutzung brochenen Sturm der Industrie und Handels- md als chemisches Roh- und Grundmaterial liegt. Auch der Bergfreise auf das Reichswirtschaftsministerium wissen. Biel - Der Reichstanaler empfing gestern den Generalsekretär bau ist start heruntergewirtschaftet; der Begriff der Erfazleicht erfundigt man sich einmal im Reichswirtjaaftsministe- bes Reichsverbandes des deutschen Handwerke, Hermann, der wirtschaft ist in ihm, sehr zum Schaden der Produktionsrium, wie oft der Minister täglich Vertreter des Handels und die immer schwieriger sich gestaltende Lage des deutschen Hand leistung, noch weit verbreitet. der verschiedenen Industriegruppen empfängt, um mit ihnen werks darlegte. Der Reichskanzler erklärte sich bereit, zur Herbei Wie steht es mit der Landwirtschaft? Hier beüber notwendige Maßnahmen zu sprechen, ihre Wünsche und führung einer gründlichen Aussprache zwischen Reichsregierung und stand die größte Gefahr, daß die Auswirkungen des Krieges, Beschwerden anzuhören. Was dem Einen recht ist, muß dem deutschem Handwerk sobald als möglich eine Sonferenz unter des Zusammenbruchs und der Umwälzung auf die Arbeiter Andern billig bleiben, und wenn jene Bevölkerungsschichten, feiner, des Reichskanzlers, Leitung einzuberufen, an der neben der ungünstige Einflüsse ausüben fonnte, weil sie eine politisch und über deren Not man nach der Boffischen Zeitung" in der Bertretung des Handwerks die beteiligten Reichsrefforts mitwirken sozial neuerwachte Schicht des Volkes trafen. Aber gerade der Deffentlichkeit nicht spricht, ihr Schicksal Leuten anvertrauen, werden.
Die selbst nichts von der Not wissen und c. daher auch nicht für
Die Not des Handwerks.
notwendig halten, mit den Regierungsstellen uoer die Linde- Gefängnis für Demonftrafionen. 1leber fünf Teilnehmer an den rung der Leiden ihrer Auftraggeber zu verhandeln, dann ist kommunistischen Kundgebungen in Paris vom letzten Sonntag wurden bas ihre eigene Schuld und nicht die der Gewerkschaften, Gefängnisstrafen von ein bis drei Monaten verhängt.