Nr. 457 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 222
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und 2506-2507
Mittwoch, den 27. September 1922
Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Handrexpedition u. Inseraten. Abteilung: Dönhoff 2506
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Der Widersinn des Kohlendiktates.
Condon, 27. September. ( Reuter.) nach Meldungen aus zu gehen. Remal wünsche die Teilnahme Rußlands an der Athen find in Griechenland ernste revolutionäre un- Ronferenz und verlange das Recht, bie Küsten des Marmarameeres ruhen ausgebrochen, besonders in Lariffa, Mitylene und Salonifi. zu befeftigen. Er erkläre, wenn die Türkei ihre militärischen OpeHeer und Marine sind daran beteiligt. Der Minister des Innern rationen einstellen solle, so müsse England zuerst mit der Ent teilte gestern mit, die Regierung wisse nicht, wieviele& riegs- sendung von Verstärkungen nach der Türkei aufwirtschaftliche Defizit rücksichtslos durch Preiserhöhungen auf fchiffe fich der Bewegung angeschlossen hätten. Die hören. Sicherheit des Königs ist anscheinend ungefährdet. Die Revolutionäre verlangen die Abdantung des Königs. Paris , 27. September. ( WTB.) Havas meldet aus Athen vom 27. September, die Athener Regierung hat demissio
niert.
Ernste Lage im Orient.
London , 27. September. ( Reuter.) Die letzten aus Ronftantinopel in britischen Kreisen eingetroffenen Berichte besagen, daß die britischen und die französischen Admirale ersucht wurden, mit Remal felbft in Fühlung zu treten. Bezüglich der türkischen Truppen sei man der Ansicht, daß es unmöglich sei, vor Hoffnung ausgesprochen, daß die gemeldeten Bewegungen der tür auszusagen, was geschehen werde. Es werde jedoch die fischen Truppen auf Befehle zurückzuführen sind, die vor Empfang der Note der Alliierten erlassen wurden. Eine zweite tür fische Ravallerieabteilung ist in die neutrale Zone ein gedrungen und zwar in der Gegend von Bigha. Morgen werden brei Bataillone Infanterie von London nach dem Orient abgehen. Die Hochseezerstörer flotille wird gleichfalls in das östliche Mittelmeer gesandt, werden.
Dem Berichterstatter zufolge herrscht in Konstantinopel Banit. Der Sultan sei durch den Rücktritt seiner Minister voll fommen niedergeschlagen. Remal habe seine Absicht ausgedrückt, einen nationalen Großwefir in Konstantinopel zum Vertreter der Regierung von Angora zu ernennen. Seine Wahl werde ficher auf Hamid Ben fallen. Es bestehe wenig Zweifel, daß der Sultan wegen seiner ententefreundlichen Haltung entthront werde, wenn die Anhänger Angoras in Konstantinopel triumphieren. Der aussichtsreichste Randidat sei Prinz Selim.
Eine vernichtende französische Kritik. vertrages über die deutsche Volkswirtschaft gebracht. Die InUnsägliche Leiden hat das Kohlendiktat des Friedensdustrie, ohnehin geschwächt durch den Raubbau des Krieges, fonnte nur mit unzureichender Beschäftigung arbeiten. Aber die Gewalt der Kartelle vermochte das voltsdarunter litt. Die jetzt verspätet erhöhten Preise für Eisendie Masse der Verbraucher abzuwälzen, ohne daß der Profit bahnfahrten, die fortgesetzte Verteuerung von Kohle und Licht, die unglaubliche Preissteigerung für Bekleidung, all das sind letzten Endes Folgen der Tatsache, daß wegen des Kohlen- und Rohstoffmangels die Wiederaufrichtung der deutschen Volkswirtschaft nach dem Berlust wertvoller Gebiete und fast aller Auslandsverbindungen wie auch der deutschen Handelsflotte Jahr um Jahr verzögert wor
den ist.
Aber hat das Kohlendiktat der Entente selbst London , 27. September. ( WTB.)„ Daily Telegraph " zufolge Nutzen gebracht? Der Entente als einem Ganzen bestimmt regierung in London , Berzin, gestern im Foreign Office lange Zeit darauf verzichten konnte, wie vor dem Kriege engsprach der stellvertretende offizielle Kommissar der Sowjet- nicht! Die englische Kohlentrise zeigte, daß der französische Markt mit Kohle übersättigt war und infolgedessen vor, um den Standpunkt der Sowjetregierung im Zusammenhang lische Kohle anzukaufen. Aber auch Frankreich selbst hat von mit der Krise im Drient ausdrücklich hervorzuheben. Er erklärte, den Kohlenlieferungen einen höchft zweifelhaften Nutzen. Der Rußland wünsche eine friedliche Regelung, fönne aber feiner französische Professor Francis Delaifi hat jetzt in einem internationalen Entscheidung zustimmen, die in Artikel in der Wochenausgabe des Manchester Guardian", Abwesenheit seiner Vertreter erzielt werde, in einer Frage, die von die als Zeitschrift unter dem Titel„ Der Wiederaufbau in französische Professor Francis Delaisi hat jezt in einem so grundlegender Bedeutung für den Handel und die internationalen Europa " erscheint, den Widersinn des Kohlendiktates in einer Beziehungen Rußlands sei wie die Stellung Konstantinopels und Weise aufgedeckt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig der Meerengen. läßt und die schlagend den Mißerfolg der französischen Kohlenpolitik aufdeckt.
London , 27. September. ( WTB.) Generalmajor Sir Frederic Maurice meldet der„ Daily News" aus Konstantinopel , daß für. tische Kavallerie Erenköi und Kumbale weiterhin Die Zweite Internationale für Schiedsgericht. besetzt halte. General Harrington, der vor allem einen ZuDie französischen Kohlenforderungen gingen davon aus, sammenstoß, welcher die diplomatischen Verhandlungen beeinträch 2. Internationale hat eine von Senderson, Tom Shaw, Thomas Rohlenverbrauch von 60 auf 70 Millionen Tonnen London , 27. September. ( BTB.) Das Londoner Bureau der daß Frankreich nach dem Gewinn Elsah- Lothringens feinen tigen würde, vermeiden wolle, habe direkt an Kemal Pascha tele. Coswing, Ramsay Macdonald unterzeichnete Erklärung jährlich erhöhen, aber infolge der Kriegszerstörungen die graphiert und ersucht, die Zurücknahme der türkischen Truppen aus über die Lage im nahen Osten veröffentlicht, in der es heißt, es Eigenförderung von 37 auf 25 Millionen zurück. der neutralen Zone anzuordnen. General Pellet habe an Remal würde ein unerhörtes Verbrechen gegen die Mensch gehen würde. So veranschlagte man den Bedarf an ausin gleichem Sinne gedrahtet. Inzwischen hatten die britischen heit sein, wenn neue Feindseligkeiten beginnen. Die britische Re- ländischer Kohle auf 50 Millionen Tonnen und erlegte sie Truppen in Tschanak Befehl erhalten, keine Offensivaktion zu unter- gierung trage zum weitaus größten Teil die Verantwortlichkeit. Es ländischer Kohle auf 50 Millionen Tonnen und erlegte fie nehmen, bis Remal Zeit gefunden habe, den türkischen Streitkräften wird die Einfehung eines Schiedsgerichts durch den Völker 8 Millionen Tonnen jährlich zu liefern vermag, forderte man Deutschland fast restlos auf. Außer dem Gaarbeden, das Anweisung zu geben. Das werbe 48 Stunden erfordern. bund gefordert, in dem die Türkei , Rußland und Deutschland die übrigens dank der deutschen Bemühungen in feinem Es bestehe also feine Gefahr, daß das britische militärische Borgehen gleichen Einfluß mit den anderen Nationen haben sollten. Wenn Jahre bisher erreichte- die Aussichten auf Frieden beeinträchtige. Weitere britische es unmöglich sein sollte, den Völkerbund dazu zu benutzen, so müßte Tonnen. Man hoffte so, umsonst in den Besitz der Rohstoffe Lieferung von 40,8 Millionen Infanterie und Artillerie sei in Tschanat ausgeschifft. jede Konferenz, die einberufen werde, auch Vertreter Rußlands , Auch die britische Flotte habe neue Verstärkungen erh uten. General Bulgariens und Deutschlands außer den bereits in der Note der kommen und bedachte nicht, daß der auf diese Weise geHarrington erklärte, daß für die britischen Streitkräfte in Tschanat Alliierten erwähnten einschließen. Rußland und Bulgarien würden er also dafür als Abnehmer für Waren so gut wie ganz schwächte Gegner in gleichem Maße an Kauftraft verlor, daß feine Gefahr beſtünde. von allen territorialen Entscheidungen und von der Regelung der ausschied. Aber auch in ihrem Grundzug war die Rech Frage der Freiheit der Meerengen vital berührt. Deutschlands nung falsch. Frankreich verbrauchte 1921 nicht, wie erwirtschaftliches Interesse im Orient gewähre ihm ein Recht auf einen wartet, 75, sondern nur 48,6 Millionen Tonnen. InfolgePlatz am Tische der Unterhändler. Die Regelung der Drientfrage dessen war man genötigt, schon in diesem Jahre 2,3 Millionen und der Freiheit der Meerengen dürfe nicht von den Alliierten Tonnen an das Ausland zu verkaufen. allein vorgenommen werden, insbesondere sei jede isolierte Aktion feitens irgendeiner Nation, die sich selbst zur Beschüzerin der Meerengen aufwerfe, zu verurteilen.
Kemals Forderungen. London , 27. September. ( WTB.) Der Konstantinopeler Sonderberichterstatter des„ Daily Chronicle" drahtet über die vor aussichtlichen Friedensbedingungen Kemal Paschas, der türkische Nationalistenführer werde es ablehnen, unter den Bedingungen der Alliierten auf die geplante Konferenz von Benedig
Die Schatzwechsel weitergeleitet.
effenten bestimmt waren, geht daraus hervor, daß während Wie sehr diese Forderungen von französischen Interihrer Durchführung Herr Charles Laurent französischer Gesandter in Berlin ist, der frühere Bräsident der Ge meinschaft der französischen Bergbau- und Regierung entscheidend ist. Hüttenindustrie, deren Einfluß auf die französische
Es war demnach selbstverständlich, daß nicht der frandie Industrie. Die deutsche Kohle erhielt Frankreich umzöfifche Staat den Nutzen aus dem Kohlendiktat zog, sondern fonft, die französische und belgische Kohle billiger als die englische und amerikanische. Um nun einen Ausgleich herzustellen, setzte das französische Rohlenamt Durchschnittspreise fest. Es belastete seit Anfang des Jahres 1920, trotz der da
Deutsch- französischer Montantrust? ausländischer Sachwertbesig in Frage kommt, Petroleum- Astien Zwischen Stinnes und dem französischen Großteilung der Effekten augenblicklich die Frage eine große Rolle, ob und westdeutsche Montanwerte. Außerdem spielt bei der Beur industriellen Bernard schweben dem schwerindustriellen die betreffenden Unternehmungen direkt oder indirekt für Wiedernationalistischen Journée Industrielle" zufolge Verhandlun aufbaugeschäfte mit Frankreich in Frage kommen. gen, die auf eine Berständigung der deutschen und diesem Grunde wendet die Börse ihr besonderes Interesse verschie Aus der französischen Industrie hinzielen. Das Blatt denen Ba u gesellschaften sowie allen Unternehmungen der Zement. führt aus: Der Bau der deutschen Hütten, die als Ersatz für die Holz-, Gifen- und sonstigen Baustoffindustrien zu. elsaß- lothringischen Hütten im Rheinlande errichtet werden sollten, wird eingestellt. Die lothringischen Hütten erhalten noch Ablauf der Versailler Berpflichtungen zur Erfüllung deutscher Re- Paris, 27. September. ( WTB.) Die Reparationstom- mals nach Delaisi herrschenden Hungerpreise für parationslasten eine bestimmte Menge von Ruhrkoks. Die deut- mission hat in ihrer gestrigen Gigung teschlossen, der Kriegslasten- Kohlen, die französische und belgische Kohle mit einer Steuer sche Industrie erhält zum Vorzugspreise eine bestimmte fommission den Empfang der deutschen Schabwechsel von 75-125 Franken pro Tonne. Diese Steuer wurde den Menge von Halbfertigfabritaten der Lothringer Hütten in einem von Delacroig und Bradbury unterzeichneten Briefe zu be- Berbrauchern englischer und amerikanischer Kohle in Form Hagendingen , Kneuttingen und Rombach. An diesen Hütten wird stätigen, in dem die Reparationstommiffion die Abzüge zur einer Vergütung von 200-300 Franken pro Tonne geschenkt. deutsches Kapital beteiligt. Es ist in Aussicht genommen, daß ein Renntnis nimmt, die von den gesamten Beträgen der geschuldeten Der Staat zog aus dieser ergiebigen Einnahmequelle feinen Biertel des Betriebstapitals deutsch sein wird. Bahlung gemacht wurden und die Deutschland auf die Fälligkeiten Nugen. Und Herr Poincaré jammert heute noch über das Die Verständigung soll während der bevorstehenden Reise vom 15. Auguft und 15. September gutzuschreiben sind. Die Kom- Defizit im franzöfifchen Staatshaushalt, während sich die deutscher Großzindustrieller in die zerstörten Gebiete perfett mission hat ferner beschlossen, die Schahzwechsel der belgischen Re. Schwerindustrie bereicherte. gierung zu übermitteln und Belgien mit den Nominalbeträger der industrie aus der Not des Volkes Gewinn 30g, indem sie Breife Man vergleiche damit. wie die deutsche SchwerWechsel per 15. Auguft und 15. September zu belasten und Deutsch land für diese Beträge zu erkennen. Der belgische Bevollmächtigte forderte, die noch stärker in die Höhe gesetzt sind als die Preise die Zahlung der Zinsen für sechs Monate für jeden Wechsel benachrichtigte die Reparationskommission, daß seine Regierung sich der fremden Devisen! Der Kapitalismus bleibt sich überall gleich.
werden.
Neue Dollarhausse.
Fraktionssitung im Landtag.
Den Betrag an Abgaben, den Frankreich aus der bis zum Ende Februar 1922 gelieferten Reparationstohle erlöst hat, berechnet Delaifi auf 1,1 milliarden Fran ten. Dieser fam den Verbrauchern englischer und amerika
In dem Maße, wie die Geldflüssigkeit zunimmt, beginnt der Einfuhrhandel seinen in den letzten, Wochen zurückgestellten Devisenbedarf zu decken. Da jedoch die eigentlichen Devisenbesiker, gesichert hate. besonders in der Industrie, mit ihren Beständen zurückhalten, ist das Angebot außerordentlich gering. Hierdurch entsteht eine ges wisse Einengung des Marktes, bei der naturgemäß die Kurse sehr Die erste gemeinschaftliche Fraktionssigung der Ver- nischer Kohle zugute, aber auch denen französsischer leicht in die Höhe gehen. Heute mittag erreichte der Dollar an einigten Sozialdemokratischen Partei des Landtages tagte Kohle, zu deren Verbilligung die Abgabe auf Reparationsder Berliner Börje bereits wieder eine Höhe von 1600-1625, heute um 12 Uhr. Die Fraktionsvorsitzenden Limberk und fohle ebenfalls herangezogen werden konnte, nachdem Anfang die Nachfrage nach ausländischen Zahlungsmitteln ist außerordent- Leid hielten Ansprachen, in denen sie ihrer Freude über die Januar 1922 infolge des Marksturzes die deutsche Kohle auf lich groß und dürfte auch noch geraume Zeit anhalten. Bereinigung Ausdrud gaben und die Hoffnung auf treues 25 Franken pro Tonne herunterging. Wörtlich schreibt Am Effettenmartte fetzt sich das lebhafte Geschäft der und gedeihliches Zusammenarbeiten aussprachen. Die Delaisi: letzten Tage weiter fort. Besonders gesucht sind Valuta. Fraktion beschäftigte sich sodann mit der Tagesordnung der papiere, Auslandsrenten, Inlandspapiere, bei denen größerer heutigen Plenarsizung und der Diätenfrage.