Nr. 15.
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Vorwärts
12. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Geschäftsreisende
und Hauhrer.
Freitag, den 18. Januar 1895.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
zopfigen Mittelstandsleuten wird man das gewiß nicht ver-| an kleinen Orten sei nicht sowohl in der Zunahme des denken. Man wird sie zu belehren suchen über die Wettbewerbs der Ha usirer, als darin zu suchen, daß Unabwendbarkeit ihres Schicksals, man wird sie für weite Kreise der Bevölkerung bei ihren Einkäufen und Bedie Partei zu zu gewinnen suchen, die aus dem stellungen sich nicht an den Gewerbetreibenden ihres WohnSeit einer längeren Reihe von Jahrzehnten leben wir unvermeidlich gewordenen Zusammenbruch des jetzigen ortes wendeten, sondern ihren Bedarf aus Waarenhäusern in Deutschland in einem merkwürdigen Uebergangsstadium, Wirthschaftssystems die Kulturgüter retten, die Volks- und Versandtgeschäften der großen Städte oder direkt von in einem fortwährenden Umwandlungsprozeß. Neue, groß- wirthschaft auf anderer, zweckmäßigerer Grundlage dem Produzenten bezögen. Dieser Geschäftsverkehr werde artigere Betriebsformen wachsen aus veralteten heraus; an organisiren will. Man wird diese Aufklärung und aber wesentlich durch Geschäftsreisende, sogenannte stelle des in enger Werkstatt betriebenen Handwerks tritt diese Propaganda versuchen, obgleich man weiß, daß Detailreisende", vermittelt, die sich nicht nur an Wiederdie vom Getöse der sausenden Räder erfüllte Fabrit, tritt die Erfolge bei dem noch selbständigen", noch besigenden" verkäufer, sondern auch direkt an das Publikum wendeten, die Großindustrie; an stelle der mit bescheidenen Mitteln in Mittelstande infolge seines Klasseninstinktes nur geringe sein um Aufträge zu erlangen.
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althergebrachter Weise betriebenen kleinstädtischen Laden- werden, daß der heute selbständige" Handwerksmeister, Hierdurch werde den seßhaften Gewerbetreibenden eine geschäfte tritt der kapitalkräftige Großhandel, der riesenhafte der seinem Einkommen nach wirthschaftlich schon längst ein sehr empfindliche Konkurrenz gemacht, da die großen GeBazare und Versandtgeschäfte errichtet, tritt der unternehmende Proletarier ist, den Gang der Weltgeschichte erst dann schäfte, für die die Reisenden thätig sind, meistens billiger Kaufmann, der, um ein Geschäft zu machen, seine Waaren begreifen lernen, erst dann auch proletarisch liefern folglich Erschwerung dieses Geschäftsdem Publikum durch angestellte Reisende darbieten läßt und denken wird, wenn er vor dem Fabrikthore steht und um betriebes zu gunsten der Seßhaften. die eingelaufenen Bestellungen dann mit Benutzung der Post Arbeit bittet. oder eigener, die umliegenden Ortschaften befahrenden Fuhrwerke erledigt.
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Die Handlungsreisenden, die Privatkundschaft besuchen, Daß aber auch eine hohe, weitsehende, aus gelehrten werden für Hausirer erklärt, bedürfen wie diese eines Männern zusammengesetzte Regierung sich in den engen Erlaubnißscheins, der aus allen möglichen Gründen Dazu kommt die Gesammtheit der ungünstigen Erwerbs- Gedankenkreisen dieses untergehenden Mittelstandes bewegt; verweigert werden kann, können höher besteuert werden, wie verhältnisse, wie sie sich aus der Ueberproduktion, den Absatz- daß sie das tastende Greifen des Ertrinkenden nach dem andere Gewerbetreibende, müssen nach demselben Gesetzstockungen, der dadurch hervorgerufenen Arbeitslosig- Strohhalm in ein System von Gesetzesparagraphen bringt und entwurfe mindestens 25 Jahr alt sein, dürfen noch nicht feit weiter Volksschichten ergeben. Die Schwierig dadurch glaubt, die wirthschaftliche Entwicklung aufzuhalten mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gewesen sein, dürfen feit, unter diesen. Umständen noch ein genügendes zu können, das fönnen wir beim besten Willen nicht als eine Menge Waaren überhaupt nicht verkaufen 2c. 2c.- Einkommen zu erzielen, wächst ebenso, wie für einen genügenden Befähigungsnachweis" zum Regieren an alles, weil ihre Konkurrenz dem seßhaften Mittelstande, den den Arbeiter, so auch für den Kaufmann und Industriellen. erkennen. Oder ist es nur das menschlich ja auch begreif- Lauteren Konkurrenten" unbequem ist. Der Kampf um die Existenz verschärft sich. Alle Mittel liche ahnungsvolle Granen, von dem eine hohe deutsche Re- m Wie das Publikum dabei fährt? D, das zahlt eben werden angewandt, um sich über Wasser zu halten, um gierung gepackt werden mag, wenn sie das eben aus dem einfach den ansässigen Zünstlern die von diesen verlangten nicht von der Konkurrenz erdrückt zu werden. Je größer Untergang des Je größer Untergang des Kleingewerbes resultirende riesenhafte bedeutend höheren Preise, als sie ihm sonst von den das Kapital, je größer und vollkommener die Fabrik, je Wachsen des Proletariats und damit der Sozialdemo- Reisenden offerirt wurden. Heißt das nicht ausgleichende größer die Handelsunternehmung, je raffinirter die ange- tratie erblickt? Sört auch sie ihr Todtenglöcklein schon Gerechtigkeit?! wandten Mittel, je eher Aussicht und Hoffnung über das läuten? Fühlt auch sie sich schon als Ertrinkenden, der fleinere Kapital, den kleineren, unvollkommeneren Betrieb, das in altväterischer, langsamer, gemüthlicher Weise geleitete Geschäft zu triumphiren, bessere Waaren und billigere Preise stellen zu können und jenen den Kundenkreis mehr und mehr zu entreißen.
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nach dem Strohhalm greift?
Genug. Tout comprendre c'est tout pardonner. Wir begreifen es und wir verzeihen es, daß sich die Regierung mit den untergehenden Schichten der Gesellschaft solidarisch erklärt. Aber dies menschliche Mitempfinden soll uns doch nicht hindern an der Kritif.
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Natürlich wird das Gesetz, wenn es eingeführt werden sollte, auch nicht im allergeringsten den gewünschten Zweck erreichen. Dem kleinen Gewerbetreibenden wird von der unerwünschten Konkurrenz, die ihm der Detailreisende" beim Publikum macht, auch nicht der kleinste Bruchtheil verloren gehen. Dazu hat sich der Kampf um die Existenz denn doch schon zu sehr verschärft, der in allen Erwerbs= freisen tobt, ob Groß- ob Kleinindustrie, um auf solche kleinliche Mittel hin sofort zu verstummen.
Daß unter solchen Erwerbsverhältnissen, wie sie nun einmal bestehen und sich in der angedeuteten Richtung Schon vor wenigen Tagen besprachen wir das von der immer mehr verschärfen, die Lage jener, nur mit be- Regierung dem Reichstage vorgelegte Gesetz zur Bekämpfung scheidenen Mitteln, unvollkommenen Betriebseinrichtungen des" unlauteren Wettbewerbes", das den gekennzeichneten Unzufriedenheit und Erbitterung wird ausgerüsteten und unwirksam gewordenen Handelsmethoden an- fleinen, im Rückschreiten begriffenen Gewerbetreibenden allerlei das Gesetz in den betheiligten Kreisen der Reisenden genug wendenden Gewerbetreibenden außerordentlich schwer, vielfach Hoffnungen macht und nicht erfüllen wird. Und jetzt ist dem erzeugen; auch auf einigen Zugang zur Sozialdemos unhaltbar geworden ist; daß diese Erwerbstreise von der Reichstag wieder so ein Gesetz zugegangen, würdig des tratie hoffen wir bei dieser Gelegenheit; aber die Einmächtigeren Konkurrenz häufig erdrückt und ihre An- Bürgermeisters von Schilda. Es heißt Entwurf eines richtung des Detailreisenden", der unmittelbar mit dem gehörigen aus dem Kreise der selbständigen Unternehmer Gesezes, betreffend die Abänderung der Gewerbe- Ordnung", Publitum verkehrt, wird man dadurch nicht Ios in die Reihen des um Lohn arbeitenden Proletariats und enthält eine längere Reihe allerlei kleinlicher Maßregeln werden. Man wird die Reisenden den mancherlei hinaus gestoßen werden: wer wollte alles das leugnen und zum scheinbaren Nußen des Zunftbürgerthums. Beschränkungen unterwerfen, die schon jetzt für wer wollte es auch diesen, den wirthschaftlichen Zusammen- Die wesentlichsten dieser Waßregeln sind bedeutende Hausirer gelten. Die früher Detailreisende" bruch vor Augen sebenden Leuten verdenken, wenn sie sich ihrer Scherereien und Erschwerungen für Konsumvereine hießen, werden jegt offiziell ausirer" genannt. Das Haut zu wehren suchen so gut es geht, wenn sie auf Mittel und ferner die Erklärung der Handelsreisenden zu ist aber auch alles. Den Namen ist man los; die und Wege finnen, den oben skizzirten Gang der ökonomischen Hau sirern. Die Geschäftsreisenden sollen denselben Er- Sache ist geblieben. Entwickelung aufgehalten wenngleich in den Augen der schwerungen des Geschäftsbetriebes unterworfen werden, wie Lohnt es sich da wirklich, fortwährend an der GewerbeWissenden diese Mittel ganz unwirksam sind, das gewünschte sie im Interesse der ansässigen" Gewerbetreibenden vor Ordnung herumzuflicken, fortwährend dem Kleinbürgerthum Resultat zu schaffen und diese Wege nur zu nebelhaften etwa zehn Jahren für den Haufirhandel geschaffen neue Hoffnungen zu machen mit der sicheren Luftschlössern führen. Voraussicht, daß sich diese Hoffnungen nicht erfüllen Die ungünstige Lage der seßhaften Gewerbetreibenden werden? Schwätzer! murmelte René vor sich hin.
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Jenen kleinbürgerlichen, rückständigen, zünftlerischen,
dia dind
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Feuilleton.
[ Nachdruck verboten.]
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Im Exil. Roman von Georges Renard. Autorisirte Uebersetzung von Marie Kunert .
Ein beifälliges Gemurmel ging durch den Kreis. Harlebecke begann:
Glücklicherweise ist noch Besserung möglich. Wir zeigen Tag für Tag, wie man das Unbestimmte, das, was sich nicht in Worten ausdrücken läßt, sagen muß, wie man die scharfen Umrisse der Dinge mit dem Nebelschleier des fernen Hori zonts umhüllt.
worden sind.
Wer ist das? fragte René Cayrolaz, den er in eine Fensternische zog.
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nur langsam! D, der Bruder wird es noch lange treiben. Behalte seinen Namen gut, er heißt Alexis Koreff. Wieder ein Ausländer!
Nur sehr wenig! Koreff, geborener Dumont aus Batignolles bei Paris , von einemi französischen Vater und einer russischen Mutter, deren Namen er angenommen hat. Uebrigens gehört es zum guten Ton, ausländisch auszusehen.
Doch das Gespräch wurde jetzt durch den Eintritt eines hochgewachsenen, mißmüthig dreinschauenden jungen Mannes unterbrochen. Sein Gesicht, sein Bart und sein Ueberrock waren lang, die Gesichtsfarbe bleich, der Bart schwarz, der Ueberrock schwarz. So sah er aus, wie die personifizirte Trauer. Unwillkürlich spähte man nach den Spuren silberner Thränen auf seinem Anzug. Jedenfalls mußte der junge Mann eine bedeutende Persönlichkeit sein, denn jeder stürzte ihm Inzwischen war Aleris Koreff schon mitten im Zuge, entgegen, und Frau Désaubiers selbst erhob sich halb, um die unergründlichen Tiefen der slavischen Seele, vor allem ihm die Hand zu reichen. der seinigen zu offenbaren. Er schilderte die Einsamkeit, die sein Inneres fahl und unermeßlich wie die Steppen, düster und öde wie das Nichts erfüllte. Er sprach davon, D! der, antwortete Cayrolaz, der ist sehr stark! wie er in einen unendlichen Gram verfänke, der gleich einem Er ist wie soll ich sagen?-- ein Transformist, ein uferlosen. Meere ihn auf aschgrauen Wogen von dannen Vielgestaltiger. Er gehört stets der Richtung an, die gerade trage. Außerdem kündigte er an, daß er den Ueberfluß Es ist sehr schade, rief Hansen, daß die Sprache so Mode ist. Zuerst war er der Wüthendste unter den Realisten. seiner Verzweiflung in einem dreihundert Seiten langen schwerfällig ist. Darum habe ich es mir zur Aufgabe ge- Er hing sich an Bola's Rockschöße, um mit ihm in Bekenntniß ausströmen würde, das den Titel: Nieder macht, sie zu bändigen, sie zu brechen! Kann man denn die Höhe zu kommen. Heute ist er Mystiker und Decadent. mit dem Leben! führen sollte. diese Sabbildungen in ihrer albernen Einförmigkeit noch Er geht mit der aufgehenden Sonne. Morgen dreht sich dulden; Säße, in denen das Subjekt immer vor dem Wort die Sonne, und der Karren wird nach allen Regeln zum einhertrabt wie ein Zeremonienmeister vor einem Fürsten? Idealismus zurückgeschoben. Dann wirst Du ihn als be Und dazu immer dieselben abgenügten, unsauberen Worte, geisterten Jdealisten, als Apostel und Propheten der neuen unsauber, weil jeder Mund sie braucht! Hier muß man Lehre wiederfinden. Du siehst, die ganze Tonleiter, reformiren, wenn man etwas Neues schaffen will. Ach, mein Lieber. Die Ueberzeugungen werden gewechselt, so meine Herren, wie unendlich schweigsam, geschmeidig wie oft es verlangt wird. Nur eine einzige hat er nie ge- Alexis Koreff richtete einen erstaunten Blick auf den eine Schlange ist doch die deutsche Sprache! Und sie besitzt ändert, das ist die, daß seine Person es verdient, Kühnen, der ihm diese Frage gestellt hatte, klemmte sein die bewunderungswürdige Eigenschaft, alle Worte, deren die ganze Welt zu beschäftigen. Man muß ihn sehen, wie Monocle ins Auge, um ihn besser zu sehen und ließ ihm sie bedarf, zu annektiren, umzuschmieden! Das ist nöthig, er es versteht, sein kleines geliebtes Jch immer wieder zu dann tropfenweis widerwillig aber ruhig seine Antwort um die Kunst des Schreibens zu erleichtern. zukommen: Hansen setzte nunmehr seine Theorie mit der un erschütterlichen Sicherheit und Unfehlbarkeit eines Papstes
auseinander.
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verkaufen, es in Stücke zu zerschneiden und mit allen möglichen Saucen zu serviren; es stets von neuem zu zeigen, umzuwenden und auszubreiten! Er leidet an Hypertrophie, an Ichsucht. An dieser Krankheit stirbt man jedoch
Einwand.
René, den dieser Pseudo- Russe reizte, wagte einen Aber fürchten Sie nicht, sagte er, daß diese Literatur nach Chateaubriand, Benjamin Constant , Musset und einem Dugend anderer nicht etwas verbraucht und banal geworden ist?
Mein Pessimismus ist so bitter, daß er jeder Konfurrenz spottet, mein Herr. Ich predige den Selbstmord der ganzen Welt. Ich verfluche das Leben im Menschen,