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Nr. 6+ 40. Jahrgang Ausgabe A nr. 3

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Freitag, den 5. Januar 1923

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Die Pariser Konferenz gescheitert!

Paris , 4. Januar, 7 Uhr abends.( WTB.) Die Kon­ferenz ist beendet. Die englischen Delegierten verlassen morgen früh Paris .

Paris , 4. Januar. ( Havas.) Poincaré und Bonar Law gaben nach der Nachmittagspause Erklärungen ab, welche die Unstimmigkeit in der Reparationsfrage feststellten. Die englische Delegation wird morgen früh, die belgische morgen abend abreisen. Morgen finden zwischen der franzöfifchen, italienischen und belgischen Delegation noch Besprechungen ftatt.

Erklärung der deutschen Regierung.

Berlin , 4. Januar. ( WTB.)( 2 mtlich.) Nach den heute hier eingetroffenen Nachrichten ist die Pariser Konferenz ergebnislos verlaufen. Es hat sich herausgestellt, daß die auf der Konferenz vertretenen Mächte nicht einmal dem englischen Reparationsplan, der eine Gesamtschuld Deutschlands mit einem Gegenwartswert von nahezu vierzig Milliarden Goldmark vorsah, eine Summe, die die Leistungsfähigkeit Deutsch­ lands bei weitem überschriften hätte, ihre Zustimmung erteilen wollten.

land erlauben würde, sich zum Nachteil der zerstörten Länder zu erheben. Poincaré habe diese Auffassung gestern nachmittag flar ausgesprochen.

Ueber dem unbesetzten Mannheim freuzten Donnerstag früh längere Zeit französische Kriegsflugzeuge.

Bonar Laws Bemühungen.

Paris , 4. Januar. ( WTB.) Bonar Law sagte nach her Morgenpreffe in der Rede, die er gestern auf der Konferenz hielt: Die wahre Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Eng land ist eine sachliche. Wenn ich glaubte, der französische Blan fönnte Geld einbringen, würde ich ihn sofort annehmen, da es unser Ziel ist, aus einem schlechten Geschäft so viel wie mög lich herauszuschlagen. Weiter erklärte er: Wenn Deutschland seine Verpflichtungen nicht erfüllen würde, wäre England bereit, die strengsten Sanftionen zu ergreifen. Das bei der Bant von England deponierte französische Gold befinde sich schon in Ame. rifa. Frankreich könne es wiedererhalten, wenn es seine Schulden bei den Alliierten bezahle. Man dürfe sich

feine Illufionen über die Realität der Meinungsverschieden­heit unter den Alliierten

Die Konferenz ist nicht nur in Deutschland , fondern von den Einsichtigen aller Länder begrüßt worden in der Hoffnung, daß Englands Einspruch keiner Erörterung wert. endlich, vier Jahre nach Beendigung des Krieges, das Reparations­Paris, 4. Januar, 5 Uhr nachm.( WIB.) Die Konferenz- problem eine ausführbare Lösung finden und daß verhandlungen sind zurzeit auf eine Stunde unterbrochen. Sie soll Deutschland wie ganz Europa aus dem wirtschaftlichen Chaos, in um 26 Uhr wieder aufgenommen werden. Zu Beginn der heu- das es durch eine politische Behandlung dieses rein wirtschaftlichen figen Nachmittagsfihung( 2 Uhr) verlas Marchese della Torretta die Themas gestürzt worden ist, herausgebracht werden könnte. Diese neuen italienischen Vorschläge, die nach Havas dem fran- Hoffnung ist nicht erfüllt. Die deutsche Regierung hat in zösischen Plan sehr nahe kommen und sich vor allem dem Gedanken ernsten Besprechungen mit maßgebenden Faktoren der deutschen der Beschlagnahme von Pfändern als Gegenleistung für das Mo- Wirtschaft eine eingehende Untersuchung über die wirtschaftliche machen; die betreffe den Betrag der deutschen Schuld und die ratorium anschließen. Wie Havas weiter berichtet, hat dann Leistungsfähigkeit Deutschlands angestellt und das Art der Einziehung. Hinsichtlich des zweiten Bunftes verkenne Poincaré die gestern von Bonar Law erhobenen Einwände beant. Ergebnis in Vorschlägen, die bis an die äußerste Grenze dieser so der französische Blan, daß die einzige Art, sich sofort bedeutende wortet. Im Anschluß daran verlangte der englische Premier- festgestellten Leistungsfähigkeit gingen, niedergelegt. Sie hat an die Bahlungen zu verschaffen, darin bestehe, den Kredit Deutschlands wieder zu heben. Die wirtschaftlichen Pfänder machten die Wieder­minister die Erörterung einer note, die er am frühen Nachmittag Konferenz das Ersuchen gerichtet, dieje Borschläge entgegenzuneh- aufrichtung dieses Kredites unmöglich. Die Hand auf das Ruhr­ gebiet zu legen, heiße die Lebensader Deutschlands bedrohen. der Konferenz übergeben hat und in der die gestern von Poincaré men und durch einen Beauftragten erläutern zu lassen. Deutschland ist nicht gehört worden, obwohl Andererseits würden die 3ahlungen, die Frankreich während an dem englischen Plan geübte Kritik beantwortet wird. Der fran es nach dem Friedensvertrag einen Anspruch der Moratoriumsdauer verlange, die Stabilisierung der Mark 3ösische Ministerpräsident erklärte, daß er fie zur Kenntnis ge­nommen habe, daß es ihm genüge, festzustellen, daß dieses Do- darauf hat. Seine Vorschläge find in Paris nicht einmal ent- unmöglich machen. Limes" meldet: Bonar Law sagte u. a., es habe fument den Grundfah der Pfänderbeschlagnahme, den die franzö- gegengenommen worden, während auf der unter dem Borsitz Bonar feinen Zwed, einen unausführbaren Plan aufzustellen, fische Regierung für unerläßlich halte, ablehne, und daß es ihm Cars tagenden Londoner Konferenz die deutschen Vorschläge wenig­es werde besser sein, einen zeitweiligen Plan anzunehmen. Der daher unmöglich scheine, in die von Bonar Law verlangte Er- fiens in Empfang genommen und geprüft worden fino. Die deutsche Regierung hat angesichts der Ablehnung, die in britische Plan mürde die Mark binnen 6 Monaten stabilisieren. Der örterung einzutreten. Indeffen wurde auf Drängen der englischen Paris schon der englische Reparationsplan gefunden hat, davon französische Plan wolle Pfänder nehmen, bis Deutschland die not­Delegation und der belgischen Vertreter vereinbart, daß jede der Delegationen für fich den englischen Entwurf und die italienischen abgesehen, ihre Vorschläge, die unter diesen Umständen teine Aus- wendigen Anleihen ausgegeben habe, was aber gerade durch die Ergreifung der Pfänder unmöglich gemacht werden Pläne einer Prüfung unterziehen solle und daß nach einer Stunde ficht auf Berücksichtigung haben konnten, der Konferenz unaufge- würde. Schließlich sagte Bonar Law , ein deutscher industrieller fordert zur Kenntnis zu bringen. Troß dieser neuen Ent- 3ufammenbruch fönne nicht vor Borteil sein für die Länder, die Konferenzverhandlungen wieder aufgenommen werden sollen. täuschung hält die Regierung an der Ueberzeugung fest, daß nur die eine Entschädigung von Deutschland erwarten. Die belgische, franzöfifche und italienische Delegation zogen sich dar- eine vernünftige und für Deutschland tragbare Löfung der Repara­auf, jede in einen besonderen Raum, zurüd, um die gewünschte fionsfrage Europa vor dem fonft unvermeidlichen Ruin bewahren rasche Ueberprüfung vorzunehmen, während die englische Dele­gafion fich in ihren Gasthof begab.

Italien gegen England.

Paris , 4. Januar, 24 Uhr nachm.( WTB.) Die drifte Bollihung der Konferenz hat einige Minuten nach 3 Uhr begonnen. Die Agence Havas verbreitet unter allem Vorbehalt das Gerücht, die italienische Delegation werde sich gegen den bri­fischen Vorschlag ausfprechen. Man versichere, daß in diesem Falle die britische Delegation heute abend Paris verlassen würde.

Die Schlußreden.

tann. Sie wird sich von dem Wege, wie er durch die Note vom 14. november und die darauf folgenden Er­tlärungen vorgezeichnet, und wie er vom Reichstag gebilligt worden ist, nicht abdrängen lassen.

Die Debatte Bonar Law / Poincaré .

Opposition in England.

Condon, 4. Januar. ( WTB.) In einem Leitartikel wirft Daily Mail" Bonar Lam vor, er habe die Entente gefährdet und den Deutschen in die Hände gespielt. Die Deutschen hätten end­lich das Ziel erreicht, nach dem sie seit dem Waffenstillstand gestrebt hätten. Dem Anscheine nach hätten sie jedenfalls Groß­ britannien und Frankreich getrennt. Das Blatt bezweifelt, ob Bo­nar Laws Vorgehen in Paris von der Mehrheit seiner Anhänger im Unterhaus gutgeheißen werden würde.

Paris , 4. Januar. ( EE.) In der Nachmittagssigung antwortete Bonar Law auf die Kritik Poincarés an dem englischen Blan. Die Pariser Konferenz ist gesprengt. Sie hat nicht nur Er stellte besonders fest, daß die Alliierten zu unrecht sich darüber beklagten, daß sie bei Durchführung der englischen Pläne zu geringe nicht die erhoffte Endlösung" gebracht, sondern auch nicht Zahlungen von Deutschland erhielten, besonders dadurch, daß fie einmal ein Provisorium, das über die Schwierigkeiten der schlechter behandelt würden als England selbst, wenn deffen Pläne nächsten Monate hinweghilft. Deutschland hat um Zahlungs­Paris, 4. Januar. ( Havas amtlich.) Bonar Law hat in der ausgeführt würden. Bielmehr sei es richtig, daß Großbritannien aufschub ersucht, die Reparationskommission, unfähig, fich über Schlußfizung der Konferen folgende Erklärung abgegeben: Die te- von Deutschland weniger erhalten würde, als es selbst Amerita dessen Bedingungen zu einigen, hat der Konferenz der Mini­gierung Seiner Majestät ist, nachdem sie die französischen Vor- schulde. Diese Behauptung wollte Poincaré nicht bestreiten. sterpräsidenten den Bortritt gelassen, die nun gleichfalls, ohne schläge mit größter Aufmerksamkeit geprüft hat, zu der Ueber. Es fei richtig, daß England an Amerita mehr zu bezahlen habe, als ein Ergebnis erzielt zu haben, auseinandergegangen ist. Die zeugung gekommen, daß diese Borschläge, wenn sie zur Ausführung es selbst von Deutschland erhalten solle. Man dürfe jedoch nicht ver- nächste Rate der deutschen Zahlungen wird am 15. Januar gebracht werden, nicht nur nicht die Ergebnisse zeitigen werden, gessen, in welcher finanziellen Lage sich Frankreich und in welch fällig und soll Frankreich zufallen. die sie erreichen sollten, sondern wahrscheinlich ernste und fogar anderer England sich befände und daß Frankreich zweifellos größere unheilvolle Folgen für die wirtschaftliche Lage Europas Opfer zugemutet würden als England. nach sich ziehen werden. Unter diesen Umständen tann sich die britische Regierung diesen Borschlägen weder anschließen noch eine Verantwortung für sie übernehmen. Die Regierung Seiner Majestät will gleichzeitig der Regierung der Französischen Paris , 4. Januar. ( WTB.) Ueber die Verhandlungen im Republik versichern, daß sie die unversöhnliche Meinungs­verschiedenheit in einer so ernsten Angelegenheit außer ersten Teil der heutigen Konferenz berichtet Havas noch: Der ita­ordnentlich bedauert, daß aber dadurch die freundschaftlichen Ge- lienische Delegierte Marquis della Torretta fritisierte furg den bri. fühle nicht nur der britischen Regierung, sondern nach ihrer Ueber. iifchen Plan und hob besonders hervor, daß die Solidarität zeugung auch des britischen Voltes gegenüber der französischen der ehemals feindlichen Mächte durch die Vorschläge Bonar Laws Regierung und dem französischen Volk unverändert bleiben. entgegen den Versailler Bestimmungen gebrochen worden sei. Ministerpräsident Poincaré gab hierauf die folgende Er- Italien könne auf diese Weise von Desterreich und Ungarn flärung ab: Die Regierung der Französischen Republik hat die feine Zahlungen verlangen und habe geglaubt, als Rompen britischen Vor'chläge sehr aufmerksam und sehr eingehend geprüft. fation einen Anteil an der deutschen Zahlung beanspruchen Je mehr sie sie studiert hat, desto mehr mußte sie erkennen, daß zu können, die aber der britische Plan beträchtlich herabsehen wolle. Bahn frei für Neubesetzung?

fie mit ihrer wesentlichen Herabfeßung der französischen Forde. rung eine Umgestaltung des Friedensvertrages

Bonar Law fandte um 2 Uhr ein Flugzeug mit einem De­legierten an Bord nach London , um eine dringliche Meldung über­bringen zu lassen.

Einstweilen, solange der Bertrag von Versailles noch gilt, steht die Sache in rechtlicher Hinsicht folgendermaßen: Deutsch­ land hat nicht mit einzelnen Mächten, auch nicht mit der Ge samtheit der allierten und assoziierten Regierungen", sondern nur mit der Reparationstommission zu tun, der durch den Vertrag die Vollmacht zur Gewährung oder zur Verweigerung von Zahlungsaufschüben übertragen ift. Deutschland hat wie der Beklagte Anspruch auf ein Urteil hat ein Recht auf eine Entscheidung der Reparations tommission.

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Die Reparationsfommission fann mit Stimmenmehrheit Bahlungen von Deutschland verlangen, die Deutschland nicht leisten fann. Würde sie aber aus einer solchen Nichtleistung eine vorfägliche Berfehlung Deutschlands kon= struieren wollen, so würde sie sich mit den Tatsachen und mit sich selbst in Widerspruch segen. Denn nicht nur waren die ftruieren wollen, so würde sie sich mit den Tatsachen und mit internationalen Sachverständigen, war schließlich auch die sonst in allem uneinige Pariser Konferenz einig in der Ueber. von Bersailles nach sich ziehen, und es ihr unmöglich wäre, Paris , 4. Januar. ( WTB.) Nach Erkundigungen der Agence zeugung Don der augenblicklichen Zahlungsunfähigkeit berartige Lösungen anzunehmen. Die Regierung der Franzöfifchen Havas bei den verschiedenen Delegationen scheint ein Ausgleich der Deutschlands auch die Reparationsfommission selbst hatte Republik bedauert es lebhaft, daß sie sich über diese ernsten Franen britischen und der französischen Ansichten für die franzöfifche Re im Jahre 1922 diese Zahlungsunfähigkeit anerkannt und ihr mit der britischen Regierung nicht hat verständigen fönnen. Sie gierung unmöglich zu sein. Die französische Regierung habe Rechnung getragen. Die Reparationstommission fann also dankt aber der britischen Regierung für ihre freundschaftlichen Er- ihren Willen zu einem solchen Ausgleich zum Ausdrud gebracht und formell einen unmöglichen Beschluß fassen, aber für ſeine flärungen und kann ihr die Versicherung geben, daß troß diefer fämtlichen Alliierten vorgeschlagen, sich ausschließlich an wirt- Richtausführung Deutschland verantwortlich machen, hieße der Meinungsverschiedenheiten die Gefühle der Regierung der Fran- fchaftliche Pfänder zu halten. Der Verzicht auf militä Gerechtigkeit ins Gesicht schlagen. zösischen Republik und des französischen Boltes gegenüber England rische Zwangsmaßnahmen wäre Frankreichs äußerstes Zus Erst muß die Reparationsfommission das Moratorium unverändert herzlich bleiben werden. geständnis. Frankreich werde teinen Plan zulaffen, der Deutsch abgelehnt haben, muß Deutschland den am 15. Januar fälli­

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