Abendausgabe
Nr. 4740. Jahrgang Ausgabe B Nr. 24
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Vorwärts=
Berliner Volksblatt
29. Januar 1923
Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr
Gegen die Lüge.
Erklärung der Arbeiter- Internationale gegen die Ruhrbesehung.
fich
So tam es und so fing es an: die Nationalsozialisten unter Hitlers glorreicher Führung, eine jugendliche Garde, die von überzeugt fein mag, daß fie der Welt großen Nugen bringe, mollte ein Fe st feiern. Zunächst sollte die" Het schon am Die Erefutiofomitees des Internationalen Geheimen Pläne des Militarismus und Imperialismus zu der 20. Januar steigen. Man hatte sie indessen vertagt. Und nun werkschaftsbundes( Amsterdam ), der zweiten In eiteln und so zur Aufrechterhaltung des Friedens beizu- ging fie am legten Sonntag vonftatten. Mit Hilfe der Roßternationale( London ) und der Internationalen tragen. bach, Graefe, Bulle und anderer norddeutschen Bayern wollie Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Par. Sie warnen die Arbeiter aller Länder vor der Ver- man dem Fest der Fahnenmeihe" einen besonderen Rahmen teien( Wien ) find am 26. und 27. Januar 1923 in Amsterdam giftung durch die Lügen der bürgerlichen Presse, die verschaffen. Deshalb die Versuche, aus Norddeutschland zusammengetreten, um die durch die militärische Besetzung des ebenso wie im Kriege bereits wieder begonnen hat in allen Gummitnüppelgardisten und sonstige zweifelhafte Ruhrgebiets geschaffene tragische Lage zu prüfen. Ländern, von allem aber in Deutschland und Frankreich , die Gestalten mittels Ertrazügen nach München zu schafgrößten Ungeheuerlichkeiten zu verbreiten, um die Völker fen. Die Lefer wissen, daß einige dieser sonderbaren Züge abgegeneinander zu heben. gefangen wurden. Man mußte sich in München also ohne sie behelfen.
In Uebereinstimmung mit den früher in Frankfurt ( Februar 1922) und Amsterdam ( Juli 1922) angenommenen und vom Weltfriedenstongreß im Haag im Dezember letzten Jahres feierlich bestätigten Refolutionen verurteilen sie auf bas entschiedenste die militärische Besetzung des Ruhrgebiets und die Anwendung von Zwangs- und Gewaltmethoden in der Lösung der Reparationsfrage.
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Sie fonstatieren, daß die Besetzung des Ruhrgebiets, die unter dem Bormande des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete erfolgt, in Wirklichkeit aber diesen Wiederaufbau nur erschwert und hinausschiebt nur einen Teil bildet des großen Kampfes der verschiedene Gruppen der großfapi talistischen Schwerindustrie Deutschlands und Frankreichs um den dauernden Besitz der wichtigen Kohlenund Eisenzentren. Die Arbeiterklasse ist heute ebenso wie im Kriege das Opfer dieser tapitalistischen Profitgier, ihr Interesse einzig die Bekämpfung der großkapitalistischen Absichten und die Herbeiführung eines wahren Friedens. Sie bekräftigen neuerdings ihren Willen, durch Zusam menfassung aller Kräfte und in internationaler 3 usam menarbeit aller Bölfer am wirtschaftlichen Wie deraufbau Europas mitzuwirken. Die gerechtfertigten, unbedingt notwendigen und in den Grenzen des Mög lichen an Frankreich und Belgien für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Gebiete zu leistenden Wiedergutmachungen find ein wichtiges Element dieses Wiederaufbaus.
Sie machen die Arbeiterklasse und die gesamte Deffent lichkeit aufmerksam auf
• die verheerenden Folgen der militärischen Besetzung des Ruhrgebiets, auf das unmögliche Regime, dem die friedliche Arbeiterbevölkerung jetzt unterworfen wird, auf die daraus entstehen den ernſten und blutigen Ronflikte und endlich auf die Tatden ernsten und blutigen Konflikte und endlich auf die Tat sache, daß sie den Reim zu neuen Kriegen in sich bergen.
Sie stellen dieser Politit der Gewalt eine Friedens. und Verständigungspolitit entgegen, die auf dem gemeinsamen Interesse des arbeitenden Bolfes beruht. Sie beschließen:
1. Die Propaganda diefer Grundfäße in allen Ländern auf dem Wege der Presse, der Bersammlungen und Demonftrafionen zu verffärfen.
Insbesondere weisen sie auf
die Lüge der Regierungen
PP
Es wäre übertrieben, wenn man annehmen wollte, daß die Sturmtrupps der Hitler- Ludendorff für sich allein imhin, die behaupten, daß fie nur gegen die deutschen Rapi- ftande wären, ein ungeheures Interesse in Deutschland zu ertalisten vorgehen, während doch die ersten Opfer ihrer weden. Nur die schweigende, aber wohlwollende Aktion die deutschen Arbeiter sind, deren gemerffchaftliche Unterstügung, die ihnen jetzt schon seit langem von den und sozialistische Organisationen die Pflicht Deutschlands , im Organen der bayerischen Rechtsregierung zuteil geworRahmen des Möglichen Wiedergutmachungen zu leisten, anden, und die Aufbauschung ihrer Tätigkeit durch die Münchener erkannt haben und auch heute anerkennen und so der rechtsorientierte Presse hat ihnen den Schein einer größeren Demokratie die sicherste Garantie für die Herbeiführung eines Bedeutung verliehen, als fie aus sich selbst heraus gewonnen wahren Friedens gaben. haben würden. Die bayerische Arbeiterschaft sieht allerdings mit wachsendem Zorn den Mißbrauch, den die Nationalsozialisten mit dem Namen einer Arbeiterpartei" treiben, und ist empört über die Toleranz, mit der die bayerischen Behörden dem Raufkomment der Hitlergarden zuschauen. Des wegen rief die Bereinigte Sozialdemokratische Partei Münchens zu Gegenfundgebungen auf. Die Folge war die Verhängung des Ausnahmezustandes über ganz Bayern . Man muß noch einmal die Begründung für die Berhängung des Belagerungszustandes lesen, um die ganze Boffenhaftigkeit des weiteren Berlaufes der Dinge verstehen zu fönnen. Es fei jetzt, so hieß es, nicht Zeit zu politischen Auseinandersetzungen, durch welche die Gefahr von 3ufam= menstoßen unter Deutschen heraufbeschworen werde: „ Den Führern der„ Nationalsozialistischen Arbeiterpartei" wurde eröffnet, daß unter diesen Umständen anläßlich ihres Barteitages Beranstaltungen und Festlichkeiten unter freiem Himmel nicht zugelassen werden. Sie lehnten die Beachtung dieser Anordnungen ab und drohten, daß der staatlichen Gewalt Gewalt
Sie stellen fest, daß die sozialistischen und gewertschaft lichen Organisationen von Frankreich und Belgien nachbrücklich und flar in den Parlamenten, in öffentlichen Versamm lungen und in der Presse gegen die den Frieden gefährdende Politit ihrer Regierung protestiert und alles getan haben, was angesichts der Spaltung in der Arbeiterbewegung und der jezigen Macht des siegestruntenen Kapitalismus möglich ist, um die Massen zu entschiedenerem Auftreten zu veranlaffen. Sie erklären, daß es ihre Pflicht ist, diese Bestrebungen mit aller Energie fortzufeßen.
Im Intereffe diefer Friedensgarantie, um das Reparationsproblem auf dem Wege friedlicher Verhandlungen zu lösen und einer weiteren Berrüttung der europäischen Wirt schaft entgegenzumirfen, wird das Weltproletariat, insbeson dere aber das französische und belgische Proletariat, aufgefordert, fich für den
fofortigen Rüdzug aller Offupationstruppen aus dem Ruhrgebiet
einzusehen, während gleichzeitig die deutsche Arbeitertlaffe aufgefordert wird, die deutsche Regierung und die deutschen Kapitaliſten zu zwingen, die Deutschland obliegenden Reparationen im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit zu erfüllen. Die Komitees der internationalen Organisationen stellen fich den nationalen Organisationen zur Verfügung, um den Beranstaltungen in den einzelnen Ländern einen internationalen Charakter zu geben.
Der Niederländische Gewerkschaftsbund in Amsterdam hat im 2. Den ständigen Austausch genauer und zuverläffiger Jafor- Susammenhang mit der Lage im Ruhrgebiet einen Brief mationen über die Lage in den verschiedenen Ländern zu organisieren, an das Sekretariat des Bölkerbundes gesandt, in dem die um die Bande des gegenfeifigen Bertrauens, welche die proletarischen Ansicht ausgesprochen wird, daß die Lage im Ruhrgebiet Maffen der verschiedenen Länder miteinander verbinden sollen, aufrechtzuerhalten und zu stärken.
3. In allen Parlamenten auf die Regierungen einen Drud auszuüben, um fie dazu zu bringen, daß der Bölkerbund angerufen wird, in den vor allem Deutschland mit den gleichen Rechten wie die anderen Nationen aufgenommen werden muß.
Sie lenten die Aufmerksamkeit der Arbeiter speziell auf die wachsenden Kriegsgefahren und fordern sie auf, alle ihre Kräfte einzusehen, um die offenen und ge
Ausdehnung der Besetzung.
Paris , 29. Januar. ( ED.) Die Chicago Tribune" behauptet, eine weitere Ausdehnung der Befaßungszone sei unter Umständen in Aussicht genommen; denn die gegenwärtigen Stellungen der franzöfifchen Truppen feien un praktisch und gestatteten feine völlige kontrolle des Ruhrgebietes. Eine Errichtung von Zollschranken an den Punkten, wo die Besahungstruppen gegenwärtig ftehen, würde Schwierigkeiten hervorrufen. Infolgedeffen wäre es möglich, daß die Franzosen Wesel, Hamm , Hagen , Barmen und Elberfeld besetzten.
Strengere Maßnahmen.
entgegengesetzt werde. Damit hat die„ Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei den gefehmäßigen Boden verlassen und der verfaffungsmäßigen Regierung den Kampf angefagt."
Aus den Mitteilungen, die der neue Generalstaatskom miffar" der Bresse machte, geht hervor, daß Hitler selbst dem Polizeipräsidenten, der ihm von dem Berbot der Ber fammlungen unter freiem Himmel Kenntnis gab, mit ge. maltsamem Widerstand gedroht hat. Der Polizeipräsident, der jegt in München die ehrenvolle Rolle des Staatstommissars zu spielen hat, ließ nun nicht etwa den ,, maßlos erregten" Hitler megen Bedrohung und Nötigungsversuch von der Stelle weg verhaften, sondern lud denselben Hitler ein, ins Ministerium zu gehen und mit dem geeignet sei, bas industrielle Leben in ganz Westeuropa zu lähmen, Innenminister eine„ Berständigung" zu suchen. Diesem freundda die Arbeiter fich meigern, unter der Bedrohung von Waffen zu schaftlichen Winte folgte allerdings Hitler nicht, sondern schickte arbeiten. Es bestehe unzweifelhaft die Gefahr eines Krieges, zwei seiner Gehilfen, die mun ihrerseits den Minister zur wie sie in Artikel 11 der Bölterbundsatzung erwähnt ist. Der Niederländische Gewerkschaftsbund sei infolgedessen der Ansicht, daß alle Maßnahmen getroffen werden sollten, um das Ziel des Bölferbundes au verwirklichen und den allgemeinen Frieden zu erhalten.- Eine Abschrift dieser Mitteilung ist an das Internationale Arbeitsbureau in Genf und an das niederländische Minifterium überfandt worden mit der Bitte um Unterstügung.
tungen zu treffen feien, um die Zugänge abzuschließen. In Erwar tung dieses Augenblids macht die französisch- belgische Einrichtung geduldig und ohne Lärm jeden Tag weitere Fortschritte.
Steigende Verkehrsschwierigkeiten.
Köln , 29. Januar. ( Mtb.) Die Stillegung des Verkehrs auf einzelnen ober- und niederrheinischen Strecken verursacht gewaltige Störungen im gesamten westdeutschen Eisenbahnbetrieb. Der Kölner Bahnhof war gestern und heute von unzähligen Reisenden belegt, die nicht weiterfahren und teilweise auch in der Nacht nicht unterfommen fonnten. Einzelne Züge werden auf Umwegen nach dem Ruhrgebiet geleitet. Der direkte Weg nach Duisburg- Ruhr ort- Oberhausen usw. ist gesperrt
Dollar 33 000!
Rede stellten" und erklärten, daß die nationalsozialistischen Rundgebungen unter allen Umständen stattfinden würden. Feiglinge würden nicht dabei sein...
Darauf schleunigster Ministerrat. Verhängung des Belagerungszustandes. Auf Grund dessen Berbot der sozialdemo tratischen Rundgebungen. Ebenso Verbot des fommunistischen Blattes. Und alle Welt harrte gespannt der Dinge, die am Sonntag fommen würden.
Doch was geschah? Die Staatstommissare des Belagerungszustandes verhandelten weiter mit den Leuten, die ihnen offene Gewalt angedroht hatten. Auf Grund des Belagerungszustandes erlaubten sie ihnen die Revolu tion zu fünfzig Prozent. Statt zwölf Versammlungen follten sie nur sechs abhalten dürfen. Umzüge wurden nicht gestattet. Tatsächlich haben am Sonnabend die zwölf Berfammlungen an Stelle der erlaubten sechs stattgefunden. Tatfächlich haben am Sonnabend tro Verbotes die Nationalsozialisten sich in geschlossenen Zügen auch innerhalb der Bannmeile des Landtages gröhlend durch die Straßen bewegt und wieder, wie vordem das Café Grunwald, so jetzt einige Fensterscheiben demoliert. Die Polizei griff nicht ein. Und am Sonntag fonnte die Bannerweihe der Hafenfreuzler ungestört vonstatten gehen. Unter freiem Himme! Paris , 29. Januar. ( EE.) Havas stellt in einer Düffelselbstverständlich, trotzdem das besonders verboten dorfer Depesche die Lage im Ruhrgebiet folgendermaßen dar: Die Wann wird dem Treiben endlich Einhalt geboten? mar. Sämtliche Teilnehmer waren durch rote Armbinden mit offene Feindseligkeit der deutschen Regierung erfordert durch das interallierte Kommando eine neue Tattit. Es müssen Die Berliner Börse , die in den letzten Jahren manche stürmische Hafenkreuz geschmückt. Die Polizei des Belagerungszustandes ffrengere Zwangsmaßnahmen in Aussicht genommen Hauffe erlebt hatte, dürfte einen so strammen Anfturm wie heute sorgte dafür, daß der Umzug zum Festplatz ohne Störung werden. In kurzer Zeit müssen alle Maßnahmen für eine lang- mohl noch nie erlebt haben. Das Mißverhältnis zwischen vor sich ging, und auf dem Festplate selbst tonnte Hitler diese fristige Besahung getroffen werden. Die wirksamste Nachfrage und Angebot war so start, daß bei den meisten unglaubliche Ansprache halten, ohne gestört zu werden: " Deutschland hatte bis 1918 eine Flagge, heute haben wir Zwangsmaßnahme, die die Deutschen fürchten, bestehe darin, das Papieren des Großverkehrs variable Kutse faum notiert werden unbefehte Deutschland von der Kohlenzufuhr aus fonnten. Man mußte fich damit begnügen, Einheitsturse teine deutsche Flagge mehr. Deshalb müssen wir uns dem Ruhrgebiet gänzlich abzuschnüren. Infolgedessen werden festzustellen, daß ein Angebot vielfach gar nicht vorlag. Die Kurs felber ein Einnbild geben. Wir danken dem Schicksal, daß es im um das besetzte Gebiet zahlreiche Ueberwachungsschranken errichtet steigerungen sind naturgemäß dementsprechend groß. Es vollzieht November 1918 die alte Fahne einrollen ließ, so daß das, was werden, die im geeigneten Augenblid alle Türen verschließen und sich auf allen Märkten das Schauspiel einer Ratastrophen- uns das Heiligste war, nicht besudelt worden ist. Sie wird die alle Kohlentransporte in das unbefehte Deutschland verhindern hausse, wie sie selbst die Wiener Börse in solchem Ausmaße Flagge von Deutschlands Größe bleiben, während die, die man uns fönnen. In einem so verzweigten Gebiete mit so zahlreichen Elfen- taum gesehen hat. Besonders gesucht waren heute die westdeutschen gegeben hat, ein Zeichen fein wird von Deutschlands Schande, bahnlinien ist eine solche Organisation nicht von einem Tage zum an- Montanwerte, Balutapapiere und alle diejenigen Effeften, bei denen Deutschlands Ehrlosigkeit und Deutschlands Zusammenbruch...." Ein fomödienhafter Rütlischwur auf die Hakenkreuzs decen ins Leben zu rufen. Infolgedeffen fann es der Aufmertfam- Grubenbesig in Frage fommt. feit der Franzosen und Belgier nicht entgehen, daß noch Borbereifahne folgte. Und dann trat der bekannte deutschnationale
Am Devifenmarkt stieg der Dollar gegen Mittag auf 33 000!