Abendausgabe
Nr. 65 40. Jahrgang Ausgabe B Nr. 33
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Donnerstag
Vorwärts=
Berliner Volksblatt
8. Februar 1923
Berlag und Anzeigenabteilung
Geschäftszeit 9-5 Uhr
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Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands
Der Kohlenkrieg.
Entkommunalisierung?
Die Berliner Stadtverordnetenversammlung wird in ihrer heutigen Sigung auch mit den Stimmen der sozialdemo= fratischen Frattion voraussichtlich der Magistratsvorlage zustimmen, die eine Verpachtung der Berliner Paris , 8. Februar. ( EE.) Der Kammerausschuß für aus- 1 Hafenanlagen an die bekannte Speditionsfirma Schenker wärtige Angelegenheiten trat gestern unter Vorsig van Georges u. Co. auf fünfzig Jahre vorsieht. In der nächsten Woche Cengues zujaminen. Diefer war von den KommiffionsmitglieHolländische und schweizerische Proteste. werden wahrscheinlich bereits die Vorlagen über die Um= dern beauftragt worden, sich bei Poincaré über die Ereignisse im Condon, 8. Februar. ( WTB.) Morningpoft berichtet mandlung der großen städtischen Wersbe. Ruhrgebiet , die Zwischenfälle in Memel und die konferenz aus Düffeldorf, die Franzosen hätten Profefte von feiten der triebe( Gas, Wasser, Elektrizität und Straßenbahn) in Gevon Lausanne zu erfundigen. Er erstattete gestern Bericht über holländischen und schweizerischen Regierung er fellschaften mit beschränkter Haftung und reinstädtischem diefe Mission, worauf eine eingehende Debatte flattfand, an der u. a. halfen wegen der Wirkung der franzöfifchen Sperre auf den Trans- Kapital der Stadtverordnetenversammlung zugehen und ebenTardieu, Briand , Wetterlé, mandel und andere Kom- port von Kohle nach Holland und der Schweiz . Dies bedeute eine falls mit Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion ver miffionsmitglieder teilnahmen. Darauf wurde folgender Antrag fehr schwierige Frage für die Franzosen angesichts der Möglichkeit, abfchiedet werden. Diese Entscheidungen werden zweifellos Tardieus einstimmig angenommen: daß Kohlenzüge über Holland und die Schweiz nach dem unbe- über die Grenzen Berlins hinaus Beachtung finden, da sie von In der Gewißheit, daß die kommiffion ihrer Aufgabe entspricht, fehlen Deutschland geleitet werden könnten. Dadurch würde grundsäßlicher Bedeutung für die Entwicklung und den wenn sie von dem Ministerpräsidenten verlangt, ihr die zur der ganze 3wed der Blodade hinfällig werden. Ausbau städtischen Besizes mie für die Haltung der SozialAusübung ihres Mandats notwendigen Ausschlüsse zu erteilen, Bern , 8. Februar. ( Schweizerische Depeschenagentur .) Eine demokratie zu diefen so außerordentlich umstrittenen Fragen, dringt sie neuerlich darauf, daß der Ministerpräsident guffimme, Delegation der Regierung von Basel Stadt wurde gestern nach deren Bedeutung angesichts der Finanzlage aller deutschen Jobald wie möglich vor der Kammerfommission zu erscheinen. mittag von den Bundesräten Motta und Haab empfangen. Die Städte auf der Hand liegt. Lengues wurde beauftragt, Poincaré diefe Resolution vorzu- Delegation mies nachdrücklich auf die Schädigung der wirt legen. Briand fehte die Ernennung einer Unterfommission( haftlichen Intereffen Bafels durch die Borgänge im durch, die einen Fragebogen redigieren soll, den Leygues Rheingebiet und die damit zusammenhängende Lahmlegung des Poincaré im Laufe der Begegnung vorzulegen hat. Auf diese Bahnverkehrs hin. Durch die Abschnürung des Berkehrs werde Weife häfte Poincaré, wenn er vor der Kammerfommission nicht Basel in eine ähnliche Lage verfekt, wie es zur Zeit des Welt erscheinen wollte, Gelegenheit, auf Fragen schriftlich zu ant- frieges der Fall mar. Die Delegation ersuchte den Bundesrat um worten. Marcel Hufin erklärt im„ Echo de Paris", es bestehe teine feine Intervention. Die Vertreter des Bundesrats aner Aussicht, daß Poincaré vor der Kommission erscheine. Sobald tannten die schwierige Lage Basels und erklärten, daß der Bundes er den Augenblick für gefommen erachte, werde er vor der Kammer rat bei den beteiligten Mächten Schritte zugunsten Basels unter die notwendigen Erklärungen abgegeben. nehmen werde.
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Diefer Borfall ist symptomatisch für die nervöse Un ruhe, die in den französischen politischen Kreisen herrscht. Ohne seine Tragweite zu überschäzen, fann man wohl fagen, daß er sich nie ereignet hätte, wenn Parlament und öffentliche Meinung mit dem Gang der Ereignisse an der Ruhr zu frieden mären und den offiziellen Optimismus teilten. Aller dings dürften das Scheitern der Lausanner Konferenz fowie die Ereignisse, die diesem Bruch vorangegangen bzw. Daily Chronicle" betont, daß in den vier Wochen, gefolgt find, gleichfalls eine starte mißftimmung in Paris während der die Franzosen das Ruhrgebiet bereits in Händen hervorgerufen haben. halten, Frankreich und Belgien jo gut wie eine Roble erhalten Allein die Tatsache, daß der einstimmig angenommene haben, und daß die Fähigteit Deutschlands , Reparationen Antrag des Auswärtigen Ausschusses von Tardieu einge zu zahlen, rielig vermindert worden ist. Die franzöfifche Bo. bracht worden war, ist bezeichnend für seine wenig freundliche franzöfifche Regiering scheine augenblicklich in der Stimmung zu freundlichef zerstöre vorfählich britische ebenso wie französische Werte. Die Tendenz dem Ministerpräsidenten gegenüber: Hat doch gerade fen, eine Gewalttat auf die andere zu häufen. Die Tardieu seit Beginn der Ruhroperation Poincaré und dessen Ausmeisungen dauerten unvermindert fort, unt fent fei ernstlich von Mitarbeiter tagtäglich auf das schärfite angegriffen, ihnen der Ausweisung aller Eisenbahner mit ihren Familien, mangelhafte Borbereitungen, Blaniofigfeit, unsicherheit usw. an 3abl 300 000 bis 400 000 Personen, die Rede. Dies grenze bereits vorgeworfen. Noch gestern früh schrieb er im„ Echo National", an Wahnsinn.
London , 8, Februar.( WTB.) Zu dem weiteren Vormarsch der Franzosen in teutsches Gebiet schreibt 2 e ftminster Gazette", Die Franzosen schienen einen Ring um die Zone zu ziehen, die unter britischer Kontrolle ſtehe. Sie rückten anscheinend von Stadt zu Stadt vor und hätten die Blockade stärker und strenger gemacht, deutschen Arbeiter zu überwinden. Schnell werde die Zeit fommen, feien jedoch nicht in der Lage gewejen, den passiven Widerstand der wo das französische Bolt sich die Kostenrechnung werde ansehen müssen.
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Die Berpachtung der Berliner Hafenanlagen auf fünfzig Jahre könnte den Anschein erwecken, als ob auch in unseren Reihen Bestrebungen vorhanden seien, die nicht zu bestreitenden Entkommunalisierungstendenzen, die immer wieder von bürgerlicher Seite unterstützt werden, auch von jozialdemokratischer Seite gutzuheißen. Dabei auf die Darstellungen einzugehen, die die Rote Fahne" über diese Dinge zu geben beliebt, lohnt sich wirklich nicht. Die Fahne lebt nur von Lügen und Berleumdungen und würde ihre Gristenzberechtigung verlieren, wenn sie nicht des Morgens und Abends auf jeder Seite mindestens ein duizendmal die Sozialdemokratie für alle Schlechtigkeiten der elt verantwortlich machen kann. In Wirklichkeit ist der Weg, der bei der Berpachtung der Berliner Häsen nach eingehender und sorgfältiger, monatelanger Brüfung aller getäglich feiten beschritten wird, der einzige, der heute gebenen wirtschaftlichen Verhältnisse übrhaupt begangen werden fann, wenn man eine weit fichtige Kommunalpolitik treiben will, die den Interessen der Bevölkerung auf die Dauer dient. Die Stadt darf nicht fommunalisieren oder irgendwelchen Befih in ihrer Berwal tung belaffen, um nur dem Brinzip der Kommunalisierung 8 dienen. Sie fann nur da fommunalisieren, wo für die legungen gegeben sind, wo ein Erfolg des öffentlichen städtische Verwaltung die wirtschaftlichen Boraus Betriebes im Interesse der Bevölkerung mit Sicherheit zu erwarten ist und wo die Stadt in der Lage ist, auf Grund ihrer finanziellen und wirtschaftlichen macht den betreffenden Betrieb a ch gemäß und zmedentsprechend zu verwalten. Es unterliegt feinem Zweifel, daß die Verwaltung und Nußbarmachung der ungedes nachträglichen Unterzeichnungsangebotes Ismet Baschas, Die Wucherschraube im Ruhrgebiet. heuren neuerbauten Berliner Hafenanlagen die wirtschaftdas von Poincaré nach London übermittelt worden war, be- Effen, 8. Februar. ( BIB.) Die Lieferung von Milch liche Leistungsfähigkeit der Stadt bei weitem überdeuteten für Boincaré zwei Ohrfeigen am gleichen Tage". ist in den letzten Tagen außerordentlich zurüdgegangen. Der steigt. Diefe Anlagen können nur dann ihrem Zwecke nuzDie einstimmige Annahme der Resolution Tardieus franzöfifche Einbruch wirft sich in einer für die Bevölkerung außer bar gemacht werden, wenn auf den deutschen wie auf den würde eine dritte Ohrfeige für Poincaré fein, wenn nicht ordentlich bedrückenden Weise durch fortgelegte, ganz bedeutende internationalen Güterverfehr ein Einfluß in folchem Briand durch seinen Zusakantrag die Schärfe der Stellung| Breiserhöhungen, besonders auf dem Bebensmittel. Umfang geltend gemacht wird, daß der augenblickliche Bernahme des Ausschusses gemildert hätte. Das hat er sicherlich martte, aus. Bei den Fetten z. B. stellt sich die Verteuerung liner Güterverkehr um ein Bielfaches, mindestens nicht aus Liebe zu seinem erbitterten Feind Boincaré getan, bis zum 7. Februar auf über 400 Broz, was sich in der um das Zehnfache erhöht wird. Es verdient ganz sondern um zu verhindern, daß eine für die französische Ruhr Lebenshaltung der Industriebevölkerung, die vor allem auf die im Gegensatz zu dem albernen Geschrei der Roten Fahne politit verhängnisvolle Berwirrung entstehe. Fettversorgung angewiesen ist, mit äußerster härte be. alle Anerkennung, daß der Berliner Magistrat bei biefer Einer Eca" Meldung zufolge foll die Sigung des Aus. mert bar macht. Aber auch in den Kreisen des Handels schaffen Frage von vornherein von einer flaren, eindeutigen und sorgschusses sehr stürmisch verlaufen sein. Offenbar bereiten diese fortgesetzten scharfen Preissteigerungen eine beden tliche fältig durchdachten wirtschaftlichen Fragestellung ausgegangen Die Gegner Boincarés ihren für Anfang Januar geplanten, age, weil an den Händler hinsichtlich des Betriebskapitals 2n. ist. Die Lösung, die jest gefunden ist, mag in den Einzelheiten durch den Einmarsch aber vorübergehend verhinderten Anforderungen gestellt werden, denen er aus eigenen Kräften nicht hier und da nicht jeden befriedigen Das liegt in der Natur sturm aufs neue vor. Einstweilen ist aber nicht anzunehmen, mehr genügen fann. einer jeden Lösung, bei der man gezwungen ist, mit einem daß ein etwaiger Regierungswechsel sich im Zeichen der Rückanderen Kontrahenten, der über eine starte wirtschaftliche fehr zur politischen und wirtschaftlichen Vernunft vollziehen Position verfügt, zu verhandeln. Auf jeden Fall ist sie die würde, er würde zunächst sogar eher eine Beriode ge. einzige, die dazu beitragen wird, das wirtschaftsleben Condon, 8. Februar. ( EE) Die fürfische Regierung er- Berlins ganz bedeutend zu heben und damit der Bevölke steigerter Brutalität gegen Deutschland einleiten. In dieser Hinsicht, wie in allen anderen Fragen, müssen neuerte ihre Aufforderung an die allierten Kriegsschiffe, den bienen. wir uns frei von allen Illufionen halten. Es ist aber feine Hafen von Smyrna zu verlassen. In diefer zweiten Auf- ung und insbesondere auch der Arbeiterschaft zu Illusion, wenn wir aus dem Beschluß des französischen Aus forderung verkürzte sie die zum Verlaffen gegebene Frist dadurch, Bei der Entscheidung über die Reorganisation der großen wärtigen Ausschusses folgern, daß man in Frankreich mit der daß die Kriegsschiffe nicht bis Mitternacht, sondern bis Sonnenunter. städtischen Werksbetriebe war auf eine mangelnde wirtschaftEntwicklung der Dinge an der Ruhr im höchsten Maße un gang den Hafen zu verlassen haben. Die englische und frantiche und finanzielle Basis der Stadt nicht Rücksicht zu neh 3öfifche Regierung trafen geffern nachmittag ein Einvernehmen, daß sie fich dieser Aufforderung der türkischen Regierung nicht men. Die Vorschläge, die jetzt in Berlin in die Tat umgefekt werden sollen, find die Folge der praktischen Beobfügen wollen. Die Regierung von Angora wurde verständigt, daß achtungen und Erfahrungen, die alle in der Kommune Paris , 8. Februar. ( WEB.) Der Sonderberichterstatter des die englischen und die franzöfifchen Kriegsschiffe den Befehl erhalten tätigen Genossen im Laufe der letzten Jahre mit der städtischen Journal" in Düsseldorf berichtet von neuen Schwierigkeiten, die hätten, fich zu verteidigen, wenn fie angegriffen würden. entflanden felen. Der Eisenbahnerstreit, der felt 48 Stun Paris , 8. Februar. ( CE.) Aus Konstantinopel wird gemeldet: Berwaltung wirtschaftlicher Betriebe haben maden müssen. den allgemein geworden sei, habe zur Ueberfüllung der Bergwerts Der franzöfifche Ronful in Smyrna erbat von den Es ist bekannt, daß diese Unternehmungen, die zu einem Teil halden außerordentlich beigetragen und neue Schwierig- türkischen Behörden die Erlaubnis, die franzöfifche Kolonie an Bord erst nach der Revolution in städtischen Befit übergeführt wurden, unter den na chwirtungen des Krieges ganz auferdes französischen Kreuzers Blerre Boti" zu nehmen, der sidy ordentlich gefitten haben. Es ist eine grobe Irreführung ber Paris , 8. Februar. ( TB.) Ueber die Berkehrstage im gegenwärtig im Hafen von Smyrna befindet. öffentlichen Meinung, die ein Teil der bürgerlichen Berliner Ruhrgebiet schreibt der Betit Parislen", der Transportstreif Breffe( in erster Linie die Scherl- reffe) unzweifelhaft habe, nachdem er sich zuerst auf die belgische Zone ausgedehnt habe, auch die französische Belegungszone ergriffen. Es scheine nicht wider befferes wiffen fagaus, tagein vornimmt, wenn fie dem Bublifum vorrebet, daß ein Teil diefer Unternehmun gelungen zu fein, die in den letzten Tagen von ihrem ursprüng. Der erfte Erfolg der angekündigten Maßnahmen. gen nur deswegen sich in Schwierigkeiten befindet, weil fie lichen Wege abgelenkten Rohlen und Rotszüge nach Die Absicht der Reichsbant, die Kreditgewährung bei den De unter tommunaler Berwaltung stehen. Märe die Ber Frankreich und Belgien zu führen. Infcige Stockung des nach dem pisenbeständen zu unterbinden, rief heute einiges Angebot in liner Straßenbahn noch ein privates Unternehmen, dann nicht belegten Deutschland gehenden Güterverkehrs felen die Bahn ausländischen 3ahlungsmitteln hervor. Das Angebot würde zweifellos ihr Zuftand noch bebeuten flech. höfe an zahlreichen Stellen verstopft. Das feien die gegen ist jedoch nicht besonders bringend und auch nicht groß. Es handelt ter fein, als er heute ist. Die Vororte würden überhaupt wärtigen, Schwierigteiten, die Minifter le Trocquer und General fich offenbar hauptsächlich um Lösung von Hauffepofitionen ber ohne Berfehrsmittel fein und die Tarife würden die legt Beygand bei ihrer Inspektionsreise hätten feststellen tönnen. Spekulation, Der Dollar wurde gegen Mittag mit 33 500 bis fchon hohen Tarife der Straßenbahn noch bedeutend über. 34 000 gehandelt. Die Umfäße waren nicht bedeutend. Die poli- fteigen. Unter städtischer Verwaltung ist diefes Unter tische Lage wird in Börsentreifen als unverändert angesehen. Die nehmen, das in einem zumindest fünfzig Prozent seiner Subachfrage nach Effekten, befonders für ausländische Rechnung, haft stanz zerrüttetem 3uft and der Stadt übergeben fast unvermindert an. Im Vordergrunde des Interesses fiehen wurde, wenigstens leiblich wieder instand gefekt. Zegtilattien. Bis zu dem tatastrophalen Marksturz im Herbst des verflosse
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zufrieden ist.
teiten verursacht.
In einem Borifer Telegramm weisen" Times" auf die Stritit hin, die infolge der Desorgan: fation des Transport. wefens im Ruhrgebiet und der dadurch auf tie franzöfifche Industrie hervorgerufenen Wirkung an der Politik der franzö fischen Regierung geübt werde. Es feien Anzeichen der unge duld vorhanden, die nicht unberüdsichtigt gelassen werten tönnten.
Neuer Konflikt in Smyrna.
Dollar 33 500.